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Der philosophische Ansatz von Jürgen Habermas zu einer Deutung und Lösung der Problematik des globalen Terrorismus

Seminararbeit, 2004, 30 Seiten
Autor: Helmut Wagner
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 30
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V69190
ISBN (E-Book): 978-3-638-61297-5
ISBN (Buch): 978-3-638-72177-6
Dateigröße: 283 KB
Anmerkungen :
Die Analyse erfolgte in erster Linie anhand des Werkes 'Philosophy in a time of Terror' von Giovanna Borradori, in dem sie Habermas interviewt zum Thema Globalisierung und Terrorismus Ergänzte Primärquellen und sprachliche Korrekturen.


Zusammenfassung / Abstract

Der fundamentalistische Terrorismus entwickelte sich spätestens mit der Jahrtausendwende zu einer ernst zu nehmenden Bedrohung für das westliche Gesellschaftsmodell. Aber wie konnte es zu einer solch radikalen Bedrohung kommen? Nur allzu oft neigen wir Menschen dazu, die Schuld einseitig beim Anderen zu suchen. Demzufolge sind diejenigen, die die aufgeklärte westliche Gesellschaft und ihre Werte bedrohen unzivilisierte Barbaren, religiöse Eiferer, Feinde der Menschheit im Allgemeinen. Doch wer wirklich an einer konstruktiven Lösung dieses Problems interessiert ist, der kann es sich so einfach nicht machen. Er sucht stattdessen nach den wahren Ursachen des Konflikts, und die Suche beginnt bei der Einsicht, dass zu einem Konflikt immer zwei Parteien gehören. Gewalt beginnt da, wo Kommunikation scheitert – so die vereinfachte These von Jürgen Habermas. Und Kommunikation scheitert dort, wo ein Bekenntnis zu wahrhaftigem Dialog sowie gegenseitiges Verständnis für die Position des jeweils anderen fehlen. Wahrhaftiger Dialog beinhaltet auch die Fähigkeit zu einer kritischen Selbstreflexion. Die westliche Gemeinschaft muss sich also zuerst einmal selbst hinterfragen, welche Entwicklungen zu der heutigen polarisierten Situation geführt haben. Schon Adorno und Horkheimer, die Gründerväter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, diagnostizierten die auf den Werten der Aufklärung beruhende Moderne als in sich krank. Habermas beobachtet in der Globalisierung nun einen Siegeszug der Moderne, welche insbesondere die islamischen Staaten überrollt und in ihren grundlegenden Werten bedroht. Als Vertreter einer neuen Generation der Schule Frankfurter entwirft er jedoch ein positives Bild der Moderne - sie gilt im insgesamt als gesund, und die kranken Stränge können aus ihr entfernt werden. Bestätigt aber der globale Terrorismus nicht eher die Gründerväter in ihrem Pessimismus? Wie kann die Moderne in sich gesunden und die Globalisierung so gestaltet werden, dass sie von anderen Kulturen nicht mehr als Bedrohung empfunden wird? Wie erklärt Habermas Fundamentalismus und Terrorismus und wie integriert er sie in sein philosophisches Grundgebäude? Was ist sein Lösungsansatz für diese globale Problematik und wie erfolgt die konkrete politische Praxis im Vergleich dazu? Wie sieht seine Vision einer gewaltlosen Weltordnung aus? Und gibt es Alternativen dazu? Diesen und anderen Fragen soll im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden.


Textauszug (computergeneriert)

LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft
Seminar: Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule
Wintersemester 2003/2004
Abgabetermin: 27. September 2004

Der philosohische Ansatz von Jürgen Habermas zu einer
Deutung und Lösung der Problematik des Globalen Terrorismus

von: Helmut Wagner

 


INHALTSVERZEICHNIS


A Einleitung: Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule ... - 2 -

B Der philosophische Ansatz von Jürgen Habermas zu einer Deutung und Lösung der Problematik des globalen Terrorismus ... - 4 -
I. Der globale Terrorismus: Deutung und Einordnung in die Philosophie von Habermas ... - 4 -
1. Rationale Kommunikation und Demokratie ... - 4 -
2. Die Moderne... - 6 -
1.) Die Moderne und das Vermächtnis der Aufklärung ... - 6 -
2.) Eine Diagnose der Moderne... - 8 -
3.) Pluralismus der Moderne und Fundamentalismus ... - 10 -
3. Globalisierung und globaler Terror: Kommunikative Pathologie... - 11 -
1.) Globalisierung als beschleunigte Modernisierung ... - 11 -
2.) Globaler Terror als kommunikative Pathologie ... - 12 -

II. Die Bekämpfung des Globalen Terrorismus ... - 15 -
1. Der philosophische Ansatz von Jürgen Habermas zur Überwindung des globalen Terrorismus ... - 15 -
2. Aktuelle Anti-Terror-Strategien und der Lösungsansatz von Jürgen Habermas... - 18 -
1.) Die Anti-Terror-Politik der USA ... - 18 -
2.) Die Anti-Terror-Politik der BRD ... - 20 -
3. Vom klassischen internationalen Gesetz zu einer neuen kosmopolitischen Weltordnung... - 22 -

C Schluss: Kritik und Alternative ... - 24 -

Bibliographie... - 27 -

Weiterführende Literatur ... - 28 -


 

 

A EINLEITUNG: DIE KRITISCHE THEORIE DER FRANKFURTER SCHULE

Die Kritische Theorie und die Frankfurter Schule sind ein multi-perspektivisches Unterfangen und weder inhaltlich noch in Bezug auf die zugehörigen Personen eindeutig zu umgrenzen1: » Kritische Theorie und Frankfurter Schule werden im Allgemeinen mit den Namen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno identifiziert; in der Regel werden auch Jürgen Habermas, häufig Friedrich Pollock, Herbert Marcuse und Walter Benjamin dazugerechnet, mitunter Erich Fromm und Leo Löwenthal, gelegentlich Franz Neumann, Otto Kirchheimer, Arkadij R. L. Gurland und Heinz Maus, seltener nur Karl August Wittvogel, Frank Borkenau und Henryk Grossmann «,2 so ein Zitat von Herfried Münkler. Seiner Ansicht nach ist der Grund für diese Identitäts- und Zurechnungsprobleme darin zu finden, dass Kritische Theorie und Frankfurter Schule im Gegensatz zu ihrem institutionellen Kern, dem 1923 in Frankfurt eröffneten Institut für Sozialforschung, keine Institutionen mit formeller Mitgliedschaft waren, sondern der Begriff Kritische Theorie eine wissenschaftsparadigmatische Selbstetikettierung und die Bezeichnung Frankfurter Schule eine Fremdzuschreibung. Die jeweilige Zurechnung hängt nun davon ab, ob man die Schule institutionsgestützt oder wissenschaftsparadigmatisch definiert und wie weit diese Definition dann genau gefasst wird.3
Als Ursprungsdokument der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule gilt jedenfalls das von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfasste und zu Beginn der vierziger Jahre erschienene Werk » Dialektik der Aufklärung «. Das Werk beinhaltet die Theorie eines Verblendungszusammenhangs der modernen Welt, der die Moderne verfinstern lässt und einen Teufelskreis heraufbeschwört, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt. Diesen Pessimismus der Gründergeneration versucht Jürgen Habermas dann zu überwinden und gilt damit als Begründer einer zweiten Generation der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule. Er verfolgt eine produktive Rekonstruktion der Kritischen Theorie sowie deren diskursethisch-kommunikationstheoretische Ausweitung.4

Das Phänomen des globalen Terrorismus wirft jedoch die legitime Frage auf, ob dadurch nicht die Gründergeneration in ihrer pessimistischen Theorie bestätigt wird. Ausgehend von einer Analyse des Werkes „Philosophy in a time of terror“ von Giovanna Borradori soll im ersten Teil der Arbeit der Frage nachgegangen werden, wie Habermas den globalen Terrorismus interpretiert und in seine Philosophie integriert. Im zweiten Teil der Arbeit wird dann sein Lösungsansatz vorgestellt und bezüglich der aktuellen politischen Debatte um die richtige Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus diskutiert. Exemplarisch für diese Debatte werden hierfür die Anti-Terror-Politik der derzeitigen US-Administration unter Präsident George W. Bush einerseits sowie diejenige der Rot-Grünen Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Gerhard Schröder andererseits diskutiert. Im Anschluss daran
soll die von Habermas anvisierte neue kosmopolitische Weltordnung sowie der Weg dahin in Grundzügen skizziert werden. Die Arbeit schliesst dann mit einem Vergleich zum politischen Liberalismus des John Rawls und einem Fazit meinerseits.
 

B DER PHILOSOPHISCHE ANSATZ VON JÜRGEN HABERMAS ZU EINER DEUTUNG UND LÖSUNG DER PROBLEMATIK DES GLOBALEN TERRORISMUS

I. Der globale Terrorismus: Deutung und Einordnung in die Philosophie des Jürgen Habermas

1. Rationale Kommunikation und Demokratie

Zentral für den philosophischen Ansatz von Habermas ist die in seinem 1981 erschienen Hauptwerk » Theorie des kommunikativen Handelns « entwickelte Kommunikationstheorie, nach welcher sowohl der Mensch als Individuum als auch in letzter Konsequenz die Gesellschaft als Ganzes ihre Identität, ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstverständnis über grundlegende Beziehungen mit anderen Subjekten der Gesellschaft entwickeln.5 Die Grundlegendste dieser Beziehungen ist der Akt des Kommunizierens mit anderen über Sprache. Hierfür müssen jedoch bestimmte Grundbedingungen gewährleistet
sein, insbesondere gegenseitiges Verständnis sowie ein Bekenntnis zur Wahrheit, da Kommunikation innerhalb eines Kontextes von Lüge und Manipulation zusammenbrechen würde. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann bedeutet Kommunikation die Praxis von Vernunft, einen rationalen Dialog, der schliesslich die Bildung eines aus freien Stücken erreichten Konsenses sowohl auf intersubjektiver als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ermöglicht.6

[...]


1 S. Waschkuhn, A., Kritische Theorie, 2000, S.1

2 Münkler, H., Frankfurter Schule, 1990, S.179

3 S. Waschkuhn, A., Kritische Theorie, 2000, S.1

4 S. Waschkuhn, A., Kritische Theorie, 2000, S.5-11

5 Vgl. Habermas, J., Kommunikatives Handeln, 1981

6 Borradori, G., Philosophy, 2003, S.45-46


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