Bewußtsein, Sexualität und Sprache: Zerstörte Kommunikation am Beispiel von Ian McEwans 'Butterflies'

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Details

Titel: Bewußtsein, Sexualität und Sprache: Zerstörte Kommunikation am Beispiel von Ian McEwans 'Butterflies'
Autor: Mag. Petra Vera Rüppel
Fach: Anglistik - Literatur
Veranstaltung: Einführung in die Literaturwissenschaft II
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Institut für England- und Amerikastudien)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1997
Seiten: 21
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 146 KB
Archivnummer: V69251
ISBN (E-Book): 978-3-638-61324-8
ISBN (Buch): 978-3-638-76872-6

Zusammenfassung / Abstract

Ian McEwan schildert in seiner Kurzgeschichte „Butterflies“ in der für ihn typischen nüchternen Weise das Kommunikationsproblem eines aufgrund seiner physischen Deformität isolierten Individuums und dessen verzweifelte Suche nach sozialen Kontakten, die ihren tragischen Höhepunkt im Tod eines neunjährigen Mädchens findet. Der Autor weist sozialkritisch, jedoch ohne belehrenden Unterton auf den kausalen Zusammenhang zwischen fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz und dem Begehen von Verbrechen hin; darüber hinaus gelingt es ihm, prekäre Themen wie Sexualität im Allgemeinen und sexuellen Missbrauch von Kindern im Besonderen frei von jeglichem pornografischen Voyeurismus darzustellen.

Textauszug (computergeneriert)

Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main
Proseminar: Einführung in die Literaturwissenschaft II
Wintersemester 1996/97, 3. Semester

Bewußtsein, Sexualität und Sprache: Zerstörte Kommunikation
am Beispiel von Ian McEwans ′Butterflies′

von: Petra Rüppel

 


1 Einleitung  3

1.1 Formale Aspekte der Erzählung 3

2 Physische Häßlichkeit als Grundproblem 4

2.1 Die tragische Troika – Ian McEwans Ich-Erzähler, Tobias Mindernickel und Johannes Friedemann  4
2.2 Das Phänomen der Häßlichkeit – Karl Rosenkranz´ „Ästhetik des Häßlichen“  4

3 Auswirkungen der körperlichen Mißgestaltung 7

3.1 Kontaktarmut als Folge physischer Häßlichkeit  7
3.2 Die begrenzte Erlebniswelt – Tabuisierung des sexuellen Bereichs 8

4 Gier nach Nähe – Die Begegnung mit Jane  11

4.1 Physische und psychische Reaktionen auf Janes Zutraulichkeit 11
4.2 Die Eskalation der Situation 15
4.3 Janes Tod – Das Moment der Zärtlichkeit  16

5 Vorurteile, Weltfremdheit und die Problematik der Schuldfrage  18

6 Literaturverzeichnis 21



 

1 Einleitung

Ian McEwan schildert in seiner Kurzgeschichte „Butterflies“ in der für ihn typischen nüchternen Weise das Kommunikationsproblem eines aufgrund seiner physischen Deformität isolierten Individuums und dessen verzweifelte Suche nach sozialen Kontakten, die ihren tragischen Höhepunkt im Tod eines neunjährigen Mädchens findet. Der Autor weist sozialkritisch, jedoch ohne belehrenden Unterton auf den kausalen Zusammenhang zwischen fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz und dem Begehen von Verbrechen hin; darüber hinaus werden Tabus wie Sexualität im allgemeinen und sexueller Mißbrauch von Kindern im besonderen frei von jeglichem pornographischen Voyeurismus dargestellt.

1.1 Formale Aspekte der Erzählung

Bei Ian McEwans „Butterflies“ handelt es sich um eine zweischichtige Ich-Erzählung, da die zeitliche und situative Distanz zwischen erzählendem und erlebendem Ich hervorgehoben wird; die Distanz ist bereits an den ersten beiden Sätzen deutlich erkennbar: „I saw my first corpse on Thursday. Today it was Sunday and there was nothing to do.“ Die Erzählinstanz – ein junger Mann, dessen Name der Leser nicht erfährt – ist die perspektivisch fokalisierte Zentralfigur des erzählten Geschehens; im Modus des „telling“, also mit kommentierender Einmischung der Erzählinstanz, unter anderem in Form von Vorausdeutungen oder Rückwendungen, werden aus der subjektiven Sichtweise des Ich- Erzählers dessen Begegnung mit einem kleinen Mädchen namens Jane und die Folgen dieser Begegnung geschildert. Während die Erzählung somit von dem an Jane verübten Gewaltverbrechen spricht, handelt sie jedoch von der Sehnsucht des Ich-Erzählers nach sozialen Kontakten – „Butterflies“ ist demnach als eine Art Meta-Erzählung über Kontaktarmut und Kommunikationsstörungen zu verstehen.

Das Handlungsgeschehen spielt sich auf drei verschiedenen zeitlichen Ebenen ab: die Erzählung umfaßt die Ereignisse der Tage Mittwoch, Donnerstag und Sonntag. Mittwochs geschieht der Mord an Jane – dies ist Janes Äußerung „Are you going to Mr. Watson´s shop? ... Because it´s closed today, ... it´s Wednesday.“1 zu entnehmen - , donnerstags erfolgt die Identifikation der Leiche, und sonntags findet das Treffen mit Janes Eltern statt. Die Erzählung beginnt am Sonntagmittag und endet am Sonntagabend, unmittelbar vor jenem arrangierten Treffen.

2 Physische Häßlichkeit als Grundproblem

2.1 Die tragische Troika – Ian McEwans Ich-Erzähler, Tobias Mindernickel und Johannes Friedemann

Um das aus seiner mangelnden Attraktivität resultierende Leid des Ich-Erzählers in „Butterflies“ zu verdeutlichen, ziehe ich an einigen Stellen Parallelen zu den ebenfalls mißgestalteten Protagonisten von Thomas Manns Erzählungen „Tobias Mindernickel“ und „Der kleine Herr Friedemann“.

Ian McEwans Ich-Erzähler, Tobias Mindernickel und Johannes Friedemann verbindet das Probelm der sie kennzeichnenden physischen Häßlichkeit: Der junge Mann aus „Butterflies“ leidet unter seinem unmittelbar in den Hals übergehenden Kinn, Tobias Mindernickel ist ein magerer, schäbig gekleideter Mann mit eingefallenen Wangen und entzündeten Augen, und Johannes Friedemans Gebrechen ist eine Rückgratverkrümmung.

2.2 Das Phänomen der Häßlichkeit – Karl Rosenkranz´ „Ästhetik des Häßlichen“

In seiner „Ästhetik des Häßlichen“ definiert Rosenkranz das Häßliche als die Negation des Schönen, das er als die „göttliche, ursprüngliche Idee“2 bezeichnet und als den Maßstab des Häßlichen ansieht. Rosenkranz zufolge ist der Organismus als Instrumentarium des Geistes dazu bestimmt, nichts für sich selbst zu bedeuten, sondern den Geist in sich durchscheinen zu lassen. Da der Körper im Verhältnis zum Geist lediglich einen „symbolischen Wert“3 besitzt, ist es möglich, daß ein Mensch trotz physischer Häßlichkeit durch seine intellektuellen Qualitäten zu überzeugen vermag – „wie der häßliche Mirabeau die schönsten Frauen leidenschaftlich zu fesseln wußte, sobald sie nur ihm zu sprechen erlaubten; wie Richard III. bei Shakespeare in solch geistüberlegener Weise an der Bahre Heinrichs VI. die Liebe der ihm zuerst fluchenden Anna zu erwerben weiß; wie Alkibiades im Platonischen Symposion von Sokrates sagt, daß er schweigend häßlich, redend aber schön sei.“4

[...]


1 McEwan, Ian. Butterflies. In: First Love, Last Rites, S. 85.

2 Rosenkranz, Karl. Ästhetik des Häßlichen. In Auszügen in: Hauskeller, Michael. Was das Schöne sei, S. 333.

3 ebd., S. 342.

4 ebd., S. 342.

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