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Möglichkeiten und Grenzen von Freiarbeit im Religionsunterricht - Untersucht an Unterrichtsbeispielen zum Thema Einführung in die Bibel

Examination Thesis, 2002, 76 Pages
Author: Kathrin Holtmann
Subject: Theology - Didactics, Religion Pedagogy

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2002
Pages: 76
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V6927
ISBN (E-book): 978-3-638-14378-3

File size: 232 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld
Fakultät für Theologie, Geographie, Kunst und Musik

Möglichkeiten und Grenzen von Freiarbeit im Religionsunterricht 
- Untersucht an Unterrichtsbeispielen zum Thema Einführung in die Bibel

Examensarbeit

von

Kathrin Holtmann

21.05.2002

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 4

Was ist Freiarbeit ... 5
   
2.1 Die reformpädagogischen Wurzeln der Freiarbeit ... 5
        2.1.1 Freiarbeit im Konzept von Peter Petersen (1884 - 1952) ... 6
        2.1.2 Freiarbeit im Konzept von Célestin Freinet (1896 - 1944) ... 7
        2.1.3 Freiarbeit im Konzept von Maria Montessori (1870 - 1952) ... 8
    2.2 Versuch einer Definition ... 10
    2.3 Der veränderte Lernbegriff ... 13
    2.4 Das Verhältnis von Freiheit und Arbeit ... 14
    2.5 Veränderungen als Voraussetzung für ein Gelingen der Freiarbeit ... 16
        2.5.1 Die Lehrerrolle ... 16
        2.5.2 Die Schülerrolle ... 16
        2.5.3 Die vorbereitete Umgebung ... 17
    2.6 Organisationsformen ... 18
    2.7 Die Lernstraße als spezielle Form der Freiarbeit ... 19
    2.8 Freiarbeit in den Richtlinien und im Lehrplan ... 20
    2.9 Freiarbeit und klassischer Unterricht im Vergleich ... 22

Freiarbeit im Religionsunterricht ... 23
   
Das Konzept von Horst Klaus Berg ... 23
        Der "prozeßbezogene Apekt" von Freiarbeit ... 25
        Der "gegenstandsbezogene Aspekt" von Freiarbeit ... 26
    Ein Kriterienkatalog für Freiarbeitsmaterialien nach Horst Klaus Berg ... 28
        Zur Struktur des Materials ... 28
        Zur didaktischen Funktion des Materials ... 29

Das Thema "Einführung in die Bibel" im Religionsunterricht der
5./6. Klasse - Vergleich einer klassischen Unterrichtseinheit mit
einem Freiarbeitsmaterial ... 30
   
Allgemeine Lernziele einer Unterrichtseinheit zur "Einführung in die
    Bibel" ... 31
    4.2 Vorstellung einer klassischen Unterrichtseinheit und eines
    Freiarbeitsmaterials zum Thema ... 35
        4.2.1 "Die Bibel - das Buch der Christen" - eine klassische Unterrichts-
        einheit aus dem neuen Kursbuch Religion 5/6 ... 35
        4.2.2 Kritische Betrachtung der Unterrichtseinheit ... 43
        4.2.3 "Unterwegs durch die Bibel: Lernstraße in 17 Stationen für die
        Sekundarstufe" ... 44
        4.2.4 Kritische Betrachtung der Lernstraße ... 52
    4.3 Vergleich der Lehrgänge ... 56
        4.3.1 Allgemeine Unterschiede ... 56
        4.3.2 Vergleich der Unterrichtseinheiten unter didaktischem und
        theologischem Aspekt ... 59
        4.3.3 Zusammenfassung des Vergleichs ... 66
        Exkurs: "Ostern" in Freiarbeit ... 68
    4.4 Eignet sich Freiarbeit zur "Einführung in die Bibel" ... 69

Fazit ... 70


1 Einleitung
Genauso, wie sich unsere Gesellschaft stetig verändert, befindet sich auch die Kindheit in einem Entwicklungsprozess. Die Familiensituation hat sich in den vergangenen Jahren immens gewandelt. Kaum ein Kind wächst noch in einer "normalen" Familie auf. Scheidung der Eltern, erwerbstätige Mütter, rückläufige Geburtenraten und eine zunehmende Zahl von Einzelkindern zeichnen Kindheit heute aus. Unsichere Zukunftsperspektiven, Enttraditionalisierung und bestimmte Trends erschweren dem Einzelnen die Identitätsfindung und die Planung einer sinnvollen Lebensgestaltung. Der Tagesablauf ist geprägt durch schulische Verpflichtungen, zunehmend organisierte Freizeitgestaltung und anwachsenden Medienkonsum.
Betrachtet man diese gravierenden Veränderungen, dann erscheint es logisch, dass die Schule auf diese Entwicklung reagieren muss. Sie hat die Aufgabe, die Kinder auf die Anforderungen ihrer Zukunft in unserer Gesellschaft vorzubereiten. Ändern sich diese Anforderungen, so muss sich auch die Schule verändern. Unsere heutige Gesellschaft erwartet vom mündigen Bürger, Verantwortung zu übernehmen und selbständig zu arbeiten; genau dies müssen Schüler schon im Unterricht erlernen. "Wer in der Schule mit Freiräumen beim Lernen umzugehen weiß, wer früh lernt, dass er für seine Tätigkeit und sein Lernen selbst verantwortlich ist, der wird außerhalb der Schule mit den dort verlangten Verantwortlichkeiten besser zurechtkommen."
Um den veränderten Ansprüchen zu genügen, sind bereits verschiedene Unterrichtsmethoden und -prinzipien entwickelt worden. Eine Möglichkeit, die insbesondere in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt, ist die Freiarbeit, mit der versucht wird, die Selbständigkeit der Schüler zu fördern. Das klingt zunächst plausibel, und der verstärkte Einsatz dieses Unterrichtsprinzips, das zunehmend auch in die weiterführenden Schulen Einzug hält, scheint für sich zu sprechen.
Dass den gesellschaftlichen Veränderungen auch im Unterricht begegnet werden muss, steht fest. Fraglich ist allerdings, inwieweit Freiarbeit die geeignete Möglichkeit dazu bietet.
Ich werde im Folgenden zunächst allgemein klären, was unter Freiarbeit zu verstehen ist, um in meinem Hauptteil zu analysieren, ob Freiarbeit zweckmäßig und erfolgreich im Religionsunterricht der Sekundarstufe 1 durchgeführt werden kann. Hierfür werde ich beispielhaft ein Freiarbeitsmaterial mit einer traditionellen Unterrichtseinheit zum Thema "Einführung in die Bibel" vergleichen. Dabei wird es nicht nur darum gehen, herauszustellen, ob Freiarbeit generell Teil des Religionsunterrichts sein kann, sondern in besonderer Weise wird zu untersuchen sein, ob Sachinhalte und Glaubensinhalte in Freiarbeit gleichermaßen vermittelbar sind. Als Ergebnis des Vergleichs sollen die Möglichkeiten und Grenzen von Freiarbeit zu diesem Thema dargestellt werden, die dann einen Ausblick darauf zulassen, inwieweit der Einsatz von Freiarbeit im Religionsunterricht der Sekundarstufe 1 möglich und gleichzeitig inwieweit er nötig ist.

2 Was ist Freiarbeit
2.1 Die reformpädagogischen Wurzeln der Freiarbeit
Der Begriff der "Freiarbeit" ist nicht neu. Die Grundlagen zur Idee dieses Unterrichtskonzepts finden sich schon in der Reformpädagogik, also zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Vertreter dieser pädagogischen Richtung propagieren allesamt eine "Pädagogik vom Kinde aus" und treten für die Zusammengehörigkeit "von manuellem und geistigem Tun und eine Hinwendung zur schöpferischen ‚Selbst-Tätigkeit′ des Kindes" ein. Dabei sprechen sie sich für Lebensnähe, Selbsttätigkeit und Individualisierung aus, statt das passive Lernen abstrakter Inhalte in den Vordergrund zu stellen.
Doch trotz all dieser Gemeinsamkeiten, kann man nicht von der Reformpädagogik als einheitlicher Theorie sprechen; auch wenn einige Aspekte übereinstimmen, sind die Grundanschauungen der einzelnen Vertreter zu unterschiedlich.
Im Folgenden sollen die drei für die Grundlagen der Freiarbeit wichtigsten reformpädagogischen Ansätze kurz vorgestellt werden, indem vorrangig die für Freiarbeit relevanten Aspekte angesprochen werden.

2.1.1 Freiarbeit im Konzept von Peter Petersen (1884 - 1952)
Der Deutsche Peter Petersen ist in erster Linie für seinen "Jena-Plan", ein Reformmodell für die Volksschule der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, bekannt geworden. Im Jena-Plan ist die Bearbeitung eines Wochenplans vorgesehen, der sich an der ‚natürlichen′ Leistungskurve der Schüler orientiert. Dieser Wochenplan soll den genau durchstrukturierten "Fetzenstundenplan" ersetzen und enthält fächerübergreifende Aufgaben, die die Kinder selbständig im Laufe einer Woche bearbeiten sollen. Die Wichtigkeit der Selbsttätigkeit wird in Petersens Definition einer "pädagogischen Situation" deutlich: Diese Situation sei "ein problemhaltiger Lebenskreis von Kindern oder Jugendlichen um einen Führer, von diesem in pädagogischer Absicht derart geordnet, daß jedes Glied des Lebenskreises genötigt [...] wird, als ganze Person zu handeln, tätig zu sein" . In der Schule soll es dementsprechend in erster Linie darum gehen, solche Situationen zu schaffen, um die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler zu fördern und ihnen zu helfen, das "volle Selbst" , also ihre Persönlichkeit, selbsttätig zu entfalten.

[...]


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