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Thesis (M.A.), 1994, 81 Pages
Author: Dr. Maria Anna Flecken
Subject: Art - Painting
Details
Tags: Niederländische Malerei 17. Jahrhundert; Frauen- und Geschlechterforschung
Year: 1994
Pages: 81
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-14379-0
File size: 243 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Trier
Fachbereich III - Kunstgeschichte
Frauenbilder zwischen häuslicher Tugend und weltlichem Laster:
Toilettenszenen des niederländischen Malers Gerard Ter Borch (1617-1681)
Magisterarbeit
von
Maria Anna Flecken
Juli 1994
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung und Forschungsstand ... 1
II. Allgemeine Einführung in die Toilettenszenen-Thematik ... 9
II. 1. Deutungsmöglichkeiten von Frau und Spiegel innerhalb der
Toilettenszenenthematik ... 10
III. Das "Gesicht" und der Vanitasgedanke am Beispiel von
Gerard Ter Borchs "Dame am Spiegel" von ca. 1650 ... 18
IV. Entschlüsselungsversuche einzelner Bildelemente anhand der
Emblematik ... 26
IV. 1. Ter Borchs "Dame bei der Toilette" im Detroit Institute of Arts ... 26
IV. 2. Ter Borchs "Dame bei der Toilette" im Metropolitan Museum in
New York ... 32
IV. 3. Ter Borchs "Dame, die sich die Hände wäscht" in der Dresdner
Gemäldegalerie Alte Meister ... 35
IV. 4. Ter Borchs "paradoxe" Darstellungsweise und sein Verhältnis zur
niederländischen Emblematik ... 40
V. Aspekte der Verführung ... 46
V. 1. Die "leichtfertigen" Mädchen (Kleidung und Dekolletè im
17. Jahrhundert) ... 46
V. 2. Die Frau im geschlossenen Raum ... 51
V. 3. Ter Borchs "Damen bei der Toilette" und die "Distanzierung" zum
Betrachter ... 57
VI. Mässigung als Lebensmaxime ... 62
VII. Abschlussbetrachtung ... 66
VIII. Literaturverzeichnis ... 72
IX. Abbildungsverzeichnis ... 76
I. EINLEITUNG UND FORSCHUNGSSTAND
Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit mit dem Titel "Frauenbilder zwischen häuslicher Tugend und weltlichem Laster" sind einige exemplarisch ausgewählte Toilettenszenen aus dem Oeuvre des niederländischen Malers Gerard Ter Borch. Die Darstellungen, die im folgenden bearbeitet werden sollen, sind mit den in Sturla J. Gudlaugssons Monographie "Gerard Ter Borch" von 1959 (Bd.I) aufgeführten Bildern identisch. Zusätzlich werden bei der Erörterung von einzelnen Gemälden vergleichbare Bildmotive anderer Künstler herangezogen. Die Bilder sollen nach historischen, gesellschaftlichen und ikonographischen Gesichtspunkten diskutiert werden.
Auf der Suche nach Literatur, war festzustellen, daß das Toilettenszenenmotiv - obwohl es in der Genremalerei des 17. Jahrhunderts in vielfältiger Weise vorzufinden ist - in der kunsthistorischen Forschung bislang nur wenig Beachtung gefunden hat. Auch fehlt es an einer kunsthistorischikonographischen Gesamtdarstellung des Themas, die zur Klärung desselben beitragen könnte.
Die vorliegende Arbeit knüpft dennoch generell an die bereits erfolgten (dürftigen) Auseinandersetzungen mit dem Motiv und den sich daraus ergebenden (spärlichen) Befunden an und orientiert sich grundsätzlich an den verschiedenen in den Publikationen immer wieder angesprochenen Anhaltspunkten.
Die Sinnbezüge des Toilettenszenenmotivs, die sich häufig nicht allein aus dem direkten kompositorischen oder thematischen Zusammenhang der jeweiligen Darstellung ergeben, sind oftmals nur in der Eigenschaft allgemeiner kunsthistorischer Betrachtungen angedeutet oder etwas detaillierter bei Interpretationen von einzelnen Darstellungen aufgezeigt worden.
Die wichtigste Aufgabe in dieser Arbeit besteht also folglich in der jeweils richtigen Auswahl der Kriterien. Die vielfältigen Gesichtspunkte, unter denen das Motiv betrachtet werden kann, lassen, wie aus der überblickhaften Zusammenstellung der jeweils eingehendsten Publikationen ersichtlich wird, prinzipiell verschiedene, aber immer wiederkehrende Hauptaspekte erkennen:
- Das Verweisen auf allegorische Sinnzusammenhänge bezüglich der Frau-und- Spiegel-Motivik in den Toilettenszenen
- Die Deutung von Ter Borchs "Frauen vor dem Spiegel" als Vanitaspersonifikationen
- Das Verwenden von emblematischen Bildmitteln in den Szenen, um bestimmte Bildsituationen anzudeuten
- Die "Frau vor dem Spiegel" als leichtfertige Verführerin
An dieser Stelle soll zunächst ein Überblick über die wichtigste mir zur Verfügung stehende Literatur zur Toilettenszenenthematik gegeben werden, wobei ersichtlich wird, daß häufig nur Themen übergreifende Literatur benutzt werden konnte, da das Thema insgesamt gesehen noch nie eingehend bearbeitet worden ist. Dies bietet andererseits die Möglichkeit, die Bilder unter bisher noch nicht beachteten Gesichtspunkten, vor allem unter historisch-soziologischen Aspekten zu erforschen, die aber auch im Ansatz bleiben müssen, zumal die Literatur zu den Lebensbedingungen der Frau in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts noch nicht ausreichend untersucht worden ist.
Leben und Werk des Künstlers Ter Borch stehen im Vordergrund von Eduard Plietzschs vorgelegter Publikation, "Gerard Ter Borch" (Wien, 1944). Die Toilettenszenen werden in diesem Werk allerdings nur beiläufig erwähnt. Plietzsch schenkt vor allem dem Talent des Malers bezüglich der Stoffmalerei Beachtung; die Bildinhalte werden nicht näher erläutert. Zudem bildet Plietzschs chronologisches Verzeichnis der abgebildeten oder im Text erwähnten Gemälde nebst ergänzenden Zusätzen lediglich eine Erweiterung zu Hofstede de Groots "Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der herausragendsten Maler der XVII. Jahrhunderts" (Bd.V) von 1912 in dem die wichtigsten Toilettenszenen Ter Borchs bereits vollständig aufgeführt werden.
Die im Jahre 1959/60 (Gravenhage) von Sturla J. Gudlaugsson verfaßte Monographie mit dem Titel "Gerard Ter Borch: Katalog der Gemälde Gerard Ter Borchs sowie biographisches Material" in zwei Bänden enthält umfassende zeitgenössische Berichte und Dokumente über die Person des Malers und seine Familie. Sie konnten von Gudlaugsson durch archivalische Funde und seiner Kombinationsgabe ergänzt werden. Zudem hebt der Verfasser die feine Farbgebung und die Vornehmheit in der Bildgestaltung hervor und versucht die Entwicklung des Malers aufgrund des Stilwandels und der malerischen Technik darzulegen. Der Autor ist nicht nur ein Kenner der holländischen Kunst, sondern auch eine Autorität auf dem Gebiet der Kostümkunde. Er geht bei der chronologischen Anordnung von der Kostümierung aus, zieht aber auch datierbare Zeichnungen aus dem Familienalbum und anderes Vergleichsmaterial heran. Alle Datierungen zu den Bildern Ter Borchs in meiner Arbeit sind von Gudlaugsson übernommen. Daß die Kostümkunde zur exakten Datierung nicht immer zuverlässig ist, wird von ihm selbst auf S. 141 (Bd.I) beiläufig erwähnt.
Dank seiner Kenntnisse der emblematischen Literatur konnte der Verfasser seine Katalogangaben hinsichtlich der Genreszenen (Toilettenszenen) um die Kolumne "Emblemata" ergänzen. Er verweist auch darauf, daß sich Ter Borchs Kunst einer Festlegung auf eindeutige Sentenzen entzieht. Zudem distanziert sich der Autor davon, allzu viel in die Bilder hineininterpretieren zu wollen.
Zu den Toilettenszenen gibt Gudlaugsson lediglich knappe Bildbeschreibungen, sowie Bemerkungen zum Erhaltungszustand der Bilder ab. Ausführlicher sind seine Hinweise auf eine Vielzahl von Kopien und Wiederholungen einzelner Darstellungen, was für die Beliebtheit der Toilettenszenen Ter Borchs spricht. Weiterhin deutet der Verfasser kurz auf mögliche Vorbilder hin und verweist zugleich auf Nachahmer von Ter Borchs Werken. In Band I seiner Monographie findet noch eine kurze "Einordnung" der Toilettenszenen in das Gesamtwerk des Künstlers statt, die allerdings auf Vergleiche mit Personen, Gegenstände und Kleidungsstücke anderer Gemälde Ter Borchs beschränkt ist.
Eine speziellere Behandlung erfährt Ter Borchs Gemälde "Dame bei der Toilette" (um 1660, Öl/Lw., 76,2x59,7cm, Detroit, The Detroit Institute of Arts; Abb. 1) in Egbert Haverkamp-Begemanns Aufsatz, "Terborch`s Lady at Her Toilet" (In: Art News, 64) von 1965. In dieser Abhandlung bezieht der Autor auch Ter Borchs Toilettenszenen, die sich heute in Dresden ("Eine Dame, die sich die Hände wäscht", um 1655, Öl/Holz, 53x43cm, Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Gemäldegalerie Alte Meister; Abb.2) und in New York ("Dame bei der Toilette", um o. kurz nach 1650, Öl/Holz, 45x35cm, New York, Metropolitan Museum; Abb. 3 u. 4) befinden, in seine Überlegungen mit ein. Der Beitrag knüpft generell an Gudlaugssons Erkenntnisse an. Haverkamp-Begemann hebt allerdings das Annähern des Künstlers bezüglich seines Malstils an die fränzösischen Einflüsse in der Zeit um 1660 besonders hervor, was er aus dem allgemeinen Wandel des Zeigeschmacks in der holländischen Gesellschaft folgert. Er führt weiterhin an, daß Ter Borch zwar emblematische Hinweise in den Toilettenszenen abgibt, sie aber dem vordergründigen Bildgeschehen weitgehend unterordnet. Zudem versucht er einen Zusammenhang zwischen den Toilettenszenen Ter Borchs und der niederländischen Gesellschaft herzustellen, da die Bilder seines Erachtens nach das Bewußtsein des im 17. Jahrhundert erstarkten Bürgertums (Besitzerstolz) einerseits und das Aufkommen des protestantischen Puritanismus mit dem Hang zum Moralisieren andererseits widerspiegeln.
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