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Die strategische Bedeutung des organisationalen Wissens

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 19 Pages
Author: André Berndt
Subject: Economics / Business: Business Management, Corporate Governance

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V6940
ISBN (E-book): 978-3-638-14387-5

File size: 98 KB

Abstract

Wissensmanagement - das Schlagwort des ausgehenden 20. Jahrhunderts hat trotz oder gerade wegen seiner inflationären Verwendung in zahllosen Veröffentlichungen - noch keine völlig klaren Konturen. Dem damit verbundenen Eindruck der Überflüssigkeit muss durch eine exakte Abgrenzung des Konstruktes Wissen begegnet werden. Wissen wird oft als „wichtigste Ressource”, „Generator von anhaltenden Wettbewerbsvorteilen” respektive „größte Quelle der Wertschöpfung und Garant für zukünftige Wettbewerbsvorteile” bezeichnet und kann sowohl als Produktionsfaktor als auch Produkt des organisationalen Transformationsprozesses auftreten, da es weder im Transformationsprozeß untergeht, noch durch Nutzung seinen Wert verliert, sondern regelmäßig durch Nutzung an Wert gewinnt. Aus der Nutzung von Wissen ergibt sich folglich kein Abschreibungs-, sondern allenfalls Zuschreibungsbedarf auf dessen Wert. Das in dieser Arbeit mit dem Begriff Wissen titulierte Konstrukt, soll unter anderem durch folgende Eigenschaften charakterisiert sein: Wissen entsteht und organisiert sich durch den Fluß von Informationen. Das heißt, dass das immaterielle Gut Wissen durch Verarbeitung respektive Vernetzung von Informationen entsteht und somit letztlich eine Struktur darstellt. Wissen ist ferner in der inneren Verpflichtung (commitment) und den Überzeugungen (beliefs) seiner Inhaber (holder) verankert und folglich eng mit dem Menschen als Wissensträger verbunden. Da Wissen in seiner Sach-, Sozial- und Zeitdimension abgelehnt werden kann, impliziert es nicht grundsätzlich ein bestimmtes Verhalten, sondern besitzt „Umsetzungsfähigkeit oder Orientierungspotenz”. Die genannten Charakteristika des Konstruktes Wissen können keine klare Grenze ziehen, sondern allenfalls fragile, peripheriebildende Elemente um das Konstrukt Wissen setzen, denn: "Niemand weiß genau, was Wissen überhaupt ist." In dieser Arbeit soll unbeachtet dieser Schwierigkeiten vor allem die Bedeutung der Ressource Wissen für Organisationen untersucht werden. Aufbauend auf einer knappen Darstellung des ressourcenorientierten Ansatzes der Unternehmensführung wird eruiert, welche Charakteristika organisationales Wissen aufweisen muss, um Wettbewerbsvorteile generieren zu können und somit strategische Bedeutung für die Organisation zu erlangen. Abschließend wird der so aufgespannte Rahmen kritisch, insbesondere hinsichtlich der begrifflichen Voraussetzungen sowie im Vergleich zum Konzept der organisationalen Kompetenz, hinterfragt.


Excerpt (computer-generated)

FREIE UNIVERSITÄT BERLIN
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Institut für Management
FR Organisation und Führung

DIE STRATEGISCHE BEDEUTUNG DES
ORGANISATIONALEN WISSENS

Seminar : Wissensmanagement
Vorname, Name : Berndt, André
Abgabedatum : 06.05.2002

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Ressourcenorientierte Unternehmensführung

B. Wissen als Ressource und als Basis von Wettbewerbsvorteilen


I. Heterogenität und Immobilität von Wissen
II. Werthaltigkeit von Wissen
III. Seltenheit von Wissen
IV. Nicht-Imitierbarkeit von Wissen
1. Historizität von Wissen
2. Kausale Ambiguität von Wissen
3. Soziale Komplexität von Wissen
V. Nicht-Substituierbarkeit von Wissen

C. Kritische Würdigung und Implikationen zur Anwendung des Models

Literaturverzeichnis

 

Einleitung

Wissensmanagement - das „Schlagwort des ausgehenden 20. Jahrhunderts”1 hat „trotz oder gerade wegen seiner inflationären Verwendung in zahllosen Veröffentlichungen - noch keine völlig klaren Konturen”2. Dem damit verbundenen „Eindruck der Überflüssigkeit”3 muss durch eine exakte Abgrenzung des Konstruktes Wissen begegnet werden. In Anlehnung an Vokabeln wie Finanzmanagement oder Personalmanagement, soll Wissensmanagement offensichtlich das Management einer spezifischen Ressource beschreiben. Wissen wird in diesem Zusammenhang oft als „wichtigste Ressource”4, „Generator von anhaltenden Wettbewerbsvorteilen”5 respektive „größte Quelle der Wertschöpfung und Garant für zukünftige Wettbewerbsvorteile”6 bezeichnet und kann sowohl als Produktionsfaktor als auch Produkt7 des organisationalen Transformationsprozesses auftreten, da es weder im Transformationsprozeß untergeht, noch durch Nutzung seinen Wert verliert, sondern regelmäßig durch Nutzung an Wert gewinnt. Aus der Nutzung von Wissen ergibt sich folglich kein Abschreibungs-, sondern allenfalls Zuschreibungsbedarf auf dessen Wert. Dass die mengen- und wertmäßige Quantifizierung von Wissen8 mit einer Vielzahl von Schwierigkeiten verbunden ist, soll hier nur flankierend erwähnt werden. Die dem Wissen zugeschriebene zentrale Bedeutung für die zukünftige Entwicklung von Individuum, Organisationen und Gesellschaft9 führt zu einer sehr vielseitigen und zum Teil nicht trennscharfen Verwendung der Vokabel Wissen.

Das in dieser Arbeit mit dem Begriff Wissen titulierte Konstrukt, soll unter anderem durch folgende Eigenschaften charakterisiert sein: Wissen entsteht und organisiert sich durch den Fluß von Informationen10. Das heißt, dass das immaterielle Gut Wissen durch Verarbeitung respektive Vernetzung von Informationen entsteht und somit letztlich eine Struktur darstellt11. Wissen ist ferner in der inneren Verpflichtung (commitment) und den Überzeugungen (beliefs) seiner Inhaber (holder) verankert12 und folglich eng mit dem Menschen als Wissensträger verbunden13. Da Wissen in seiner Sach-, Sozial- und Zeitdimension abgelehnt werden kann14, impliziert es weder grundsätzlich, noch ein bestimmtes Verhalten, sondern besitzt „Umsetzungsfähigkeit oder Orientierungspotenz”15 (Potentialbegriff des Wissens16). Die genannten Charakteristika des Konstruktes Wissen können keine klare Grenze ziehen, sondern allenfalls fragile, peripheriebildende Elemente um das Konstrukt Wissen setzen, denn: „Niemand weiß genau, was Wissen überhaupt ist.”17. In dieser Arbeit soll unbeachtet dieser Schwierigkeiten vor allem die Bedeutung der Ressource Wissen für Organisationen untersucht werden. Aufbauend auf einer knappen Darstellung des ressourcenorientierten Ansatzes der Unternehmensführung wird eruiert, welche Charakteristika organisationales Wissen18 aufweisen muss, um Wettbewerbsvorteile generieren zu können und somit strategische Bedeutung für die Organisation zu erlangen. Abschließend wird der so aufgespannte Rahmen kritisch, insbesondere hinsichtlich der begrifflichen Voraussetzungen sowie im Vergleich zum Konzept der organisationalen Kompetenz19, hinterfragt.

A. Ressourcenorientierte Unternehmensführung

Im strategischen Management gibt es verschiedene Ansätze zur Erklärung von anhaltenden Wettbewerbsvorteilen. Ursachen für selbige werden in der externen und internen Umwelt von Organisationen vermutet. Im Rahmen der Analyse der externen Umwelt werden sowohl generelle Umwelt als auch Aufgaben- Umwelt von Organisationen hinsichtlich Potential respektive Ursache von Wettbewerbsvorteilen untersucht. Als Ergebnis soll eine Darstellung potentieller Chancen und Risiken möglich sein. Die Analyse der internen Umwelt bezieht sich insbesondere auf die Struktur, Kultur und Ressourcen der Organisation als potentielle Generatoren von Wettbewerbsvorteilen. Das Ergebnis dieser Analyse soll Auskunft über die Stärken und Schwächen der Organisation geben.

[...]

1 Tissen, R./Andriessen, D./Lekanne Deprez, F.: Die Wissensdividende, Unternehmenserfolg durch wertorientiertes Wissensmanagement, München 2000 (Übersetzung a. d. Englischen), S. 19

2 nr: Wissensmanagement wird viel diskutiert und wenig praktiziert, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 35, Frankfurt am Main, 11.02.2002, S. 26

3 Probst, G./Raub, S.: Kompetenzorientiertes Wissensmanagement, in: zfo 3 1998, S. 132-138 (134)

4 Gehle, M./Mülder, W.: Wissensmanagement in der Praxis, Frechen 2001, S. 13

5 Krogh, G. V./Venzin, M.: Anhaltende Wettbewerbsvorteile durch Wissensmanagement, in: Die Unternehmung, Vol. 6 1995, S. 417-436 (419)

6 Stewart, T. A.: Der vierte Produktionsfaktor, Wachstum und Wettbewerbsvorteile durch Wissensmanagement, München 1998 (Übersetzung a. d. Englischen), S. 67

7 vgl. Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen: Inhaltliche Ansatzpunkte und Überlegungen zu einem konzeptionellen Gestaltungsrahmen, Europäische Hochschulschriften: Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft, Bd. 1367, Diss. Technische Universität Berlin 1992, Frankfurt am Main, 1993, S. 2, Fußnote 15

8 zum Überblick über verschiedene Ansätze vgl. North, K./Probst, G./Romhardt, K.: Wissen messen - Ansätze, Erfahrungen und kritische Fragen, in: zfo 3 1998, S. 158-166

9 vgl. Nonaka, I.: A Dynamic Theory of Organizational Knowledge Creation, in: Organization Science, Vol. 5 1994, S. 14-37 (34)

10 vgl. Nonaka, I.: a.a.O., S. 15

11 vgl. Baecker, D.: Zum Problem des Wissens in Organisationen, in: Organisationsentwicklung 17, Nr. 3 1998, S. 4-21 (13 ff.)

12 vgl. Nonaka, I.: a.a.O., S. 15

13 vgl. Kornwachs, K.: Von der Information zum Wissen? Alle wissen alles - keiner weiß Bescheid, in: Ganten, D. u.a. (Hrsg.): Gene, Neurone, Qubits & Co. Unsere Welten der Information, Stuttgart 1999, S. 35-44 (41)

14 vgl. Baecker, D.: a.a.O., S. 12

15 Kornwachs, K.: a.a.O., S. 38

16 vgl. Schreyögg, G.: Wissen, Wissenschaftstheorie und Wissensmanagement. Oder: Wie die Wissenschaftstheorie die Praxis einholt., in: Schreyögg, G. (Hrsg.): Wissen in Unternehmen. Konzepte, Maßnahmen, Methoden, Berlin 2001, S. 3-18 (5)

17 Simon, D.: Wissen ohne Ende, in: Ganten, D. u.a. (Hrsg.): Gene, Neurone, Qubits & Co. Unsere Welten der Information, Stuttgart 1999, S. 15-23 (23)

18 Unter organisationalem Wissen soll in dieser Arbeit organisationales Wissen im weiteren Sinne verstanden werden. Dieses umfaßt sowohl das von den Organisationsmitgliedern „unabhängige” Wissen (organisationales Wissen im engeren Sinne), als auch das für organisationale Ziele relevante, individuelle Wissen der Organisationsmitglieder. Flankierend sei auf die, in der Literatur, synonyme Verwendung von organisatorischem (vgl. Schreyögg, G.: a.a.O.) und organisationalem (vgl. Probst, G./Raub, S.: a.a.O.) Wissen hingewiesen.

19 vgl. Probst, G./Raub, S.: a.a.O., S. 134 ff.


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