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Black Box BRD - Der politische Dokumentarfilm

Termpaper, 2005, 49 Pages
Author: Therese Hochhuth
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 49
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V69473
ISBN (E-book): 978-3-638-61352-1
ISBN (Book): 978-3-638-71731-1
File size: 458 KB
Notes :
Die Arbeit enthält im Anahng ein zehnseitiges Sequenzprotokoll des Films "Black Box BRD". Dieses gibt Informationen über die Anzahl der Einstellungen, sowie die visuellen und auditiven Ebenen in den jeweiligen Szenen.


Abstract

Was Wolfgang Grams und Alfred Herrhausen verbunden haben könnte, soll unter anderem Gegenstand der Untersuchungen dieser Arbeit sein. Indem Veiel zwei deutsche Biografien schildert, wird „Black Box BRD“ ein Film über die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit der Bundesrepublik Deutschland. Ab-wechselnd werden die Lebensläufe, Charaktere, Vorstellungen und Ziele von Wolf-gang Grams und Alfred Herrhausen durch verschiedene Personen nacherzählt, so dass die Ereignisse anhand ihrer Biografien rekapitulierbar sind, allerdings ohne dass der Film die Ereignisse aufklären könnte und wollte. Es berichten sowohl die Eltern von Wolfgang Grams, seine politischen Weggefährten als auch die Witwe von Alfred Herrhausen und Topmanager der Deutschen Bank. Veiel, so heißt es in vielen Rezensionen, beurteile nicht, er stelle einfach gegenüber ohne zu werten. Durch die-se Präsentationsform erschließen sich dem Zuschauer zunehmend Parallelen in den zwei Lebensläufen, deren abruptes Ende jeweils durch einen gewaltsamen Tod kam. Veiel zeigt auf, dass die Thematik der Rote Armee Fraktion (RAF) scheinbar noch immer aktuell und keinesfalls überwunden ist. Leben doch die jeweiligen Angehöri-gen immerfort in ihrer persönlichen Tragödie und mit ungeklärten Umständen weiter. Denn eines zeigt der Film überdeutlich: Trotz der vergangenen Zeit ist kein Verges-sen eingekehrt. „Der Kampf ist vorbei, die Wunden sind offen“ heißt es bezeichnen-derweise schon auf dem Filmplakat. Der vielfach ausgezeichnete Film ist auch deshalb interessant, weil er für einen Do-kumentarfilm zahlreiche unterschiedliche Stilmittel aufweist. Schon zu Beginn mutet er durch die Kamerafahrt und die eingespielte Musik wie ein Spielfilm an, welches im Folgenden dadurch unterstützt wird, dass dem Zuschauer die Fragen des Regisseurs verwehrt bleiben. Im gesamten Film präsentieren sich die befragten Personen nur mit ihren Antworten. Darauf und auf die Verwendung von unterschiedlichen Materialen und filmischen Mitteln – Originalaufnahmen, nachgestellte Szenen, grobkörniges Su-per8-Material, Zeitlupe – soll in dieser Arbeit eingegangen werden. Es stellt sich daher die Frage, inwieweit im Genre Dokumentarfilm inszeniert werden kann, ohne dass der Film an der gewünschten Authentizität einbüßt. Veiel hat in vie-lerlei Hinsicht einen Film geschaffen, der Ambivalenzen hervorruft und sich an man-chen Stellen trügerisch präsentiert. Dem soll in dieser Ausarbeitung ein Teil der Auf-merksamkeit zukommen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Lüneburg
Seminar: Dokumentarfilm

„Black Box BRD“ – Der politische Dokumentarfilm

Studienfach: Angewandte Kulturwissenschaften
Studienbegleitende Hausarbeit 
6. Semester
Bereich: Medien und Öffentlichkeitsarbeit
SoSe 2005

von

Therese Hochhuth

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung 1

Vorgehensweise 2

1. Zum Genre des Dokumentarfilms 3

2. Filmanalyse von "Black Box BRD" 6
2.1 Der Regisseur Andres Veiel 6
Leben 6
Filmografie 6
2.2 Die narrative Ebene 7
2.2.1 Thema und Inhalt von "Black Box BRD" 8
2.2.2 Wolfgang Grams 8
2.2.3 Der Polizeieinsatz in Bad Kleinen 9
2.2.4 Alfred Herrhausen 11
2.2.5 Der Anschlag auf Alfred Herrhausen 12
2.2.6 Die Rote Armee Fraktion - RAF 15
2.2.7 Vergleichsmomente zwischen Wolfgang Grams und Alfred Herrhausen 16
2.3 Exkurs zum Aufbau des Sequenzprotokolls 19
2.4 Die Dramaturgie 20
2.4.1 Authentizität und Nähe durch die Art der Befragung 22
2.4.2 Montage 23

3. Die filmische Präsentation 25
3.1 Visuelle Gestaltungsmittel 25
3.1.1 Perspektive 26
3.2 Auditive Gestaltungsmittel 27
3.2.1 Geräusche 27
3.2.2 Musik 28

4. Fazit 29

Bibliografie 31
Literatur RAF 31
Literatur Filmtheorie 31
Internet 31
Filmographie 32

Anhang
Filmdaten
Gesprächspartner im Film "Black Box BRD"
Sequenzprotokoll

 

 

0. Einleitung

Die beiden vorangegangenen Zitate lassen erahnen, wie die Charaktereigenschaften der beiden Personen gewesen sein mögen, die der Regisseur Andres Veiel in seinem Dokumentarfilm "Black Box BRD" gegenüberstellt und die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Einen Weg konsequent zu beschreiten schien beiden ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Was Wolfgang Grams und Alfred Herrhausen darüber hinaus verbunden haben könnte, soll unter anderem Gegenstand der Untersuchungen dieser Arbeit sein.

Indem Veiel zwei deutsche Biografien schildert, wird "Black Box BRD" ein Film über die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit der Bundesrepublik Deutschland. Abwechselnd werden die Lebensläufe, Charaktere, Vorstellungen und Ziele von Wolfgang Grams und Alfred Herrhausen durch verschiedene Personen nacherzählt, so dass die Ereignisse anhand ihrer Biografien rekapitulierbar sind, allerdings ohne dass der Film die Ereignisse aufklären könnte und wollte. Es berichten sowohl die Eltern von Wolfgang Grams, seine politischen Weggefährten als auch die Witwe von Alfred Herrhausen und Topmanager der Deutschen Bank. Veiel, so heißt es in vielen Rezensionen, beurteile nicht, er stelle einfach gegenüber ohne zu werten. Durch diese Präsentationsform erschließen sich dem Zuschauer zunehmend Parallelen in den zwei Lebensläufen, deren abruptes Ende jeweils durch einen gewaltsamen Tod kam.

Veiel zeigt auf, dass die Thematik der Rote Armee Fraktion (RAF) scheinbar noch immer aktuell und keinesfalls überwunden ist. Leben doch die jeweiligen Angehörigen immerfort in ihrer persönlichen Tragödie und mit ungeklärten Umständen weiter. Denn eines zeigt der Film überdeutlich: Trotz der vergangenen Zeit ist kein Vergessen eingekehrt. "Der Kampf ist vorbei, die Wunden sind offen" heißt es bezeichnenderweise schon auf dem Filmplakat.

Der vielfach ausgezeichnete Film ist auch deshalb interessant, weil er für einen Dokumentarfilm zahlreiche unterschiedliche Stilmittel aufweist. Schon zu Beginn mutet er durch die Kamerafahrt und die eingespielte Musik wie ein Spielfilm an, welches im Folgenden dadurch unterstützt wird, dass dem Zuschauer die Fragen des Regisseurs verwehrt bleiben. Im gesamten Film präsentieren sich die befragten Personen nur mit ihren Antworten. Darauf und auf die Verwendung von unterschiedlichen Materialen und filmischen Mitteln - Originalaufnahmen, nachgestellte Szenen, grobkörniges Su-per8-Material, Zeitlupe - soll in dieser Arbeit eingegangen werden.

Es stellt sich daher die Frage, inwieweit im Genre Dokumentarfilm inszeniert werden kann, ohne dass der Film an der gewünschten Authentizität einbüßt. Veiel hat in vielerlei Hinsicht einen Film geschaffen, der Ambivalenzen hervorruft und sich an manchen Stellen trügerisch präsentiert. Dem soll in dieser Ausarbeitung ein Teil der Aufmerksamkeit zukommen.

Vorgehensweise

Zunächst soll eine knappe Abgrenzung des Genres Dokumentarfilm vorgenommen werden. Daran schließt die Analyse des Films an, die den Hauptteil der Arbeit ausmacht. Sie beginnt mit der Biografie des Regisseurs Andres Veiel, sowie mit Angaben zu seinem Werk. Auf der narrativen Ebene fährt sie fort mit einer Inhaltsangabe des Films und Kurzbiografien zu Grams und Herrhausen. Dabei bilden, zum besseren Verständnis, die Schilderungen der Ereignisse zum Tod von Wolfgang Grams in Bad Kleinen und zum Anschlag auf Alfred Herrhausen in Bad Homburg einen jeweiligen Unterpunkt. Dem folgt eine Einordnung der Aktivitäten der RAF, um die Ereignisse in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang bringen zu können. Danach werden Vergleichsmomente zwischen Grams und Herrhausen herausgearbeitet.

Zum besseren Verständnis der folgenden Ausführungen, schließt hieran ein Exkurs zum erstellten Sequenzprotokoll. Es folgt die Darstellung der Dramaturgie in "Black Box BRD" und anschließend die filmische Präsentation, aufgeteilt in eine visuelle und auditive Ebene. Dazu werden einzelne Filmsequenzen beispielhaft untersucht und analysiert.

Im Fazit soll überprüft werden, inwieweit der Film dem von seinen Kritikern an ihn erhobenen Anspruch der Objektivität und Wertungsneutralität gerecht werden kann.

Im Anhang befinden sich Angaben zu den Filmdaten, eine Auflistung der im Film auf-tretenden Personen, sowie ein Sequenzprotokoll des gesamten Films.

1. Zum Genre des Dokumentarfilms

Was kennzeichnet die Gattung Dokumentarfilm und unterscheidet sie vom Spielfilm? Den Besonderheiten des filmischen Dokumentierens soll an dieser Stelle kurz nachgegangen werden, um für die nachfolgenden Teile der Arbeit eine Verständnisgrundlage zu bieten.

„Der fiktionale Film filmt eine Welt, die er selbst konstruiert, die er für seine Zwecke erfindet, während der dokumentarische Film eine Welt filmt, die bereits existiert, […] die ihm […] auf jeden Fall vorausgeht.“1 Diese kurze Definition fasst den wesentlichen Unterschied von fiktionalen und dokumentarischen Filmen im Kern zusammen, wobei die Charakterisierung des Dokumentarfilms nicht allein auf diese Aussage reduziert werden darf. Knut Hickethier beschreibt zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Dokumentarische. Zum einen sei die dokumentierende Kamera eine „[…] Realität beobachtende, registrierende Vermittlungsinstanz".2

[....]


1 Scheinfeigel, Maxime: Abzeitige Bilder (1995). In: Hohenberger, Eva (Hrsg.): Bilder des Wirklichen. Texte zur Theorie de Dokumentarfilms. Berlin 1998, S. 235

2 Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart; Weimar, 3. Auflage April 2001, S. 201


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