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"Auch ich bin Amerika" - Der "American Dream" in Gedichten Langston Hughes

Subtitle: Deutung der afroamerikanischen Geschichte in den USA von den 1920er bis zu den 1960er Jahren

Examination Thesis, 2006, 131 Pages
Author: Robert Elsemann
Subject: American Studies - Literature

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2006
Pages: 131
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 68  Entries
Language: German
Archive No.: V69547
ISBN (E-book): 978-3-638-60737-7
ISBN (Book): 978-3-638-71845-5
File size: 677 KB

Abstract

Folgt man den Formulierungen der Unabhängigkeitserklärung von 1776, so basiert die amerikanische Demokratie auf den Grundwerten von Freiheit, Gleichheit und dem Streben nach persönlichem Glück. Doch galten diese Rechte wirklich für alle Bürger des jungen Staates? Vor allem Afroamerikaner, die zu einem sehr hohen Anteil als Sklaven auf den Feldern in den Südstaaten arbeiteten, konnten nicht von diesen Rechten Gebrauch machen. Erst der von 1861 bis 1865 stattfindende Bürgerkrieg sollte für viele Afroamerikaner neue Hoffnung bringen. Glaubt man den Worten der „Emancipation Proclamation“, so waren die Sklaven, von denen viele Afroamerikaner waren, nun gesellschaftlich frei. Doch stattdessen setzte sich der Leitspruch „Separate-but-Equal“ in vielen Gemeinden durch. Vor allem die konservativen Regierungen in den Städten der Südstaaten versuchten Afroamerikaner durch Reglementierungen, wie den „Jim Crow Laws“, auf Distanz zu halten. Diesem gesellschaftlichen Zustand versuchten afro-amerikanische Intellektuelle mit Hilfe von entsprechenden Organisationen, wie der NAACP, und den Werken vieler Schriftsteller ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts abzuhelfen. Die Anliegen der Schwarzen kamen zum ersten Mal kraftvoll zum Ausdruck. Es war ein öffentlicher Protest gegen gesellschaftliche Unterdrückung und Rassismus. Unter anderem Intellektuelle der sogenannten „Harlem Renaissance“ begannen, die rassistischen Zustände in den USA zu kritisieren und ihre Vorstellungen von der Zukunft der amerikanischen Schwarzen zu äußern. Einer dieser Intellektuellen war Langston Hughes. Er erkannte die Notwendigkeit, allen Schwarzen seine Ideen von der Zukunft „seines“ Volkes mitzuteilen. Er bettete seine Gedanken vor allem in die Idee des „amerikanischen Traumes“. Für Langston Hughes bedeutete der „amerikanische Traum“, dass neben politischer Freiheit und gesellschaftlicher Gleichheit, auch das Streben nach persönlichem Glück verbunden mit sozialem Aufstieg für die Afroamerikaner ermöglicht werden sollte. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich vorwiegend mit dem Inhalt von Langston Hughes Gedichten. Diese hat er von den 1920er bis zu den 1960er Jahren geschrieben. Die unterschiedlichen Lebensverhältnisse und die stetige Entwicklung Amerikas hin zu mehr Gleichberechtigung für Schwarze während dieser Zeit, prägen Hughes Werke. Wie er diese Entwicklungen in seinen Gedichten verarbeitete und wie sich seine Vorstellungen änderten, soll in diesem Werk verdeutlicht werden.


Excerpt (computer-generated)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe II mit Zusatzprüfung für die Sekundarstufe I

Auch ich bin Amerika - Der American Dream in Gedichten Langston Hughes: Deutung der afroamerikanischen Geschichte in den USA von den 1920er bis zu den 1960er Jahren

Robert Elsemann

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 4

2. Afro-amerikanische Geschichte – Ein Überblick ... 8

2.1. Von den Anfängen der Sklaverei bis 1918 ... 8
2.1.1. Geschichte der afro-amerikanischen Lyrik ... 10
2.2. Die Harlem Renaissance in den 1920er Jahren ... 13
2.2.1. Die Intellektuellen der Harlem Renaissance ... 14
2.3. Jahre der Depression: 1930 – 1939 ... 17
2.4. Kriegs- und Nachkriegsjahre: 1939 – 1949 ... 18
2.5. Der Aufbruch in eine neue Zeit: Rosa Parks und das „Civil Rights Movement“ ... 19
2.5.1. Das „Black Arts Movement“ ... 22

3. Langston Hughes – Ein biographischer Überblick ... 24

3.1. Seine persönlichen Erfahrungen als Afroamerikaner ... 24
3.2. Langston Hughes Traum geprägt durch Politik und Gesellschaft ... 28
3.2.1. Die Hoffnung eines jungen Dichters ... 29
3.2.2. Der revolutionäre Dichter ... 31
3.2.3 Langston Hughes und das „Civil Rights Movement“ ... 34
3.3. Langston Hughes „American Dream“ ... 36

4. Die Gedichte von Langston Hughes ... 37

4.1. Frühe Phase: Von The Weary Blues (1926) bis The Dream Keeper (1932) ... 38
4.2. Revolutionäre Phase: Veröffentlichungen von 1932-1938 ... 47
4.3. Kriegs- und Nachkriegsjahre: Von Shakespeare in Harlem (1942) bis One Way Ticket (1949) ... 55
4.4. Späte Phase: Von Montage of a Dream Deferred (1951) bis The Panther and the Lash (1967) ... 66

5. Schluss ... 77

6. Literaturverzeichnis ... 79

6.1. Primärliteratur ... 79
6.2. Sekundärliteratur ... 80
6.3. Internetliteratur ... 83

7. Inhaltsverzeichnis Anhang ... 84

 

 

Einleitung

Jedes Jahr am 4. Juli feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ihren Nationalfeiertag. Es ist der Tag der Unabhängigkeit. Während eines jahrelangen Krieges zwischen den 13 britischen Kolonialstaaten in Nordamerika und dem Mutterland, unterzeichneten Vertreter der jeweiligen Kolonien im Jahre 1776 die Unabhängigkeitserklärung. Noch heute erinnern sich die Bürger Amerikas an diesen Tag und zelebrieren die Leitgedanken dieses Dokumentes. Jeder Bürger lernt ihren Inhalt bereits in jungen Jahren und ist stolz darauf einer Nation anzugehören, die folgende Grundwerte ihr höchstes Gut nennt:


We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. --That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, --That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness.
[...] But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.
[...] We, therefore, the Representatives of the united States of America, in General Congress, Assembled, appealing to the Supreme Judge of the world for the rectitude of our intentions, do, in the Name, and by the Authority of the good People of these Colonies, solemnly publish and declare, That these United Colonies are, and of Right ought to be Free and Independent States; [...]
1

Folgt man den Formulierungen der Unabhängigkeitserklärung, so basiert die amerikanische Demokratie auf den Grundwerten von Freiheit, Gleichheit und dem Streben nach persönlichem Glück.
Doch galten diese Rechte wirklich für alle Bürger des jungen Staates? Vor allem Afroamerikaner, die zu einem sehr hohen Anteil als Sklaven auf den Feldern in den Südstaaten arbeiteten, konnten nicht von diesen Rechten Gebrauch machen. Erst der von 1861 bis 1865 stattfindende Bürgerkrieg sollte für viele Afroamerikaner neue Hoffnung bringen. In der „Emancipation Proclamation“ heißt es:


That on the first day of January, in the year of our Lord one thousand eight hundred and sixty-three, all persons held as slaves within any State or designated part of a State, the people whereof shall then be in rebellion against the United States, shall be then, thenceforward, and forever free; and the Executive Government of the United States, including the military and naval authority thereof, will recognize and maintain the freedom of such persons, and will do no act or acts to repress such persons, or any of them, in any efforts they may make for their actual freedom. [...]2

Wenn man dieser Proklamation Glauben schenken mag, so waren die Sklaven, von denen viele Afroamerikaner waren, nun gesellschaftlich frei und von allen Zwängen der Sklaverei entbunden. Sie waren keine Leibeigenen eines Grundherrn, sondern konnten selbst über ihr Leben entscheiden. Doch die Restriktionen blieben für Schwarze in der Realität wesentlicher Bestandteil. Der Leitspruch „Separate-but-Equal“3 setzte sich in vielen Gemeinden durch. Vor allem die konservativen Regierungen in den Städten der Südstaaten versuchten Afroamerikaner durch Reglementierungen, wie den „Jim Crow Laws“4, auf Distanz zu halten.
Diesem gesellschaftlichen Zustand versuchten zunächst afroamerikanische Intellektuelle mit Hilfe von entsprechenden Organisationen abzuhelfen. Mit der Gründung von Vereinigungen, wie der „National Association for the Advancement of Colored People“5 im Jahre 1909, und den Werken vieler Schriftsteller ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts, kamen die Anliegen der Schwarzen zum ersten Mal kraftvoll zum Ausdruck. Es war ein öffentlicher Protest gegen gesellschaftliche Unterdrückung und Rassismus. Unter anderem Intellektuelle der sogenannten „Harlem Renaissance“6 begannen ab den 1920er Jahren, die rassistischen Zustände in den USA zu kritisieren und ihre Vorstellungen von der Zukunft der amerikanischen Schwarzen zu äußern. Diese Intellektuellen bildeten die Spitze einer ethnischen Minderheit in Amerika und repräsentierten die Hoffnung von Millionen von schwarzen USAmerikanern. In diesem Zusammenhang forderte beispielsweise Alvin Aubert7 von afro-amerikanischen Poeten: „the Black poet [...] should never forget that he is Black and that he has an obligation to Black People – to uplift their spirit ... to encourage them to liberate themselves“.8
Einer dieser Poeten war Langston Hughes. Bereits mit 14 Jahren begann er zu schreiben und erkannte aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen als Afroamerikaner9 die Notwendigkeit, allen Schwarzen seine Ideen von der Zukunft „seines“ Volkes mitzuteilen. Bereits 1925 veröffentlichte er The Weary Blues, seinen ersten Gedichtband. Neben zahlreichen Gedichten, veröffentlichte er auch Kurzgeschichten, Novellen, Zeitungsartikel, Theaterstücke und zwei Autobiographien10. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten standen seine Vorstellungen von der Zukunft seiner schwarzen Mitbürger. Er bettete seine Gedanken vor allem in die Idee des „amerikanischen Traumes“11. Für Langston Hughes bedeutete der „amerikanische Traum“, dass neben politischer Freiheit und gesellschaftlicher Gleichheit, auch das Streben nach persönlichem Glück verbunden mit sozialem Aufstieg für die Afroamerikaner ermöglicht werden sollte12.

 

[...]


1 http://www.law.indiana.edu/uslawdocs/declaration.html, The Declaration of Independence of the Thirteen Colonies, 1776, Stand: 26.07.2006. Gesamter Abdruck siehe Anhang 2.1.
2 http://www.ushistory.org/documents/emancipation.htm, The Emancipation Proclamation, 1863, Stand 26.07.06. Gesamter Abdruck siehe Anhang 2.2.
3 Zur Erläuterung: Dt. „Getrennt aber gleich“, galt in den Vereinigten Staaten als sozialer und juristischer Grundsatz 1896 bis 1954 in den Südstaaten den als Rassentrennung bezeichneten Umgang der Weißen mit der afro-amerikanischen Minderheit. Diesem Grundsatz zufolge wurden für weiße und schwarze Amerikaner in vielen Bereichen des Lebens vergleichbare Einrichtungen oder Dienstleistungen zur Verfügung gestellt, die jedoch hinsichtlich ihrer Nutzung strikt nach der Hautfarbe getrennt waren. Dies betraf beispielsweise Schulen und Hochschulen, Krankenhäuser, öffentliche Transportmittel oder hygienische Einrichtungen.
4 Zur Erläuterung: Der Ausdruck „Jim Crow“ (dt.: „Jim, die Krähe“) steht in den USA für die Geschichte der Rassendiskriminierung. Jim Crow ist das Stereotyp eines tanzenden, singenden und leicht "schwachsinnigen" Schwarzen. Ab 1875 verabschiedeten verschiedene amerikanische Bundesstaaten Gesetze, die Schwarze und Weiße im täglichen Leben trennten. Diese Gesetze wurden „Jim Crow Laws“ genannt.
5 Im Folgenden in der Kurzform „NAACP“ verwendet.
6 Die Bewegung der „Harlem Renaissance“ wird im weiteren Verlauf der Arbeit erläutert. Hierfür siehe Kapitel 2.2. und 2.2.1.
7 Zur Person: geboren 1930, Afro-amerikanischer Dichter, Schriftsteller und Kritiker, Wichtigste Werke: „Against the Blues“ (1972), „Feeling Through“ (1975), „If Winter Come: Collected Poems, 1967-1992“ (1994) .“Harlem Wrestler: And Other Poems“ (1995). Er ist derzeit Professor em. an der Wayne State University.
8 Bigsby, C.W.E, The Second Black Renaissance – Essays in Black Literature (London: Greenwood Press, 1980), S. 299. Im Folgenden zitiert als: Bigsby, The Second Black Renaissance.
9 Seine persönlichen Erfahrungen als Afroamerikaner werden im weiteren Verlauf der Arbeit erläutert. Hierfür siehe Kapitel 3.1.
10 Zur Erläuterung: seine zwei Autobiographien erschienen im Abstand von 16 Jahren. Sein erstes Werk „The Big Sea“ (1940) behandelt die Zeitspanne von 1902 bis 1931. Der zweite Band „I Wander As I Wonder“ (1956) umfasst den Zeitraum von 1932 bis 1940.
11 Zur genaueren Erläuterung von Langston Hughes „amerikanischem Traum“ siehe Kapitel 3.3.
12 Vgl. Brown, Lloyd W. “The American Dream and the Legacy of Revolution in the Poetry of Langston Hughes.“ In Studies in Black Literature, Jg. 7 (1976). S. 16-18. Im Folgenden nur noch zitiert als: Brown, The American Dream.


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