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Frédéric Beigbeders gesellschaftskritischer Roman 99 francs - Gemeinsamkeiten mit Michel Houellebecq bezüglich Weltsicht, Selbstverständnis als Autor und Realismus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 23 Pages
Author: Jochen Brandt
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V69819
ISBN (E-book): 978-3-638-61415-3

File size: 193 KB


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Romanisches Seminar
HS: Der französische Gegenwartsroman
Wintersemester 2006/2007, 8. Semester

Frédéric Beigbeders gesellschaftskritischer Roman 99 francs
Gemeinsamkeiten mit Michel Houellebecq bezüglich Weltsicht,
Selbstverständnis als Autor und  Realismus

von: Jochen Brandt

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Inhalt und Grundthesen in 99 Francs – Rundumschlag gegen die Welt der Werbung und des Kapitalismus 3

3. Der Niedergang der von Werteverfall und Individualismus geprägten kapitalistischen Gesellschaft 5

4. Das öffentliche Auftreten und das Selbstverständnis als Autor – Beigbeder und Houellebecq als Seismographen einer in sich kranken Gesellschaft?  9

5. Realismus bei Beigbeder und Houellebecq 13

6. Zusammenfassung  17

7. Literaturverzeichnis 19

7.1. Primärliteratur 19
7.2. Sekundärliteratur 19
7.3. Interviews 21



 

1. Einleitung

„Et ce n’est pas par hasard que Houellebecq intervient dans la discusion provoquée par le best-seller de Beigbeder, 99 francs, pour défendre celui-ci“. 1. Selten wurde über einen Roman derart kontrovers diskutiert. Selten ging die Schere zwischen Bewunderung und Verachtung für einen Schriftsteller soweit auseinander. Mit 99 francs, wo er mit dem Leben und der Welt der Werbebranche und des kapitalistischen Systems abrechnet, ist Frédéric Beigbeder ein Roman gelungen, der ihn nicht nur in den Bestseller-Listen zahlreicher Länder an die Spitze katapulierte, sondern der ihm auch eine Nominierung für den Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Literaturpreis, einbrachte. Gleichzeitig blieb jedoch die Zahl der Gegner Beigbeders groß und deren Kritik massiv. Beigbeder begann die Arbeit an 99 francs erst auf den Impuls Houellebecqs hin, der ihm eines Tages befahl :

„Arrête de faire des livres sur tes soirées mondaines et tes boîtes de nuit, écris sur ce qui est le centre de pouvoir aujourd’hui, sans quoi il n’y a pas de nouvelle économie, ni presse, ni politique : la pub.“2

Im Folgenden stellte sich Houellebecq in der öffentlichen Diskussion über Beigbeders Werk klar auf dessen Seite. Unter anderem durch die Veröffentlichung seines Pamphlets La privatisation du monde3, wo er Beigbeders Kritik an Kapitalismus, Globalisierung und dessen Sicht auf die Welt der Werbung teilte, und ihm so im Kampf gegen seine Kritiker beistand. Die klare Parteinahme Houellebecqs für Beigbeder wirft die Frage auf, welche Verbindungen und Gemeinsamkeiten es zwischen den beiden französischen Schriftstellern geben könnte.
Die vorliegende Arbeit stellt sich zur Aufgabe diese Gemeinsamkeiten zu ergründen. Hierbei soll im Besonderen die Sicht der beiden Autoren auf die Gesellschaft, ihr Selbstverständnis als Autor, sowie der literarischen Umsetzung unter dem Aspekt der Wirklichkeitsillusion betrachtet werden. Klar im Mittelpunkt dieser Arbeit soll Beigbeders Roman 99 francs4 stehen, von dem ausgehend Gemeinsamkeiten mit Houellebecq erarbeitet werden sollen. Es wird aber gegebenenfalls nicht darauf verzichtet werden frühere Werke Beigbeders heranzuziehen, oder ihn aus Zeitungsinterviews zu zitieren, was vor allem zum Einblick in sein Selbstverständnis als Autor für sinnvoll erachtet wird. Zur Veranschaulichung und zum besseren Verständnis von Houellebecqs Ansichten werden hierzu dessen Roman Les particules élémentaires5 sowie sein Essaysammlung Interventions6 zu Rate gezogen. Wie für Beigbeder sollen auch für Houellebecqs Sicht seiner Funktion und seines Verständnisses als Schriftsteller Interviews betrachtet werden.
Beginnen wird die vorliegende Arbeit mit einer kurzen Zusammenfassung des Romans 99 francs, wo die Thematik und die Hauptaussagen herausgearbeitet werden sollen. Hierbei soll in knappen Zügen Beigbeders allgemeine Kapitalismus- und Globalisierungskritik Platz finden. Auf eine ausführliche Auflistung Beigbeders Argumente diesbezüglich soll aber im Rahmen dieser Arbeit verzichtet werden, da das Hauptaugenmerk allein auf die Auswirkung des kapitalistischen Systems auf die Gesellschaft und das Individuum gelegt werden soll. Dies soll in Kapitel drei erarbeitet werden, wo die Sicht der beiden Autoren auf die aktuelle Gesellschaft untersucht und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Im darauffolgenden Kapitel(4) wird das Selbstverständnis der Beiden als Autor und die Möglichkeit mit Hilfe der Literatur in die Gesellschaft einzugreifen, im Mittelpunkt stehen. Nachgegangen werden soll in diesem Zusammenhang der Art und Weise, wie sich die Autoren Gehör in der Öffentlichkeit verschaffen, und auch dem Bild, das sie der Öffentlichkeit über sich vermitteln. Im fünften Kapitel wird die literarische Umsetzung der Weltsicht und des Selbstverständnisses der Schriftsteller untersucht. Hierbei soll unter anderem anhand des literaturtheoretischen Ansatzes des Realismuseffekts gezeigt werden, wie es beiden Autoren gelingt durch eine möglichst realistische Darstellung die Wirkung auf den Leser zu verstärken. In einem abschließenden Kapitel (6) sollen Ergebnisse zusammengefasst und im Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit bewertet werden.

2. Inhalt und Grundthesen in 99 Francs – Rundumschlag gegen die Welt der Werbung und des Kapitalismus

[...]


1 Asholt, Wolfgang, Deux retours au réalisme ? Les récits de François Bon et les romans de Michel Houellebecq et de Frédéric Beigbeder, in : lendemains. Der zeitgenössische französische Roman (27/2002), S. 52.

2 Interview von Garcin, Jérôme, Frédéric Beigbeder raconte, « Comment j’ai été licencié », in : Le Nouvel Observateur (1968), 31/8/2000, S. 59f.

3 Houellebecq, Michel, La privatisation du monde, in: Le Nouvel Observateur (1968), 31/8/2000, S. 58.

4 Beigbeder, Frédéric, 99 francs, Paris, Gallimard folio, 2000.

5 Houellebecq, Michel, Les particules élémentaires, Paris, J’ai lu, 1998.

6 Houellebecq, Michel, Interventions, Paris, Flammarion, 1998.


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