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Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: Jochen Brandt
Subject: Romance Languages - French Studies
Details
Tags: Welt, Gast, Freunden, Deutschlandbild, Kontext, Rahmen, Fußballweltmeisterschaft
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61416-0
File size: 174 KB
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Excerpt (computer-generated)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Romanisches Seminar
Sommersemester 2006, LK Fernsehkulturen
6. Semester
Die Welt zu Gast bei Freunden
Das neue Deutschlandbild im deutsch- französischen
Kontext im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft 2006
von: Jochen Brandt
1. Einleitung 1
2. Fremdwahrnehmung als stereotype Wahrnehmung? 2
3. Fußball als Symbol nationaler Identität 4
4. Analyse der Spiele 8
4.1. Korpus 8
4.2. Allgemeine Unterschiede der beiden Direktübertragungen – Seriosität vs. Show? 9
4.3. Von kompakten Franzosen und willensstarken Deutschen – Aussagen zu Charaktereigenschaft und Spielweise 11
4.4. Die Welt zu Gast bei Freunden – Deutschland als Gastgeber 13
5. Fazit 15
6. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
„Le football est une superimage pour l’union du peuple“1.
Diese Aussage des französischen Kommentators Thierry Roland im Spiel Deutschland gegen Argentinien beschreibt die integrative Kraft des Fußballs. Selten stand die deutsche Bevölkerung so hinter ihrer Nationalmannschaft, respektive zu ihrem Land wie während der gerade zu Ende gegangenen Fußballweltmeisterschaft.
Die vorliegende Arbeit wird sich anhand zweier Fußballübertragungen2 mit der Frage beschäftigen, inwieweit sich das Deutschlandbild im Ausland, aber auch das Bild, das die Deutschen von sich selbst haben, geändert haben könnte. Dies erscheint nach einer Weltmeisterschaft in Deutschland sinnvoll, bei der sich „die Welt zu Gast bei Freunden“ 3 durchaus wohl fühlte und der Gastgeber in ungewohnt gelöster Weise sich und seine Gäste feierte. Darüber hinaus beschäftigt sich diese Arbeit mit stereotyper Wahrnehmung der Nachbarländer, bezüglich charakterlicher Eigenschaften und Spielweise. Obwohl die kulturelle und gesellschaftliche Wirkung von massenmedialen Sportgroßereignissen nicht von der Hand zu weisen ist, gibt es hierzu in der Forschung zur interkulturellen Kommunikation kaum Arbeiten. Eine Ausnahme bildet die Arbeit von Jochen Müller4, die die Fremdwahrnehmung Deutschlands und Frankreichs anhand der Sportberichterstattung in Printmedien und Fernsehen zur WM 1998 analysiert. Die vorliegende Arbeit orientiert sich vor allem im Theorieteil an der Müllers.
Auf Grundlage eines theoretischen Teils mit einem Kapitel über die Fremdwahrnehmung, wo erläutert werden soll wie diese entsteht, und inwieweit Fremdwahrnehmung immer auch stereotype Wahrnehmung ist, und einem Kapitel über die nationale Identität, worin anhand von Fußball erklärt werden soll, woher die Identifikation mit der eigenen Nation kommt, werden schließlich die Fernsehübertragungen eines Spiels der französischen Équipe5 und eines der deutschen Nationalmannschaft6 analysiert und verglichen. Die Spiele wurden über Kreuz betrachtet, d.h. das deutsche Spiel wurde beim französischen Privatsender M6 aufgezeichnet, während umgekehrt das Spiel der Franzosen dem deutschen öffentlichrechtlichen Sender ARD entnommen wurde. Dadurch sollen allgemeine Unterschiede in der Art ein Fußballspiel zu übertragen gefunden und analysiert sowie festgestellt werden ob man zwischen beiden Nationen von Mentalitätsunterschiede sprechen kann. Es sollen aber auch Rückschlüsse über die jeweilige Fremdwahrnehmung und im Besonderen über das etwaige neue Deutschlandbild gezogen werden.
2. Fremdwahrnehmung als stereotype Wahrnehmung?
Mit der Fremdwahrnehmung beschäftigen sich zahlreiche geisteswissenschaftlichen Disziplinen7. Allen ist der Ansatz gemein, dass der menschliche Verstand in der Fremdwahrnehmung versucht, die Realität bestmöglich nachzubilden, da diese im eigentlichen Sinne zu komplex erscheint. Dem Mensch also gelingt es nicht, alles Wahrgenommene aufzunehmen und in adäquater Weise zu verarbeiten.8 Daher wird die Realität auf ein solches Maß reduziert, das es dem Menschen erlaubt sie zu bewältigen.9 Ein wichtiger Parameter ist hierbei die Sozialisation, die das Maß der Vereinfachung bestimmt, sozusagen als Filter fungiert. Die Sozialisation ist die Summe der lebenslangen Lernprozesse auf individueller, aber auch auf kollektiver Ebene.10 Die Sozialisation könnte also als das Gedächtnis des Einzelnen und zugleich als eine Art Gedächtnis der Gesellschaft gesehen werden, in dem Kriegserfahrungen, dramatische Notlagen, aber auch kulturelle Hochzeiten fest verankert sind. Sozialisation als kollektiver Vorgang erklärt daher die Entstehung von Werten und Normen, die Merkmale und Ansichten, die einem Volk gemein sind.11 Die Sozialisation als bestimmender Parameter für die Fremdwahrnehmung zwischen zwei Völkern findet auf zwei Wegen statt: Einerseits auf direktem Wege, durch selbstgemachte Erfahrungen, die sogenannte Primärerfahrung.12 Andererseits wird die Sozialisation – also die Summe der Lernprozesse – aber auch durch verschiedene Instanzen wie Schule, Ausbildung, Sportverein, Freundeskreis, Familie, und vor allem Medien, beeinflusst. Dies wird als Sekundärerfahrung bezeichnet.13 Zwar kam und kommt es vor allem zwischen den hier zu behandelnden Nationen im Zuge der Deutsch- französischen Freundschaft vermehrt zu Primärkontakten, wie durch Schüleraustausch, Partnerstädte oder supranationale Projekten (z.B. Arte), doch erfassen diese nach wie vor nur einen kleinen Teil der Bevölkerung oder sind durch Sekundärerfahrungen bereits vorgeprägt.14 D.h. also, dass die Fremdwahrnehmung zwischen Nationen zu großen Teilen auf einer durch die Massenmedien vermittelte Sekundärerfahrung beruht.
[...]
1 Kassette 1 fortan: K1, 00:18:30.
2 Das WM- Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien auf dem französischen Sender M6 (K1) und das WM-Finale Frankreich gegen Italien auf ARD (K2).
3 So das offizielle Motto dieser Weltmeisterschaft.
4 Müller, Jochen, Von Kampfmaschinen und Ballkünstlern. Fremdwahrnehmung und Sportberichterstattung im deutsch-französischen Kontext. Eine Presse und Fernsehanalyse, St. Ingbert 2004.
5 K2
6 K1
7 Zur Fremdwahrnehmung findet man und anderem Arbeiten in der Psychologie, der Soziologie und der Politik- sowie Wirtschaftswissenschaften. Vgl.: Müller, Kampfmaschinen, S. 31.
8 Vgl.: Ebenda.
9 Vgl.: Ebenda
10 Vgl.: Ders., S. 32.
11 Vgl.: Ebenda
12 Ebenda.
13 Ebenda.
14 Vgl.: Müller, Kampfmaschinen, S. 33.
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