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Termpaper, 2004, 15 Pages
Author: Stefanie Manig
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Göttingen (Seminar für Deutsche Philologie)
Tags: Narziss-Motiv, Friedrich, Schlegels, Lucinde, Proseminar, Romantische, Liebe, Kategorie, Geschlecht
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62276-9
ISBN (Book): 978-3-638-84455-0
File size: 184 KB
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Abstract
Diese Hausarbeit befasst sich mit Friedrich Schlegels Roman „Lucinde“ und dem darin enthaltenen Narziss-Motiv. Wie ist die Konzeption der Selbstliebe in Schlegels Roman angelegt, bzw. wie narzisstisch wird Julius, der männliche Protagonist des Werkes, von ihm dargestellt? Inwieweit schließt Selbstliebe alle andere Liebe in sich ein und ist sie nicht eher der Ausdruck eines hemmungslosen Egoismus, der mit Liebe zu anderen Menschen nicht viel zu tun hat? Kann ein Narziss überhaupt „richtig“ lieben? Um dem Narzissmus an sich näher zu kommen, soll im ersten Teil der Arbeit die antike Fassung Ovids eingeführt und im zweiten Teil ein Vergleich zwischen der Vorlage des römischen Dichters und Schlegels Verarbeitung vorgenommen werden. Im dritten Teil der Hausarbeit werden verschiedene Textstellen aus dem Roman daraufhin untersucht, ob und inwieweit Julius narzisstisch ist und welche Rolle Lucinde dabei spielt.
Excerpt (computer-generated)
Proseminar:
Friedrich Schlegels Lucinde: Romantische Liebe und die Kategorie Geschlecht
SS 2004
Das Narziss-Motiv in Friedrich Schlegels „Lucinde“
von
Stefanie Manig
Medien – und Kommunikationswissenschaft, Germanistik
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Narziss-Motiv in F. Schlegels Roman „Lucinde“
2.1. Die Narziss-Geschichte in Ovids „Metamorphosen“ 4
2.2. Ovid und Schlegel - ein Vergleich 5
2.3. Der Narzissmus der Figur „Julius“ 9
3. Schlusswort 14
4. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
"Selbstliebe ist insofern sittlich, als sie alle andere Liebe in sich einschließt." Dieses Zitat von Friedrich Schleiermacher, Zeitgenosse und Freund von Friedrich Schlegel soll einerseits das Thema meiner Hausarbeit ein wenig vorbereiten, denn ich möchte mich nachfolgend mit Friedrich Schlegels Roman "Lucinde" und dem darin enthaltenen Narziss-Motiv befassen. Andererseits verstehe ich dieses Zitat auch als Frage: Inwieweit schließt denn die Selbstliebe alle andere Liebe in sich ein? Ist sie nicht eher der Ausdruck eines hemmungslosen Egoismus, der mit Liebe zu anderen Menschen nicht viel zu tun hat? Kann ein Narziss denn überhaupt "richtig" lieben? Und wie ist die Konzeption der Selbstliebe in Schlegels Roman überhaupt angelegt, bzw. wie narzisstisch wird Julius, der männliche Protagonist des Werkes, von ihm dargestellt?
Um dem Narzissmus an sich näher zu kommen, soll im ersten Teil der Arbeit die antike Fassung Ovids eingeführt und im zweiten Teil ein Vergleich zwischen der Vorlage des römischen Dichters und Schlegels Verarbeitung vorgenommen werden. Dabei müssen weitere Werke, die sich ebenfalls mit dem Narziss-Mythos befassten, unbeachtet bleiben, da ich mich ganz auf das Original von Ovid und die Verbindung zu Friedrich Schlegel konzentrieren möchte. Im dritten Teil meiner Hausarbeit untersuche ich verschiedene Textstellen aus dem Roman zur Klärung, ob und inwieweit Julius narzisstisch ist und welche Rolle Lucinde dabei spielt. Der Schluß soll einen Ausblick auf weitere Deutungsmöglichkeiten geben und dabei auch werkübergreifende Thematiken anschneiden.
2. Das Narziss-Motiv in F. Schlegels Roman „Lucinde“
2.1. Die Narziss-Geschichte in Ovids Metamorphosen
Schon bevor Publius Ovidus Naso seine "Metamorphosen" aufschrieb und im dritten Buch die Geschichte des Narziss verarbeitete, gab es Fresken, Statuen, Schmuckstücke und andere Abbildungen des schönen Jünglings sowohl in Griechenland als auch im Römischen Reich. Die Blume Narzisse war ebenso bekannt und wurde in verschiedenen, mündlich überlieferten Mythen auch mit Narziss in Verbindung gebracht. Ovid nahm also Teile des Gehörten und Gesehenen auf, dichtete ein paar Passagen dazu (z.B. den Echo - Abschnitt) und fügte sie in seine "Metamorphosen" ein.
Seither sind sämtliche Vorläufer dieser Sage vergessen und Ovids Version bildet die Grundlage für alle nachfolgenden literarischen Bezüge und Verarbeitungen1. Seine „Metamorphosen“ wurden zum eigentlichen Mythos, zur Urgeschichte und zur Anregung für alle Künstler, die sich durch die verschiedensten Epochen mit der Narziss–Thematik befassten. Dabei erfuhr die Geschichte allerhand Stilisierungen, Beschränkungen auf ein Motiv (z.B. die Wasserszene) und Deutungsversuche. Geblieben ist trotzdem bis heute die Präsenz von Ovids Originalerzählung: Demnach sind die Nymphe Liriope und ihr Vater, der Flussgott Cephisos, die Eltern von Narcissus. Schon früh wurde der Seher Tiresias nach dem Schicksal des Kindes befragt und er antwortete auf die Frage, ob Narcissus wohl alt werden würde: „Wenn er sich nicht kennet!“ Der Knabe wuchs heran und wies entgegen der allgemeinen Norm alle Annäherungsversuche von Männern und Frauen ab. Ein verschmähter Liebhaber rief daraufhin: „So lieb er denn selbst! So werd` er nicht froh des Geliebten!“ Narcissus streifte trotzdem lieber mit Gefährten jagend durch die Wälder und verlor bei dieser Gelegenheit einmal den Blickkontakt zu ihnen. Rufend, suchte er sie wiederzufinden, erhielt aber nur Antwort von Echo, einer Nymphe, die aufgrund eines Fluchs von Iuno nur die letzten Worte ihres Gegenübers wiedergeben konnte und die in Liebe zu dem Jüngling entbrannt war. Narcissus, meinend, dass die Antwort von den Gefährten käme, rief dazu auf, dass diese sich zeigen und man sich treffen solle. Nichts lieber tat Echo und rannte auf den Geliebten zu, bereit ihn zu umarmen und ihm ihre Liebe zu schenken. Narcissus aber wies sie erschrocken zurück und wünschte sich lieber den Tod, als die Nymphe zur Geliebten. Echo verging vor Scham und verkroch sich in den Wäldern, bis sie schließlich zu Stein wurde. Nur ihre Stimme bestand weiter.
[....]
1 Orlowsky, Ursula und Rebekka: Narziß und Narzissmus im Spiegel von Literatur, Bildender Kunst und Psychoanalyse. Vom Mythos zur leeren Selbstinszenierung, München, Wilhelm Fink Verlag, S. 32
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