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Die Geschlechtlichkeit in der Erzählung "Eine kleine Frau" von Franz Kafka

Hauptseminararbeit, 2006, 23 Seiten
Autor: Stefanie Manig
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 23
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V69883
ISBN (E-Book): 978-3-638-62277-6
ISBN (Buch): 978-3-638-67381-5
Dateigröße: 268 KB

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit zeichnet an der Erzählung „Eine kleine Frau“ das intersexuelle Verhältnis der auftretenden Figuren nach und verfolgt dabei verschiedene Ansätze der Analyse. Die Gender Studien finden hierbei speziell in ihrem interdisziplinären Ansatz besondere Berücksichtigung. Möglicherweise ist erst mit der Entstehung dieses neuen Forschungszweiges ein Instrumentarium gefunden, das Geschlechterverhältnis in Kafkas Erzählungen hinreichend aufzuschlüsseln. Diese Frage wird ebenso wie die zentrale Fragestellung der Arbeit: Wie wird Männlichkeit und Weiblichkeit im Kontext der Erzählung von Kafka eingesetzt und wie lassen sich daraus Interpretationsansätze ableiten? geklärt.


Textauszug (computergeneriert)

Deutsche Philologie – Neuere deutsche Literatur
Hauptseminar: Kafka und die Moderne
WS 2005/2006

Die Geschlechtlichkeit
in der Erzählung „Eine kleine Frau“ von Franz Kafka

von

Stefanie Manig

Deutsche Philologie, Medien- und Kommunikationswissenschaft
5. Fachsemester

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Geschlecht oder Gender?  4

3. Kontext der Erzählung „Eine kleine Frau“  5

4. Handlungszusammenfassung  6

5. Deutungsansätze zum Geschlechterverhältnis  6
5.1. Philosophisch-theologisch: Die Erbsünde  7
5.2. Sexuell: Die stete Angst vor Frauen  10
5.3. Biografisch: Die Vermieterin  14
5.4. Psychologisch: Berlin und Prag – irrationale Ängste  15

6. Parallelen zu anderen Werken Kafkas  19

7. Zusammenfassung  20

8. Literaturverzeichnis  22

 

 

1. Einleitung

Homosexuell, pervers, asexuell, masochistisch, gestört. All das sind Attribute, die schnell für Franz Kafka und sein Werk gefunden sind, wenn man das Augenmerk nur oberflächlich auf die Geschlechterverhältnisse und Sexualität der Charaktere richtet. Sicherlich war Kafkas gespanntes Verhältnis zur eigenen Sexualität und seine lebenslange Bindungsangst eine zentrale Problematik im realen Leben wie auch im literarischen Schaffen. Ein pauschales Urteil zu fällen wäre jedoch verfehlt, denn so wie es hinsichtlich anderer Schwerpunktthemen vielfältige Deutungsansätze gibt, so bieten sich auch für die Untersuchung der Geschlechtlichkeit in Kafkas OEuvre mannigfaltige Interpretationsmöglichkeiten an.


„Inhaltliche Eindeutigkeit ist kein Ziel gewesen, das Kafka anstrebte. Er war vielmehr überaus erfolgreich darum bemüht, seine Texte jeder einsinnigen Auslegungsmöglichkeit zu verschließen.“1 

Diese Arbeit will an der Erzählung „Eine kleine Frau“ das intersexuelle Verhältnis der auftretenden Figuren nachzeichnen und dabei verschiedene Ansätze der Analyse verfolgen. Die Gender Studien werden hierbei speziell in ihrem interdisziplinären Ansatz besondere Berücksichtigung finden. Möglicherweise ist erst mit der Entstehung dieses neuen Forschungszweiges ein Instrumentarium gefunden, das Geschlechterverhältnis in Kafkas Erzählungen hinreichend aufzuschlüsseln. Diese Frage wird ebenso wie die zentrale Fragestellung der Arbeit: Wie wird Männlichkeit und Weiblichkeit im Kontext der Erzählung von Kafka eingesetzt und wie lassen sich daraus Interpretationsansätze ableiten? zu klären sein.

Beginnend mit einer begrifflichen Abgrenzung zwischen dem deutschen ‚Geschlecht’ und dem englischen ‚sex’ und ‚gender’ soll ein sinnvolles Instrumentarium der Bezeichnungen herausgearbeitet, sowie ein kurzer historischer Abriss über die Entwicklung der Gender Studien gegeben werden. Dem folgend stelle ich einen kurzen Überblick über die Handlung der Erzählung dar, bevor der entstehungskontextuelle Aspekt beleuchtet wird. Im Hauptteil der Arbeit werden vier mögliche Deutungsansätze angeboten, die jedoch keineswegs die Auslegungsmöglichkeiten erschöpfend darstellen können. Sie gehen von vier unterschiedlichen Ansätzen aus, um einmal einer einseitigen Interpretation von Kafkas Werk vorzubeugen und andererseits das Geschlechterverhältnis dem Anspruch der Gender Studien folgend, interdisziplinär zu beleuchten. Das letzte Kapitel will versuchen, Parallelen zu anderen Werken Kafkas herzustellen, die der Erzählung „Eine kleine Frau“ entweder in der Erzählstruktur, dem Handlungsaufbau oder in der Darstellung einzelner Charaktere ähneln.

2. Geschlecht oder Gender?

Spätestens seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist der Diskurs über ‚Geschlecht’ und ‚Gender’ auch im deutschsprachigen Raum präsent. Im Zuge einer Arbeit über das Verhältnis von Männer- und Frauenbildern in Kafkas Werk ist es deshalb angebracht, über die zu wählenden Begrifflichkeiten nachzudenken, sie in das zu analysierende Werk einzuordnen und gegebenenfalls anzupassen.

Historisch gesehen entwickelten sich die Gender Studien Mitte der 70er Jahre aus den Women ´s Studies, die seit Ende der 60er Jahre ausschließlich Frauenforschung mit feministischem Hintergrund betrieben. Einen Bezug zwischen beiden Geschlechtern stellten erst die Gender Studien her, die auch erstmals die mögliche Trennung und das Verhältnis von biologischem und soziokulturellem Geschlecht im Forschungsdiskurs thematisierten.

Die englische Sprache ermöglicht eine stärkere Differenzierung zwischen biologischem und soziokulturellem Geschlecht, als es im deutschen Sprachgebrauch in dem Maße möglich ist2. Sex und gender sind zwei unterschiedliche Begriffe, für die es im Deutschen nur das Wort Geschlecht oder höchstens umständliche Umschreibungen gibt. Dass eine Unterscheidung jedoch wichtig ist, zeigt sich an der Problematik, dass eine Frau zwar biologisch weiblich sein kann, sich jedoch beispielsweise in der Rolle oder Identität eines Mannes bewegt. Wie soll hier mit dem deutschen Wort Geschlecht oder Geschlechtlichkeit eindeutig auseinander gehalten werden, ob die biologische oder soziale Funktion gemeint ist und dass es sich einmal um ein natürliches und das andere Mal um ein konstruiertes Geschlechterbild handelt? Durch die Einführung der Begriffe sex und gender in die Geschlechterforschung sind zwei hervorragend voneinander trennbare und deutlich differenzierbare Bereiche des menschlichen Geschlechtes nachvollziehbar geworden. Es soll im Zuge dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, die Begriffe sex und gender auch differenzierend im Bereich der Literaturwissenschaft einzusetzen und festzustellen, ob diese Begriffspräzisierung im Hinblick auf das Männer- und Frauenbild in Kafkas Erzählung „Eine kleine Frau“ trägt.

[....]


1 Möbus, Frank: Sünden-Fälle. Die Geschlechtlichkeit in Erzählungen Franz Kafkas. Göttingen: Wallstein Verlag 1994, S. 156.

2 Christina von Braun/Inge Stephan: Gender Studien. Eine Einführung. Stuttgart: Metzler Verlag 2000, S. 9ff.


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