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Title: Was ging schief beim "Untergang des Morgenlandes"? Eine exemplarische Sichtung der Geschichtsdarstellung von Bernard Lewis (Scholarly Paper (Advanced Seminar))
Was ging schief beim "Untergang des Morgenlandes"? Eine exemplarische Sichtung der Geschichtsdarstellung von Bernard Lewis

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 20 Pages
Author: Ismail Küpeli
Subject: Orientalism / Sinology - Islamic Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German

Archive No.: V70017
ISBN (E-book): 978-3-638-61435-1
ISBN (Book): 978-3-638-75457-6
File size: 225 KB

Abstract

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die Aufmerksamkeit einer breiteren westlichen Öffentlichkeit auf den Nahen und Mittleren Osten, den Islam und die Muslime gelenkt. So argumentierten einige Autoren, dass die islamistischen Organisationen keinesfalls als antikoloniale, bzw. antiimperialistische Kräfte in einem politisch und ökonomischen Sinne verstanden werden könnten. Vielmehr seien die Entstehung und Stärkung der Islamisten ein Resultat der undemokratischen Verhältnissen in den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens. Als Lösung wird dann eine umfassende und tiefgehende Demokratisierung des Nahen und Mittleren Osten vorgeschlagen. Einer der bekanntesten Vertreter dieser These ist Bernard Lewis. Die Bedeutung von Bernard Lewis basiert zum einen auf seiner selten infrage gestellten wissenschaftlichen Autorität und zum anderen darauf, dass politische Entscheidungsträger in den USA auf seine Geschichtsdeutungen, Begriffe und Konzepte zurückgreifen, wenn es um Analysen der politischen Vorgänge im Nahen und Mittleren Osten geht. Auch das vielzitierte Konzept vom „Kampf der Kulturen“ („Clash of Civilizations“) im Zusammenhang mit dem Westen und dem Islam geht auf Lewis zurück. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf das Buch „Der Untergang des Morgenlandes“ (Originaltitel “What went wrong?”) von Bernard Lewis, das 2002 erschienen ist. Die Publikation als Untersuchungsobjekt bietet sich auch deswegen an, weil Lewis in einer Vorbemerkung explizit Bezug auf die Anschläge vom 11. September 2001 nimmt, und sich nach Auskunft des Autors mit “größeren Zusammenhängen, Ideen und Einstellungen beschäftigt, die diesen Ereignissen [gemeint ist 9/11, A.d.A.] vorausgingen und sie bis zu einem gewissen Grad mit verursacht haben” (Lewis 2002: 7) Zuerst soll die Argumentationslinie in „Der Untergang des Morgenlandes“ dargestellt werden. Die Darstellung wird von einer genaueren Betrachtung der wissenschaftlichen Methoden, der Geschichtsdeutung, der Schlüsse und Lösungsvorschläge von Lewis begleitet. Die kleinschrittige Vorgehensweise in Unterpunkten empfiehlt sich, da eine stringente Argumentation nicht festzustellen war. Es folgt eine Diskussion über Defizite und Widersprüche auf formeller, methodischer und inhaltlicher Ebene.


Excerpt (computer-generated)

MANUAL

Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Philologie
Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften
Hauptseminar: Osmanische Europareisende
Wintersemester 2005/2006

Was ging schief beim „Untergang des Morgenlandes“?
Eine exemplarische Sichtung der Geschichtsdarstellung
von Bernard Lewis

von: Ismail Küpeli

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ...3

2. Die Darstellung und Deutung von Geschichte ...4

2.1. Der monolithische Islam ...5
2.2. Europa als Träger von Wissenschaft und Kultur ...6
2.3. Die kulturelle Ignoranz der Muslime ...7
2.4. Vom Scheitern der Muslime ...8
2.5. Zwischenspiel der Europäer ...10
2.6. Die Lösung der orientalischen Frage durch Frauenemanzipation und Säkularisierung? ...11

3. Exkurs: Lewis und die US-Kriege nach 9/11 ...14

4. Resümee ...15

4.1. „Kampf der Kulturen“ als politischer Mythos ...17

Literatur ...19




 

1. Einleitung

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die Aufmerksamkeit einer breiteren westlichen Öffentlichkeit auf den Nahen und Mittleren Osten, den Islam und die Muslime gelenkt. In diesem Zusammenhang erschienen zahlreiche Publikationen, die sehr unterschiedliche Erklärungsmuster und Lösungsansätze vorgaben. Ein Teil der Autoren machten die globale Dominanz der USA1 und die wirtschaftliche Vormachtstellung des Westens als Konfliktursache aus, und begriff die Anschläge als eine Reaktion auf diese Machtverhältnisse. Um zu verhindern, dass solche Anschläge sich wiederholten, sei es auch nötig, die ungerechte Behandlung und Ausbeutung der Dritten Welt zu beenden und nicht-westliche Kulturen mehr zu respektieren. Dagegen argumentierten andere Autoren, dass die islamistischen Organisationen keinesfalls als antikoloniale, bzw. antiimperialistische Kräfte in einem politisch und ökonomischen Sinne verstanden werden könnten. Vielmehr seien die Entstehung und Stärkung der Islamisten ein Resultat der undemokratischen Verhältnissen in den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens. Demokratische Kräfte würden staatlich unterdrückt, und dies würde dazu führen, dass als politische Akteure nur noch undemokratische Staaten und islamistische Oppositionsbewegungen übrig blieben. Als Lösung wird dann eine umfassende und tiefgehende Demokratisierung des Nahen und Mittleren Osten vorgeschlagen.

Einer der bekanntesten Vertreter dieser These ist Bernard Lewis. Die Bedeutung von Bernard Lewis basiert zum einen auf seiner selten infrage gestellten wissenschaftlichen Autorität und zum anderen darauf, dass politische Entscheidungsträger in den USA auf seine Geschichtsdeutungen, Begriffe und Konzepte zurückgreifen, wenn es um Analysen der politischen Vorgänge im Nahen und Mittleren Osten geht. Auch das vielzitierte Konzept vom „Kampf der Kulturen“ („Clash of Civilizations“) im Zusammenhang mit dem Westen und dem Islam geht auf Lewis zurück2.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf das Buch „Der Untergang des Morgenlandes“ (Originaltitel “What went wrong?”) von Bernard Lewis, das 2002 erschienen ist. Die Publikation als Untersuchungsobjekt bietet sich auch deswegen an, weil Lewis in einer Vorbemerkung explizit Bezug auf die Anschläge vom 11. September 2001 nimmt, und sich nach Auskunft des Autors mit “größeren Zusammenhängen, Ideen und Einstellungen beschäftigt, die diesen Ereignissen [gemeint ist 9/11, A.d.A.] vorausgingen und sie bis zu einem gewissen Grad mit verursacht haben” (Lewis 2002: 7). Auf weitere Publikationen von Lewis wird Bezug genommen, wenn es relevant für die Argumentation ist.

Zuerst soll die Argumentationslinie in „Der Untergang des Morgenlandes“ dargestellt werden. Die Darstellung wird von einer genaueren Betrachtung der wissenschaftlichen Methoden, der Geschichtsdeutung, der Schlüsse und Lösungsvorschläge von Lewis begleitet. Die kleinschrittige Vorgehensweise in Unterpunkten empfiehlt sich, da eine stringente Argumentation nicht festzustellen war. Es folgt eine Diskussion über Defizite und Widersprüche auf formeller, methodischer und inhaltlicher Ebene.


2. Die Darstellung und Deutung von Geschichte

In einem ersten Schritt ist es notwendig, die geographischen Grenzen in der Geschichtsdarstellung von Lewis kenntlich zu machen, weil zwar immer wieder von Morgenland, Orient und dem Islam als Region (sic!) die Rede ist, tatsächlich aber mehrheitlich das Osmanische Reich gemeint ist. Araber und Perser tauchen sehr selten, und wenn dann im Zusammenhang mit dem Osmanischen Reich, auf: So etwa beim Krieg zwischen den Safawiden und Osmanen (Lewis 2002: 16-17), oder bei den Konflikten zwischen den lokalen Machthabern auf der arabischen Halbinsel und den Osmanen, die sich um die Frage der Sklaverei drehten (Lewis 2002: 131-133).

2.1. Der monolithische Islam

[...]


1 Siehe Halliday 2001 und Fisk 2001

2 Siehe Lewis 1990: 60


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