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Scholary Paper (Seminar), 2007, 16 Pages
Author: Dr. phil. Daria Hagemeister
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Vienna (Institut für Germanistik )
Tags: Gottfrieds, Tristan, Musik, Proseminar, Isolde, 12. Jahrhundert, Mittelalter, fahrende Sänger und Musiker, Spielleute, Liebe
Year: 2007
Pages: 16
Grade: sehr gut (1)
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61441-2
ISBN (Book): 978-3-638-76893-1
File size: 132 KB
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Abstract
Das, was wir heute über die mittelalterlichen Spielleute wissen, stammt meist von schreibenden Mönchen. Unser Mittelalterbild ist durch die Augen der Kirche gefiltert. Doch was sagen die „elenden“ selbst dazu? Wir wissen darüber nichts, denn sie haben nicht geschrieben. Auch Tristan gehört zu den „elenden“. Mit 14 Jahren wird er von fahrenden Kaufleuten geraubt, weil sie an seinem Saitenspiel und seiner Schachkunst Gefallen gefunden hatten. Doch dann wird er aus Angst vor Gottes Strafe von ihnen in einem fremden Land einfach ausgesetzt. Nun tritt Tristan als Kulturbringer auf. Beim Einzug in die Burg Tintajol lässt er sich ein Horn geben und erstaunt die Menge mit fremdartigen Klängen. In dieser Szene wird deutlich, womit man bei Hofe beeindrucken kann: mit Jagdkünsten, Musikalität, Redekunst und natürlich mit dem Aussehen. Um 1200 beginnt die weltliche Oberschicht, die „potentes“, die Sänger und Dichter zu schreiben. Für Guido von Arezzo, der etwa um 1050 die Notenschrift erfunden hat, waren die Spielleute minderwertig, da sie die Sprache und Schrift der Gelehrten nicht beherrschten. Doch vielleicht wussten sie, die Zusammenspieler, viel mehr über Musik als die Zusammenleser. Auch für den höfischen Spielmann Tristan war die Musik nicht gelesen, sondern er spielt seine Noten nach dem Ohr, doch kommt es im „Tristan“ erstmalig zu der Verbindung von Buch und Spiel. Auch wird das erste Mal in der deutschsprachigen Literatur die Musik in einem derartigen Ausmaß thematisiert. Der Detailreichtum lässt auf Gottfrieds eigene musikalische Ausbildung schließen. Und wenn Tristan in den Versen 19188–19218 mit seiner Musik um Isolde Weißhand wirbt, dann wird er hier explizit als Komponist ausgewiesen. In den Versen 3591 – 3600 wird direkt auf die Rezeption der Musik Bezug genommen und auf ihre Wirkung auf die Zuhörer hingewiesen. In Gottfrieds „Tristan“ wird Musik ganz gezielt eingesetzt, um Beziehungen anzubahnen, um bei Hof und anderen Menschen Eindruck zu machen und um sich einzuschmeicheln. Tristan wirbt für sich selbst und seine Kultur, die er an das andere Volk weitergibt. In der Liebesgrotte musizieren die Liebenden dann mit der größten Hingabe und Ausdauer, welches „spil“ wegen der Zweideutigkeit des Ausdrucks auch als Liebesspiel verstanden werden kann. Die Musik und die Ausgiebigkeit, mit der sich das Paar der Musik widmet, werden so zum Gradmesser ihrer Innerlichkeit und damit auch zum Ausdruck ihrer Liebe.
Excerpt (computer-generated)
Gottfrieds Tristan und die Musik
von: Dr. Daria Hagemeister
WS 2006/2007
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Tristan Seite 5
2.1. Tristan und der Götterbote Hermes Seite 5
2.2. Tristan der „elende“ Seite 5
2.3. Tristan als Kulturbringer Seite 7
2.4. Tristan als Figur an der Wende Seite 7
2.5. Der vaterlose Tristan Seite 9
2.6. Tristan und sein Oheim Marke Seite 10
2.7. Der verletzte Tristan Seite 11
3. Die Funktion der Musik Seite 13
3.1. Die manipulatorische Macht der Musik Seite 13
3.2. Kulturaustausch durch Musik Seite 13
3.3. Musik als Ausdruck körperl. u. seel. Wohlbefindens Seite 13
3.4. Musik als Zahlungsmittel Seite 14
3.5. Musik als Freizeitbeschäftigung Seite 14
3.6. Musik und die Liebe Seite 14
4. Schlussbetrachtungen Seite 15
5. Literaturangaben Seite 16
1. Einleitung
Der Tristanstoff bildet seit seinen Anfängen im 12. Jh. eine Antithese zum Artusstoff. Die Artussage entwickelt eine positive Gesellschaftsutopie, indem der Held in der Minnefreundin seine Ehefrau findet und sich gleichzeitig als Ritter bewährt, wodurch er sich seinen Platz in der Gesellschaft erobert. Somit werden in der Artussage nach Chrétien de Troyes die an sich gegensätzlichen Begriffe „Liebe“ (= „Minne“ als Begehren) und „Ehe“ (als Besitz) in dem Helden vereint. Der Tristanstoff, im Gegensatz dazu, stellt sich gegen die geheiligte Ordnung. Die unentrinnbare Liebe des Helden verstößt gegen göttliches Recht und die Gesellschaft. Der Held muss unweigerlich in diesem Kampf untergehen.1
Wie die Artussage hat auch der Tristanstoff einen realhistorischen Kern und geht auf keltische Quellen zurück.1 Damit möchte ich auch gleich zum Namen „Tristan“ kommen, der lt. Gottfrieds eigener Aussage von „triste“ (= traurig) kommt. Im Keltischen bedeutet „Tristan“ hingegen „Waffenlärm“ oder „klirrendes Schwert“. Auch der Name „Isolde“ ist keltischen Ursprungs und heißt „die Gerechte“.
In der mittelalterlichen Literatur geht es nicht um Ausdruck persönlicher und unmittelbar erfahrbarer Wirklichkeit, sondern um das Allgemeine, das Ideelle und Typische, das allein als Realität gilt, die in Gott begründet ist und auf die sich alles bezieht. Daraus wiederum erklärt sich die hyperbolische Darstellung von Helden. Eine psychologische Motivierung, die wir aufgrund unseres neuzeitlichen Verständnisses erwarten würden, ist der mittelalterlichen Dichtung fremd. Die mittelalterlichen Helden und somit auch Tristan stellen Symbole dar, mit deren Hilfe im Einzelnen dem Allgemeinen Ausdruck verliehen wird.2
Tristan ist eine zutiefst widersprüchliche Figur. Er verkörpert Freude und Leid in seiner Person und wird somit zum klassischen Paradigma der Affekte. Paradigmatisch ist auch zu verstehen, dass seine Mutter gleichzeitig mit dem neuen Leben auch den Tod empfing. In diesem Sinne muss man auch die Figur des Tristan verstehen. Er ist kein Mensch aus Fleisch und Blut. Er ist eine Allegorie und erfüllt eine bestimmte Funktion. Er ist ein Held, ein mythischer Heilbringer einer mittelalterlichen kollektivistischen Gesellschaft und als solcher entzieht er sich jeglicher Beurteilung aus einer neuzeitlich individualistischen Perspektive. Dementsprechend muss man auch die Bedeutung der Emotionen in Gottfrieds Tristan in ihrem Kommunikations- und Handlungscharakter erfassen. Ebenso ist die Andersartigkeit der mittelalterlichen Gefühlsausdrücke zu berücksichtigen. Einen großen Anteil haben nämlich nonverbale Formen der Gefühlsvermittlung, wie Gestik, Mimik und Bewegung.3 Unter diesem Gesichtspunkt muss man wohl auch Tristan als Träger der Minne betrachten. Ursprünglich meinte das Wort „Minne“ nicht nur die Liebesbeziehung zwischen Geschlechtern, sonder bezeichnete auch allgemein freundschaftlich emotionale Bindungen, sowie ein „freundliches Gedenken“ gegenüber Gott. Erst im Spätmittelalter erfolgte dann die Begriffseinschränkung auf die sexuelle, erotische Liebe. Durch die zunehmende Emotionalisierung und Individualisierung der Beziehung des Menschen zu Gott, haben sich analog dazu auch die zwischenmenschlichen Beziehungen verändert. Ein ausgeprägtes Ich- Bewusstsein hingegen und eine Hinwendung zu einem nicht austauschbaren Du, Selbstreflexion und Selbstanalyse sind dem mittelalterlichen Helden und somit auch der Figur des Tristan fremd. In dem Roman geht es vielmehr um die gesellschaftliche Auffassung von Liebe. Tristans Liebe ist gleichzeitig vollkommen und korrupt, sie ist rein und schuldig zur selben Zeit. Genauso zwiespältig ist die Haltung des Helden der Gesellschaft gegenüber. Einerseits stellt er sich ins Abseits und verstößt gegen ihre Regeln, andererseits ist sie ihm ein unabdingbares Gut.4
2. Tristan
2.1. Tristan und der Götterbote Hermes
[...]
1 Vgl.: Huber, Christoph „Gottfried von Straßburg Tristan und Isolde“, Artemis Einführungen, Band 24 (hrsg. von Peter Brang, u. a., Artemis Verl. München und Zürich 1986, S. 11-12. (Siehe auch: Andreas Kapellanus Ausführungen über die Liebe im Traktat „De Amore“, das vermutlich 1186 entstand).
2 Vgl.: Wapnewski, Peter „Deutsche Literatur des Mittelalters, Göttingen 2/1960, S. 48.
3 Kasten, Ingrid: Forschungsfeld Emotionalität in: „Codierungen von Emotionen im Mittelalter“, Hrsg. Jaeger, C. Stephen und I. K., Berlin 2003, S XIII – XXVIII.
4 Beifuß, Elke: „Über die Minne im Tristan Gottfrieds von Straßburg und das Verständnis von Liebe und Ehe in der Gesellschaft um 1200“, Hausarbeit im Fach Dt. Literaturwiss., Univ. Bremen 2000.
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23.10.2008 02:18:41
.. ich möchte der Autorin dieser Arbeit, dem betreuenden Professor oder der Universität Wien nicht zu nahe treten, aber diese Arbeit ist wirklich miserabel. Selbst für ein Proseminar - meine Professoren würden das hier unkorrigiert zurückgeben, verbunden mit der Frage, ob das Geschreibsel ernst gemeint ist... Nicht zu empfehlen!! Ärgere mich jetzt noch über meine 7€.