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Scholary Paper (Seminar), 2003, 24 Pages
Author: Claudia Behm
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Ernst Moritz Arndt University of Greifswald (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Besonderheiten, Erzählstruktur, Werk, Franz, Kafkas, Franz, Kafka
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61452-8
File size: 158 KB
Die Seminararbeit zeigt die Besonderheiten in den Erzählstrukturen im Werk Franz Kafkas auf, wobei diese jeweils am Roman Der Prozeß exemplifiziert werden
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Excerpt (computer-generated)
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Deutsche Philologie
Hauptseminar: Franz Kafka, WS 2002/2003, 5. Semester
Besonderheiten der Erzählstruktur im Werk Franz Kafkas
von: Claudia Behm
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Thematische und sprachliche Grundzüge 4
1.1 Thematische Grundzüge in Kafkas Gesamtwerk und im „Prozeß“ 4
1.2 Wortwahl und Sprache 6
1.2.1 Wortwahl und Sprache im Gesamtwerk 6
1.2.2 Wortwahl und Sprache im „Prozeß“ 8
1.3 Beziehungen zwischen Thematik und Spache 8
2. Die Rolle des Erzählers in Kafkas Werken 9
2.1 Die Erzählperspektive im „Prozeß“ 9
2.2 Zur „Einsinnigkeit der Erzählweise“ in Kafkas Werken 11
2.2.1 Auffassungen zur einsinnigen Erzählweise in Kafkas Werken 11
2.2.2 Zur „Einsinnigkeit der Erzählperspektive“ im Prozeß 14
2.3 Die Verwendung der erlebten Rede zur Darstellung der Innenwelt 14
2.4 Hypothetischer Erzählstil im „Prozeß“ 16
3. Besonderheiten der Temporalstruktur in Kafkas Werken 17
3.1 Vom „stehenden Sturmlauf“ im Werk Kafkas 17
3.2 Die Zeitstruktur im „Prozeß“ 20
Schlusswort 22
Literaturverzeichnis 23
Einleitung
Kafkas Prosa ist sekundär sinnbezogen und primär sinndestruierend.1 Doch wie setzt der Autor dies sprachlich um? Wie wird in seinen Werken Spannung erzeugt und was ist das erzählerisch Besondere, das seine Werke von denen anderer Autoren unterscheidet?
Die vorliegende Seminararbeit zeigt die Besonderheiten in den Erzählstrukturen im Werk Franz Kafkas auf, wobei diese jeweils am Roman „Der Prozeß“ exemplifiziert werden. Bereits im ersten Satz des „Prozeß“- Romans offenbart sich dem Leser eine Ausgangsituation, die ihm sogleich einige Eigentümlichkeiten des Werkes erahnen lässt. Dem Protagonisten geschieht etwas, das sein Leben grundsätzlich verändert und auf das Ende hin orientiert. Franz Kafka schrieb das erste und das letzte Kapitel des „Prozeß“ direkt nacheinander. Dennoch besteht ein bedeutsamer Unterschied zwischen den beiden Romanabschnitten. Die paradoxe Lösung der Verhaftung im letzen Kapitel steht im Gegensatz zur Vielzahl der Lösungsmöglichkeiten im ersten Kapitel. Die Lösungen in der Eröffnungsszene reichen vom Selbstmord bis zum Aufräumen des Zimmers der Frau Grubach. Die Kapitel zwischen diesen beiden Abschnitten führen lediglich additiv neue Ansichten und Kontexte ein. Eine Vielzahl der Lösungsvorschläge reduziert sich auf den Tod Joseph K.s.2 In der Arbeit sollen die Rolle des Erzählers sowie die besondere Temporalstruktur im Vordergrund stehen. Um Zusammenhänge zu verdeutlichen, wird im ersten Kapitel jedoch auch auf thematische Eigentümlichkeiten des Werkes Kafkas eingegangen.
1. Thematische und sprachliche Grundzüge
1.1 Thematische Grundzüge in Kafkas Gesamtwerk und im „Prozeß“
Im Gesamtwerk Franz Kafkas ist eine allgemeine Thematik und Problematik feststellbar, die seine Dichtung als Ganzes bestimmen. Der thematischen Einheitlichkeit des Werkes entspricht darüber hinaus eine Konstanz seiner stilistischen Gestaltung. Wie es im Folgenden dargestellt wird, stehen Thematik und Sprache im Werk Kafkas im engen Zusammenhang. Sie entfalten sich überhaupt erst miteinander.
Durchgängig gilt, dass alle Helden scheitern, sie ihr angestrebtes Ziel nie erreichen und daraufhin resignieren. Die Protagonisten werden nicht nur besiegt, sondern sie nehmen ihre Niederlage zuletzt auch willig an. Ihr Versuch der Selbstbehauptung wird in der letzten Stunde freiwillig aufgegeben. Aus der Selbstrechtfertigung der Helden wird ein Selbstgericht. Die Katastrophe der Helden erfolgt oftmals ganz unerwartet, jedoch nicht unbegründet. Am Ende zeigt sich, dass das Unheil die Auswirkung einer Schuld oder die Folge eines Versagens ist. Welche Schuld dabei vorliegt, wird nicht erwähnt, denn sie ist eine vorgegebene Fundamentalschuld, die somit nicht benannt oder spezifiziert werden muss. Durch Gesetzesparagraphen ließe sie sich ohnehin nicht festlegen. Das Ziel der Kafkaschen Dichtung ist es, die Schuldsituation als solche zu erhellen. Dabei gilt auch eine existentielle Schuld als moralisch zu verantwortende Schuld.
Um Gericht und Strafe geht es nicht nur in den Erzählungen „Das Urteil“, „In der Strafkolonie“ und dem Roman „Der Prozess“, sondern im Gesamtwerk Kafkas. Als tieferer Sinn der durchgehenden Gerichtsthematik kann analysiert werden, dass der Held sein Scheitern letztendlich selbst verschuldet hat und die Entwicklung des Geschehens ihn schließlich zur Erkenntnis seiner verborgenen Schuld bringt. Dargestellt wird der Prozess seiner Desillusionierung und seiner moralischen Selbstenthüllung, was ihn schlussendlich dazu treibt, sich freiwillig unter das absolute Gesetz zu unterwerfen.
Franz Kafka beschreibt somit durchgängig eine Selbsttäuschung des Menschen. Dieser ist a priori immer schuldig und erkennt deshalb das Gesetz nicht. Deshalb ist es dem Menschen auch nicht möglich, seine Schuld selbst einzusehen.3
Auch die im Kafkaschen Werk dargestellte Weltordnung und ihr System ist auf Grund wiederholt auftretender Kennzeichen im Gesamtwerk beschreibbar. Als Charakteristika der Kafkaschen Welterfahrung führt Hiebel drei wesentliche Merkmale an.4 Die Welt im Werk Kafkas ist demnach zutiefst unerklärlich und paradox. Sie gewinnt nur als Metapher an Gestalt und ihre Darstellung ist eine Vermischung zwischen Innen- und Außenwelt. Die Erzählung „Eine kaiserliche Botschaft“5 spiegelt modellhaft die Gesamtkonstruktion einer Weltordnung wieder. Der Einzelne wird dabei als gänzlich isoliert vom Volk dargestellt. Sein individuelles Erfahrungsmuster wird zum Welterklärungsmodell ausgeweitet. Es wird die Unmöglichkeit jeder existentiellen Kommunikation des Einzelnen mit der Zentralinstanz geschildert. Im unüberschaubaren Weltsystem scheint die paradoxe Beziehung zwischen dem Individuum und der Zentralfigur, in der es den Fluchtpunkt seiner Existenz sieht, eingebettet zu sein.6
[...]
1 Fromm, S. 45
2 Fromm, S. 135ff.
3 Nagel, S. 80ff.
4 Hiebel, S. 13
5 In: Hermes, S. 305
6 Meurer, S.69ff.
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