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Hauptseminararbeit, 2006, 37 Seiten
Autor: Stefanie Stein
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Tags: Friedrich, Schiller, Frauenbild, Kontrast, Frauengestalten, Friedrich, Schiller
Jahr: 2006
Seiten: 37
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-62423-7
Dateigröße: 212 KB
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Textauszug (computergeneriert)
FAU Erlangen – Nürnberg, Germanistik
Institut für Neuere Deutsche Literatur
HS: Friedrich Schiller
Friedrich Schiller und sein Frauenbild
im Kontrast zu seinen dramatischen Frauengestalten
von: Stefanie Stein
Gliederung
Friedrich Schiller, sein Frauenbild im Kontrast zu seinen dramatischen Frauengestalten 3
Kurzbiographie 7
Die zeitgenössische Diskussion zur Frauenrechtsfrage im Kontext der Aufklärung 10
Schillers Idealbild einer Frau: weibliche Attribute in seiner Lyrik 17
Analyse des Drama „Maria Stuart“ anhand dieser Attribute 22
Fazit: Schiller als gespaltene Person in Lyrik, Leben und Drama 35
Literaturhinweise 37
Primärliteratur: 37
Sekundärliteratur 37
Während ich die Schillerschen Texte las, fiel mir auf, dass zwischen den Frauenfiguren in seinen Dramen und dem Bild der Frauen, das er in der Realität bevorzugte oder das er in seinen Gedichten pries eine gewaltige Kluft herrschte. In dem „Lied von der Glocke“ las ich zum Thema Frau folgendes:
„Der Mann muss hinaus
Ins feindliche Leben,
Muss wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muss wetten und wagen,
Das Glück zu erjagen.
Da strömet herbei die unendliche Gabe,
Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn´ Ende
Die fleißigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.
Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
Und ruhet nimmer.“1
In einem Brief an Körner beschrieb er das Ideal seiner zukünftigen Frau, manifestiert in Wielands Ehefrau: „´häßlich wie die Nacht, aber brav wie Gold... ein nachgiebiges gutmüthiges Geschöpf ... äußerst wenig Bedürfnisse und unendlich viel Wirtschaftlichkeit.´“2 Und in den Tagebuchaufzeichnungen von Christiane von Wurmb, wurde er folgendermaßen zitiert: „Es ist ein eigen seltsam Ding um die gelehrten Frauens! Wenn sie einmal den ihnen angewiesenen Kreis verlassen, so durchfliegen sie mit schnellen ahndeten Blick unbegreiflich rasch die höhren Räume. Aber dann fehlt ihnen die starke, anhaltende Kraft des Mannes, der eisern Mut, jeden Hindernis ein ernstes Überwinden entgegen zu setzen, um fest und unaufhaltsam in diesen Regionen fortzuschreiten. Das schwächere Weib hat seinen ersten schönen Standpunkt verloren – sie kann nicht mehr zurück und wird entweder zur eitlen Törin – oder unglücklich. Und selbst die himmlische Kunst! Was kann sie den zarten Weibe bieten, das diese nicht sich unbewusst , in stiller Tätigkeit, in stiller Übung ihres hohen heiligen Berufs in liebender Brust fände? – Und selig der Mann der ein solches Kleinod zu schätzen weiß, und die Freundin seines Herzens bei Arbeiten und häuslichen Beschäftigungen sucht, um sich an ihren anspruchslosen Talenten von seinen mühevollen Streben zu erheitern.“3 In der Bühnenbearbeitung von „Turandot – Kaiserin von China“ ließ er seine Heldin in einem ganz anderen Ton sprechen:
„(...) Ich bin nicht grausam. Frei nur will ich leben.
Bloß keines andern will ich sein; dies Recht,
Das auch dem allerniedrigsten der Menschen
Im Leib der Mutter anerschaffen ist,
Will ich behaupten, eine Kaiserstochter.
Ich sehe durch ganz Asien das Weib
Erniedrigt, und zum Sklavenjoch verdammt,
Und rächen will ich mein beleidigtes Geschlecht
An diesem stolzen Männervolke, dem
Kein andrer Vorzug vor dem zärtern Weibe
Als rohe Stärke ward. Zur Waffe gab
Natur mir den erfindenden Verstand,
Und Scharfsinn, meine Freiheit zu beschützen.
- Ich will nun einmal von dem Mann nichts wissen,
Ich hass ihn, ich verachte seinen Stolz
Und Übermut – Nach allem Köstlichen
Streckt er begehrlich seine Hände aus,
Was seinem Sinn gefällt, will er besitzen.
Hat die Natur mit Reizen mich geschmückt,
Mit Geist begabt – warum ists denn das Los
Des Edeln in der Welt, dass es allein
Des Jägers wilde Jagd nur reizt, wenn das Gemeine
In seinem Unwert ruhig sich verbirgt?
Muss denn die Schönheit einer Beute sein
Für einen? Sie ist frei so wie die Sonne,
Die allbeglückend herrliche am Himmel,
Der Quell des Lichts, die Freude aller Augen,
Doch keines Sklavin und Leibeigentum.“4
Der Ursache dieses Unterschieds auf den Grund zu gehen, habe ich mir zur Aufgabe gemacht. Zuerst werde ich kurz die für diese Arbeit wichtigen Punkte in seiner Biographie ansprechen. Auf Ausführlichkeit muss hier verzichtet werden, sowie auf eingehende Beschäftigung mit seinen theoretischen Texten, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Im folgenden werde ich mich kurz mit der zeitgenössischen Diskussion zum Thema Weiblichkeit auseinandersetzen. Hier konzentriere ich mich vor allem auf Kant und Rousseau, da diese Denker maßgeblichen Einfluss auf Schiller hatten.
Im Hauptteil werde ich versuchen Schillers Frauenideal und die diesem zugeordneten Attribute herauszuarbeiten, um dann darzustellen, dass sie eben nicht auf die großen Frauengestalten in seinen Dramen, wobei ich mich hier auf eines exemplarisch beschränken muss, zutreffen. Um meine These zu belegen habe ich das Drama „Maria Stuart“ mit den zwei widersprüchlichen Entwürfen von Weiblichkeit als Hauptfiguren ausgewählt. Meine Schlussthese wird Schiller als gespalten in seiner ideellen und reellen Darstellung weiblicher Figuren darstellen.
Kurzbiographie
[...]
1 Albert Meier (Hrsg.), Friedrich Schiller, Sämtliche Werke, Band 1, dtv, München, 2004, S.429ff.
2 Sigrid Damm, ebd., S.91
3 Schillers Werke, Nationalausgabe, Band 42, Weimar, 1967, S.311
4 Albert Meier (Hrsg.), Friedrich Schiller, Sämtliche Werke, Band 3, dtv, München, 2004, S.849f.
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