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Strategische Gruppe 5: Die Bauern - Sind diese für Demokratie mobilisierbar?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 37 Pages
Author: Stefanie Stein
Subject: Politics - Political Systems - General

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 37
Bibliography: ~ 33  Entries
Language: German
Archive No.: V70108
ISBN (E-book): 978-3-638-62427-5

File size: 229 KB


Excerpt (computer-generated)

Friedrich – Alexander – Universität, Institut für politische Wissenschaften
Hauptseminar: Entwicklung und Demokratisierung in Pacific Asia
SS 2006, Fachsemester: 10

Strategische Gruppe 5: Die Bauern - Sind diese mobilisierbar für Demokratie?

von: Stefanie Stein

 


Gliederung

Sind Bauern mobilisierbar für Demokratie?  3

Theoretischer Teil – Theorie der Strategischen Gruppen  5

Karl Marx  6
Barrington Moore 8
Mao Tse-tung  13

2. Länderbeispiele  16

Taiwan 16
Die Philippinen 20
Volksrepublik China  26

Fazit  33

Bibliographie 35




 

Sind Bauern mobilisierbar für Demokratie?

„Agriculture... is the first in utlity, and ought to be the first in respect.“1

Nicht nur in vorindustriellen oder sich entwickelnden Gesellschaften spielen Bauern eine große Rolle. Die unabhängige nationale Nahrungsmittelversorgung ist auch in den industrialisierten bzw. postindustrialisierten Ländern des Westens oft ein wichtiges Anliegen, welches es im Haushalt zu berücksichtigen gilt. Als Beispiel kann man sich die landesweiten Proteste der französischen Bauern vor der letzten Verabschiedung des EU- Haushaltsplanes vor Augen führen. Nun haben die französischen Bauern eine große Lobby, sind organisiert und leben sicher nicht am Existenzminimum, daher hat sich die Vergleichbarkeit mit den „peasants“ der in dieser Arbeit zu behandelnden Länder bereits erschöpft. Trotz ihres Defizits bei der Vertretung ihrer Interessen, stellen diese in vielen Ländern die Mehrheit der Bevölkerung und bilden so die Masse, die bei einer politischen Veränderung ausschlaggebend wäre. Gerade für das demokratische Projekt spielen sie daher eine große Rolle. Viele gesellschaftliche Umbrüche der Vergangenheit wurden auf dem Rücken und mit Hilfe der Bauern ausgetragen, so z.B. die kommunistische Revolution in Russland. Die Umwandlung in eine moderne Gesellschaft ist ohne Umbrüche im ländlichen Raum nicht möglich. Ich möchte mich in dieser Arbeit mit der Frage beschäftigen, ob Bauern prinzipiell an Demokratie interessiert sind. Sind Bauern politisch? Sind sie mobilisierbar? Lassen sie sich für Demokratie mobilisieren oder doch lieber für ein autoritäres System? Sind sie als Gruppe überhaupt existent? Um diese Fragen beantworten zu können, muss jedoch eine genauere Klassifizierung des Begriffes Bauern vorgenommen werden. Die Form des Agrarwirtes wie er in Deutschland und so auch in Europa bekannt ist, unterscheidet sich enorm von denen der Länder Taiwan, Philippinen und China, welche ich als Länderbeispiele gewählt habe. In den drei Ländern gibt es keine starke mittelständische Bauernschaft wie in Europa, sondern ein, an feudale Verhältnisse erinnerndes System von Großgrundbesitzer und Kleinbauern, kombiniert mit einem Pachtsystem, das oft die Besitzer einseitig begünstigt. Dies trifft mal mehr mal weniger zu, wird im Weiteren jedoch noch ausführlicher behandelt. Man kann also im Marxschen Terminus von den Bauern oder, wie ich sie im weiteren Verlauf der Arbeit nennen möchte, peasants/Kleinbauern bzw. Bauern im Sinne von peasant, als ausgebeuteter Klasse sprechen. „Peasants“ werden laut Oxford dictionary definiert: „peasant (esp formerly or in poorer countries) a poor farmer owning or renting a small piece of land which he or she cultivates; (…))”2 Im Gegensatz dazu die Definition des europäischen Bauern: “Bauer: (Landwirt), Eigentümer oder Pächter eines landwirtsch. Betriebes, der ohne fremde Arbeitskräfte bewirtschaftet wird und aus dem der überwiegende Teil des Familieneinkommens stammt. Nach der Nutzfläche teilt man die Betriebe in groß- (20-100 ha), mittel- (5-20 ha) und kleinbäuerliche (2-5 ha) ein. (...))“3

Um der Frage nach der kleinbäuerlichen Einstellung bezüglich Demokratie nachzugehen, beziehe ich mich auf die Theorien bzw. Aussagen Karl Marx´, Barrington Moores und Mao Tse- Tungs. Zuerst werde ich eine Analyse der Teorie der Strategischen Gruppen von Evers und Schiel ausarbeiten um dann die Einstellung Moores, Marx und Maos zu den Bauern ihrer Zeit zu Beginn meiner Arbeit im theoretischen Teil zu demonstrieren. Danach werde ich den Gehalt der Theorien anhand der Länderbeispiele Taiwan, Philippinen und China überprüfen. Ausgewählt wurden diese Länder aufgrund ihrer prinzipiellen Vergleichbarkeit trotz signifikanter Unterschiede, so dass sie einen repräsentativen Querschnitt bilden können. Ich werde ebenfalls der Frage nachgehen, ob die jeweilige nationale Entwicklung typisch für Asien ist oder ebenso in Lateinamerika hätte statt finden können. In meinem Fazit werde ich noch einmal kurz die Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassen.

Theoretischer Teil – Theorie der Strategischen Gruppen

Evers und Schiel haben die Theorie der Strategischen Gruppen in den 60er Jahren entwickelt und sie wird auch heute noch, teilweise modifiziert, angewandt, um differenziert die gesellschaftliche Dynamik zu erklären, die zu einer Verschiebung der Machtressourcen innerhalb eines Systems führt. Dabei werden Strategische Gruppen folgendermaßen definiert: „...Personen, die durch ein gemeinsames Interesse an der Erhaltung oder Erweiterung ihrer gemeinsamen Aneignungschancen verbunden sind. Diese Appropriationschancen beziehen sich nicht ausschließlich auf materielle Güter, sondern können auch Macht, Prestige, Wissen oder religiöse Ziele beinhalten. Das gemeinsame Interesse ermöglicht strategisches Handeln, d.h. langfristig ein „Programm“ zur Erhaltung oder Verbesserung der Appropriationschancen zu verfolgen.“ Um ihre Aneignungschancen zu verbessern, versuchen Menschen, die auf die gleiche Weise zu den gewünschten Ressourcen kommen, sich zusammenzuschließen und Macht zu erlangen. Z.B. Arbeiter entwickeln ein kollektives Bewusstsein dafür, dass sie ähnliche Bedürfnisse und Probleme haben. Sie schließen sich zusammen um ihren Forderungen größeres Gewicht zu verleihen. Dies manifestiert sich in einer Demokratie institutionell durch die Bildung von Gewerkschaften, welche wiederum als Vertreter Einfluss an einflussreicherer Stelle nehmen können. Durch den Zusammenschluss mehrerer Strategischer Gruppen über Konflikt und Konsens kommt es dann zur Bildung von Klassen. Eine Strategische Gruppe wird immer versuchen die Macht, meistens die politische Macht, zu erlangen, um eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Sie wird also ein politisches oder wirtschaftliches System schaffen, dass ihre Bedürfnisse maximal befriedigt. Es entsteht eine Superstruktur, in die sich andere entweder einfügen können um systemimmanent ebenfalls Interessen durchzusetzen oder sie wenden sich gegen die bestehende Ordnung. Strategisches Handeln wird in diesem Konzept definiert als: „... ein langfristig angelegtes, geplantes Handeln, welches auf das Erreichen eines wichtigen komplexen Ziels gerichtet ist und in der Hauptsache die Gewinnung einer sicheren ökonomischen Position hinsichtlich der Mehrproduktaneignung meint.“ Diese Ziel wird durch zwei Optionen erreicht. Zum einen durch Hybridisierung, womit die Ausweitung der Aneignungschancen durch die Erschließung neuer Quellen gemeint ist, oder durch Strategische Bündnisse, worunter man den Zusammenschluss mit anderen Strategischen Gruppen bis hin zur Symbiose versteht. Wichtig ist die Art der Aneignung des gesellschaftlichen Mehrprodukts. Hier wird unterschieden zwischen einer persönlichen (Löhne, Gehälter, Honorare durch Professionals), korporativen (erwirtschaftete Profite, Dividenden durch Unternehmer oder Geschäftsleute), kollektiven (staatliche Revenuen in Form von Steuern und Abgaben durch Militär oder Staatsbeamte) und Grundbesitz (Pachten, Renten Bodenzins). Die Strategische Gruppe wird das Herrschaftssystem also ihrer jeweiligen Aneignungsweise anpassen. Als Quasi – Gruppen werden jene zusammengefasst, die nicht an der Abschöpfung des gesellschaftlichen Mehrwertes teilnehmen können. Zu diesen zählen die Kleinbauern. Allerdings können sie zu einer Strategischen Gruppe werden, wenn sie eine kollektive Identität entwickeln und die Grundlage für ein gemeinsames strategisches Handeln schaffen. Folgt man jedoch Karl Marx sind Bauern dazu nicht in der Lage.

Karl Marx

[...]


1 Thomas Jefferson, http://etext.virginia.edu/jefferson/quotations/feff1320.htm, 20.8.2006

2 Oxford Advanced Learner´s Dictionary of Current English, AS Hornby, Fifth Edition, Editor: Jonathan Crowther, Oxford University Press, 1995

3 Die Zeit – Lexikon in 20 Bänden, Hrsg: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Hamburg 2005


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