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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 74 Pages
Author: cand. rer. oec. Manuel Rimkus
Subject: Geography / Earth Science - Economic Geography
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Wirtschaftsgeographie)
Tags: Wirtschaftlicher, Wandel, Formen, Kooperation, Großchinesischen, Wirtschaftraum, Regionale, Entwicklungsprobleme, Großchinesischen, Wirtschaftraum
Year: 2007
Pages: 74
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 120 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61495-5
File size: 2490 KB
Präsentationsfolien zusätzlich enthalten.
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Abstract
Nach Angaben der Weltbank erhöhte sich das chinesische BIP in der ersten Jahreshälfte 2006 aufgrund gestiegener Investitionen und Exporte um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte damit das schnellste Wirtschaftswachstum der vergangenen 10 Jahre. Der chinesische Außenhandelsüberschuss stieg im zweiten Quartal 2006 auf das Rekordniveau von 38 Mrd. USD. Zeitgleich legte der Inlandskonsum um 13,9 Prozent und die Sachinvestitionen um 27,7 Prozent zu. Angesichts dieser Entwicklungen werden aktuell die kritischen Stimmen gegenüber einem zu schnellen wirtschaftlichen Wandel und einer möglichen Überhitzung der Volkswirtschaft wieder lauter. Aus einzelwirtschaftlicher Perspektive bleibt China aufgrund seiner Wirtschaftsdynamik, niedrigen Lohnkosten und hohen Marktpotentials ein anziehender Standort für ausländische Direktinvestitionen, die mit 60,3 Mrd. USD in 2005 zu den weltweit höchsten zählen. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass der zunehmende Preiswettbewerb mittelfristig zu einem Sinken der Gewinnmargen und dem Verlust von Marktanteilen bei einzelnen Unternehmen des produzierenden Gewerbes führen wird. Der Pluralismus der Lebensstile, die Heterogenität des Marktes und die kulturelle Vielfalt Chinas erfordern für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit sehr genaue Kenntnisse der volkswirtschaftlichen, sozioökonomischen und wirtschaftspolitischen Interaktionen. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, den Transformationsprozess Chinas zur sozialistischen Marktwirtschaft und die Strukturen grenzüberschreitender Kooperationen unter Verwendung regulationstheoretischer Erkenntnisse zu analysieren sowie die Interdependenzen zwischen dem nationalen Wandel und den supranationalen Kooperationsformen aufzuzeigen.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Hauptseminararbeit am Institut für Wirtschaftsgeographie
Regionale Entwicklungsprobleme im Großchinesischen Wirtschaftraum (GCWR)
Wintersemester 2006/2007, 8. Semester
Wirtschaftlicher Wandel und Formen
der grenzüberschreitenden Kooperation im GCWR
von: Manuel Rimkus
Inhaltsverzeichnis
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Abkürzungsverzeichnis [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
1. Einleitung, Zielsetzung und Ablauf der Analyse 5
2. Definitorische Einordnung und Systematisierung 8
3. Theoretischer Analyserahmen 10
3.1. Entwicklungszusammenhang der Regulationstheorie
3.2. Kritische Würdigung und Weiterentwicklung 12
4. Analyse des wirtschaftlichen Wandels und Formen der grenzüberschreitenden Kooperation im GCWR 15
4.1. Modul I: Gesamtwirtschaftlicher Wandel und länderübergreifende Kooperationen
4.1.1. Wirtschaftspolitischer Transformationsprozess
4.1.2. Formen der internationalen Wirtschaftskooperation 19
4.2. Modul II: Sozioökonomischer Wandel und grenzüberschreitender Austausch von Personen und Ideen 25
4.2.1. Paradigmenwechsel in der Wirtschaftspolitik
4.2.2. Internationaler Austausch von Personen und Ideen 27
4.3. Modul III: Veränderungen im Konsumverhalten und die Nachfragestruktur des chinesischen Konsumenten 29
4.3.1. Wandel des Konsummusters
4.3.2. Relevanter Markt für ausländische Unternehmen 30
4.4. Modul IV: Wandel der Produktionsweise und Formen der grenzüberschreitenden Unternehmenskooperation 33
4.4.1. Wandel der Produktionsweise und Branchenstruktur
4.4.2. Formen der Unternehmenskooperation 36
4.5. Exkurs: Intra- und intermodulare Beziehungsanalyse 41
5. Analyseergebnisse und Handlungsempfehlungen 45
Literaturverzeichnis 47
Anhang 1 57
Anhang 2 69
1. Einleitung, Zielsetzung und Ablauf der Analyse
Mit der Ernennung Deng Xiaopings auf der dritten Vollversammlung des Elften Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas im Dezember 1978 zum Nachfolger des verstorbenen politischen Führers Mao Zedong, begann eine neue Periode der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik.1 Die zweite Führungsgeneration erklärte zu ihrem politischen Schwerpunkt, die „sozialistische Modernisierung“ des Wirtschaftssystems, wie die Modernisierung der Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Technik sowie des Militärs.2 Der schrittweise Umbau der sozialistischen Wirtschaftsordnung durch eine Entkollektivierung der Landwirtschaft, die spätere Legitimierung eines privaten Unternehmertums oder die Zulassung ausländischer Direktinvestitionen (ADI) verhalf China zu einer überdurchschnittlichen Wirtschafts- und Wachstumsdynamik, die bis heute anhält (siehe Abb.A1).3
Der wirtschaftliche Strukturwandel wurde nach dem Tod des Reformers Deng Xiaoping auch von seinem Nachfolger Jiang Zemin ab Februar 1997 durch Reformen des Regierungs- und Verwaltungsapparates, der Staatsunternehmen sowie der Banken und Finanzmärkte fortgeführt.4 Nach einem sprunghaften Anstieg der realen Zuwachsraten des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) Anfang der 90er Jahre auf über 14 Prozent reduzierte sich Chinas Wachstum in Folge der indirekten Auswirkungen der Asienkrise 1997/1998, wie der Rückgang der ADI, Exporte und Inlandsnachfrage, auf unter 8 Prozent.5 Dadurch gewann damals in der wissenschaftlichen Diskussion eine kritisch Analyse zur Asieneuphorie von Krugmann (1994) an Bedeutung, wonach die Zuwachsraten der „Newly industrializing countries“ bzw. „Tigerstaaten“ in erster Linie auf ihrem extensiven Wachstum beruhten.6
Nach Angaben der Weltbank erhöhte sich das chinesische BIP in der ersten Jahreshälfte 2006 aufgrund gestiegener Investitionen und Exporte um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte damit das schnellste Wirt- schaftswachstum der vergangenen 10 Jahre.7 Der chinesische Außenhandelsüberschuss stieg im zweiten Quartal 2006 auf das Rekordniveau von 38 Mrd. US-Dollar (USD). Zeitgleich legte der Inlandskonsum im Vergleich zum Vorjahr um 13,9 Prozent und die Sachinvestitionen um 27,7 Prozent zu.8 Angesichts dieser Entwicklungen werden aktuell die kritischen Stimmen gegenüber einem zu schnellen wirtschaftlichen Wandel und einer möglichen Überhitzung der Volkswirtschaft wieder lauter.9
Mit den Folgen der zunehmenden internationalen Handelsverflechtung und der beschleunigten Öffnung und Liberalisierung des chinesischen Marktes seit dem Beitritt Chinas zur WTO im November 2001 musste sich genau ein Jahr später auch der bis heute regierende Staatschef Hu Jintao auseinandersetzen.10 Nach Schätzungen ausländischer Experten führte der staatliche Umbau defizitärer Großbetriebe, Abbau von Überkapazitäten und die Verschärfung der Wettbewerbssituation zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf bis zu 200 Mio. der 1,3 Mrd. Menschen.11 Das Zerbrechen der sog. „Eisernen Reisschüssel“, der staatlich geförderten Beschäftigungsgarantie und Mindestsozialversicherung, verstärkte die Einkommensdisparitäten und Migration zwischen den verarmten westlichen Provinzen und den prosperierenden östlichen Ballungszentren (siehe Abb.A2).12
Neben dieser Gefährdung der sozioökonomischen Stabilität Chinas steht das Land vor großen Herausforderungen bei der Außenwirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik, und ist daher auf grenzüberschreitende Kooperationen im asiatischen Integrationsraum und im globalen Kontext angewiesen.13 Aus einzelwirtschaftlicher Perspektive bleibt China aufgrund seiner Wirtschaftsdynamik, niedrigen Lohnkosten und hohen Marktpotentials ein anziehender Standort für ADI, die mit 60,3 Mrd. USD in 2005 zu den weltweit höchsten zählen. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass der zunehmende Preiswettbewerb mittelfristig zu einem Sinken der Gewinnmargen und dem Verlust von Marktanteilen bei einzelnen Unternehmen des produzierenden Gewerbes führen wird.14
Abb. 1: Ablauf der Analyse [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Der Pluralismus der Lebensstile, die Heterogenität des Marktes und kulturelle Vielfalt Chinas erfordern für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit sehr genaue Kenntnisse der volkswirtschaftlichen, sozioökonomischen und wirtschaftspolitischen Interaktionen. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, den Transformationsprozess Chinas zur sozialistischen Marktwirtschaft und die Strukturen grenzüberschreitender Kooperationen unter Verwendung regulationstheoretischer Erkenntnisse zu analysieren sowie die Interdependenzen zwischen dem nationalen Wandel und den supranationalen Kooperationsformen aufzuzeigen. Der Ablauf der Analyse gliedert sich formal in vier Abschnitte (siehe Abb.1).
Im ersten Schritt erfolgt eine definitorische Einordnung und Systematisierung der wichtigsten Begriffe und getroffenen Abgrenzungen. Danach schließt sich ein kurzer Diskurs zu den Grundlagen der Regulationstheorie nach Bathelt (1994)15 an, der einer theoretischen Weiterentwicklung eines modularisierten Analyserahmens dienen soll. Im dritten Abschnitt wird in vier Modulen die deskriptive Analyse durchgeführt, die jeweils nach dem Prozess des Wandels und der Struktur der Formen grenzüberschreitender Kooperation unterscheidet. Eine intra- und intermodulare Beziehungsanalyse (Exkurs) unter Verwendung von Ergebnissen einer quantitativen Online-Befragung in China und die aus der Arbeit resultierenden Handlungsempfehlungen schließen die Analyse ab.
Abb. 2: Themengebiete der modularisierten Analyse [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
2. Definitorische Einordnung und Systematisierung
Die wissenschaftliche Literatur zur internationalen Chinaforschung beschreibt unter dem Großchinesischen Wirtschaftsraum (GCWR) im weiteren Sinne die Produktionsstandorte in der Volksrepublik China (VRC), Hongkong, Macao und Taiwan sowie die wirtschaftlichen Handels- und Kapitalverflechtungen mit den südostasiatischen Auslandschinesen insbesondere in Singapur.16 Durch die definitorische Offenheit kann sich der GCWR unter dem Begriff „Greater China“ in seiner globalen Dimension auch auf die transnationale Netzwerkökonomie zwischen allen ethnisch-kulturell verbundenen chinesischen Unternehmen erstrecken. 17
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird der GCWR im engeren Sinne als das wirtschaftspolitische Gebiet der VRC und ihren Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macao sowie Taiwan verstanden und nachfolgend als China bezeichnet. Wegen der ökonomischen Bedeutung von Direktinvestitionen und Handelsverflechtungen zwischen Hongkong und Taiwan mit der VRC werden diese Verbindungen jedoch berücksichtigt.18 Am Untersuchungsgegenstand China analysiert die Arbeit die Themengebiete wirtschaftlicher Wandel und Formen der grenzüberschreitenden Kooperation (siehe Abb.2). Ein ökonomisches Raumsystem lässt sich mit den Variablen Struktur, Prozess und Interaktion beschreiben.19 Aufgrund der besonderen Relevanz von wirt- schaftlichen Akteuren20 für die sozioökonomischen Veränderungen und internationalen Kooperationen modifiziert die Analyse die Systemelemente. Die Struktur beschreibt hier die Formen der grenzüberschreitenden Kooperation auf gesamtwirtschaftlicher, informell-kultureller und einzelwirtschaftlicher Ebene im supranationalen Maßstab. Dabei spielen Akteure wie der Staat, Individuen oder Unternehmen als Wirtschaftssubjekte die entscheidende Rolle. Der Prozess beinhaltet die Entwicklungsdynamik des wirtschaftlichen Wandels in seiner wirtschaftspolitischen, sozioökonomischen und volkswirtschaftlichen Dimension auf nationaler Ebene. Die Akteure bleiben die Gleichen. Der Begriff des wirtschaftlichen Wandels wird an dieser Stelle als evolutionäre Entwicklung durch den ökonomischen Veränderungsprozess verstanden und grenzt sich damit vom revolutionären Wandel21 ab. Die eingangs geschilderte Reform- und Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping seit 1978 steht demnach am Anfang des Transformationsprozesses in China. Die Reduktion der vorliegenden Arbeit auf einen reinen Systemvergleich mit der VRC ab ihrer Gründung 1949 unter Mao Zedong22 wird damit vermieden. Dieser erschließt sich jedoch implizit aus den Ausführungen zum wirtschaftlichen Wandel (siehe Abb.A3).
Die Interaktion steht für die Interdependenz zwischen der Struktur und dem Prozess. Der Analyse liegt die Annahme zugrunde, dass der wirtschaftspolitische Reform- und Öffnungsprozess die Grundvoraussetzung für viele Formen der grenzüberschreitenden Kooperation darstellt und diese wiederum den wirtschaftlichen Wandel beeinflussen. Durch den unmittelbaren wechselseitigen Zusammenhang spiegelt sich die wirtschaftspolitische, sozioökonomische und volkswirtschaftliche Analysedimension des Wandels auf allen Ebenen der Struktur wider. Um diese Verflechtungen im Einzelnen beschreiben und bewerten zu können, wird im Nachfolgenden ein geeigneter Analyserahmen mit Hilfe regulationstheoretischer Erkenntnisse aufgestellt.
3. Theoretischer Analyserahmen
[...]
1 Vgl. Seitz, K. (China 2006), S.227f.
2 Vgl. Brinkmann, T. (Unternehmen in China 2004), S.21f.
3 Vgl. Heilmann, S. (Aufstieg zur Weltmacht 2005), S.8.
4 Vgl. Seitz, K. (China 2006), S.384.
5 Vgl. Fischer, D. (Weltwirtschaft 2005), 19ff.
6 Vgl. Krugman, P. (Asia`s Miracle 1994), S.72ff; Fischer, D. (Regionale Integration 2003), S.2f.
7 Vgl. Li, L. (Quarterly Update 2006), S.1ff.
8 Vgl. China9.de, (Chinas Wirtschaft 2006).
9 Vgl. Fischer, D. (Sozialistische Marktwirtschaft 2005), S.11.
10 Vgl. Plasschaert, S. (China and the WTO 2004), S.5ff; Heilmann, S. (Parteitag 2003), S.1f.
11 Vgl. Bosch/Dolles/Reichenbach/Schramm (Chinas Transformationsprozess 2003), S.21.
12 Vgl. Dietrich, H. (Arbeitssystem China 1993), S.102f.
13 Vgl. Fischer, D. (Sozialistische Marktwirtschaft 2005), S.14.
14 Vgl. Abele, C. (VR China 2006), S.4f;US-China Business Council (Foreign Investment 2006).
15 Vgl. Bathelt, H. (Regulationstheorie 1994).
16 Vgl. Meyer-Clement/Schubert (Greater China 2004), S.1ff; Möller, K. (Ferne Osten 1998), S.5.
17 Vgl. Meyer-Clement/Schubert (Greater China 2004), S.1ff.
18 Eine Darstellung weiterer binnenwirtschaftlicher Verflechtungen findet nicht statt.
19 Vgl. Schätzl, L. (Wirtschaftsgeographie 2003), S.21ff.
20 Vgl. Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.21ff.
21 Heberer (2002) definiert in diesem Zusammenhang: „Dabei muss zwischen radikalem und fundamentalem Wandel einerseits und graduellem, evolutionärem Wandel andererseits unterschieden werden. Radikaler Wandel ist in der Regel Folge massiven Widerstands der Herrschenden gegen Wandel, so dass diejenigen, die Veränderungen wollen, kollektive Macht gegen diesen Widerstand mobilisieren müssen. Gradueller Wandel hingegen bedingt, dass die Widerstände der Herrschenden gegen Wandel nicht konfrontativ betrieben werden, sondern Gegenstand von Verhandlungen sein können.“, Heberer, T. (Dilemma politischer Reformen 2002), S.3.
22 Vgl. Schmidt-Glintzer, H. (Neues China 2006), S.74f.
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