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'Die europäische Währungsunion - Motor der europäischen Integration?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 27 Pages
Author: Diplom Politikwissenschaftlerin Nicole Haak
Subject: Politics - International Politics - Topic: Globalisation, Political Economics

Details

Event: Die Europäische Union als regionaler und internationaler Akteur
Institution/College: Martin Luther University (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Währungsunion, Motor, Integration, Europäische, Union, Akteur
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V70187
ISBN (E-book): 978-3-638-61503-7

File size: 188 KB


Excerpt (computer-generated)

MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG
INSTITUT FÜR POLITIKWISSENSCHAFT
Hauptseminar: „Die Europäische Union als regionaler und internationaler Akteur“
SS 2003

Die europäische Währungsunion – Motor der europäischen Integration?

von: Nicole Brömme

 


Gliederung

1 Was ist Integration?  3

2 Integrationstheorien 5

2.1 David Mitranys Funktionalismus  5
2.2 Der föderalistische Integrationsansatz  7
2.3 Der Neofunktionalismus  9

3 Die Europäische Währungsunion 13

3.1 Historische Etappen 14
3.2 Politische und ökonomische Gründe für die WWU 17
3.3 Die fehlenden Drei und die neuen Zehn des Euros  22
3.4 Die fehlenden Drei und die neuen Zehn des Euros  23

4 Resümee  24

5 Literaturverzeichnis 26



 

1 Was ist Integration?

Um die tiefere Bedeutung der Europäischen Währungsunion zu begreifen, ist es unabdingbar die Gründe die dazu führten aufzuzeigen und die Rolle der Währungsunion als „Integrationsmotor“ der Europäischen Union zu untersuchen. In diesem Zusammenhang werden zu Beginn erst einmal die Begrifflichkeiten, wie Integration und Integrationstheorie zu klären sein. Um klare Definitionen zu erhalten, wird auf verschiedene Autoren und ihre Darstellungen zurückgegriffen. Im zweiten Abschnitt werden die drei großen politischen Integrationstheorien Funktionalismus, Föderalismus und Neofunktionalismus erklärt und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen genannt.
Der dritte Teil dieser Arbeit beschäftigt sich explizit mit der Europäischen Währungsunion. So werden die wichtigsten historischen Etappen dieses einzigartigen Unterfangens bis hin zur gemeinsamen Währung aufgezeigt. Im Anschluss sollen die politischen und ökonomischen Gründe und Ziele die zu einer Währungsunion führen analysiert werden. Der nachfolgende Gliederungspunkt wird sich mit Dänemark, Schweden und Großbritannien und ihr Verhältnis zum Euro beschäftigen. Sie stellen die Drei noch fehlenden EU-Länder ohne die Gemeinschaftswährung dar. Auch sollen die zehn Osterweiterungsländer nicht außen vor bleiben. Im gesamten Verlauf wird versucht nachzuweisen, ob einzelne Aspekte einer oder mehrerer Theorien im Bezug auf die Europäische Währungsunion zutreffend sind. Weiterhin wird das Abhängigkeitsverhältnis zwischen der EU und der Währungsunion zu klären sein, denn innereuropäisch gilt sie als Motor der Integration, wobei die Abhängigkeit vom Wohlwollen der beteiligten Staaten nicht unterschätzt werden darf. Auch erhofft sich die Europäische Union durch eine harte gemeinsame Währung eine gestärkte Rolle in der Welt(-wirtschaft).
Abschließend werden im Punkt vier die wichtigsten Thesen und Erkenntnisse noch einmal zusammengetragen, sowie die zentrale Fragestellung nach der Motorfunktion der WWU beantwortet. An dieser Stelle soll der Integrationsbegriff klar definiert werden, wobei es sich hierbei um ein schwieriges Unterfangen handelt, da es „einen“ gültigen Integrationsbegriff als solchen nicht gibt. Aus diesem Grund werden hierfür mehrere Vertreter aufgeführt. Integration ist vom lateinischen Begriff „integratio“ abgeleitet und bedeutet übersetzt „Einbeziehung“. Im Allgemeinen wird damit die Entstehung oder Fähigkeit einzelner Elemente zu einer Einheit oder Ganzheit bezeichnet.1 In Ernst B. Haas Vorstellung über politische Integration heißt es, „Political integration is the process whereby political actors in several distinct national settings are persuaded to shift their loyalties, expectations and political activities toward a new centre, whose institutions possess or demand jurisdiction over the pre-existing national states. The end result of a process of political integration is a new political community, superimposed over the pre-existing ones.”2
Bellers und Häckel weisen darauf hin, dass es sich bei der Bezeichnung „internationale Integration” um einen Schlüsselbegriff dreht, da es sich um einen Prozess handelt der gleichzeitig einen Zustand beschreibt, sowie als (End-) Ziel verstanden werden kann. Inhaltlich bleibt ihrer Meinung nach der Begriff aber unscharf, da nicht erkennbar ist „[...] ob er sich auf intergouvernementale oder supranationale Organisationen, Bundesstaaten oder Konföderationen, die Herausbildung oder Überwindung von unterschiedlichen Merkmalen, auf mehr oder weniger Zentralität, Homogenität oder Universalität beziehen soll oder alles zugleich, das bleibt unklar oft auch unausgesprochen.“3
Wichard Woyke definiert Integration als „[...] Prozess des Loyalitätstransfers von zwei oder mehreren Akteuren auf einen neuen Akteur.“ und weiter schreibt er „Integration meint also die friedliche und freiwillige Zusammenführung von Staaten, Volkswirtschaften und Gesellschaften über bislang bestehende nationale, verfassungspolitische und wirtschaftspolitische Grenzen hinweg.“4 Karl W. Deutsch geht in seinen Schriften davon aus, das politische Integration die Möglichkeit von friedlicher Konfliktlösung beinhaltet und er schreibt, „The central concept is that of a ‘security-community,’ which is ‘a group of people which has become integrated:’ that is, they have attained within a territory... a ‘sense of community’ and ... institutions and practices strong enough and widespread enough to assure, for all ‘long’ time, dependable expectations of ‘peaceful change’ among its population.”5

2 Integrationstheorien

Wie bereits einleitend erwähnt, beschäftigt sich dieses Kapitel mit den klassischen politikwissenschaftlichen Integrationstheorien, welche weitgehend dem liberalen Internationalismus und seinem Konzept „peace by integration“ verpflichtet sind. 6 Zu ihnen zählen der Föderalismus, der Funktionalismus sowie der Neofunktionalismus. Hierbei werden unterschiedliche Hauptquellen verwendet, um eine Differenzierung bzw. Weitblick zu gewähren. Auch sollen die Urväter dieser integrativen Ansätze erwähnt und ihre ursprünglichen Beweggründe nicht vergessen werden. Im weiteren Verlauf sollen auch die Vor- und Nachteile jeder Denkweise aufgezeigt werden, wobei hier auf die europäische Integration Bezug genommen wird. Bei dem Begriff Integrationstheorien handelt es sich um Theorien auf dem Gebiet der Internationalen Beziehungen deren Schwerpunkte in der Suche nach den Möglichkeiten und Voraussetzungen liegen, unter denen Nationalstaaten zu einem größeren Ganzen (Einheit bzw. Gemeinschaft) zusammenwachsen können.7 Ihr Erkenntnisinteresse ist zum einen Teil auf zwischenstaatliche und zum anderen auf supranationale Formen des politisch-institutionellen Zusammenschluss Europas gerichtet. Dabei verfolgt das Geschehen der Integration das Hauptziel der Friedenssicherung, aber auch Wohlfahrtsmaximierung, Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen, grenzüberschreitende Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung und die anfängliche Verflechtung von Teilmärkten zu einem gemeinsamen Markt stehen dabei im Vordergrund.8

2.1 David Mitranys Funktionalismus

[...]


1 Vgl. Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf, Lexikon der Politikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe, Band 2, München 2002, S. 360.

2 Haas, Ernst B., The uniting of Europe. Political, social and economic forces 1950-1957, in: „The politics of European Integration”, Michael O´Neill (ed.), New York 1996, S. 195 f.

3 Bellers, Jürgen/Häckel, Erwin, Theorien der internationalen Integration und internationaler Organisation, in: „Theorien der Internationalen Beziehungen. Bestandsaufnahme und Forschungsperspektiven“, Volker Rittberger (Hrsg.), Opladen 1990, S. 304.

4 Woyke, Wichard, Europäische Union. Erfolgreiche Krisengemeinschaft, München 1998, S. 1.

5 Lindberg, Leon N., Political integration. Definitions and hypotheses, in: „The European Union. Readings on the theory and practice of European Integration”, Brent Nelsen (ed.), Boulder 1994, S. 101.

6 Vgl. Woyke, Europäische Union, S. 2.

7 Vgl. Nohlen/Schultze, Lexikon der Politikwissenschaft, S. 361.

8 Vgl. Woyke, Europäische Union, S. 2.


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