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Das Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns 'Der Sandmann'

Termpaper, 2007, 17 Pages
Author: Yvonne Rollesbroich
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Institution/College: RWTH Aachen University
Tags: Motiv, Augen, Hoffmanns, Sandmann
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V70238
ISBN (E-book): 978-3-638-61528-0

File size: 138 KB


Excerpt (computer-generated)

Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte
Hauptseminar: Das andere des Textes / der Text des Anderen:
Ansätze einer psychoanalytischen Theorie der Literatur
WS 2005/2006, 12. Semester

Das Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

von: Yvonne Rollesbroich

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Inhaltsangabe 3

3. Charakterisierung der Hauptfiguren 5

3.1. Clara 5
3.2. Coppelius/Coppola 6
3.3. Olympia 6

4. Die Bedeutung der Augen für Nathanaels Wahnsinn 8

5. Augenangst als Kastrationsangst 11

6. Zusammenfassende Betrachtung 14

7. Literatur 16



 

1. Einleitung

Mit dem Begriff der Romantik verbindet man idyllische Landschaften und nostalgische Bilder einer harmonischen Liebesbeziehung. Der literaturgeschichtliche Blick auf die Epoche der Romantik zeigt jedoch, dass diese Vorstellungen zu einseitig sind. Unter „romantisch“ fällt hier ebenso das Verborgene, Abgründige, Dunkle und somit Unheimliche. E.T.A. Hoffmann, einer der bedeutendsten Vertreter dieses Zeitabschnitts, behandelt das Thema der dunklen Seite der menschlichen Existenz mehrfach in seinen Erzählungen.
Eines seiner unheimlichsten Werke ist das Kunstmärchen „Der Sandmann“ im ersten Band seines zweiteiligen Zyklus „Nachtstücke“. Betrachtet man lediglich den Titel, liegt die Assoziation mit dem freundlichen Sandmännchen des deutschen Volksmythos nahe. Dieses streut den Kindern vor dem Einschlafen Sand in die Augen, so dass sie müde werden.
Die Annahme, dass es sich bei Hoffmanns „Der Sandmann“ um eine liebliche Gute-Nacht- Geschichte handelt, wird bereits nach Lektüre der ersten Seiten entkräftet. Die eindrucksvolle Schilderung der grausamen Kindheitserinnerung des Protagonisten Nathanaels verdeutlicht dem Leser die groteske und Angst einflößende Grundstimmung des Textes (S. 3-5)1.
Das Hauptthema ist der sich entwickelnde Wahnsinns Nathanaels, ausgelöst durch den Advokaten Coppelius, in dem er die Figur des unheimlichen Sandmanns sieht. Es tauchen immer wieder zwei Motive auf: das des künstlichen Menschen im Zusammenhang mit dem Automaten Olympia und das der Augen im Märchen des Sandmanns. Sigmund Freud begründet in seinem Text „Das Unheimliche“ die Wirkung der Erzählung eher mit dem Leitmotiv der Augen als mit dem des Automaten2. Aufgrund dessen hab ich mich für eine Analyse dieses Themas entschieden.
Einleitend wird kurz der Inhalt der Geschichte anhand der einzelnen Ereignisse, die im Zusammenhang mit den Augen stehen, wiedergegeben. Es folgt eine Charakterisierung der Hauptfiguren durch die Beschreibung ihrer Augen. Kapitel vier beginnt mit der Darstellung der Rolle des Motivs in Bezug auf die Entwicklung von Nathanaels Wahnsinn. Daraufhin wird Freuds Interpretation der Augenangst als Kastrationsangst analysiert.
Die der Erzählung zugrunde liegende Multiperspektivität bietet verschiedenste Interpretationsmöglichkeiten. Aufgrund dessen kann hier keine eindeutig objektive Analyse zu erwarten sein. Welche Wirkung die unterschiedlichen Situationen rund um das Motiv der Augen und der damit verbundenen Unheimlichkeit haben, hängt von der subjektiven Betrachtung jedes einzelnen ab, so dass lediglich mögliche Assoziationen, keine unwiderruflichen Tatsachen dargelegt werden.

2. Inhaltsangabe

Die Erzählung beginnt mit einem Briefwechsel zwischen der Hauptfigur Nathanael, seiner Verlobten Clara und ihrem Bruder Lothar. Verängstigt durch die Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola, erinnert sich Nathanael an eine schreckliche Erfahrung in seiner Kindheit (S. 3). Er erkennt in ihm den Advokaten Coppelius, der das damalige Familienglück zerstörte.
Es gab Abende in seiner Jugend, an denen die Kinder unter der Erzählung der Sandmanngeschichte, früher zu Bett gebeteten wurden als üblich. Die Neugierde Nathanaels geweckt, befragte er seine Mutter genauer. Sie bestritt jedoch die Existenz des Sandmanns, worauf er sich an die Amme seiner Schwester wendete. Ihre Antwort ist die Basis für alle sich entwickelnden Ängste des Jungen:

„Das ist ein böser Mann, der kommt zu dem Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen
und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, daß sie blutig zum Kopf herausspringen, die
wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen;
die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der
unartigen Menschenkindlein Augen auf.“3

Während der Begegnung mit Coppelius im Zimmer des Vaters (S. 9), hat Nathanael aufgrund des Märchens große Frucht, dass ihm die Augen herausgerissen werden, da er in dem Besucher die Schreckensgestalt des Sandmanns sieht. Sogar des Vaters Tod während einem der Experimente schreibt er dem Advokaten zu. Den Brief mit diesem Erlebnis adressiert Nathanael versehentlich an Clara, die in ihrem Antwortschreiben versucht den Verlobten zu beruhigen (S. 12). In einer weiteren Mitteilung an ihren Bruder Lothar beschreibt er die Ankunft des Professors Spalanzani und dessen Tochter Olympia (S. 15).

[...]


1 E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann. Hrsg. v. Rudolf Drux. Stuttgart: Reclam. 1991.

2 Siehe hierzu: Freud, Sigmund: Das Unheimliche. In: Psychologische Schriften Bd. IV. Studienausgabe. S. Fischer Verlag GmbH. Frankfurt am Main. 1970. Seite 243-274.

3 E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann. Hrsg. v. Rudolf Drux. Stuttgart: Reclam. 1991. S. 5.


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