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Andreas Gryphius - Der Vanitas-Gedanke

Termpaper, 2007, 23 Pages
Author: Yvonne Rollesbroich
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V70239
ISBN (E-book): 978-3-638-61529-7
ISBN (Book): 978-3-638-67411-9
File size: 167 KB

Abstract

Alles wofür wir hart arbeiten, sei es Geld, Macht oder Ruhm, ist unbeständig, da es die Ewigkeit auf Erden nicht gibt. Der Tod gehört zum menschlichen Leben und niemand weiß, wann er uns ereilt. Dies liegt nicht in unserer Hand, sondern allein in der des Allmächtigen oder des Schicksals. Geht man nun davon aus, dass dieses Problem nur in unserer Gesellschaft zeitgemäß ist, so liegt ein Irrtum vor. Das Anliegen dieser Arbeit ist es, der Frage nachzugehen, wie frühere Generationen mit diesem Thema umgingen. Exemplarisch soll dies an einem lyrischen Werk der Barockzeit erarbeitet werden. Der Vanitas Gedanke, also die Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, war eines der bedeutendsten Motive der Barockliteratur und prägt vor allem die Dichtung des wohl bekanntesten Lyrikers jener Epoche: Andreas Gryphius. Es werden die erste und zweite Fassung seines Gedichts „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ herangezogen, untersucht und verglichen. Zwischen beiden Ausgaben liegen fast 30 Jahre. Warum eine Überarbeitung erfolgte und ob das Sonett dadurch seinen ursprünglichen Sinn verlor, wird durch einen Vergleich deutlich werden.


Excerpt (computer-generated)

Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte
Hauptseminar: Lyrik des Barock, WS 2004/2005, 12. Semester


Andreas Gryphius
Der Vanitas-Gedanke

von: Yvonne Rollesbroich

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Einflüsse auf die Lyrik Gryphius’ 3

2.1. Literaturhistorische Einordnung  3
2.2. Biographie 4
2.3. Der Vanitas Gedanke 7

3. Analyse von „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ und „Es ist alles Eitel.“ 8

3.1. Die Zahlenkomposition in den Lissaer Sonetten 9
3.2. Formale Aspekte 10
3.3. Inhaltliche Aspekte 10
3.4. Gegenüberstellung der Fassungen  14
3.5. Sinnbilder der Vanitas und ihr biblischer Ursprung 17

4. Zusammenfassende Betrachtung  19

5. Quellenverzeichnis 21

5.1. Primärliteratur 21
5.2. Sekundärliteratur 21
5.3. Bibel 22
5.4. Internetquellen 22



 

1. Einleitung

„Ohne eigenes Verschulden sind alle Geschöpfe durch die Schuld des Menschen der
Vergänglichkeit ausgeliefert. Aber Gott hat ihnen die Hoffnung gegeben, daß sie
zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und Vergänglichkeit erlöst und zu
einem neuen, herrlichen Leben befreit werden.“1

Bereits in der Bibel wurden Tod und Vergänglichkeit thematisiert, jedoch auch heute, in unserer schnelllebigen Gesellschaft, haben sie nicht an Aktualität verloren. Medial sind beide Themen so präsent wie selten zuvor. Zeitungen, Fernsehen und Radio berichten mehr denn je über den Tod und vor allem über das Älterwerden. Alles dreht sich um Jugend. Niemand möchte älter werden und jeder versucht dagegen anzukämpfen, sei es mit Kosmetika, medizinischen Präparaten oder der Schönheitschirurgie. Nach amerikanischem Vorbild steigen die Zahlen der operativen Eingriffe von Jahr zu Jahr. Ein gesunder sportlicher Körper und ein gepflegtes Äußeres sind das Aushängeschild des modernen Menschen. Falten, graues Haar und erschlafftes Gewebe, alles Zeichen der Vergänglichkeit unseres Körpers, sind unerwünscht. Alles wofür wir hart arbeiten, sei es Geld, Macht oder Ruhm, ist unbeständig, da es die Ewigkeit auf Erden nicht gibt. Der Tod gehört zum menschlichen Leben und niemand weiß, wann er uns ereilt. Dies liegt nicht in unserer Hand, sondern allein in der des Allmächtigen oder des Schicksals. Geht man nun davon aus, dass dieses Problem nur in unserer Gesellschaft zeitgemäß ist, so liegt ein Irrtum vor. Das Anliegen dieser Arbeit ist es, der Frage nachzugehen, wie frühere Generationen mit diesem Thema umgingen. Exemplarisch soll dies an einem lyrischen Werk der Barockzeit erarbeitet werden.

Der Vanitas Gedanke, also die Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, war eines der bedeutendsten Motive der Barockliteratur und prägt vor allem die Dichtung des wohl bekanntesten Lyrikers jener Epoche: Andreas Gryphius.2 Es werden die erste und zweite Fassung seines Gedichts „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ herangezogen, untersucht und verglichen. Zwischen beiden Ausgaben liegen fast 30 Jahre. Warum eine Überarbeitung erfolgte und ob das Sonett dadurch seinen ursprünglichen Sinn verlor, wird durch den Vergleich deutlich werden.
Eine ausreichende Analyse und Interpretation der Texte ist ohne eine literaturgeschichtliche Einordnung und vor allem ohne eine genaue Erforschung von Gryphius’ Biographie nicht möglich. Der Schwermut seiner Dichtung resultiert aus seiner unglücklichen Jugend3 und den damaligen historischen Umständen. So wird einleitend auf einige historische Fakten eingegangen, anschließend folgt eine umfassende Einsicht in das Leben von Andreas Gryphius, wonach ich zu einer kurzen Auslegung des Vanitas Gedankens übergehe.
Dies sollte genügend Grundlage für die nachstehende Interpretation der ersten und zweiten Fassung des Gedichtes bieten. Sowohl die formalen, als auch die inhaltlichen Merkmale werden untersucht. Ferner findet ein Vergleich der zwei Fassungen statt, wobei ich kurz auf die Frage eingehe, inwieweit Gryphius von Martin Opitz’ Werk „Buch von der Deutschen Poeterey“ beeinflusst wurde. Abschließend erfolgt eine Analyse der verschiedenen Sinnbilder für Vergänglichkeit.

2. Einflüsse auf die Lyrik Gryphius’

2.1. Literaturhistorische Einordnung

Die Zeit des Barock wird geprägt durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618- 1648). Er ging in die Geschichte ein als ein Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten, doch auch andere Faktoren wie Armut und Hunger, das politische System und die verschiedenen Stände spielten als Ursachen eine große Rolle.4 Nun stellt sich die Frage, warum Schlesien, die Heimat von Andreas Gryphius, trotz dieser Unruhen und daraus resultierender Not im 17. Jahrhundert eine dichterische Blütezeit aufwies.
Zum einen liegt es daran, dass Schlesien bis in die dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts einen gewissen materiellen Wohlstand besaß, was günstige Vorraussetzungen für die Literaturentwicklung bot. Zum anderen vertrat das Land viele verschiedene kulturelle Lager.
Sowohl in religiöser als auch politischer Hinsicht war das Gebiet ein buntes Mosaik. Dies hatte eine stetige Diskussion der unterschiedlichen Gruppen zur Folge, welche neue Traditionen und Entdeckungen förderte.5 Über eine Landesuniversität verfügte Schlesien nicht. So waren die Gelehrten gezwungen in anderen Gebieten ihre Bildung zu suchen, was wiederum dazu führte, dass die Wissensgebiete derart breit gefächert waren.
Erst 1632 erreichte auch Schlesien die allgemeine Not, worauf die meisten bekannten Dichter jedoch ins Ausland flüchteten und dort ihre Werke veröffentlichten. So kann man davon ausgehen, dass die Missstände zwar Einfluss auf die damalige Dichtung nahmen, aber nicht die Ballung der dichterischen Talente begründet.6 Ein weiterer ausschlaggebender Punkt für die Entwicklung der deutschen Dichtung war Martin Opitz’ „Buch von der deutschen Poeterey“7. Bis hierher wurde Dichtung lediglich in Latein verfasst, mit Ausnahme einiger Knittelverse über lokale Ereignisse. Opitz jedoch wandte sich gegen die alten Sprachen. Er befürchtete eine Verkümmerung der Muttersprache und kritisierte eine Hervorhebung der Form ohne Betrachtung des immer mehr in den Hintergrund gestellten Gehalts der Texte. Ob auch Gryphius den Anweisungen Opitz’ folgte, wird im späteren Verlauf dieser Arbeite geklärt.

2.2. Biographie

[...]


1 Röm 8, 20 – 8, 21.

2 http://www.literaturwelt.com/autoren/gryphius.html (eingesehen am 02.01.2007)

3 Siehe hierzu: Szyrocki, Marian: Der Junge Gryphius (Neue Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 9), hrsg. v. Kraus, Werner und Mayer, Hans. Berlin. 1959. S. 5.

4 http://www.niester.de/g_neuzeit/krieg_30_jahre/krieg_30_jahre.html (eingesehen am 03.01.2007).

5 Szyrocki, Marian: Andreas Gryphius – Sein Leben und Werk. Tübingen. 1964. S. 10.

6 Szyrocki, Marian: Der Junge Gryphius (Neue Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 9), hrsg. v. Kraus, Werner und Mayer, Hans. Berlin. 1959.

7 Opitz, Martin: Buch von der deutschen Poeterey (1624). Studienausgabe. Hrsg. v. Herbert Jaumann. Stuttgart: Reclam 2002.


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