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Geschlechtsspezifische Sozialisation

Termpaper, 2006, 15 Pages
Author: Natalie Schlee
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V70434
ISBN (E-book): 978-3-638-61596-9
ISBN (Book): 978-3-638-76911-2
File size: 128 KB

Abstract

In unserer Gesellschaft spielt die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht eine große Rolle. Kinder werden in ein kulturelles System der Zweigeschlechtlichkeit hineingeboren und müssen sich einem Geschlecht zuordnen. Das System der Zweigeschlechtlichkeit wird aber den Kindern und Jugendlichen nicht nur von außen aufgezwungen, es wird von ihnen selbst auch im Verlauf der Entwicklung übernommen und in sozialen Interaktionen aktiv reproduziert. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit solchen Fragen wie: Worin unterscheiden sich Frauen und Männer wirklich? Wie entstehen die Geschlechtsunterschiede? Welche Rolle spielen dabei die Erziehung und soziales Umfeld? Die Antworten auf diese Fragen sind primär in der geschlechtsspezifischen Sozialisationsforschung zu suchen.


Excerpt (computer-generated)

Geschlechtsspezifische Sozialisation

von: Natalie Schlee

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffserklärung: Sozialisation

2. Das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit

3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter

3.1 Sozialverhalten
3.2 Kognitive Fähigkeiten

4. Einfluss und Auswirkungen von Sozialisationsinstanzen

4.1 Familie
4.2 Öffentliche Einrichtungen
4.3 Peers
4.4 Medien

Fazit

Literaturverzeichnis
 


 

Einleitung

Männern und Frauen werden in unserer Gesellschaft unterschiedliche Fähigkeiten und Verhaltensweisen zugeschrieben, die den gängigen Geschlechtsstereotypen1 entsprechen. So gelten Männer als abenteuerlustig, aggressiv, kräftig, mutig, unabhängig und stark, Frauen dagegen als liebevoll, einfühlsam, fürsorglich und schwach. Dabei sehen Männer und Frauen sich selbst oft nicht so einseitig, wie es die Normen von ihnen verlangen.2 Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit solchen Fragen wie: Worin unterscheiden sich Frauen und Männer wirklich? Wie entstehen die Geschlechtsunterschiede? Welche Rolle spielen dabei die Erziehung und soziales Umfeld? Die Antworten auf diese Fragen sind primär in der geschlechtsspezifischen Sozialisationsforschung zu suchen.
Die bisher gemachten Untersuchungen zur geschlechtsspezifischen Sozialisation zeigen nur dürftige und zum großen Teil widersprüchliche Ergebnisse. „Beim gegenwärtigen Stand der Forschung ist weder die Existenz faktisch relevanter Geschlechtsunterschiede in der Kognition oder im Sozialverhalten belegt, noch sind mehr als spärliche Belege für unterschiedliche Erziehungspraktiken je nach Geschlecht des Kindes in der Familie vorhanden.“3 Die bisher einzige Sozialisationstheorie, die Geschlecht als soziale Kategorie systematisch in die Analyse mit einbezieht, und den bisher ausdifferenzierten Ansatz zur Erklärung geschlechtsspezifischer Sozialisationsprozesse darstellt, ist die von Carol Hagemann-White (1984). Die Ausführungen der vorliegenden Arbeit beziehen sich hauptsächlich auf diesen Ansatz.
Als erstes wird in der vorliegenden Arbeit der Begriff der Sozialisation, wie er in der neueren Sozialisationsforschung und speziell in der Frauenforschung definiert wird, erläutert. Als nächstes wird die Bedeutung des kulturellen Systems der Zweigeschlechtlichkeit, in das die Kinder hinein geboren werden, und der Geschlechtsidentität untersucht. Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchungen zu Geschlechtsunterschieden im Sozialverhalten und in kognitiven Leistungen vorgestellt. Im vierten Kapitel werden die Einflüsse und Auswirkungen von Sozialisationsinstanzen erörtert. Zuerst wird dabei der Einfluss der Familie, die nach wie vor als primäre Sozialisationsinstanz gilt, betrachtet. Als nächstes wird die geschlechtsspezifische Erziehung in den öffentlichen Einrichtungen untersucht. Dabei wird besonders auf die Schule als sekundäre Sozialisationsinstanz eingegangen. Danach wird die Rolle von Gleichaltrigen (Peers) in der Sozialisation von Kindern beschrieben. Als letztes wird der Einfluss von Medien auf die geschlechtsspezifische Sozialisation untersucht. Abschließend wird ein Fazit gezogen.

1. Sozialisation

Der Begriff der Sozialisation erfuhr Anfang der 1980er Jahre eine Bedeutungserweiterung.

„Während in den sechziger und siebziger Jahren noch weitgehend das Verständnis
von Sozialisation vorherrschte, das vorrangig von einem Einfluss der sozialen und
materiellen Umwelt auf das heranwachsende Kind ausging, wird in jüngster Zeit
verstärkt die aktive Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umwelt als
Sozialisationsfaktor betont. (…) Neben den Begriff des Geformtwerdens ist der
Begriff der Selbstformung getreten.“4

Auch galt die Sozialisation bis in die siebziger Jahre mit dem Eintritt ins Erwachsenenleben als abgeschlossen. Heute wird sie als umfassender, lebenslanger Prozess verstanden.5 „Dieser Prozess ist eingebettet in ein soziales Umfeld, in dem … die Geschlechts- und Schichtzugehörigkeit große Bedeutung haben.“6 Neben Geschlechts- und Schichtzugehörigkeit spielt bei den Sozialisationsprozessen von Männern und Frauen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung eine große Rolle. “Die Unterschiede in der lebenslangen Sozialisation von Frauen und Männern sind durch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung strukturell bedingt, wobei sie jeweils schichtenspezifisch gebrochen werden.“ 7
In dem bisher in der Regel geschlechtsunspezifisch definierten Bergriff von Sozialisation wurden diese Aspekte nicht berücksichtigt. Erst durch die Frauenforschung wurde der Begriff der Sozialisation geschlechtsspezifisch differenziert und wie folgt definiert:

„Sozialisation ist der Prozess, in dem aus einem hilflosen Neugeborenen ein menschliches
Individuum wird, das fähig ist, gemäß seiner/ihrer Stellung in der Gesellschaft zu leben und
zu handeln: ein gesellschaftliches Individuum. Mann/Frau wird sozialisiert, indem er/sie mit
den vorgefundenen Lebensbedingungen umgeht. Im Austausch mit anderen Menschen und
der sachlichen Umwelt eignet er/sie sich schrittweise deren Strukturen tätig an: den Umgang
mit Puppe oder Auto ebenso wie die Erwartungen der Eltern an ein ´liebes Mädchen` oder
einen `richtigen Jungen`. Sozialisation ist nicht ein passives Geprägtwerden, sondern ein
Prozess, in dem die Aktivität des Individuums ebenso wichtig ist wie die Umwelt.

[...]


1 „Geschlechtsstereotype sind allgemeine Annahmen über Eigenschaften von Männern und Frauen. Sie kennzeichnen das in einer Kultur und einer Region für typisch männlich und typisch weiblich gehaltene Verhalten. Geschlechtsstereotype legen öffentliche Erwartungen fest, indem sie ‚richtige’ Eigenschaften von Männern und Frauen durch Vereinheitlichung definieren, Werthaltungen und Rangpositionen rechtfertigen und aufrechthalten.“ (Bründel/Hurrelmann 1999, S. 14)

2 Vgl. Hagemann-White 1984, S. 25ff

3 Hagemann-White 1988, S.50 zit. nach Nyssen, S. 31

4 Nyssen, S. 28

5 Vgl. ebd., S. 28, 29

6 Kühne-Vieser / Thuma-Lobenstein, S. 16

7 Nyssen, S. 30


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