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Termpaper, 2006, 36 Pages
Author: Torsten Bergt
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Tags: Betriebliche, Bildung, Zeiten, Beschleunigung
Year: 2006
Pages: 36
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62595-1
ISBN (Book): 978-3-638-67431-7
File size: 333 KB
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Abstract
„In letzter Zeit geht alles so Rasend, so unheimlich schnell! Mein Herz ist ein Flughafen, mein Kopf ist ein Hotel.“. Mit diesen Zeilen besingt der Liedermacher Fanny van Dannen ein Gefühl, das sich in dem einen Wort der „Beschleunigung“ manifestieren lässt. Diese Arbeit greift den Gedanken auf, und erweitert ihn unter dem Kontext der betrieblichen Bildung. Die folgenden Überlegungen werden demnach von einer begrifflichen Trinität umspannt. Der Beschleunigung, der Bildung und der des Betriebes. Die Beobachtung, dass sich in kapitalistischen Gesellschaftsformen eine bedrohliche Veränderung vollzieht, wurde schon von Marx erkannt, in dem er schreibt: „Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht [...].“ Das diese Entweihung und Verdampfung kein Prozess von vorindustrieller Dauer war, sondern noch immer ist und mit verstärkter Kraft in der Moderne wütet, soll an der Beschleunigungstheorie von Hartmud Rosa offen gelegt wird. Systematisch möchte ich aber erst das Verständnis um die betriebliche Bildung erhellen, bevor die Veränderung der Zeitstrukturen erläutert werden. Sind die beiden Säulen, die betriebliche Bildung und die Beschleunigungstheorie aufgebaut, so folgt der verbindende Träger, der die betriebliche Bildung unter Beschleunigungszwang betrachten will. Ziel der Arbeit soll es sein, aufzuzeigen, ob Beschleunigungsprozesse Einfluss auf die betriebliche Weiterbildung ausüben und welcher Art diese sind.
Excerpt (computer-generated)
All you need is speed!? - Betriebliche Bildung in Zeiten der Beschleunigung
von: Torsten Bergt
Wintersemester 2005/2006
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Die betriebliche Bildung 2
2.1 Was wird unter der betrieblichen Bildung verstanden? 2
2.2 Der Bildungsbegriff in der betrieblichen Bildung 5
2.3 Nutzen und Ziele der betrieblichen Bildung 5
III. Das Zeitalter der Beschleunigung 7
3.1 Entschleunigung 8
3.2 Die Dimensionen der Beschleunigung 9
3.2.1 Die technische Beschleunigung 9
3.2.2 Die Beschleunigung des sozialen Wandels 10
3.2.3 Die Beschleunigung des Lebenstempos 11
3.3 Der Akzelerationszirkel 16
3.3.1 Das Zusammenwirken der Kräfte 16
3.3.2 Die externen Triebkräfte sozialer Beschleunigung 18
IV. Betriebliche Bildung unter Beschleunigungszwang 21
4.1 Betriebliche Bildung und das Problem der technischen Beschleunigung 21
4.2 Betriebliche Bildung und das Problem der Beschleunigung des sozialen Wandels 23
4.3 Betriebliche Bildung und das Problem der Beschleunigung des Lebenstempos 26
4.4 Der Blick in eine beschleunigte Zukunft 28
V. Zusammenfassung 30
Abbildungsverzeichnis 31
Literatur 32
I. Einleitung
„In letzter Zeit geht alles so Rasend, so unheimlich schnell! Mein Herz ist ein Flughafen, mein Kopf ist ein Hotel.“. Mit diesen Zeilen besingt der Liedermacher Fanny van Dannen ein Gefühl, das sich in dem einen Wort der „Beschleunigung“ manifestieren lässt.
Diese Arbeit greift den Gedanken auf, und erweitert ihn unter dem Kontext der betrieblichen Bildung. Die folgenden Überlegungen werden demnach von einer begrifflichen Trinität umspannt. Der Beschleunigung, der Bildung und der des Betriebes. Die Beobachtung, dass sich in kapitalistischen Gesellschaftsformen eine bedrohliche Veränderung vollzieht, wurde schon von Marx erkannt, in dem er schreibt: „Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht [...].“1 Das diese Entweihung und Verdampfung kein Prozess von vorindustrieller Dauer war, sondern noch immer ist und mit verstärkter Kraft in der Moderne wütet, soll an der Beschleunigungstheorie von Hartmud Rosa offen gelegt wird. Systematisch möchte ich aber erst das Verständnis um die betriebliche Bildung erhellen, bevor die Veränderung der Zeitstrukturen erläutert werden. Sind die beiden Säulen, die betriebliche Bildung und die Beschleunigungstheorie aufgebaut, so folgt der verbindende Träger, der die betriebliche Bildung unter Beschleunigungszwang betrachten will. Ziel der Arbeit soll es sein, aufzuzeigen, ob Beschleunigungsprozesse Einfluss auf die betriebliche Weiterbildung ausüben und welcher Art diese sind.
„Bildung gleich Warten können“2
II. Die betriebliche Bildung
Da sich die natürliche Sprache vor allem durch ihre Uneindeutigkeit in Form der Synonymie und Polysemie3 auszeichnet, soll hier vorab eine begriffliche Klärung der betrieblichen Bildung erfolgen. Dies gestaltet sich, will man den Versuch einer Metaanalyse wagen, als Sisyphusarbeit, was nicht zuletzt dadurch bedingt ist, dass eine umfassende Theorie betrieblicher Bildungsarbeit bis heute nicht geschrieben wurde4. Ist man also zu einem, „zwischen den Stühlen“ stehen verdammt, gilt es ein festes Standbein zu schaffen, auf das sich gestützt werden kann. Diesen Versuch will ich im folgenden wagen. Hierzu soll zuerst aufgezeigt werden, welche Bildungsarten sich unter der Begrifflichkeit der betrieblichen Bildung rubrizieren lassen. Sodann möchte ich sie voneinander abgrenzen. Daran anschließend sollen der Nutzen und die Ziele der betrieblichen Bildung erläutert werden.
2.1 Was wird unter der betrieblichen Bildung verstanden?
Um sich klar zu machen, was unter der betrieblichen Bildung subsumiert werden soll, kann die Abb. 1 auf Seite 4 eine Hilfestellung bieten. Etwas verallgemeinert, lasse ich direkt auf die schulische Laufbahn die Berufsausbildung folgen. Die dabei immer häufiger auftretenden Überbrückungsphasen (zum Beispiel durch ein berufspraktisches Jahr, etc.) sollen in der Überschneidung der Ellipsen dargestellt sein.
Unter die Berufsausbildung lässt sich grundsätzlich ersteinmal alles fassen, was nach Bieling „[...] zu einem Basisberuf“ führt,5 also die klassische Berufsausbildung, die sich noch einmal in eine rein schulische und in das Modell der dualen Ausbildung6 auffächern lässt. Des Weiteren lässt sich auch die Hochschulausbildung anführen, also Fachhochschulen, Universitäten, Akademien etc.. Im Sinne von Peters möchte ich aber nur die duale Berufsausbildung unter der Bezeichnung der betrieblichen Bildung kategorisieren und hingegen die rein schulischen Berufsausbildungen als „berufliche Bildung“ verstanden wissen.7 Diese Differenzierung lässt sich dadurch begründen, dass der Betrieb, die Organisation, im Rahmen der rein schulischen Ausbildung eine eher marginale Steuerungskomponente auf die Auszubildenden richten kann8.
An die Berufsausbildung anschließen, kann entweder der Einstieg ins Arbeitsleben oder es geht über eine weitere Schleife zurück in eine neu, weitere Berufsausbildung. Letzteres ist meist der Fall, wenn entweder keinerlei Aussicht auf eine Anstellung besteht, oder das Arbeiten im erlernten Beruf, für den Ausgebildeten nicht vorstellbar zu sein scheint, oder weil man sich einfach weiterqualifizieren will. Verfolgt man den Eintritt ins Berufsleben weiter, so lassen sich hier die zu unterscheidenden Formen der Fort- und Weiterbildung ausmachen. Dazu Bieling:
„[...]Weiterbildung baut auf einen Basisberuf auf und führt zu einer Spezialisierung im Basisberuf. Fortbildung soll Kenntnisse im Basisberuf aktualisieren und auf den jeweiligen Stand bringen oder das Wissen in einer durch Weiterbildung erreichten Spezialisierung vertiefen.“ Die Fort- und Weiterbildung stellt demnach für den Betrieb ein Instrument dar, um wirtschaftliche, strukturelle und organisatorische Veränderungen zu bewältigen. Um also eine ständige Anpassung zwischen aktuellen Kompetenzen, sowie die für die Erreichung des Unternehmensziels erforderlichen neuen Qualifikationen zu schaffen. In ökonomischen Zusammenhängen wird auch von Fachtrainings gesprochen9. Die betriebliche Bildung lässt sich m.E. an dieser Stelle weiter differenzieren. Angelehnt an Arnold, möchte ich von betrieblicher und individueller Bildungsorientierung sprechen.10 Die betriebliche Orientierung ist stark auf die ökonomischen Unternehmensziele ausgerichteten. Legt zum Beispiel die Unternehmensführung fest, in Zukunft durch den Einsatz einer neuen teilautomatischen Fertigungsstraße einen höheren Mengendurchlauf in der Produktion zu erzielen, so gilt es die Mitarbeiter für die neue Technik „fit“ zu machen. Der Betrieb fordert in dieser Situation unausweichlich eine Qualifikation seiner Mitglieder.
Die individuelle Bildungsorientierung will ökonomische Zwänge nicht ausschließen. Anders aber, als die betriebliche Orientierung fragt sie mehr nach den Bedürfnissen der Akteure. Ein Instrument diesbezüglich stellt zum Beispiel das Mitarbeitergespräch dar, welches (im Idealfall) nach individuellen Entwicklungs- und Qualifikationserfordernissen des Mitarbeiters fragt.11
Der betrieblichen Bildung gegenüber, steht die selbstgesteuerte Bildung. Die Initiative geht also vornehmlich vom Individuum aus und muss auch inhaltlich nicht unmittelbar unternehmensrelevant ausgerichtet sein. Mikroskopiert man die selbstgesteuerte Bildung so fällt der Blick zum einen auf Karriere orientierte und zum anderen auf persönlich intrinsisch motivierte Aspekte. Unter letztere lässt sich beispielsweise das Erlernen eines Instruments einordnen12. Die auf Karriere orientierte Bildung richtet ihre Blicke verstärkt auf ökonomische, gesellschaftliche Bedingungen. Sie steht der individuellen Orientierung in der betrieblichen Bildung sehr nah, da Karriereambitionen zum Beispiel auch im Mitarbeitergespräch geäußert werden können. Andererseits löst sie sich ebenso stark von der betrieblichen Bildung ab, da sie auch immer eigene Wege gehen will. Dem karrierebewussten Denker bedeuten die internen betrieblichen Ziele nur immer so viel, wie er selbst daraus Gewinn schlagen kann.
Abb. 1: Die „betriebliche Bildung“ im Kontext begleitender Bildungsbegriffe. [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
2.2 Der Bildungsbegriff in der betrieblichen Bildung
[...]
1 Marx/Engels 1986, S. 37 f.
2 Diese tiefsinnige Botschaft von Theodor W. Adorno drückt der betrieblichen Bildung im Zeitalter der Beschleunigung schon im Vorfeld ihren Stempel auf.
3 Synonymie = mehrere Bezeichnungen repräsentieren einen Begriff; Poysemie = eine Bezeichnung repräsentiert mehrere Begriffe. Mehr zu der Unterscheidung von Begriff und Bezeichnung bei Wersig 1985
4 Arnold 1991, S. 17
5 Bieling 1980, S. 256
6 Unter der dualen Berufsausbildung wird jene Ausbildungsform verstanden, in der der Auszubildende zum einen durch die Berufsschule und zum anderen durch den Betrieb auf die jeweiligen Erfordernisse des Berufs geschult wird.
7 vgl. Peters 1999, S. 1
8 Steuern soll hier aber immer unter dem Mitdenken des Konstruktivismus verstanden werden.
9 vgl. Wittwer 2001, S.109
10 vgl. Arnold 1991, S. 149
11 vgl. Nagel/Oswald/Wimmer 2000
12 Berufsmusiker sind hiervon natürlich ausgeschlossen.
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