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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 26 Pages
Author: Nina Strehle
Subject: Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Details
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Excerpt (computer-generated)
Das Böse bei Johann Gottlieb Fichte und Immanuel Kant
von Nina Strehle
Inhalt
1 Einleitung 3
2 J. G. FICHTES Sittenlehre 4
2.1 Die Deduktion des Prinzips der Sittlichkeit 5
2.2 Die Deduktion der Realität und Anwendbarkeit dieses Prinzips 6
3 J. G. FICHTE: Über die Ursache des Bösen
im endlichen vernünftigen Wesen 7
3.1 Die transzendentale Betrachtung des Bösen 7
3.2 Der Mensch als Naturwesen 8
3.3 Der Mensch als verständiges Tier 8
3.3.1 Die Maxime der Glückseligkeit 8
3.3.2 Blinder Trieb und gesetzlose Oberherrschaft 9
3.3.3 Das Böse als Nichtgebrauch der Freiheit 10
3.4 Die Stufe der absoluten Selbständigkeit 10
3.5 Trägheit zur Reflexion 11
3.5.1 Feigheit und Falschheit 12
3.5.2 Warum sind wir träge? 12
3.6 Überwindung der Trägheit 13
4 IMMANUEL KANT: Vom radikalen Bösen
in der menschlichen Natur 14
4.1 Erbsünde und freie Willkür 14
4.2 Die ursprüngliche Anlage zum Guten 16
4.3 Der Hang zum Bösen 18
4.3.1 Intelligible Tat und oberste Maxime 18
4.3.1 Der Mensch als sinnliches und vernünftiges Wesen 19
4.3.3 Das böse Herz 20
4.4 Das radikal Böse 21
4.5 Reform des Verhaltens und Revolution der Denkungsart 22
5 Abschließende Bemerkungen 23
Literatur 25
1 Einleitung
Den Ursprung des Bösen, unter dem als ethischen Begriff das sittlich Verwerfliche verstanden wird , hat die Religion und Philosophie auf verschiedene Weisen zu erklären versucht, von denen hier einige kurz vorgestellt werden sollen.
SOKRATES (ca. 470 - 399 v. Chr.) ist der Auffassung, dass die Menschen aus Unwissenheit das Böse tun, solange sie das Gute nicht erkennen. Sie sind aber von Natur aus gut und müssen sich nur wieder auf jenes besinnen. Die Zweckmäßigkeit, die überall in der Welt zu finden ist, zeugt von einer göttlichen Weltregierung. Etwas selbständiges Böses gibt es daher nicht.
PLATON (ca. 428 - 348 v. Chr.) stellt das Problem durch den Dualismus des Vollkommenen - Unvollkommenen, Guten - Bösen als ein metaphysisches Problem dar. Er leitet das Böse aus der Natur des Körperlichen, aus der Unbestimmtheit und Unordnung des Materiellen her. Da das Böse ungöttlich ist und dem Ordnungsprinzip der Welt widerstrebt, kann die gute Gottheit nicht der Urheber desselben sein.
Nach Anschauung des ARISTOTELES (ca. 384 - 322 v. Chr.) liegt der Ursprung des Bösen im freien Willen des Menschen.
Für die STOIKER (ca. 300 v. - 200 n. Chr.) besteht das Böse nur in Teilen des Alls, nicht im Ganzen des Kosmos. Das Böse ist für sie ein Mittel zur Beförderung des Guten.
Nach dem Emanationsmodell des PLOTIN (205 - 270 n. Chr.) geht das Böse aus der Materie hervor. Der Anfang des Bösen in der Seele ist das Vergessen der göttlichen Herkunft, d. h. ein Abfall von Gott. Die Materie der Körperwelt stellt dabei das dem Guten entfernteste Böse (kein Dualismus) dar, die Dunkelheit, worin sich das Licht des Einen durch die Emanation verliert.
Auch AUGUSTINUS (354 - 430 n. Chr.) sieht im Bösen die Folge einer verkehrten Willensrichtung, eines Abfalls von Gott. Das Böse ist dabei nur Beraubung oder Mangel des Guten.
GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ (1646 - 1716) leitet das Böse aus der Beschränktheit des endlichen Wesens ab. Es dient der Vollkommenheit des Ganzen, da nichts von allem Möglichen fehlen darf. Gott lässt das Böse zu, weil sonst vieles Gute verhindert würde. LEIBNIZ führt erstmals den Begriff der Theodizee für die Rechtfertigung Gottes angesichts der Übel in der von ihm geschaffenen Welt ein.
IMMANUEL KANT (1724 - 1804) nimmt ein radikales Böses, einen Hang zum Bösen, an. Mit dem Guten besteht das Böse ursprünglich im Menschen und ist in seiner Selbstliebe begründet. Das Böse ist eine transzendentale Handlung, ist unausrottbar und verdirbt die reine Moralität des Menschen.
JOHANN GOTTLIEB FICHTE (1762 - 1814) hält die Faulheit für die Quelle aller Laster.
Im folgenden soll der Schwerpunkt auf der Untersuchung des Bösen bei J. G. FICHTE liegen. Zunächst soll auf FICHTES Sittenlehre insbesondere auf sein Werk Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre von 1798 Bezug genommen werden, um daraus u. a. die Grundlagen des FICHTESCHEN Denkens ableiten und auf die Behandlung des Problems des Bösen anwenden zu können. Die Schrift selbst enthält das Kapitel Über die Ursache des Bösen im endlichen vernünftigen Wesen, das ausführlich analysiert und problematisiert werden soll.
Obwohl IMMANUEL KANT als ein Vorreiter FICHTES gilt, soll die Untersuchung des Begriffs des Bösen bei KANT erst anschließend erfolgen. Durch Analyse der KANTISCHEN Konzeption des Bösen sollen Gemeinsamkeiten mit FICHTE aufgedeckt und FICHTES Denkweise verständlicher gemacht werden. Aber auch Unterschiede der beiden Anschauungen und resultierende Probleme sollen beleuchtet werden.
2 J. G. FICHTES Sittenlehre
Im allgemeinen schließt sich JOHANN GOTTLIEB FICHTE der Ethikkonzeption IMMANUEL KANTS an. Dieser hat gezeigt, dass das Wesen des Menschen in der Freiheit liegt, deren wir uns in der Erfahrung einer unbedingten Verpflichtung, des Sittengesetzes, vergewissern können. Auch für FICHTE ruft die Forderung der Sittlichkeit den Gedanken der Freiheit hervor und äußert sich im Gewissen. Die ihrer selbst gewisse Freiheit ist das Grundwesen des Menschen.
FICHTE hält die KANTISCHE Theorie für richtig, aber nicht für gut begründet. KANT sei bei der Behauptung des bloßen Faktums der Vernunft stehen geblieben. FICHTE will deshalb die Prinzipien aufsuchen, die KANTS Lehre zugrunde liegen und so die Wissenschaft zur Wissenschaft von der Wissenschaft, also zu einer Wissenschaftslehre, erheben.
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