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Termpaper, 2003, 29 Pages
Authors: Nicole Fleischmann, Franziska Lehnert
Subject: Communications: Broadcast and entertainment
Details
Tags: Kinderhörspiel, Unterhaltungsindustire
Year: 2003
Pages: 29
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62912-6
File size: 111 KB
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Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Philosophische Fakultät
TPS „Ton, Film, Funk und Fernsehen“
SS 2003
Das deutsche Kinderhörspiel in der Unterhaltungsindustrie
von: Nicole Fleischmann und Franziska Lehnert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung* 2
2. Die Geschichte des Kinderhörspiels** 3
2.1. Das Kinderhörspiel im Rundfunk 4
2.1.1. Von den Anfängen bis zum Dritten Reich 4
2.1.2. Von der Nachkriegszeit bis heute 5
2.2. Das Kinderhörspiel in der Unterhaltungsindustrie 7
2.2.1. Der Markt 7
2.2.2. Besonderheiten gegenüber dem Rundfunkhörspiel 8
3. Das Kind als aktiver Rezipient*** 10
4. Eigenschaften des Kinderhörspiels*** 11
4.1. Länge 11
4.2. Musik 11
4.3. Töne/ Geräusche 11
4.4. Sprecher 12
4.5. Technik 12
5. Das Kinderhörspiel und seine verschiedenen Zielgruppen*** 12
5.1. Das Hörspiel im Kindergarten ( 3 – 6 jährige Kinder) 13
5.2. Das Hörspiel in der Grundschule ( 7 – 10 jährige Kinder) 14
5.3. Das Hörspiel in der Sekundarstufe (13 – 16 jährige) 14
6. Zwei Hörspiele aus unterschiedlichen Epochen im Vergleich** 14
6.1. Hänsel und Gretel 16
6.1.1. Allgemeine Informationen 16
6.2. Bibi Blocksberg 17
6.2.1 Allgemeine Informationen 17
6.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Übersicht* 18
7. Abschluss und Ausblick* 20
Anhang 22
Literaturverzeichnis 25
1. Einleitung
Das Massenmedium Fernsehen ist mittlerweile zu einem selbstverständlichen Bestandteil im Alltag westlicher Kulturen geworden. War ein Fernsehgerät im eigenen Haushalt in den sechziger Jahren noch Luxus, so verfolgt uns die Bilderflut heute ins Kaufhaus, in den Schnellimbiss, zum Zahnarzt und auch im Flughafengebäude muss man nicht auf die „Tagesschau“ oder ähnliche Information- und Unterhaltungssendungen verzichten. Für uns Rezipienten ist diese audiovisuelle Darstellung durchaus angenehm, da der Mensch scheinbar von Natur aus Dingen eher Glauben schenkt, wenn er sie nicht nur hören, sondern vor allem auch sehen kann. Des Weiteren ist es für uns bequemer, Ereignisse anhand von Bildern präsentiert zu bekommen, da diese Form der Information keine großen Anforderungen an die Vorstellungskraft des Menschen stellt. Oder wer kann schon einen Film verfolgen ohne dabei auf das Bild zu achten? Zwar wird das Fernsehprogramm zwischenzeitlich teilweise schon so gestaltet, dass es dem Rezipienten auch ohne ständigen Blickkontakt möglich ist es zu verfolgen, dennoch ist dies eher die Ausnahme als die Regel und die Dominanz der Visualität somit ungebrochen.
Die Auditivität als eigenständiges Gebilde gerät zunehmend in den Hintergrund. Möglicherweise ist dies ein Grund, weshalb das Hörspiel als rein auditives Konstrukt seine ursprünglich hohe Bedeutung mehr und mehr zu verlieren scheint und nur noch für eine begrenzte Anzahl „echter“ Liebhaber interessant ist. Anlass genug der Geschichte und aktuellen Relevanz des Hörspiels auf den Grund zu gehen. Da es auch heute noch vor allem Kinder sind, die Hörspiele rezipieren, wollen wir uns speziell damit beschäftigen: Welche Rolle spielt das Hörspiel in der Entwicklung des Kindes? Welche Besonderheiten weist das Kind als Rezipient auf? Was ist das Charakteristische am Kinderhörspiel? Diese und andere Gesichtspunkte seien hier unter dem Thema „Das deutsche Kinderhörspiel in der Unterhaltungsindustrie“ näher beleuchtet.
2. Die Geschichte des Kinderhörspiels
Heute bringen wir Kinderhörspiele meist nur mit den Hörspielkassetten von Benjamin Blümchen und Co., die wir alle schon einmal im Regal der Musikabteilung oder in der Werbung gesehen haben, in Verbindung. Da Kassetten erst seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf dem Markt sind, wird wohl auch gleichzeitig die Entstehung und Vermarktung von Kinderhörspielen zu dieser Zeit stattgefunden haben – so in etwa könnte die Mehrheit der Menschen denken, die sich noch nicht großartig mit Kinderhörspielen und deren Entwicklung auseinandergesetzt haben. Diese Auffassung ist nämlich völlig falsch. Zwar ist richtig, dass Kinderhörspiele in der Form, wie wir sie bis heute kennen, mit dem Aufkommen von Kassetten ihren Durchbruch erlebten, doch ist das Hörspiel an sich, und so auch das Kinderhörspiel, ursprünglich ein Produkt des Rundfunks. Da besonders das Kinderhörspiel, dem wir uns in unserer Ausarbeitung widmen, heute sowohl im Rundfunk, jedoch noch viel stärker in der Unterhaltsindustrie vertreten ist, gehen wir im Folgenden auf beide Bereiche gesondert ein.
2.1. Das Kinderhörspiel im Rundfunk
2.1.1. Von den Anfängen bis zum Dritten Reich
Die Geschichte des Kinderhörspiels begann in Deutschland schon kurze Zeit nach Ausstrahlung der ersten Rundfunksendung überhaupt. Bereits ab 1924 konnten die kleinen Hörer im Rahmen von Sendungen wie der „Funkheinzelmann“, die „Funkprinzessin“ und „Kapitän Funk“ Geschichten über den Lautsprecher lauschen. Schon damals war man davon überzeugt, dass sich diese Sendungen positiv auf die Fantasie der Kinder auswirken würden und man sah lange in alten Märchen den idealen Stoff für derartige Kindersendungen. Parallel zu den Geschichten über Funk entwickelte sich im literarischen Wortbereich eine neue Kunstform: das Hörspiel. Hans S. Heister, Redakteur der Zeitschrift „Der deutsche Rundfunk“ war es, der dieses Wort im Augustheft 1924 erstmals verwendete. Dabei unterschied Heister mit diesem Begriff eigens für den Rundfunk geschriebene Werke von jenen, die nach vorhandenen Vorlagen lediglich für eine Sendung bearbeitet wurden.1 Die Idee, Bühnenstücke hörbar zu machen, war für die damalige Zeit jedoch nicht ganz einfach. Auf die Idee sich eines Geräuschemachers zu bedienen, kam man zunächst nicht und so war der Tonhintergrund stets authentisch, was nicht selten einen hohen Aufwand darstellte. Zudem gab es noch keine Speichermöglichkeiten, weshalb die Aufführung des Hörspiels immer live im Sender stattfand.
Die Möglichkeit, durch die Kombination von Sprache, Musik und Geräuschen eine eigene Welt in den Köpfen entstehen zu lassen, reizte auch Kindersendungsmacher. In der Zeit von 1929 bis 1932 hielt Walter Benjamin für die Funkstunde Ag Berlin und die Stunde der Jugend des Südwestdeutschen Rundfunks in Frankfurt am Main Rundfunkvorträge für Kinder und Jugendliche. Aus dieser Zeit stammt auch eines der ersten Kinderhörspiele überhaupt, das Hörspiel „Radau um Kasperl“ von Benjamin, welches er eine „Geschichte mit Lärm“ nannte und das eine gewaltige Neuerung vom literarischen Standpunkt aus darstellte.2 Die Besonderheit bei diesem Hörspiel war die Tatsache, dass man nicht nur die Handlung mit Geräuschen der Außenwelt dargestellte, sondern auch das Funkstudio an sich als eine Ebene des Hörspiels mit eingebracht wurde. Kasperl verspätet sich beim Einkaufen und will nun seiner Frau durch den Rundfunk mitteilen, dass er zu spät kommt.3
„Mit dem Begriff ‚Hörspiel’ verband sich recht früh der Anspruch, eine produktive Funkgattung zu schaffen, die nicht mehr bloß negativ – durch den Wegfall der optischen Elemente – definiert wurde: Stimmen Sprache, Geräusche und Musik wurden als konstitutive Elemente neu entdeckt, die den Hörer auffordern und in die Lage versetzen, sich Personen, Handlungen, auch Orte vorzustellen.“4 Dies ist besonders bei Hörspielen für Kinder interessant, da deren Fantasie meist viel ausgeprägter als die von Erwachsenen ist und sie zudem einige der Situationen, die im Hörspiel vorkommen, möglicherweise in ihrem kurzen Leben noch gar nicht selbst erlebt haben.
Die Dominanz von Märchenhörspielen änderte sich auch im Dritten Reich nicht, da Märchen zum Volksgut gehörten und darum gepflegt wurden. Hinzu kamen so genannte Sing-, Spiel- und Bastelsendungen, die der Sympathiewerbung der Propagandamaschinerie dienen sollten. Das gleiche galt für den Hitlerjugend-Funk, der nach 1933 aus den bisherigen Jugendsendungen hervorgegangen war.5
2.1.2. Von der Nachkriegszeit bis heute
[...]
1 vgl. Würffel, Stefan Bodo: Das deutsche Hörspiel. Stuttgart: Metzler, 1978; S. 18
2 vgl. Benjamin, Walter: Aufklärung für Kinder, Rundfunkvorträge. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1985
3 vgl. Schiller-Lerg, Sabine: Walter Benjamin und der Rundfunk, Programmarbeit zwischen Theorie und Praxis. München, 1984, S. 252ff.
4 Klöckner, Klaus: Hörfunk, in: Grünewald, Dietrich/Kaminski, Winfried (Hrsg.), Kinder- und Jugendmedien. Weinheim und Basel: Beltz, 1984; S. 216
5 vgl. Klöckner, Klaus, a.a.O., S. 201
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