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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 16 Pages
Author: Nicole Fleischmann
Subject: Psychology - Developmental Psychology
Details
Institution/College: http://www.uni-jena.de/
Tags: Eltern-Kind-Beziehungen, Sicht, Kulturvergleichende, Entwicklungspsychologie
Year: 2004
Pages: 16
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61720-8
ISBN (Book): 978-3-638-91487-1
File size: 521 KB
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Abstract
Ein typisches Merkmal der Spezies Mensch ist die, im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen, intensive und überaus lange Pflege und „Aufzucht“ seiner Nachkommen. Während manche Tierarten ihren Nachwuchs sofort nach der Geburt abstoßen oder ihre Eier gar in Fremde Nester legen, kümmern sich beim Menschen hingegen die Eltern über viele Jahre hinweg um ihre Kinder. Durch bewusste Erziehung wie sie beim Vermitteln von Werten, Ein-stellungen und Normen geschieht, aber auch unbewusst durch den alltäglichen Umgang zwischen Eltern und Kind erfolgt somit eine Prägung, die einen entscheidenden Einfluss für das weitere Leben aller Beteiligten hat, natürlich vorrangig auf das Kind. „Kinder, die geliebt werden, werden Erwachsene, die lieben“, besagt ein Sprichwort. In der Tat werden Erfahrungen aus der eigenen Kindheit sowie der Umgang mit und das Verhältnis zu den Eltern später meist auch auf die eigenen Kinder übertragen. Das kennt wohl jeder aus eigener Erfahrung. Die Qualität der Beziehung zwischen beiden Seiten hat aber nicht nur Einfluss auf Handlungsweisen, die übernommen werden, sondern auch auf den allgemeinen Umgang anderen Menschen gegenüber und auf die eigene Psyche. Darum versuchen Soziologen und Entwicklungspsychologen im Rahmen der familialen Sozialisationsforschung bereits seit mehreren Jahrzehnten Licht ins Dunkel der Beziehung zwischen Eltern und ihren Sprösslingen zu bringen und vor allem aus dem alltäglichen Umgang miteinander beobachtbare und bekannte Tatsachen wissenschaftlich zu erforschen und zu erklären. Die vorliegende Arbeit versucht, die grundlegenden bisherigen Erkenntnisse über die Relevanz von Eltern-Kind-Beziehungen zusammenzutragen. Besonderes Augenmerk sei dabei auf einen kulturvergleichenden Standpunkt gelegt. Zahlreiche beobachtbare Unterschiede im alltäglichen Leben verschiedener Kulturen veranlassen zu der Annahme, dass diese kulturell bedingten Verschiedenheiten der Völker auch Niederschlag im gegenseitigen Umgang von Eltern und Kindern miteinander und deren Beziehung haben. Wenn dem so ist, ist es wichtig, diese Differenzen zu kennen und sie bei fortführenden kulturvergleichenden Forschungen und vor allem bei der Interpretation derer Ergebnisse zu berücksichtigen. Denn nur so ist es möglich, zu reliablen Erklärungen für psychologische und soziale Phänomene und Zusammenhänge zu gelangen und ferner ein besseres Verständnis für die Gegebenheiten verschiedener Kulturen zu entwickeln.
Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Institut für Psychologie
Seminar Kulturvergleichende Entwicklungspsychologie
SS 2004
Eltern-Kind-Beziehung aus kulturvergleichender Sicht
von
Nicole Fleischmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Eltern-Kind-Beziehungen im Familienkontext 4
2.1. Indikatoren von Eltern-Kind-Beziehungen 4
2.2. Aufgaben der Familie 5
2.3. Universelle Merkmale von Eltern-Kind-Beziehungen 7
3. Eltern-Kind-Beziehungen im kulturellen Kontext 10
3.1. Elterliche Erziehung und Eltern-Kind-Beziehung im Kulturvergleich 10
3.2. Indikatoren für Eltern-Kind-Beziehungen im Kulturvergleich 12
3.3. Eltern-Kind-Beziehungen als Teil der Entwicklung in der Lebensspanne 13
4. Abschluss und Ausblick 13
Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Ein typisches Merkmal der Spezies Mensch ist die, im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen, intensive und überaus lange Pflege und „Aufzucht“ seiner Nachkommen. Während manche Tierarten ihren Nachwuchs sofort nach der Geburt abstoßen oder ihre Eier gar in Fremde Nester legen, kümmern sich beim Menschen hingegen die Eltern über viele Jahre hinweg um ihre Kinder. Durch bewusste Erziehung wie sie beim Vermitteln von Werten, Einstellungen und Normen geschieht, aber auch unbewusst durch den alltäglichen Umgang zwischen Eltern und Kind erfolgt somit eine Prägung, die einen entscheidenden Einfluss für das weitere Leben aller Beteiligten hat, natürlich vorrangig auf das Kind.
„Kinder, die geliebt werden, werden Erwachsene, die lieben“, besagt ein Sprichwort. In der Tat werden Erfahrungen aus der eigenen Kindheit sowie der Umgang mit und das Verhältnis zu den Eltern später meist auch auf die eigenen Kinder übertragen. Das kennt wohl jeder aus eigener Erfahrung. Die Qualität der Beziehung zwischen beiden Seiten hat aber nicht nur Einfluss auf Handlungsweisen, die übernommen werden, sondern auch auf den allgemeinen Umgang anderen Menschen gegenüber und auf die eigene Psyche.
Darum versuchen Soziologen und Entwicklungspsychologen im Rahmen der familialen Sozialisationsforschung bereits seit mehreren Jahrzehnten Licht ins Dunkel der Beziehung zwischen Eltern und ihren Sprösslingen zu bringen und vor allem aus dem alltäglichen Umgang miteinander beobachtbare und bekannte Tatsachen wissenschaftlich zu erforschen und zu erklären.
Die vorliegende Arbeit versucht, die grundlegenden bisherigen Erkenntnisse über die Relevanz von Eltern-Kind-Beziehungen zusammenzutragen. Besonderes Augenmerk sei dabei auf einen kulturvergleichenden Standpunkt gelegt. Zahlreiche beobachtbare Unterschiede im alltäglichen Leben verschiedener Kulturen veranlassen zu der Annahme, dass diese kulturell bedingten Verschiedenheiten der Völker auch Niederschlag im gegenseitigen Umgang von Eltern und Kindern miteinander und deren Beziehung haben. Wenn dem so ist, ist es wichtig, diese Differenzen zu kennen und sie bei fortführenden kulturvergleichenden Forschungen und vor allem bei der Interpretation derer Ergebnisse zu berücksichtigen. Denn nur so ist es möglich, zu reliablen Erklärungen für psychologische und soziale Phänomene und Zusammenhänge zu gelangen und ferner ein besseres Verständnis für die Gegebenheiten verschiedener Kulturen zu entwickeln.
2. Eltern-Kind-Beziehungen im Familienkontext
Die Thematik der Eltern-Kind-Beziehungen ist eines der am häufigsten erforschten Gebiete in der Entwicklungspsychologie. Zahlreiche Studien verschiedenster Art wurden über viele Jahrzehnte hinweg angestellt um der Frage auf den Grund zu kommen, welche Faktoren Einfluss auf das innerfamiliäre Verhältnis zwischen jung und alt haben und vor allem welche Einflussnahme dieses Verhältnis auf Eltern und Kinder hat.
Eines ist auf jeden Fall klar: Eltern-Kind-Beziehungen unterscheiden sich prinzipiell von Familie zu Familie. Dennoch sind auch kulturspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. Doch solch eine Beziehung ist darüber hinaus nicht ein feststehender Zustand. Da sich sowohl Eltern als in besonderem Maße auch die Kinder im Prozess des sozialen Wandels, der mit dem fortschreitendem Alter einhergeht verändern, wandelt sich natürlich auch die Eltern-Kind-Beziehung über die Jahre hinweg. Die Kinder werden erwachsen und bauen ihr eigenes Leben und ihre eigene Existenz auf. Doch selbst wenn die Kinder weder körperlich noch gesellschaftlich mehr von ihren Eltern abhängig sind, dauert die Verbindung zu Mutter und Vater meist ein Leben lang an. Erfahrungen und Erlebnisse aus jungen Jahren prägen und hinterlassen ein Leben lang Spuren – sowohl positive, doch leider auch oft negative. Störungen des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern stellen in der Regel auf beiden Seiten eine psychische Belastung dar.
Um jedoch Eltern-Kind-Beziehungen überhaupt erst bewerten oder gar vergleichen zu können, bedarf es einer Definition eben dieser.
2.1. Indikatoren von Eltern-Kind-Beziehungen
Wie bereits erwähnt, ist die Eltern-Kind-Beziehung ein wichtiger Teil familialer Sozialisation mit Folgen für die Entwicklung der Kinder. Ihre Qualität wird in der Literatur durch verschiedene Merkmale empirisch erfasst, so zum Beispiel durch Indikatoren der objektiven, hauptsächlich jedoch subjektiven Messung.
Als ein solcher Indikator anzuführen wäre zunächst die Partizipation von Kindern an Entscheidungen in der Familie. Es ist davon auszugehen, dass eine hohe Partizipation für eine bessere Qualität der Eltern-Kind-Beziehung spricht als eine niedrigere. Die Ausprägung der Beteiligung der Kinder liegt hier zwar hauptsächlich im Einflussbereich der Eltern, also inwieweit sind sie an der Meinung ihrer Kinder interessiert und was zählt ihre Stimme bei Familienentscheidungen, jedoch hängt es selbstverständlich auch davon ab, ob das Kind überhaupt Interesse daran hat, sich in die Familie einzubringen. Wird ein Kind von Anfang an mit in Entscheidungen und Gespräche zur Entscheidungsfindung mit einbezogen, wird es also als vollwertiges Familienmitglied mit Stimmrecht angesehen, so wird es in seiner späteren Entwicklung natürlich mehr Partizipation und Aktivität bei Entscheidungssituationen zeigen und das nicht nur in der Familie, sondern beispielsweise auch im Freundeskreis. An dieser Stelle ist bereits zu erkennen, dass die Prägung durch die Eltern im Kindesalter in ihren Auswirkungen nicht nur auf die Familie beschränkt ist, sondern auch in andere Bereiche des sozialen Lebens der Kinder mit einfließt.
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