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Subtitle: Ein exemplarischer Vergleich zwischen Kenia und Deutschland
Scholarly Research Paper, 2006, 25 Pages
Author: Thomas Szczepanek
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Soziale, Arbeit, Straßenkindern, Gemeinwesen
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62661-3
ISBN (Book): 978-3-638-67472-0
File size: 188 KB
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Abstract
Straßenkindheiten sind ein Phänomen, das weltweit in Entwicklungs-, wie auch Industrieländern auftritt. Die ILO (International Labour Organization) schätzt die Zahl der Straßenkinder insgesamt auf 100 – 200 Millionen, wobei diese Schätzungen je nach Definition des Begriffs Straßenkind (s. hierzu Kap. 2) stark schwanken. Für Kenia gibt die UN (United Nation) die Anzahl der Kinder, die auf der Straße leben mit 600.000 an, in Deutschland beläuft sich die Zahl auf ca. 20.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Lebensmittelpunkt Straße. Fast jede größere deutsche Stadt verfügt über Anlaufstellen für Straßenkinder. Interessant ist hierbei, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl von Straßenjungen und -mädchen mit 3 zu 1 weltweit einheitlich und gleichbleibend zu sein scheint, obwohl die absoluten Zahlen ansteigen: Im Laufe der letzten 20 Jahre haben sich die Straßenkinder global gesehen verdoppelt. Dies hängt vor allem mit der zunehmenden Industrialisierung vieler Länder der sogenannten Dritten Welt zusammen, welche Verstädterung und Zerfall der traditionellen Familienstrukturen bedeutet, wie es im 4. Kapitel über die theoretischen Erklärungsversuche des Straßenkinderphänomens am Beispiel Kenias deutlich werden wird. Die Situation und Lebenslage von Straßenkindern, Ursachen, Erklärungsversuche und Hintergründe und verschiedene Arbeitsansätze im Umgang mit der Klientelgruppe im Gemeinwesen sollen in den folgenden Kapiteln jeweils einzeln für Kenia als sogenanntes Entwicklungsland und Deutschland als Vertreter der Industriestaaten dargestellt und im Anschluss verglichen und bewertet werden.
Excerpt (computer-generated)
Soziale Arbeit mit Straßenkindern im Gemeinwesen
Ein exemplarischer Vergleich zwischen Kenia als
Entwicklungsland und Deutschland als Industrieland
von: Thomas Szczepanek
1. Einführung: 3
2. Definition: Straßenkind 3
2.1. Kenia: 4
2.2. Deutschland: 5
2.3. Allgemein: 5
3. Situation und Lebenslage von Straßenkindern: 6
3.1. Kenia: 6
3.2. Deutschland: 8
3.3. Vergleich: 9
4. Ursachen, Erklärungsversuche und Hintergründe: 10
4.1. Kenia: 10
4.2. Deutschland: 12
4.3. Theorien: 14
5. Arbeitsansätze der sozialen Arbeit im Gemeinwesen: 16
5.1. Kenia: 16
5.2. Deutschland:. 20
6. Schlussfolgerungen: 23
7. Literaturverzeichnis: 25
1. Einführung:
Durch meine Erfahrungen mit sozialer Arbeit mit Straßenkindern im Gemeinwesen in einem kleinen kenianischen Projekt1 während meines Fremdpraktikums bin ich auf die Straßenkinderproblematik gestoßen. Hier konnte ich viel über das Leben auf der Straße, die Hintergründe und sozialpädagogische Herangehensweisen in der Arbeit mit Straßenkindern in Kenia erfahren. Jetzt stellte sich mir natürlich die Frage in wie weit sich Straßenkindheiten in Deutschland unterscheiden oder welche Gemeinsamkeiten es gibt?
Straßenkindheiten sind ein Phänomen, das weltweit in Entwicklungs-, wie auch Industrieländern auftritt. Die ILO (International Labour Organization) schätzt die Zahl der Straßenkinder insgesamt auf 100 – 200 Millionen2, wobei diese Schätzungen je nach Definition des Begriffs Straßenkind (s. hierzu Kap. 2) stark schwanken. Für Kenia gibt die UN (United Nation) die Anzahl der Kinder, die auf der Straße leben mit 600.000 an3, in Deutschland beläuft sich die Zahl auf ca. 20.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Lebensmittelpunkt Straße. Fast jede größere deutsche Stadt verfügt über Anlaufstellen für Straßenkinder. Interessant ist hierbei, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl von Straßenjungen und -mädchen mit 3 zu 1 weltweit einheitlich und gleichbleibend zu sein scheint, obwohl die absoluten Zahlen ansteigen: Im Laufe der letzten 20 Jahre haben sich die Straßenkinder global gesehen verdoppelt. Dies hängt vor allem mit der zunehmenden Industrialisierung vieler Länder der sogenannten Dritten Welt zusammen, welche Verstädterung und Zerfall der traditionellen Familienstrukturen bedeutet, wie es im 4. Kapitel über die theoretischen Erklärungsversuche des Straßenkinderphänomens am Beispiel Kenias deutlich werden wird.4 Die Situation und Lebenslage von Straßenkindern, Ursachen, Erklärungsversuche und Hintergründe und verschiedene Arbeitsansätze im Umgang mit der Klientelgruppe im Gemeinwesen sollen in den folgenden Kapiteln jeweils einzeln für Kenia als sogenanntes Entwicklungsland und Deutschland als Vertreter der Industriestaaten dargestellt und im Anschluss verglichen und bewertet werden.
2. Definition: Straßenkind
Der Begriff Straßenkind ist wie in der Einleitung angedeutet eine problematische Terminologie. Je nach Definition wird die Anzahl von Straßenkindern höchst unterschiedlich geschätzt: So geht die World Health Organisation von „gerade mal“ 33 Millionen Straßenkindern weltweit aus5, wohingegen UNICEF die Zahl auf bis zu 200 Millionen beziffert6. Je nach Betrachtungsweise lassen sich so auch unterschiedliche Klientelgruppen innerhalb der Straßenkinder definieren. Es gibt auch einige begriffliche Unterscheidungen zwischen dem kenianischen und deutschen Sprachgebrauch, so dass im Folgenden die Definition eines Straßenkindes für beide Länder jeweils getrennt dargestellt wird.
2.1. Kenia:
In Kenia findet der Begriff ‚streetchild’, also Straßenkind, seit den 80er Jahren Verwendung. Davor wurden die Kinder nach ihrer Beschäftigung oder ihrem Aufenthaltsort benannt. Man sprach von ‚street wandering children’, ‚parking boys’ oder ‚chokora’, vom Kiswahili Wort ‚kuchokora’, was soviel wie Müll bedeutet.
Der Childrens Act – eine Art kenianisches Kinder- und Jugendhilfe Gesetz (KJHG) – definiert ein Kind folgendermaßen: „A child is any human being under the age of 18 Years“7. In der Praxis leben Kinder ab dem Alter von 3 Jahren, überwiegend aber zwischen 6 und 17 Jahren selbstständig auf den Straßen Kenias.
Um den Überbegriff Straßenkinder weiter zu differenzieren, kann man die einzelnen Klientelgruppen nach ihrer Beziehung zur Herkunftsfamilie spezifizieren:
‚Children of the street’: Kinder ohne Kontakt zur Familie
‚Children on the street’: Kinder mit Kontakt zur Familie
‚Children in the street’: Kinder mit wenig Kontakt zur Familie
‚Children for the street’ oder ‚Street Families’: Kinder, die gemeinsam mit ihrer Familie auf der Straße leben.
‚Streetchild’, bzw. Straßenkind ist zwar ein unzureichender Begriff, da er die eigentlichen Umstände in denen sich das Kind befindet, nicht näher beschreibt, aber als Überbegriff der folgenden Definition dienlich: „Kinder, die auf der Straße oder auf Wegen arbeiten oder leben, die keinen Zugang zu Bildung haben und für welche die genannte Örtlichkeit entscheidend für ihr Wachstum und ihre Entwicklung ist“.8
2.2. Deutschland:
Straßenkinder werden meist mit Entwicklungsländern in Verbindung gebracht. Dass es jedoch auch in Deutschland eine beachtliche Anzahl von Straßenkindern gibt, beispielsweise 400 in Stuttgart, ist weitgehend unbekannt. Dies mag an unserem Bild von Straßenkindern liegen, die in Plastik eingewickelt im Rinnstein schlafen. Deutsche Straßenkinder – auch wenn sie nicht auf der Straße übernachten – haben ihre eigenen Merkmale, die sie als Straßenkinder qualifizieren. Die Zahl der Straßenkinder für gesamt Deutschland wird auf ca. 20.000 geschätzt9, wobei auch hier die Zahlen je nach Statistik stark schwanken.
Das Fachlexikon der sozialen Arbeit definiert Straßenkinder als „minderjährige Jugendliche, die sich weitgehend und dauerhaft abgewendet haben von gesellschaftlich vorgesehenen Sozialisationsinstanzen, die sich im Wesentlichen meist zusammen mit anderen Jugendlichen, am Lebensmittelpunkt ‚öffentlicher Raum’ als einzigen Sozialisationsort orientieren und mit ihrem Handeln gegen gesellschaftlich anerkannte ‚Normalzustände’ verstoßen“10. Hier wird wohl schon das wichtigste Kriterium für ein Straßenkind in Deutschland ersichtlich: Die Straße, bzw. der öffentliche Raum muss den Lebensmittelpunkt des Minderjährigen darstellen und dient daher als Sozialisationsraum. Ob nun auf der Straße geschlafen wird oder nicht, und ob die Straße gleichzeitig als Erwerbsquelle dient, ist unerheblich.
Der Begriff Straßenkind lässt sich auch im deutschen Sprachgebrauch weiter differenzieren um den einzelnen Lebensstylen gerecht zu werden:
Treber: dauerhaft ohne festen Wohnsitz und regelmäßige Einkünfte
Ausreißer: ungezieltes Weglaufen aus akuter Konfliktsituation, kurzzeitig ohne festen Wohnsitz
Aussteiger: gezieltes Weglaufen hin zu neuen Lebensperspektiven
Obdachlose Minderjährige: dauerhaftes Leben auf der Straße11.
2.3. Allgemein:
[...]
1 Uhuru Community Development Project, Kisumu, Kenia vom 2. Jan. bis 19. März 2006.
2 Vgl. ADICK 1997, S. 7.
3 Vgl. HÄCKER 2003, S. 23.
4 Vgl. TERRE DES HOMMES 2004, S. 1-4.
5 Vgl. TERRE DES HOMMES 2006, S. 1.
6 Vgl. UNICEF 2006 (www.unicef.de).
7 Zitiert nach THE CHILDREN ACT 2001, S. 4.
8 Zitiert nach MUGO 2004, S. 16ff.
9 Vgl. TERRE DES HOMMES 2001, S. 1.
10 Zitiert nach FACHLEXIKON 2002, S. 949.
11 Vgl. DEGEN 1995: S. 28.
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