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Presentation (Elaboration), 2007, 57 Pages
Author: Corinna Patrizia Franiek
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Soziologie)
Tags: Bildungspolitik, Entwicklung, Bildungswesens, Bildungssystem, Institution
Year: 2007
Pages: 57
Grade: gut (2,0)
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62723-8
File size: 1004 KB
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Abstract
Als Bildungspolitik ist generell das Gebiet gesellschaftlicher Handlungen und politischer Entscheidungen zu verstehen, welche dann eine Ordnung und Strukturierung der Institutionen vornehmen. Bildungspolitik ist gerade deswegen so wichtig für ein politisches System, da sie es ist, die die Erziehung und Bildung und somit auch die Orientierung einer Gesellschaft vornimmt. Deswegen kann man von Bildungspolitik sagen, dass sie einerseits den Traditionen verhaftet sein muss, aber andererseits auch in die Zukunft gerichtet ist; das richtige Verhältnis ist hierbei wichtig und oftmals auch Inhalt politischer Kontroversen.1 Bei einer Betrachtung des Bildungssystems der DDR im Vergleich zur BRD treten unterschiedliche Merkmale im Bereich der politischen und wirtschaftlichen Ordnung mit auf den Plan. Unterschiedlich sind aber im Besonderen auch die pädagogischen Ziele.
Excerpt (computer-generated)
Carl v. Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät IV – Sozialwissenschaften
Seminar: Das Bildungssystem als gesellschaftspolitische Institution
6. Semester
Bildungspolitik und Entwicklung des Bildungswesens der DDR seit 1945
von: Corinna Patrizia Franiek
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung – Auffassung des Bildungsbegriffs 4
II. Grundzüge und Ziele der Bildungspolitik in der DDR nach eigenem Selbstverständnis 4
II. 1. Entwicklung des Bildungswesen nach 1945 5
II. 1. 1. Grundzüge der Entwicklung 7
II. 1. 2. Grundriss des Bildungssystems 14
II. 2. Rechtliche Grundlagen 18
II. 3. Bildungsziele 20
II. 4. Grundsätze des Bildungswesens 21
II. 5. Das Bildungssystem im Zusammenspiel mit der Gesellschaft 23
II. 5. 1. Bildung, Wirtschaft und Beschäftigung 23
II. 5. 1. 1. Bedarfslenkung 24
II. 5. 2. Bildung und Sozialstruktur 26
II. 5. 3 Begabtenförderung in der DDR 28
III. Die Bestandteile des Bildungswesens der DDR 30
III. 1. Die Vorschulerziehung 31
III. 1. 1. Funktion 31
III. 1. 2. Curriculum 32
III. 1. 3. Finanzierung und Versorgungsgrad 33
III. 2. Die Allgemeinbildende polytechnische Oberschule 34
III. 2. 1. Funktion 34
III. 2. 2. Zulassung und Abschluss 35
III. 2. 3. Polytechnischer Unterricht: Funktion und Inhalt 35
III. 2. 4. Besondere Lernangebote 37
III. 3. Die erweiterte allgemeinbildende polytechnische Oberschule 37
III. 3. 1. Zulassung 37
III. 3. 2. Funktion und Lehrplan 38
III. 3. 3. Besondere Lernangebote 39
III. 3. 4. Abschluss 40
III. 4. Studium und Berufsausbildung 40
III. 4. 1. Universitäten, Hoch- und Fachschulen 40
III. 4. 2. Berufsausbildung 42
III. 5. Erwachsenenbildung 43
IV. Politischer Übergang in die BRD und das Bildungssystem 45
III. 1. Ergebnisse der PISA-Studie 53
V. Literatur 56
I. Einleitung – Auffassung des Bildungsbegriffs
Als Bildungspolitik ist generell das Gebiet gesellschaftlicher Handlungen und politischer Entscheidungen zu verstehen, welche dann eine Ordnung und Strukturierung der Institutionen vornehmen. Bildungspolitik ist gerade deswegen so wichtig für ein politisches System, da sie es ist, die die Erziehung und Bildung und somit auch die Orientierung einer Gesellschaft vornimmt. Deswegen kann man von Bildungspolitik sagen, dass sie einerseits den Traditionen verhaftet sein muss, aber andererseits auch in die Zukunft gerichtet ist; das richtige Verhältnis ist hierbei wichtig und oftmals auch Inhalt politischer Kontroversen.1 Bei einer Betrachtung des Bildungssystems der DDR im Vergleich zur BRD treten unterschiedliche Merkmale im Bereich der politischen und wirtschaftlichen Ordnung mit auf den Plan. Unterschiedlich sind aber im Besonderen auch die pädagogischen Ziele.2
II. Grundzüge und Ziele der Bildungspolitik in der DDR nach eigenem Selbstverständnis
Die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR schreibt in „Das Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik“,
„In prinzipieller Übereinstimmung mit den Eltern und allen an der Erziehung beteiligten Kräften der Gesellschaft sind den Einrichtungen des Bildungswesens hohe humanistische Ziele gestellt. Alle Bürger wissen und verspüren: Was in den Bildungseinrichtungen gelehrt und der Jugend anerzogen wird, ist gut, ››denn es ist eine Erziehung in der Achtung vor den Menschen, ihrer Arbeit, der Achtung anderer Völker, es ist eine Erziehung, die die Kinder lehrt, für den Frieden, für das Glück des Menschen mit Wort und Tat einzutreten‹‹.“3
Somit ist das Ziel aller Bildungseinrichtungen der DDR
„eine hohe Bildung des ganzen Volkes, die Bildung und Erziehung allseitig und harmonisch entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten, die bewußt das gesellschaftliche Leben gestalten, die Natur verändern und ein erfülltes, glückliches, menschenwürdiges Leben führen.“4
Laut dem Programm der SED geht es darum,
„junge Menschen zu erziehen und auszubilden, die, mit solidem Wissen und Können ausgerüstet, zu schöpferischem Denken und selbständigem Handeln befähigt sind, deren marxistisch-leninistisch fundiertes Weltbild die persönlichen Überzeugungen und Verhaltensweisen durchdringt, die als Patrioten ihres sozialistischen Vaterlandes und proletarische Internationalisten fühlen, denken und handeln.“ 5
Fähigkeiten sollen demnach zum Wohl der sozialistischen Gesellschaft eingesetzt werden und die jungen Menschen sollten bereit sein, sich für die Idee des Kommunismus einzusetzen und somit Freiheit, Menschenwürde, Menschenrechte, Solidarität und soziale Gerechtigkeit durchsetzen.
Nach der Akademie bezieht sich dieses Erziehungsziel auf das
„Bewußtsein der Persönlichkeit, auf die Fähigkeit und Bereitschaft zu hohen Leistungen in allen gesellschaftlichen Bereichen, auf Schöpfertum und Ausprägung wertvoller individueller Eigenarten.“ 6
II. 1. Entwicklung des Bildungswesen nach 1945
Bereits im Nachkriegsdeutschland wurden in den westlichen und in der sowjetischen Besatzungszone unterschiedliche Entscheidungen über politische Grundlagen des Bildungssystems getroffen. Im Westen lebte, die bereits vor 1933 bestehende, föderalistische Struktur wieder auf, was eine Kulturhoheit der Länder mit sich brachte. Im Osten entstand eine Deutsche Verwaltung für Volksbildung, die die Befugnis für die gesamte sowjetische Besatzungszone hatte. Dieser zentralistische Charakter des Bildungswesens wurde noch durch die marxistisch-leninistische Ideologie und die zentrale staatliche Wirtschaftsplanung und - lenkung verstärkt.7
Die SED stellte, als bestimmende politische Kraft in der DDR, auch den Anspruch auf eine umfassende weltanschauliche Kontrolle. Dies hatte Konsequenzen, so hatten beispielsweise Eltern kein Elternrecht, d. h. kein eigenständiges Recht auf die Erziehung ihrer Kinder; Eltern hatte nur ein Erziehungsrecht im Rahmen sozialistischer und kommunistischer Wertordnung. Lehrer waren den, in der Verfassung aufgeführten, Grundregeln des staatlichen Gemeinwesens verpflichtet und mussten die ideologischen Ziele der herrschenden Partei im Unterricht vertreten. Bis auf einige kirchlich organisierte Erziehungsstätten in der DDR, ist die Organisation vom Kindergarten bis zur Weiterbildung staatlich organisiert oder durch staatliche Massenorganisationen wie die FDJ kontrolliert.8 Es bestand eine Einheit von Bildung und Erziehung und der Staat, die Gesellschaft und die Familie wirkten gemeinsam auf die Kinder ein, um sie zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ zu erziehen. Es sollte ein naturwissenschaftliches Weltbild marxistisch-leninistischer Prägung vermittelt werden.9 Im Westen hingegen galt das Prinzip des gesellschaftlichen und weltanschaulichen Pluralismus. Als ein gutes Beispiel für den Pluralismus in der BRD kann das duale System gesehen werden, denn hier übernimmt der Staat die schulische Bildung und die Unternehmen die betriebliche Ausbildung.10
Durch die Verstaatlichung der Produktionsmittel ist das Bildungswesen der DDR in die Wirtschaftsplanung integriert und unter dem Grundsatz der „Einheit von Ökonomie und Bildung“ ist die Planung der Ausbildung und die Lenkung der beruflichen Bedürfnisse gemeint, die für die Planwirtschaft wichtig waren. Bildungsplanung meint, dass ein Bedarf an verschiedenen Arbeitskräften errechnet wird, während in der BRD die freie Berufswahl galt.11 Ursprünglich war die Bildungspolitik in der DDR ein egalitäres gesellschaftspolitisches Programm und Ausdruck dieser Vorstellung war die Einheitsschule gewesen. Besondere Förderung sollten vor allem die Kinder von Arbeitern und Bauern erfahren, was Ausdruck der Chancengleichheit sein sollte. Dies implizierte jedoch auch, dass anderen Kindern, auch aus politischen Gründen, Chancen verweigert wurden. Im Lauf der Jahre veränderten sich jedoch die Vorstellungen. Anders war dies in der BRD, zwar galt auch hier seit den 1960er Jahren das Postulat der Chancengleichheit, jedoch führte das vertikale Schulsystem dazu, dass sich soziale Positionen in der Gesellschaft verfestigten.
Darum kam mit den Jahren der Ruf nach einer Gesamtschule auf, welcher Konflikte zwischen Parteien und Ländern verursachte. Jedoch wäre eine Umverteilung der Chancen, wie in der DDR nicht in Frage gekommen, da es nicht den Verfassungsnormen entsprochen hätte.12 Von der SED wurden versucht konkurrierende geistige Richtungen, zugunsten einer geschlossenen Weltanschauung auszuschalten. Schulen, Hochschulen, aber auch die außerschulische Erziehung, ebenso wie die Massenmedien wurden versucht zu homogenisieren. Das politisch-ideologische Wissen sollte, quasi allen Bürgern als eine Art Grundausstattung zukommen. Durch planmäßige Erziehung und durch emotionale Erfahrungen sollte dies erleichtert werden. Deswegen durchliefen die Kinder und Jugendlichen, neben der Schule, die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und im Anschluss daran die Freie Deutsche Jugend (FDJ). Ebenso hilfreich waren die organisierte Feriengestaltung und die Wehrerziehung im sozialistischen Sinne. Es ist zu sehen, dass in der DDR eine Einheit von Bildungs- und Erziehungspolitik angestrebt wurde.13 In der BRD nimmt die staatliche Bildungspolitik nur indirekten Einfluss auf die Erziehung der Kinder und die Einflussnahme außerhalb der Schule ist nicht gegeben. Auch in den Bildungsinstitutionen selbst gibt es keine Erziehungsprogramme, die die Lehrpläne ergänzen und dies würde wohl auch dem Charakter einer offenen Gesellschaft widersprechen.14
II. 1. 1. Grundzüge der Entwicklung
[...]
1 Vgl. Anweiler (1990: S. 11).
2 Vgl. Anweiler (1990: S. 11).
3 Akademie (1983: S. 14).
4 Akademie (1983: S. 14).
5 Akademie (1983: S. 14).
6 Akademie (1983: S.14).
7 Vgl. Anweiler (1990: S. 12).
8 Vgl. Anweiler (1990: S. 12).
9 Vgl. Friedrich-Erbert Stiftung ( 1989: S. 5).
10 Vgl. Anweiler (1990: S. 12).
11 Vgl. Anweiler (1990: S. 13).
12 Vgl. Anweiler (1990: S. 13).
13 Vgl. Anweiler (1990: S. 14).
14 Vgl. Anweiler (1990: S. 14).
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08.07.2009 22:08:05
Diese Abhandlung ist höchstens mit "befriedigend" einzuschätzen; mehrere Absätze sind mangelhaft. Oft fehlt es an konkreten Ausführungen und eigentlich anspruchsvolle Unterabschnitte werden auf gehaltslose, allgemeine Bemerkungen heruntergebrochen. Der Arbeit fehlt außerdem ein echtes Schlußkapitel; die Bedeutung des Schulsystems für das gesellschaftliche Leben wird nicht oder kaum herausgearbeitet, was der Arbeit am Ende die Puste ausgehen läßt. Sogar Fehlschlüsse kommen auf, z.B. die Verdrehung von Ursache und Wirkung nach der Auflösung der Einheitsschule 1991. Die Schulnetze mußten nicht heruntergefahren werden, weil aus heiterem Himmel die Geburtenziffer absackte, sondern das Wegbrechen des DDR-Bildungssystems, besonders der Vorschuleinrichtungen, belastete die Ostdeutschen mit überkommenen Problemen des gegliederten Schulsystems, die Kinder zur Existenzgefährdung werden ließen. Leistungen der Einheitsschule und dem gegliederten Schulsystem überlegene Strukturen werden kaum genannt und eine Systematisierung fehlt völlig. Die Ausführungen zur PISA-Studie hängen in der Luft und auch hier fehlt eine kohärente Darstellung, was gemeint ist und wie sich das in das Gesamtbild der historischen Entwicklung einordnet. Den Kapiteln, die sich explizit mit den Stufen der Einheitsschule befassen, fehlt es an harten Fakten. Die bereits als zu allgemein kritisierten kuren Absätze wirken daher wie willkürliche Thesen, die ohne Beleg vermittelt werden. Das hohe Ideal allseitige Allgemeinbildung und die für ein deutsches Bildungssystem bisher einmalige Wertschätzung der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fächer hätte mit Stundentafeln und den hohen Anforderungen der Lehrpläne eindeutig gezeigt werden können. Ausgerechnet an einer solchen Stelle fehlt dann der ansonsten ziemlich gelungene Vergleich mit dem Schulsystem der BRD, obwohl das gegliederte Schulsystem seit Jahren für seine sehr einseitige und dogmatische geisteswissenschaftliche Ausrichtung großer Kritik ausgesetzt ist. Eine meiner Meinung nach gewichtige Unterlassung ist die Tatsache, daß sich nach der Sowjetisierung zu Anfang der 50er Jahre die Schule unter Ulbricht wieder vom sowjetischen Vorbild wegbewegte. Was leider fehlt, ist ein ausführlicher Abschnitt, der das komplexe Grundprinzip des Schulsystems und die Art und Weise der Steuerung beschreibt. Die Einheitsschule der DDR basierte auf einem ganzheitlichen Ansatz; kein rechtlicher oder pädagogischer Eingriff in die Lehrpläne, Lehrmittel, Bildungsgänge usw. erfolgte lösgelöst von den restlichen Beteiligten im System. Es erfolgte immer eine geschlossene Systembetrachtung. Das ist der größte Gegensatz zur heutigen Bildungspolitik, die in keinem Bundesland eine langfristige Zielstellung hat und defacto nur aus diffusen Anhäufungen sich widersprechender Verwaltungseingriffe besteht. Die 2,0 ist ungerechtfertigt, besonders weil der Umfang der Abhandlung von zirka 60 Seiten große Spielräume eröffnete und die von mir erläuterten Schwächen nicht hätten sein müssen. 2,0 - eine Leistung, die erheblich über den durchschnittlichen Anforderungen liegt 3,0 - eine Leistung, die nur durchschnittlichen Anforderungen entspricht lt. üblicher Notendefinition an der Universität. Positiv ist zu sagen, daß die angeführten historischen Aussagen und Fakten fast vollständig korrekt sind - im Gegensatz zu mehreren Diplomarbeiten, die sich bei GRIN finden, und die vor Falschheiten und unzureichender Faktenrecherche nur so strotzen. Ein bißchen mehr Primärquellenarbeit wäre gut gewesen, d.h. die Staatsdokumente der DDR sichten und einbeziehen, statt sich blind auf die Sekundärliteratur zu verlassen. Für diese Abhandlung hätte eine 3,0-3,3 erteilt.