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Die Opferrolle der Juden in den totalitären Systemen des Stalinismus, Nationalsozialismus und Islamismus

Scholary Paper (Seminar), 2005, 24 Pages
Author: Corinna Patrizia Franiek
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 24
Grade: gut (2,0)
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V71012
ISBN (E-book): 978-3-638-61962-2

File size: 171 KB

Abstract

Wenn von Antisemitismus gesprochen wird, so fallen den meisten Menschen zunächst die Verfolgungen und Pogrome zur Zeit des Nationalsozialismus ein. Doch auch andere totalitäre Systeme, welche zum Teil dem Nationalsozialismus in ihrer Ideologie total gegensätzlich waren bzw. sind, benutzten oder benutzen den Antisemitismus für ihre Zwecke.


Excerpt (computer-generated)

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Politikwissenschaft
Seminar: Theorien totaler Herrschaft
2. Semester

Die Opferrolle der Juden in den totalitären Systemen des
Stalinismus, Nationalsozialismus und Islamismus

von: Corinna Patrizia Franiek

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

1.1. Einführung der zu bearbeitenden These 3
1.2. Begründung des Islamismus als Totalitarismus 3
1.3. Grundsätzliche Anmerkungen  4

2. Antisemitismus im stalinistischen Kommunismus  5

2.1. Einführung und geschichtliche Hintergründe  5
2.2. Nach der Revolution 6
2.3. Aufstufung des stalinistischen Antisemitismus  7
2.4. Abschließende Zusammenfassung 10

3. Antisemitismus im faschistischen Nationalsozialismus  12

3.1. Einführung  12

3.1.1. Hitler und sein System politischer Propaganda  13

3.2. Anfänge des nationalsozialistischen Antisemitismus  13
3.3. Vorgehen in der nationalsozialistischen Propaganda  15
3.4. Die Einmaligkeit des Holocaust  16

4. Antisemitismus im Islamismus  17

4.1. Einführung und Geschichte des islamischen Fundamentalismus  17
4.2. Motive des islamischen Fundamentalismus  17
4.3. Aus islamischem Fundamentalismus wird Antisemitismus 18

5. Fazit  23

6. Literaturverzeichnis 24



 

1. Einleitung

Wenn von Antisemitismus gesprochen wird, so fallen den meisten Menschen zunächst die Verfolgungen und Pogrome zur Zeit des Nationalsozialismus ein. Doch auch andere totalitäre Systeme, welche zum Teil dem Nationalsozialismus in ihrer Ideologie total gegensätzlich waren bzw. sind, benutzten oder benutzen den Antisemitismus für ihre Zwecke.

1.1. Einführung der zu bearbeitenden These

Mit der folgenden Arbeit soll die These, dass es den Antisemitismus in allen drei totalitären Systemen – Stalinismus, Nationalsozialismus und im Islamismus – gab bzw. gibt und dass die Juden in allen dreien zum Feindbild wurden bewiesen werden. Ein weiterer Schwerpunkt soll auf der Argumentation und Begründung des Antisemitismus innerhalb der Totalitarismen liegen.

1.2. Begründung des Islamismus als Totalitarismus

Zunächst soll begründet werden wieso der (radikale) Islamismus, trotzdem er sich von dem Stalinismus und Nationalsozialismus gravierend unterscheidet, mit ihnen auf eine Stufe gestellt werden kann und als Totalitarismus bezeichnet werden kann.
Folgende Aussagen stammen aus dem Zeit-Artikel vom 31.07.2003 von Yehuda Bauer, der sehr treffend darstellt, wo die Gemeinsamkeiten von Islamismus, Stalinismus und Faschismus liegen. Der Islamismus will, wie die beiden anderen Systeme, die Weltherrschaft erlangen, was bedeutet, dass der Islam überall durchgesetzt und von allen Menschen akzeptiert werden soll - ob mit oder ohne Gewalt. Der absolute Glaube an die eigene Sache wird auch hier gefordert. Ähnlich brutal waren auch Nationalsozialismus und Stalinismus in der Durchsetzung ihrer Ideologien. Auch im Islamismus stehen die Abschaffung von (Rechts-)Staat und Demokratie mit an erster Stelle, da radikale Islamisten davon ausgehen, dass Gottes gesetzliche Normen die einzig wahren sind und Parlamente und Demokratie das Werk von Ungläubigen. Hier wird die Abschaffung von Gesetz und Staat vorgesehen, indem die Geistlichen an deren Stellen treten, ähnlich wie im Stalinismus Stalins Wille Befehl war und Hitler im Nationalsozialismus nach und nach alle Institutio- nen gleichschaltete und selbst an die Spitze des „Staates“ trat. Auch der Islamismus verbreitet eine Utopie, ähnlich wie Stalinismus und Nationalsozialismus und zwar jene von der friedlichen Herrschaft Gottes. Die Islamisten behaupten, dass diese Utopie entstehen wird, wenn alle Ungläubigen besiegt sind und dies stellt das Ende der menschlichen Geschichte dar. Auch der Nationalsozialismus und der Stalinismus versprachen Utopien, in Form des Tausendjährigen Reiches und in Form der klassenlosen Gesellschaft. Ein wichtiger Unterschied zu den anderen beiden Totalitarismen ist der Massenmord, der im Islamismus bisher nur beabsichtigt ist, jedoch noch nicht in die Tat umgesetzt wurde.
An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass es sich beim Islamismus nicht um eine regional beschränkte Bewegung handelt, was heißen soll, dass er nicht von einem bestimmten Staat ausgeht. Er besitzt im eigentlichen Sinne auch keine Führungspersönlichkeit, aber genau diese beiden wichtigen Merkmalsunterschiede machen ihn sehr gefährlich und unberechenbar. Zudem stützt sich die Begründung des Islamismus als Totalitarismus für diese Arbeit, auf die Aussagen Bassam Tibis in seinem Werk „Der Neue Totalitarismus“. Hier weist er auf die Gefahr des Islamismus hin. Er warnt vor der, durch die Islamisten angestrebte, Gottesherrschaft (Hakimiyyat Allah), die eine neue totale Herrschaft darstellen könnte. Zudem warnt er vor den Gotteskriegern (Djihaddisten), die die Gottesherrschaft mittels Gewalt und Terror durchsetzen wollen. Er geht sogar soweit, die Gefahr eines neuen Kalten Krieges zwischen dem weltlichen Westen und den totalitären Islamisten, die eine Gottesherrschaft anstreben, zu sehen.1

1.3. Grundsätzliche Anmerkungen

In dieser Arbeit soll die Zeitspanne behandelt werden, in der totalitäre Herrscher an der Macht waren und in der totalitäres Gedankengut - dadurch bedingt - an Auftrieb gewann. Es soll kurz auf die Entwicklungen, die dem Totalitarismus vorangegangen sind, eingegangen werden, um verständlich zu machen, wie es zum Antisemitismus innerhalb des Totalitarismus kommen konnte. Es wird jedoch nicht auf die Geschichte des Antisemitismus in der Sowjetunion und Deutschland eingegangen; es ist klar, dass es den Antisemitismus in den betreffenden Ländern und Regionen auch schon vorher gegeben hat.

2. Antisemitismus im stalinistischen Kommunismus

2.1. Einführung und geschichtliche Hintergründe

Für die russischen Juden schien die Revolution Fortschritte und eine verbesserte Lebenssituation zu bringen, hatten sie doch unter dem Zaren mehr oder weniger gelitten. Als Polen 1772 geteilt wurde, wurden 100.000 Juden russische Untertanen und anfangs hatten sie mehr Rechte als die übrigen europäischen Juden. Die Zaren versuchten sich die Juden nutzbar zu machen und sie in ihrem Sinne zu erziehen. In zyklischen Abständen verschlechterte und entspannte sich die Situation für die Juden, jedoch wurden immer wieder Beweise gesucht, um eine jüdische Gefahr zu belegen, wie beispielsweise die Protokolle der Weisen von Zion, welche beweisen sollen, dass es eine Gruppe von jüdischen Führern gibt, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Sergej Nilus veröffentlichte hierzu das Buch Das Große im Kleinen und der Antichrist als nahende politische Möglichkeit als Anhang an die Protokolle. Dieses wurde als Rechtfertigung für Pogrome genutzt. Völlig gleichgültig war die Tatsache, dass es sich bei den Protokollen um eine Fälschung des zaristischen Geheimdienstes handelte. 2 Man kann sagen, dass der moderne Antisemitismus auf diesen Protokollen (auch Geheimnissen) basiert. Zunächst fanden die Protokolle im zaristischen Russland Anklang, nach der Übersetzung breiteten sie sich weltweit aus und fanden auch in Deutschland Gehör.3

[...]


1 Tibi 2004: 9-16

2 Lustiger, 1998: 21-29

3 Schubert :113


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