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Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Denkens und Handelns

Hausarbeit, 2006, 39 Seiten
Autor: Ricardo Paßkönig
Fach: Pädagogik - Allgemein

Details

Veranstaltung: Modul 1 der Erziehungswissenschaften im WS 2006/07
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Erziehungswissenschaften)
Tags: Grundbegriffe, Theorien, Denkens, Handelns, Modul, Erziehungswissenschaften
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 39
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 1  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V71042
ISBN (E-Book): 978-3-638-62728-3

Dateigröße: 908 KB
Anmerkungen :
Es handelt sich hierbei um ein Portfolio.



Textauszug (computergeneriert)

Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Denkens und Handelns

von: Ricardo Passkönig

 


Inhaltsverzeichnis

Frage 1 5
Begriffserläuterung der menschlichen Praxis 5

Frage 2 9
Streit über (un)gleiche Bildungsmöglichkeiten entscheidbar? 9

Frage 3 12
Begriffsklärung Aufforderung zur Selbsttätigkeit 12

Frage 4 15
Endlichkeit der pädagogischen Praxis 15

Frage 5 19
Begriff der Nicht-Hierarchizität 19

Frage 6: 22
Unterscheidung der Theorien der Erziehung 22

Frage 7: 25

Frage 8: 28
Aufzeigen der Unterschiede der Institutionentheorien 28

Frage 9: 31
Abgrenzung der älteren Einteilung der päd. Praxis von neuerer Erziehung als ein sich selbst negierendes Gewaltverhältnis Maßnahmen der Aufsicht, Drohung, Autorität und Liebe 31

Aufgabe 10 34
Erziehung durch Unterricht? 34
Beschreibung des aristotelischen und neuzeitlichen Modells 34

Aufgabe 11 34
Darstellung der sechs Ebenen einer bildenden Interpretation neuzeitlicher Wissenschaft 34

Aufgabe 12 38
Klärung der Begriffe methodische, thematische und institutionelle Offenheit 38







Frage 1
Begriffserläuterung der menschlichen Praxis

Erläutern Sie den Begriff der menschlichen Praxis, indem Sie

(1.) zwischen einem reduktionistischen, einem überdehnten  und einem angemessenen Verständnis von Praxis unterscheiden,
(2.) diese Unterscheidungen  auf die ausdifferenzierten  Bereiche der Praxis auslegen und
(3.) reduktionistische, überdehnte und angemessene Auslegungen  der Leiblichkeit, Freiheit, Geschichtlichkeit und Sprachlichkeit der Praxis voneinander abgrenzen.

Unter dem Begriff der menschlichen Praxis versteht man alle Tätigkeiten des Menschen. Die Praxis ist für ihn von fundamentaler Bedeutung, da sie den Menschen als imperfektes Wesen, das stets in der Notwendigkeit existiert praktisch zu handeln, vom Tier abgrenzt. Obwohl er zur Tätigkeit bestimmt ist, stellt dies noch nicht die Bestimmung des Menschen dar, er findet sie aber in ihr. Es gilt zwischen einem reduktionistischen, einem überdehnten und einem angemesseneren Verständnis menschl. Praxis zu unterscheiden. Redukt. Betrachtet wird die Imperfektheit des Menschen als unabänderlicher Mangel, als unbehebbares Defizit empfunden, das auch durch Praxis nicht zu kompensieren ist. Bei überdehnter Betrachtungsweise ist man der Überzeugung diese Imperfektheit durch Praxis, durch Wollen u. Tun überwinden zu können. Zu einem angemesseneren Verständnis hingegen gelangt man, wenn man den imperfekten Menschen so betrachtet, dass er aufgrund seiner Imperfektion u. Lernfähigkeit mithilfe der Praxis Perfektion anstrebt, sie aber nie erreicht, sondern sich ihr nur annähert, u. so handelnd seine Bestimmung findet.

Diese Unterscheidungen lassen sich ebenso auf die ausdifferenzierten Praxisbereiche der Arbeit, Ethik, Politik, Religion, Kunst u. Pädagogik übertragen. Die Arbeit gehört von je her zum Menschen. Um seine Existenz zu sichern, veränderte er durch Arbeit die Umwelt u. dabei aufgrund seiner praktischen Tätigkeit auch die Arbeit als Praxisform. Nach redukt. Maßstäben beurteilt wird Arbeit als Notwendigkeit im Sinne eines unabänderlichen menschl. Mangels erachtet, der den Menschen bestimmt. Nach überdehntem Verständnis gelingt es dem Menschen durch Arbeit etwas Perfektes zu schaffen u. Arbeit als Praxisform zu vervollkommnen. Angemessener jedoch ist es, dass der Mensch durch sie sowohl lernt als auch hervorbringt, sie zu perfektionieren sucht, es aber nicht schafft u. durch Arbeit seine Bestimmung findet. Die Ethik ist die Praxis der Auslegung der Sitte. Der Mensch verfügt nicht über angeborene Verhaltensregeln, er erwirbt sie durch Praxis. Sie sind für ein gesellschaftliches Leben unabdingbar, aber keinesfalls konstant, sondern müssen stets neu interpretiert werden. Redukt. betrachtet ist die Ethik notwendig, da der Mensch unbehebbar imperfekt ist und auch mit Ethik bleibt. Wenn man das Verständnis der ethischen Praxis überdehnt, ist man dagegen der Überzeugung durch Ethik den sittlich perfekten Menschen formen zu können, die perfekte Ethik zu finden. Dass der Mensch durch ethisches Handeln lernt, nach unerreichbarer Perfektion strebt u. so seine Bestimmung erfährt, ist jedoch zutreffender.

Der Praxisbereich der Politik bearbeitet die Vorstellung einer zukünftigen Gesellschaft sowie deren nicht vorhersehbaren Probleme in der Gegenwart. Nach redukt. Verständnis ist sie aufgrund des Mängelwesens des Menschen, das trotz politischer Praxis unabänderlich bleibt, nötig. Überdehnt verstanden vermag die Politik den Menschen und sich selbst als Praxisform zu vervollkommnen. Angemessener ist jedoch ein Verständnis, dass die Lernfähigkeit des Menschen bedenkt u. politische Praxis nicht bei einmal getroffenen Entscheidungen belässt, sondern ebenso die Möglichkeit zukünftiger Veränderung offen lässt. Die Religion ist die Praxis vom Verhältnis zum Tod u. zum Sinn der eigenen Existenz. Redukt. bewertet ist sie notwenig, da der Mensch den unbehebbaren Mangel aufweist sterblich zu sein. Mit überdehntem Verständnis unterstellt man der religiösen Praxis, den perfekten Sinn der menschl. Existenz definieren zu können, obwohl es angemessener ist, dass der Mensch die Erkenntnis des Sinns seines Lebens erstrebt, doch sich ihr nur annähert, u. dabei seine Bestimmung findet. Die Kunst ist die Praxis der ästhetischen Gestaltung von Welt u. verdeutlicht die Spannungsverhältnisse der Praxen zueinander. Auch in seiner Verfassung als ästhetisch Handelnder wird der Mensch redukt. als Mängelwesen eingeschätzt. Bei überdehntem Verständnis gelingt es der Kunst die Spannungsverhältnisse aufzuheben. Angemessener verstanden ist es jedoch, dass ästhetische Welterfahrungen spannungsvoll bleiben. Die Pädagogik ist die Praxis der Erziehung, aufgrund derer der Mensch Bildung und Bestimmung bekommen soll. Redukt. bewertet ist sie wegen des Mangels erzogen werden zu müssen nötig. Wird das Verständnis überdehnt, erreicht die Pädagogik einen beizubehaltenden Endzustand, der bei angemessenerem Verständnis jedoch nie erreicht wird, allein schon um eine offene zukünftige Entwicklung zu gewährleisten. Die menschl. Praxis ist leiblicher, freier, geschichtlicher u. sprachlicher Natur u. deshalb auch in diesen Aspekten auszulegen und abzugrenzen. Der Leib ist welterfahrend u. artikulierend das universelle Organ der Praxis. Er ist weder redukt. verstanden der Körper als sich nur selbsterhaltender Organismus noch überdehnt betrachtet eine Maschine. Das prakt. angemessenere Freiheitsverständnis ist ein solches, das sich von der redukt. Wahlfreiheit, d.h. einer Freiheit der Wahl aus vorgegebenen Möglichkeiten, u. dem überdehnten Freiheitsbegriff einer Willkürfreiheit, einer unbeschränkten Freiheit zu tun u. lassen was man mag, insofern unterscheidet, dass man gegebene Wahlalternativen wählen, interpretieren und verändern kann u. wählt was einem mehr beliebt. Z.B. können wir, vor die Wahl gestellt ob wir lieber Kaffee oder Tee trinken wollen auch ablehnen, oder ein anderes Getränk vorziehen (z.B. Milch).

Die Geschichtlichkeit ist das Verhältnis zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bei der Betrachtung menschlichen Handelns. Redukt. verstanden sieht sich der Mensch als Opfer der Geschichte, ganz im Gegensatz zum überdehnten Verständnis, welches den Menschen zum Herren der Geschichte und der Zukunft erklären möchte. Ein angemesseneres Verständnis bedenkt die Einwirkungen des Menschen auf die Geschichte, jedoch erkennt es auch Zufälle u. Unvorhergesehenes an. Sprachlichkeit ist die menschl. Fähigkeit zu artikulieren und gestikulieren. Redukt. betrachtet ist die Sprache ein Abbild der Welt u. in überdehntem Sinn eine Konvention, d.h. eine Willkürbezeichnung. Sie ist aber keines von beidem. Sprache ist interpretierte Welt u. ein Produkt bisheriger oder neuer Weltdeutungen.

[...]


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