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Hybridität - Synkretismus - Kreolisierung

Termpaper, 2007, 17 Pages
Author: Marc Castillon
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V71043
ISBN (E-book): 978-3-638-62729-0
ISBN (Book): 978-3-638-75488-0
File size: 141 KB
Notes :
Um die verstärkt in den Blickwinkel gerückte beobachtete Vermischung von Kulturen bzw. Kulturelementen theoretisch zu erfassen, sprach man von Mélange, Kreolisierung, kulturellem Synkretismus, globaler Crossover-Kultur oder auch Hybridität. Hier soll die These, dass die potentiell miteinander konkurrierenden Konzepte (Hybridität, Synkretismus, Kreolisierung) nicht mehr grundlegend verschiedene Phänomene von kultureller Vermischtheit beschreiben, überprüft und verifiziert werden.


Abstract

In der Vergangenheit hatten Ethnologen die Auffassung vertreten, Kulturen seien statische, in sich geschlossene Systeme. Diese Vorstellung unserer Welt als ein Kulturenmosaik ist jedoch nicht erst allein in Bezug auf heutige Gegebenheiten, sondern auch historisch fragwürdig. Das Bild von einer Welt mit klar voneinander abgrenzbaren Kulturen gilt heute mehrheitlich als obsolet. Wie Studien belegen, gab es schon in vorkolonialer Zeit höchst komplexe Kontakte zwischen vermeintlich isolierten Menschengruppen. Als Beispiel seien hier die Buschleute in der Kalahari genannt. Die !Kung San gelten als egalitäre Jäger und Sammler, die in großer räumlicher Isolation ihre Kultur aufrechterhalten konnten. Sie werden heute gern als eine der wenigen noch intakten Gruppierungen dargestellt, die einer jahrtausendalten Lebensweise folgen. Glaubwürdigen Belegen zufolge standen die !Kung San jedoch schon mit anderen Bewohnern des südlichen Afrika in Kontakt bevor sie – gedrungen durch die Ankunft der ersten weißen Siedler – ins Hochland des heutigen Südafrika und Botswana abwanderten. Insbesondere seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist durch Zunahme der Kontakte mit der Außenwelt auch die Kultur der !Kung San von Wandel und Kulturkontakt bedroht. Neue Kulturkonzepte versuchen der Durchlässigkeit von Grenzen und der internen Heterogenität von Gesellschaft gerecht zu werden. Gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung sind Phänomene der Vermischung verstärkt in den Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt. In den letzten fünfzehn Jahren hat es verschiedene Bemühungen gegeben, die beobachtete Vermischung von Kulturen bzw. Kulturelementen theoretisch zu erfassen. So sprach man von Mélange, Kreolisierung, kulturellem Synkretismus, globaler Crossover-Kultur oder auch Hybridität, um die mit dem vermehrten Kulturkontakt einhergehenden Veränderungen des Bestehenden sowie die Entstehung von Neuem zu erklären. In diesem kleinen Büchlein wird die These, dass die Konzepte von Hybridität, Synkretismus und Kreolisierung nicht mehr grundlegend verschiedene Phänomene von kultureller Vermischtheit beschreiben, überprüft und verifiziert. Zunächst werden dazu die potentiell miteinander konkurrierenden Konzepte einzeln untersucht, ihr Bedeutungsinhalt definiert und der jeweilige Anwendungsbereich durch Beispiele verdeutlicht. Die Spezifika eines jeden Konzeptes werden so skizziert, um abschließend die Erkenntnisse zusammenzuführen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin, Institut für Ethnologie
Magisterstudium – Ethnologie im Nebenfach
9. Fachsemester, Wintersemester 2006/2007

Hybridität - Synkretismus - Kreolisierung

von: Marc Castillon

 


Gliederung

I. Einleitung  3

II. Hybridität vs. Synkretismus vs. Kreolisierung  5

1. Hybridität 5
2. Synkretismus  7
3. Kreolisierung  9
4. Gegenüberstellung der Konzepte  11

Verzeichnis der Literatur 15




 

I. Einleitung

In der Vergangenheit hatten Ethnologen die Auffassung vertreten, Kulturen seien statische, in sich geschlossene Systeme. Diese Vorstellung unserer Welt als ein Kulturenmosaik ist jedoch nicht erst allein in Bezug auf heutige Gegebenheiten, sondern auch historisch fragwürdig. Das Bild von einer Welt mit klar voneinander abgrenzbaren Kulturen gilt heute ganz mehrheitlich als obsolet. Wie Studien belegen, gab es schon in vorkolonialer Zeit höchst komplexe Kontakte zwischen vermeintlich isolierten Menschengruppen.1 Als Beispiel seien hier die !Kung San (Buschleute) in der Kalahari genannt. Die !Kung San gelten als egalitäre Jäger und Sammler, die in großer räumlicher Isolation ihre Kultur aufrechterhalten konnten. Sie werden heute gern als eine der wenigen noch intakten Gruppierungen dargestellt, die einer jahrtausendalten Lebensweise folgen. Glaubwürdigen Belegen2 zufolge standen die !Kung San jedoch schon mit anderen Bewohnern des südlichen Afrika in Kontakt bevor sie – gedrungen durch die Ankunft der ersten weißen Siedler – ins Hochland des heutigen Südafrika und Botswana abwanderten.3 Insbesondere seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts ist durch Zunahme der Kontakte mit der Außenwelt auch die Kultur der !Kung San von Wandel und Kulturkontakt bedroht.

Neue Kulturkonzepte versuchen der Durchlässigkeit von Grenzen und der internen Heterogenität von Gesellschaft gerecht zu werden. Gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung sind Phänomene der Vermischung verstärkt in den Blickwinkel, sowohl der Öffentlichkeit als auch der Wissenschaft, gerückt. In den letzten fünfzehn Jahren hat es verschiedene Bemühungen gegeben, die beobachtete Vermischung von Kulturen bzw. Kulturelementen theoretisch zu erfassen.

So sprach man von „Mélange“4, „Kreolisierung“5, „kulturellem Synkretismus“6, „globaler Crossover-Kultur“7 oder auch „Hybridität“8, um die mit dem vermehrten Kulturkontakt einhergehenden Veränderungen des Bestehenden sowie die Entstehung von Neuem zu erklären. In ihrem Sammelbandbeitrag „‚Hybridität’ – die ethnographische Annäherung an ein theoretisches Konzept“ vergleicht Cordula Weißköppel die Konzepte von Hybridität, Synkretismus und Kreolisierung im Hinblick auf ihre Inhalte und Anwendungsbereiche und kommt zu dem Ergebnis, dass heute keine weit reichenden Unterschiede zwischen diesen mehr bestehen. Hier soll Weißköppels These, dass die drei vorbenannten Konzepte „nicht mehr grundlegend verschiedene Phänomene von kultureller Vermischtheit“9 beschreiben, überprüft werden. Zunächst werden dazu die potentiell miteinander konkurrierenden Konzepte (Hybridität, Synkretismus, Kreolisierung) einzeln untersucht, ihr Bedeutungsinhalt definiert und der jeweilige Anwendungsbereich durch Beispiele verdeutlicht. Die Spezifika der drei Konzepte werden so skizziert, um in einem abschließenden Arbeitsschritt die Erkenntnisse zusammenzuführen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.

Methodisch stützt sich Weißköppel bei der Gegenüberstellung der drei vorgenannten Konzepte vor allem auf die Auswertung von Einträgen in Enzyklopädien und Handbüchern, Diese Vorgehensweise ist wissenschaftlich durchaus zulässig, um sich theoretisch-abstrakten Begriffen anzunähern, da die jeweiligen Einträge in den verwendeten Enzyklopädien und Handbüchern von Fachmännern bzw. Fachfrauen verfasst worden sind. Auch den beschränkten Rahmen dieser Hausarbeit würde es sprengen, wenn auf die disziplinspezifischen Diskussionen von Primärtheorien zurückgegriffen würde. Methodisch über Weißköppel hinausgehend werden hier jedoch die aus Enzyklopädien und Handbüchern gewonnenen Erkenntnisse anhand von Sekundärliteratur verifiziert.

II. Hybridität vs. Synkretismus vs. Kreolisierung

1. Hybridität

[...]


1 Vgl. hierzu: Hannerz (1996), S. 30-43, sowie Breidenbach/Zukrigl (1998), S. 77-89.

2 Vgl. u.a. Gupta/Ferguson (1992), S. 6-23.

3 „Doch der Buschmann wurde erst durch westliche Beihilfe zum Buschmann: […] Das Image der Isolation und die Realität der Armut sind Produkte der letzten zwei Jahrhunderte. […] Die Mitglieder dieses Sammler- und Jägervolkes waren vor der Migration Viehzüchter. […] Der Eindruck, dass es sich bei den San um eine klassenlose Gesellschaft handele, ist zu einem Zeitpunkt entstanden, an dem sie als eine Unterklasse in koloniale und nationale Gesellschaften eingegliedert wurden.“ – Vgl. Breidenbach/Zukrigl (1998), S. 79f.

4 Rushdie (1992), S. 458.

5 Hannerz (1996), S. 65ff.

6 Canevacci (1992), S. 95ff.

7 Nederveen Pieterse (1998), S. 103.

8 Hall (1994), S. 218. u. a., Vgl. darüber hinaus Bhabha (1994).

9 Weißköppel (2005), S. 334.


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