Autor: Roland Barthofer
Fach: Landschaftsarchitektur, Landespflege
Details
Institution/Hochschule: Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Landschaftsarchitektur)
Jahr: 2007
Seiten: 41
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 12157 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-61760-4
In dieser Arbeit wird die Bedeutung des (öffentlichen) Raumes für die Identitätsbildung von Wohnsiedlungen und deren BewohnerInnen erörtert. Darüber hinaus wir der Frage nachgegangen, wie die Landschaftsarchitektur zur Identitätsbildung der Siedlung und der SiedlungsbewohnerInnen beitragen kann.
Textauszug (computergeneriert)
Universität für Bodenkultur Wien
Department für Raum, Landschaft und Infrastruktur
Institut für Landschaftsarchitektur
Die identitätsstiftende Funktion von öffentlichem Freiraum
Untersucht am Beispiel der Neubausiedlung Berlin-Hohenschönhausen
Bakkalaureatsarbeit - Landschaftsarchitektur
vorgelegt von: Roland Barthofer
vorgelegt im: Jänner 2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 7
2 Identität und Raum – theoretische Annäherung ... 8
2.1 Identität und Identifikation ... 8
2.1.1 Identität ... 8
2.1.2 Identifikation ... 9
2.1.2.1 Identification of ... 9
2.1.2.2 Being identified ... 10
2.1.2.3 Identification with ... 11
2.1.3 Ich-Identität ... 11
2.1.4 Wir-Identität ... 12
2.2 Die Bedeutung des Raumes im Wirkungsgefüge der Identifikationsprozesse ... 13
2.2.1 Das Wirkungsgefüge von Identifikationsprozessen ... 13
2.2.2 Funktionen des Raumes im Prozess der Identitätsbildung ... 14
2.2.3 Raum als Bühne der sozialen Interaktion ... 15
2.2.4 Raum als Teil der Identität und Objekt der Identifikation ... 17
3 Forschungsfrage ... 19
4 Methoden ... 19
5 Identität und Raum – praktische Diskussion ... 21
5.1 Räumliche Lage der Neubausiedlung Hohenschönhausen ... 21
5.2 Die Ausgangslage 1991 ... 22
5.2.1 Gesellschaftlichen Strukturen ... 22
5.2.2 Struktur und Bebauung der Siedlung ... 23
5.2.3 Siedlungsfreiräume ... 25
5.3 Entwicklungsszenarien ... 26
5.4 Entwicklungsprofil und Entwicklungsleitsätze ... 26
5.4.1 Entwicklungsprofil ... 26
5.4.2 Entwicklungsleitsätze ... 27
5.5 Identitätsrelevante Planungsvorschläge ... 29
5.5.1 Räumliche Definition der Neubausiedlung nach Außen ... 29
5.5.2 Räumliche und funktionale Struktur im Siedlungsinneren ... 31
5.5.2.1 Stadtteile ... 31
5.5.2.2 Wohnquartiere ... 33
5.5.3 Gestalterische Umsetzung der Siedlungsstruktur ... 34
5.5.3.1 Baumkonzept ... 34
5.5.3.2 Gestaltungskonzept ... 36
6 Abschließende Betrachtung ... 39
7 Literaturverzeichnis ... 40
8 Abbildungsverzeichnis ... 41
Abstract
In dieser Arbeit wird die Bedeutung des (öffentlichen) Raumes für die Identitätsbildung von Wohnsiedlungen und deren BewohnerInnen erörtert. Darüber hinaus wir der Frage nachgegangen, wie die Landschaftsarchitektur zur Identitätsbildung der Siedlung und der SiedlungsbewohnerInnen beitragen kann.
Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit einer theoretischen Annäherung an das Thema Raum und Identität. Aufbauend auf einer Literaturrecherche werden die wesentlichen Prozesse der menschlichen Identifikation behandelt, um anschließend die Bedeutung des Raumes, im Wirkungsgefüge der menschlichen Identifikationsprozesse darzustellen.
Im zweiten Teil der Arbeit werden die theoretischen Erkenntnisse, mit einem praktischen Beispiel verglichen und diskutiert. Als Beispiel wurde die Neubausiedlung Berlin-Hohenschönhausen, in der über 70.000 Menschen leben, ausgewählt. Die Planergemeinschaft Hannes DUBACH und Urs KOHLBRENNER erarbeitete für diese Siedlung einen Städtebaulichen Rahmenplan. Dieser Rahmenplan beinhaltet Planungsvorschläge die der Siedlung Identität verleihen sollen und es den BewohnerInnen ermöglichen soll, sich mit ihrer Siedlung zu identifizieren. Pläne und Texte zu den identitätsrelevanten Vorschlägen werden analysiert, mit den theoretischen Erkenntnissen aus der Literaturrecherche verglichen und diskutiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorschläge der Planergemeinschaft zur Strukturierung, Gliederung und Gestaltung der Neubausiedlung, die Orientierungsmöglichkeiten in der Siedlung wesentlich verbessern und somit die Identifikation der einzelnen Stadtteile und der Siedlung selbst ermöglicht wird. Durch das gezielte etablieren von hierarchisch gegliederten, öffentlichen Räumen, wird den BewohnerInnen Raum zur sozialen Interaktion zur Verfügung gestellt. Dies ermöglicht es den BewohnerInnen ihre eigene Identität vor anderen Individuen darzustellen. Durch die Nutzung des öffentlichen Raumes erhält der Raum selbst Identität und kann somit zum Objekt der Identifikation werden.
Der Landschaftsarchitektur kommt in den Vorschlägen der Planergemeinschaft eine tragende Rolle zu, da die architektonische und städtebauliche Struktur der Siedlung keine Orientierungs- und Identifikationsmöglichkeiten bietet. Die gegebenen architektonischen und städtebaulichen Strukturen können nicht verändert werden. Somit müssen Identifikationsmöglichkeiten mit den Mitteln der Landschaftsarchitektur geschaffen werden.
Abstract
In this paper the significance of (public) space for the shaping of identity of housing estates and their residents is discussed. Additionally, it is investigated how landscape architecture can contribute to the identity-shaping of housing estates and their residents.
The first part of this paper is a theoretical approach to the topic of “Space and Identity”. Based on literature research, the significant processes of human identification are outlined; subsequently, the importance of space in an interactive structure with human identification processes is illustrated. The theoretical findings are then compared to a concrete example in the second part of the paper. The example used for the comparison is the “Neubausiedlung Berlin-Hohenschönhausen” with more than 70.000 residents. The planners Hannes DUBACH and Urs KOHLBRENNER have developed a “Städtebaulichen Rahmenplan” for this housing estate, which comprises recommendations that are intended to give the housing estate its own identity; these recommendations are also intended to enable the residents to identify themselves with their estate.
Plans and texts regarding the recommendations that are relevant for the shaping of identity are analysed and compared to the theoretical findings, and discussed.
The results show that the recommendations concerning the structuring, subdivision and design of the new housing estate, made by the planners, have improved the possibilities for orientation within the estate considerably; and thus the identification of the individual districts an the housing estate itself is made possible.
Due to the systematic establishment of hierarchically structured public spaces, the residents are granted space for social interaction. This enables the residents to present their own identity in front of other individuals.
By using public space, space itself acquires identity and can consequently become an object of identification.
Landscape architecture plays a vital role in the planners’ recommendations, as the architectural and urban development structure of the housing estate does not hold opportunities for orientation and identification. The given (architectural and urban development) structures can not be changed. Thus, possibilities for identification have to be created by means of landscape architecture.
1 Einleitung
„Die krampfhafte Suche nach einer „Standortidentität“, die immer die gleichen Kulturprogramme, ökologischen Agenden und sozialen Konsense aufbietet, verrät eine Identitätskrise moderner Siedlungsstrukturen. Sie sind in einem weitgehenden Maße neutral und auswechselbar. Die Standortbindung ist gering. Die Ausbildung einer stabilen „Corporate Identity“ bei bestimmten Unternehmen – für eine begrenzte Zeit – ist für Städte noch schwieriger. Sie sind weitgehend eine neutrale Unterlage für Aktivitäten, die ebenso gut woanders stattfinden könnten“ (HELD 1999, 76).
Dieses Zitat von Gerhard Held behandelt den zentralen Themenbereich dieser Arbeit - „Identität“ und „Raum1“. Er spricht von einer „Identitätskrise der modernen Siedlungsstrukturen“ und bezeichnet diese als „neutral und auswechselbar“. Weiters führt er „eine geringe Standortbindung“ an und bringt diese mit der schwierigen Aufgabe der Ausbildung einer „stabilen Corporate Identity“ in Verbindung. Held beschreibt hier einen Zusammenhang zwischen einer „räumlichen Identität von Siedlungsstrukturen“ und der Standortbindung der SiedlungsbewohnerInnen. Die positive Verbindung zwischen Wohnquartier und BewohnerInnen hängt, laut Helds obigem Zitat, offenbar mit der Identität des Wohnquartiers beziehungsweise mit der Möglichkeit der Identifikation zusammen.
Ein grundlegendes Problem bei der Auseinandersetzung mit dem Themenbereich „Identität und Raum“ ist die Menge von unterschiedlichen Verwendungen und Bezügen der Begriffe Identität und Identifikation. Einerseits wird Identität auf Räume2 bezogen – man liest von der Identität von Räumen, von räumlicher Identität, von raumbezogener Identität, von der Möglichkeit sich mit Räumen zu identifizieren, von der identitätsstiftenden Funktion von Räumen und so weiter. Andererseits wird Identität auf Individuen, also Menschen bezogen – man liest von Ich-Identität, von personaler Identität, von Selbst-Identität, von Gruppenidentität, von sozialer Identität und so weiter.
Von besonderem Interesse für diese Arbeit ist die Frage nach der „identitätsstiftenden“ Funktion von Freiräumen, also der Möglichkeit sich mit den Freiräumen eines städtischen Wohnquartiers und somit mit dem Wohnquartier selbst zu identifizieren. Um sich ernsthaft mit dem Thema der identitätsstiftenden Funktion von Raum befassen zu können ist es notwendig Klarheit in die Begriffsvielfalt zu bringen und die Prozesse der Bildung von Identität zu verstehen. Hierbei soll besonderes Augenmerk auf die Rolle des Raumes bei der Identitätsbildung genommen werden.
2 Identität und Raum – theoretische Annäherung
2.1 Identität und Identifikation
Um einen Einstieg in die Thematik zu finden soll zuerst die Bedeutung des Begriffs der Identität geklärt werden. Da der Identitätsbegriff von vielen Wissenschaften verwendet wird sind eine Menge an Definitionen vorhanden. Eine allgemeine und eine Definition aus dem Bereich der Psychologie, sollen hier exemplarisch vorgestellt werden.
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1 Unter dem Begriff „Freiraum“ werden hier sowohl öffentliche als auch private Freiräume verstanden.
2 Der Begriff des Raumes wird hier als ein physischer und realer verwendet.
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