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Scholary Paper (Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Sylvie Langehegermann
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Trier (Fachbereich II Germanistik)
Tags: Zigeunerbilder, Clemens, Brentanos, Wehmüller, Nationlgesichter, Proseminar, Literatur, Jahrhunderts
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-63119-8
File size: 157 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Trier – Fachbereich II – Germanistik
Proseminar: „Zigeuner“ in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts
3. Semester, WS 2003/2004
‚Zigeunerbilder’ in Clemens Brentanos:
„Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter“
von: Sylvie Langehegermann
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
• ‘Zigeunerbilder’ 3
• ‚Zigeunerbilder’ in der deutschen Literatur 3
• ‚Zigeunerbilder’ in Clemens Brentanos: „Die mehreren Wehmüller und die ungarischen Nationalgesichter“ 5
Hauptteil 6
Michaly 6
- „zweiter Orpheus“ 6
- „Naturpoesie“ 8
Großmutter 9
Mitidika 11
• „exotisches, wildes Naturkind“ 12
• „treue, bindungsscheue Liebende“ 13
• „kühne, androgyne Anführerin in männlicher Kleidung“ 14
• „Personifikation der Poesie 15
‚Zigeunermilieu’ 17
- ‚Zigeunerhütte’ 17
- Gewohnheiten der ‚Zigeuner’ 18
Schluss 19
Literaturverzeichnis 20
Einleitung
• ‘Zigeunerbilder’
Auffallend bei dem Thema ‚Zigeuner’ ist die Tatsache, dass fast jeder der auf dieses Thema angesprochen wird, seine eigene Meinung, seine eigene Vorstellung dieser Menschen zu haben scheint. Fast jeder hat sich in seinem Kopf ein eigenes ‚Zigeunerbild’ gebildet, doch wenn man näher nachfragt, stellt sich heraus, dass meist keiner dieser Menschen jemals Kontakt zu den Sinti und Roma hatte. Aus dieser Feststellung lässt sich ohne weiteres schließen, dass unser (west-europäisches) ‚Zigeunerbild’ fast überhaupt nichts mit den eigentlichen ‚Zigeunern’, den Sinti und Roma, gemeinsam hat. Diese ‚Zigeunerbilder’ spiegeln nicht die Lebensverhältnisse der Sinti und Roma wieder, sie zeigen nichts von diesen Menschen, außer die Phantasien, Ängste und Wünsche, die von der Mehrheitsbevölkerung auf sie projiziert wurden. Somit handelt es sich bei den uns geläufigen ‚Zigeunerbildern’ nicht um Selbstbilder, sondern es sind allesamt Fremdbilder.1 Auch wenn die gängigen Bilder von den ‚Zigeunern’ nicht auf persönlichen Erfahrungen beruhen, so sind sie, wie Wilhelm Solms hervorhebt, aber auch nicht aus der Luft gegriffen, denn sie gehören zum kulturellen Erbe.2
• ‚Zigeunerbilder’ in der deutschen Literatur
Schon in der deutschen Literatur des 16. Jahrhunderts findet man Darstellungen von Zigeunern. Hier handelt es sich meist um sehr menschenverachtende Fremdbilder: der ‚Zigeuner’ wird als Prototyp des Landstreichers, Gauners und Diebs dargestellt.3 In der Zeit des Barock erscheinen nun die Schriften von H. Grellmann, der für lange Zeit ein sehr angesehener deutscher ‚Zigeunerforscher’ war. Grellmann wendet sich zwar gegen die Dämonisierung der ‚Zigeuner’ als Zauberer, Hexen und Teufel, aber dennoch rückt er das allgemeine Bild des ‚Zigeuners’ nicht in ein besseres Licht, denn er behauptet, die ‚Zigeuner’ seien von Natur aus „schlecht“ und „böse“. Er verbreitet über die ‚Zigeunerfrauen’, sie seien „zügellos“ und „wollüstig“ und sie würden Kinder rauben, um diese zu essen.4 Die berühmteste ‚Zigeunerszene’ des Sturm und Drang ist die nächtliche Waldszene in Goethes „Götz von Berlichingen“, wo die ‚Zigeunerinnen’ als dämonische Wesen dargestellt werden.5
Eine sehr bedeutende Gestalt in Bezug auf das ‚Zigeunerbild’ in der deutschen Literatur ist die Figur der Mignon in Goethes „Wilhelm Meister“, denn, obwohl Mignon selbst keine Zigeunerin ist, hat diese Figur eine Welle von Romanen, Erzählungen und Dramen über die „schöne ‚Zigeunerin’“ ausgelöst.6 Bei den Romantikern rückt nun die Figur des ‚Zigeuners’ und vor allem die der eben genannten „schönen ‚Zigeunerin’“ in den Mittelpunkt. Diese Figur tritt in vielen romantischen Werken als Titel- oder Hauptfigur auf, und lässt sich, wie Wilhelm Solms hervorhebt, als die „Muse der romantischen Poesie“ ansehen. Außerdem gehört zu dem ‚Zigeunerbild’ der Romantik noch die Figur der „alten ‚Zigeunerin’“.7
In den Gedichten des Biedermeier wird die äußere, exotisch wirkende Erscheinung der ‚Zigeuner’ gezeigt, die ‚Zigeunerbilder’ werden entdämonisiert, und, wie Wilhelm Solms schreibt: „als idyllische Miniaturen in die kleinbürgerliche Welt eingefügt“8 In den Werken des Realismus finden sich noch mehr ‚Zigeunerfiguren’ als in denen der Romantik. Nur fallen diese Figuren hier weniger auf, da sie sich nicht mehr so stark (durch ihre dämonische Natur oder ihr exotisches Aussehen) von ihrer Umgebung abheben. In einigen Erzählungen des späten Realismus werden die ‚Zigeuner’ erstmals als Menschen mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen.9
Später greifen die Dichter dann wieder auf die abgenutzten Bilder der Biedermeier zurück und versuchen, diese Bilder zu steigern oder zu vertiefen.10 Nach 1945 findet man das Thema der ‚Zigeuner’ nicht mehr so häufig in der deutschen Literatur. Dennoch gibt es einige Dichter, die weitererzählen, als wenn es das Dritte Reich nie gegeben hätte, und die ‚Zigeuner’ mit wilden Tieren gleichsetzen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Dichter, die versuchen in ihren Werken das Verbrechen an den Sinti und Roma aufzuarbeiten.11
Obwohl durch diese zahlreichen Klischeebilder der Ausgrenzung, die Verfolgung und die Vernichtung der Sinti und Roma vorbereitet, und sogar gerechtfertigt wurde, wurden sie bis in die Gegenwart weitergegeben. Auffallend ist, dass H. Grellmann auch heute noch von einigen Tsigantologen als Schöpfer einer fruchtbaren ‚Zigeunerwissenschaft’ gepriesen wird.12
• ‚Zigeunerbilder’ in Clemens Brentanos: „Die mehreren Wehmüller und die ungarischen Nationalgesichter“
[...]
1 vgl. Wilhelm Solms: Zigeunerbilder deutscher Dichter
2 vgl. ebd.
3 vgl. ebd.
4 vgl. ebd.
5 vgl. Wilhelm Solms: Zigeunerbilder deutscher Dichter.
6 vgl. ebd.
7 vgl. ebd.
8 ebd.
9 vgl. ebd.
10 vgl. ebd.
11 vgl. ebd.
12 vgl. Wilhelms Solms: Zigeunerbilder deutscher Dichter.
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