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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 58 Pages
Author: Cina Bugdoll
Subject: Pedagogy - Miscellaneous Topics
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Rehabilitationswissenschaften)
Tags: Förderung, Schüler, Hochbegabung, Brennpunkt, Reflexionen, Theorien, Schule, Jahrhundert
Year: 2001
Pages: 58
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-63123-5
ISBN (Book): 978-3-638-67504-8
File size: 328 KB
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Abstract
„Hochbegabung“ als Hausarbeitsthema im Rahmen eines erziehungswissenschaftlichen Seminars mit dem Schwerpunkt „Schultheorien im 20. Jahrhundert“ - das ist der inhaltliche Ausgangspunkt dieses Textes. Das bedeutet, die Betrachtung der Hochbegabten ist vor allem in einen schultheoretischen Kontext eingebunden. Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die Problematik des Hochbegabungsbegriffs und den dazugehörigen Erklärungen wird das gesamte Spektrum der Schultheorie und -pädagogik auf das Thema „Hochbegabung“ bezogen. Die Dokumentation über die Auseinandersetzungen zur Legitimität einer Hochbegabtenförderung leitet in die schultheoretische Betrachtung von „Hochbegabung“ ein. Der Überblick zur geschichtlichen Entwicklung pädagogischer und psychologischer Beschäftigungen mit besonders begabten Kindern und Jugendlichen ergänzt diesen Einstieg. Der schultheoretische Diskurs unterliegt dann einer systematischen Logik, die von der Schule als ein System mit ihren makroorganisatorischen und curricularen Möglichkeiten und Grenzen für Hochbegabte ausgeht, um über die einzelne Schule zu Unterrichtsmethoden und zur Qualifikation von Lehrkräften zu gelangen. In einem beschreibenden und zugleich argumentierendem Stil wird das Schulsystem daraufhin geprüft, inwiefern der Adressat namens „hochbegabter Schüler“ dort eingegliedert werden kann. Es ist Anliegen zu prüfen, ob die Schlagzeile der Berliner Morgenpost „Förderung hochbegabter Schüler mangelhaft“ (BERLINER MORGENPOST, 24.11.2000) ihre Berechtigung findet. Die Analogie zu Kindern mit Lern- und Entwicklungsproblemen wird aufgenommen, indem aus rehabilitationspädagogischer Sicht Bilanz aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen wird und die Notwendigkeit eines integrativen Schulsystems, dass alle Begabungsbereiche und -niveaus berücksichtigt, erläutert und diskutiert wird.
Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Rehabilitationswissenschaften
Hauptseminar: Theorien der Schule im 20. Jahrhundert
6. Semester, Wintersemester 2000/2001
„Förderung hochbegabter Schüler mangelhaft“:
Hochbegabung im Brennpunkt schultheoretischer Reflexionen
von: Cina Bugdoll
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Hochbegabung als Gegenstand schultheoretischer Betrachtungen 5
2. Das Phänomen Hochbegabung 7
2.1 Denkweisen und Alltagsvorstellungen: Hochbegabte zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz und Ablehnung 7
2.2. Definitions- und Erklärungsvielfalt: Hochbegabung als unfassbarer Begriff 8
Begriffsentwicklung und Wortwahl 8
Definitionen von „Hochbegabung“ 9
Modelle zur Erklärung von Hochbegabung (vgl. FELS 1999, 42ff.) 11
3. Schultheoretische Reflexionen zur Hochbegabung 16
3.1. Disput über die Beschäftigung mit Hochbegabung 16
Rechtsanspruch und humanistische Perspektive (vgl. FELS 1999, 93f.) 17
Bildungspolitische Perspektive 17
Politisch-ökonomische Perspektive 19
Pädagogisch-psychologische Perspektive 20
3.2. Geschichtlicher Überblick zur schulischen Förderung Hochbegabter 20
Der Zeitraum bis 1850: Erste Gedanken zum Thema 20
1850 bis 1933: Pädagogische und psychologische Ansätze 21
NS-Zeit: Elitebildung unter nazistischen Ideologiekriterien 22
DDR: Eine ausgearbeitete Begabtenförderung im sozialistischem System 22
BRD: Langsame Annäherung an ein negativ besetztes Phänomen 23
3.3. Schulorganisatorische Grenzen und Möglichkeiten des deutschen Schulsystems hin sichtlich der Hochbegabtenförderung 24
Die makroorganisatorische Realität des Schulsystems und ihre Möglichkeiten für Hochbegabte 24
Die mikroorganisatorischen Möglichkeiten 26
Frühe Einschulung 27
Nachträgliche und höhere Einschulung 27
Überspringen von Klassen 28
Teilunterricht in höheren Klassen 29
D-Zug-Klassen 29
Parallelfachklassen 30
Arbeitsgemeinschaften 30
Pluskurse 31
Ressourcenzimmer 31
Ressourcen- und Wanderlehrkräfte 31
Selbständige Studien 32
Möglichkeiten und Realität auf mikroorganisatorischer Ebene – eine unüberwindbare Distanz? 32
3.4. Die curriculare Dimension oder die Frage nach Quantität und Qualität des Schulwissens für Hochbegabte 34
3.5. Die Rolle des Lehrers: Fragen an die Professionalisierung für den Umgang mit Hochbegabten 38
Wie gut können Lehrer Hochbegabung erkennen? 39
Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte – Tatsachen, Perspektiven, Wünsche 41
Der Lehrer für Hochbegabte 43
Didaktische Gesichtspunkte für die gemeinsame Bildung aller Begabungsniveaus 46
Unterricht für Hochbegabte – ein qualitativ anderer Unterricht? 48
4. Bilanz: Konstrukt einer Pädagogik ohne Klassifizierungs- und Aussonderungsmechanismen 53
Literaturverzeichnis 56
1. Einleitung: Hochbegabung als Gegenstand schultheoretischer Betrachtungen
„Hochbegabung“ als Hausarbeitsthema im Rahmen eines erziehungswissenschaftlichen Seminars mit dem Schwerpunkt „Schultheorien im 20. Jahrhundert“ – diese ungewöhnliche Verbindung weckte sofort mein Interesse und die Bereitschaft, mich mit diesem Phänomen näher auseinander zu setzen. Als Studentin der Rehabilitationspädagogik erscheint mir die Beschäf-tigung mit dem „Extrem“ der Fähigkeitsausprägung in die andere Richtung äußerst erweiternd. Während meines Studiums kam ich bisher nicht dazu, über Kinder und Jugendliche nachzudenken, denen das Lernen zunächst aufgrund einer hohen intellektuellen Begabung leichter als anderen zu fallen scheint. Mein Blick war bisher eher in defizitorientierter Weise speziell auf bestimmte Schwächen und deren Kompensation mittels Fördermaßnahmen gerichtet. Bei meinen ersten Überlegungen zum Thema „Hochbegabung“ kam mir auch immer wieder der Vergleich zwischen besonders Begabten und Kindern mit Lern- und Entwicklungsproblemen in den Sinn. Gewissermaßen weichen ja beide Gruppen von der sogenannten Norm ab. Doch ich nahm mir vor, zuerst wirklich nur die Hochbegabten in der vorliegenden Arbeit zu thematisieren, so wie es der Titel verspricht. Dabei sollte die Betrachtung vor allem in einen schultheoretischen Kontext eingebunden sein.
Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die Problematik des Hochbegabungsbegriffs und den dazugehörigen Erklärungen wird das gesamte Spektrum der Schultheorie und -pä-dagogik auf das Thema „Hochbegabung“ bezogen.
Die Dokumentation über die Auseinandersetzungen zur Legitimität einer Hochbegabtenförderung soll in die schultheoretische Betrachtung von „Hochbegabung“ einleiten. Der Überblick zur geschichtlichen Entwicklung pädagogischer und psychologischer Beschäftigungen mit besonders begabten Kindern und Jugendlichen ergänzt diesen Einstieg. Außerdem werden in diesen Abschnitten noch einmal die verschiedenen Perspektiven auf ein und dasselbe Phänomen verdeutlicht. Der schultheoretische Diskurs unterliegt dann einer systematischen Logik, die von der Schule als ein System mit ihren makroorganisatorischen und curricularen Möglichkeiten und Grenzen für Hochbegabte ausgeht, um über die einzelne Schule zu Unterrichtsmethoden und zur Qualifikation von Lehrkräften zu gelangen.
Dabei ist zu beachten, dass alle diese Betrachtungsebenen miteinander verknüpft sind – sich also gegenseitig beeinflussen (vgl. Abb.1). Doch aus systematischen Gründen der Analyse wird das komplexe Haus der Schultheorie in seine Bausteine zerlegt, um am Ende in einer auswertenden Interpretation wieder synthetisch zusammengefügt zu werden.
In einem beschreibenden und zugleich argumentierendem Stil soll das Schulsystem daraufhin geprüft werden, inwiefern der Adressat namens „hochbegabter Schüler“ dort eingegliedert werden kann. Es ist Anliegen zu prüfen, ob die Schlagzeile der Berliner Morgenpost „Förderung hochbegabter Schüler mangelhaft“ (BERLINER MORGENPOST, 24.11.2000) ihre Berechtigung findet.
Nach dieser umfangreichen Betrachtung möchte ich dann aber doch noch einmal meine Analogie zu den Kindern mit Lern- und Entwicklungsproblemen aufnehmen. Aus rehabilitations-pädagogischer Sicht ziehe ich Bilanz aus den gewonnenen Erkenntnissen und erläutere die Notwendigkeit eines integrativen Schulsystems, dass alle Begabungsbereiche und -niveaus berücksichtigt. „Eine Schule ohne Aussonderung“ vor dem Hintergrund einer „Regelpädagogik“ für alle stelle ich als subjektive Wunschperspektive an das Ende meiner Auseinandersetzung mit dem Thema „Hochbegabung“ im Rahmen dieser Arbeit zur Diskussion.
2. Das Phänomen Hochbegabung
2.1 Denkweisen und Alltagsvorstellungen: Hochbegabte zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz und Ablehnung
Hochbegabte stellen schon aufgrund ihres quantitativen Anteils an der Gesamtgesellschaft eine Minderheit dar. Daraus ergeben sich für diese Gruppe von Menschen (diese Bezeichnung klingt zugegebener auch schon wie ein Etikett) die gleichen Probleme wie bei anderen „Andersartigen“ auch. Immer wieder hören wir von Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen den Minderheiten und ihren „Anwälten“ auf der einen und dem „normalen“ Rest der Gesellschaft auf der anderen Seite. Dabei wären solche unsachgemäßen Diskussionen durch Sachkenntnis über die in unserem Fall sogenannten Hochbegabten und ein gewisses Maß an Toleranz von beiden Seiten zu vermeiden oder wenigstens zu verringern. Fakt aber ist, dass man nur vereinzelt unvoreingenommenen Positionen gegenüber Hochbegabten begegnet (vgl. SPAHN 1997, 9).
Das gesellschaftliche Interesse bzw. die gesellschaftliche Akzeptanz ist auch an der Forschungsintensität ablesbar. Dazu kann man in Bezug zur Hochbegabung von einer Verbesserung des deutschen Forschungsbestandes in den letzten Jahrzehnten sprechen. Doch ist durch den neuen „Boom“ zum Thema Hochbegabung auch der Nachteil aufgekommen, dass die Darstellung von Problemen einen defizitorientierten Blick auf dieses meiner Ansicht nach nicht krankhafte Phänomen zur Folge hatte. Besondere Begabung als Last zu betrachten, wäre genauso wenig angebracht und einseitig wie das Denken in die andere Richtung: nämlich das Vorurteil über das Glück der Begabten, alles zu erreichen, ohne etwas dafür tun zu müssen (vgl. TÜCKE 1998, 135).
Im alltäglichen Umgang werden Hochbegabte oft mit negativen Vorurteilen besetzt. Da sind stereotype Bezeichnungen wie „arrogante Besserwisser“, „Angeber“ und Assoziationen von Eigenschaften wie „Hyperaktivität“, „Eigensinnigkeit“ oder „Sonderbarkeit“ nicht selten (vgl. ebd., 136; FEGER/PRADO 1998, 1).
Dabei ist das historische Vorurteil vom „verrückten Genie“ scheinbar noch in der Gegenwart wirksam. LANGE-EICHBAUM hat in seinem 1927 veröffentlichtem Buch „Genie, Irrsinn und Ruhm“ Biographien „genialer“ Menschen untersucht und daran die Behauptung aufgestellt, dass sich diese Menschen durch eine besondere Ausprägung an psychotischen Störungen auszeichnen. Dabei vergaß man wohl den Aspekt, dass ja über berühmte Persönlichkeiten viel mehr Wissen in Bezug zum privaten Bereich vorliegt als über die „normalen“ Menschen. Empirische Untersuchungen konnten die Ergebnisse LANGE-EICHBAUMS auch nicht bestätigen – zum Teil kam man sogar zu völlig gegenteiligen Ergebnissen. Aber dennoch leben solche negativen und mystifizierenden Ein- und Vorstellungen vom „verrückten Genie“ fort und haben laut TÜCKE schon bei so manchen unwissenden Eltern Furcht vor psychischen Problemen ihres hochbegabten Kindes hervorgerufen (vgl. TÜCKE 1998, 139).
Als Fazit kann man festhalten, dass Hochbegabte unterschiedliche gesellschaftliche Akzeptanz genießen. Vor allem aber sind es Sonderbegabungen in den Bereichen Sport und Musik, die Bewunderung einerseits und Bedauern wegen der Assoziation von der „verlorenen Kindheit“ andererseits auslösen – zumindest ist aber Toleranz und Anerkennung vorhanden. Anders ist das mit den Kindern und Jugendlichen, deren hohe Begabung im intellektuellen Bereich liegt – eine Überlegenheit in diesem Bereich hat anscheinend immer noch das Gefühl von Unsicherheit bis Ablehnung zur Folge (vgl. KOHTZ, 1998, 40).
2.2. Definitions- und Erklärungsvielfalt: Hochbegabung als unfassbarer Begriff
Begriffsentwicklung und Wortwahl
In der Literatur findet man eine Vielfalt von Begriffen, die dem der „Hochbegabung“ verwandt zu sein scheinen. Beschreiben diese Termini aber wirklich das selbe Phänomen? Oder implizieren unterschiedliche Bezeichnungen auch verschiedene Perspektiven?
Der Terminus „Talent“ wird wohl eher dazu benutzt, um eng umschriebene, meist psychomotorische oder musische Fähigkeitsfelder zu bezeichnen. FELS definiert in seiner Betrachtung der verschiedenen Begriffe „Talent“ als „weitgehend entfaltete Fähigkeitsanlage..., die jedoch noch einer weiteren fördernden Unterstützung bedarf“ (FELS 1999,30).
„Begabt“ beschreibt demnach die Ausstattung mit diesen Talenten – dabei wird vor allem der Aspekt berücksichtigt, dass äußere Kräfte auf das unbeteiligte Individuum wirken (vgl. ebd.).
„Hochbegabung“ als Terminus wurde von MÖNKS für die Bezeichnung oberer Fähigkeitsbereiche eingeführt. Dabei geht die Tendenz dahin, dass vor allem intellektuelle Fähigkeiten mit diesem Begriff assoziiert werden. „Hochbegabung“ und „besondere Begabung“ finden in der Wissenschaft und Literatur eine weitgehend synonyme Verwendung. Als Abgrenzung zu Talent umschreibt FELS „Hochbegabung“ als „noch überwiegend unentfaltete Fähigkeitsanlage,..., deren Ergebnis in einem Intelligenztest bei einem Wert von mindestens 130 liegt“ (ebd., 30). Zur eigentlichen Definitionsvielfalt von „Hochbegabung“ sei im folgenden noch eingegangen. Zuerst möchte ich aber die in diesem Themenzusammenhang immer wieder auftretenden Begriffe „Genie“ und „Wunderkind“ vorstellen. Genies gehen meistens in die Geschichte ein und werden über ihre extrem hohen Leistungen in sozialen, literarischen oder intellektuellen Bereichen definiert. „Wunderkind“ als Terminus hat wohl eher in populärwissenschaftlichen Publikationen seinen Stellenwert. Dabei werden vor allem Kinder damit etikettiert, „die bereits während eines frühen Lebensalters Leistungen auf relativ eng begrenzten Gebieten (meist Musik) erbringen“ (ebd., 32).
Definitionen von „Hochbegabung“
[...]
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