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Diploma Thesis, 2005, 102 Pages
Author: Philip Hartmanis
Subject: Economics / Business: Political Economics
Details
Tags: Abschätzung, Effekte, Großereignissen, Darstellung, Würdigung, Beispiel, Fußballweltmeisterschaft
Year: 2005
Pages: 102
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 84 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61775-8
ISBN (Book): 978-3-638-68078-3
File size: 1940 KB
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Abstract
„Der Motor der deutschen Wirtschaft läuft […] noch nicht rund.“ Die Überwindung einer zähen Stagnation durch die einsetzende konjunkturelle Erholung stützt sich vornehmlich auf einen beachtlich starken außenwirtschaftlichen Impuls. Der inländischen Verwendung wird hingegen höchstens ein stotternder Start attestiert. Privater Konsum und Bruttoanlageinvestitionen verharren auch in aktuellen Prognosen für 2005 nur auf Vorjahresniveau. Die im Grundsatz wettbewerbsfähige unternehmerische Basis und die Möglichkeit, aus eigener Kraft das Tal zu durchschreiten, werden überschattet durch von vielen in schwarzen Farben gemalte Zukunftsperspektiven der deutschen Volkswirtschaft. „Endlich raus aus dem Jammertal“ soll Deutschland mit der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 , fordert Wolfgang Clement, der sich von der deutschen WM-Austragung Optimismus und „einen Schub für das Land“ verspricht. Angesichts derartiger Zuschreibungen fühlt man sich an 1974 erinnert: Mit „Fußball ist unser Leben“ besingen Tony Marschall, Franz Beckenbauer und die Mitstreiter der deutschen Elf damals die große Bedeutung von „König Fußball“. Abseits eines Bildes des Fußballs als „Spiegel der Gesellschaft oder soziales Paralleluniversum“ stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu den zentralen „Herausforderungen im Inland“ zu leisten vermag. Tatsächlich finden die von Wolfgang Clement proklamierten positiven Effekte des Turniers in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion breite Zustimmung. „Volkswirtschaftliches Gut von 10 Milliarden Euro“, „Jobmaschine schafft 30.000 neue Stellen bis 2010“ oder „realer Wachstumseffekt in Höhe von 0,5%“ sind nur eine exemplarische Auswahl von der WM 2006 zugeschriebenen Attributen. Die „sehr hohe Erwartungshaltung“ wird begleitet von teils ernüchternden Szenarien, die – von der Öffentlichkeit scheinbar unbemerkt – „die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft eher pessimistisch“ beschreiben, das Bild von der „Wachstumsmaschine Sport als Mythos“ darstellen, am WM-Impuls 2006 zweifeln oder einen ökonomischen „Netto-Effekt nahe null“ für Sportgroßveranstaltungen identifizieren. Der vorliegende Text greift den Dissens in der ökonomischen Diskussion auf und beleuchtet aus einer makroökonomischen Perspektive Herangehensweisen zur Abschätzung der Effekte von sportlichen Großereignissen.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Zur Abschätzung makroökonomischer Effekte von sportlichen Großereignissen
– Darstellung und kritische Würdigung am Beispiel der Fußballweltmeisterschaft
Diplomarbeit
zur Erlangung
des Grades eines Diplom-Ökonomen
vorgelegt von: Philip Hartmanis
vorgelegt am: 01.07.2005
Inhalt
Abkürzungsverzeichnis ... III
Abbildungsverzeichnis ... IV
1 Einleitung ... 1
2 Das Spielfeld ... 3
2.1 Sportgroßveranstaltungen ... 3
2.2 Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ... 6
2.2.1 1930 – 2006 ... 6
2.2.2 Deutschland 2006 ... 8
3 Auswirkungen sportlicher Großereignisse ... 18
3.1 Klassifizierung potentieller Wirkungen ... 18
3.2 Quantitativ ... 23
3.2.1 Primäreffekte ... 23
3.2.2 Sekundäreffekte ... 35
3.3 Qualitativ ... 41
4 Abschätzung makroökonomischer Effekte ... 49
4.1 Durchsicht ... 49
4.2 Kosten-Nutzen-Analyse ... 56
4.3 Input-Output-Analyse ... 64
5 Kritische Würdigung ... 69
6 Ausblick ... 76
7 Anhang ... 79
8 Literaturverzeichnis ... 81
8.1 Bücher, Zeitschriften und Sammelbände ... 81
8.2 Onlinequellen ... 89
1 Einleitung
„Der Motor der deutschen Wirtschaft läuft […] noch nicht rund.“1 Die Überwindung einer zähen Stagnation durch die einsetzende konjunkturelle Erholung stützt sich vornehmlich auf einen beachtlich starken außenwirtschaftlichen Impuls. Der inländischen Verwendung wird hingegen höchstens ein stotternder Start attestiert. Privater Konsum und Bruttoanlageinvestitionen verharren auch in aktuellen Prognosen für 2005 nur auf Vorjahresniveau. Die im Grundsatz wettbewerbsfähige unternehmerische Basis und die Möglichkeit, aus eigener Kraft das Tal zu durchschreiten, werden überschattet durch von vielen in schwarzen Farben gemalte Zukunftsperspektiven der deutschen Volkswirtschaft. 2
„Endlich raus aus dem Jammertal“ soll Deutschland mit der FIFA Fußball- Weltmeisterschaft 20063, fordert Wolfgang Clement, der sich von der deutschen WM-Austragung Optimismus und „einen Schub für das Land“ verspricht.4 Angesichts derartiger Zuschreibungen fühlt man sich an 1974 erinnert: Mit „Fußball ist unser Leben“ besingen Tony Marschall, Franz Beckenbauer und die Mitstreiter der deutschen Elf damals die große Bedeutung von „König Fußball“.5 Abseits eines Bildes des Fußballs als „Spiegel der Gesellschaft oder soziales Paralleluniversum“6 stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Fußball- Weltmeisterschaft 2006 zu den zentralen „Herausforderungen im Inland“7 zu leisten vermag. Tatsächlich finden die von Wolfgang Clement proklamierten positiven Effekte des Turniers in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion breite Zustimmung.8 „Volkswirtschaftliches Gut von 10 Milliarden Euro“9, „Jobmaschine schafft 30.000 neue Stellen bis 2010“10 oder „realer Wachstumseffekt in Höhe von 0,5%“11 sind nur eine exemplarische Auswahl von der WM 2006 zugeschriebenen Attributen. Die „sehr hohe Erwartungshaltung“ 12 wird begleitet von teils ernüchternden Szenarien, die – von der Öffentlichkeit scheinbar unbemerkt – „die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft eher pessimistisch“13 beschreiben, das Bild von der „Wachstumsmaschine Sport als Mythos“14 darstellen, am WM-Impuls 2006 zweifeln15 oder einen ökonomischen „Netto-Effekt nahe null“16 für Sportgroßveranstaltungen identifizieren.
Die vorliegende Arbeit greift den Dissens in der ökonomischen Diskussion auf und beleuchtet aus einer makroökonomischen Perspektive Herangehensweisen zur Abschätzung der Effekte von sportlichen Großereignissen.
Die jeweils besonderen Charakteristika einer Veranstaltung, verschiedene Umweltzustände im ausrichtenden Raum oder unterschiedliche Methoden wissenschaftlicher Arbeiten behindern die Vergleichbarkeit von Studien, erschweren die Übertragung empirischer Ergebnisse und erfordern eingangs eine exakte Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes. Der folgende Abschnitt (2.) unternimmt eine Klassifizierung von Sportgroßveranstaltungen und stellt das Produkt Fußball-Weltmeisterschaft in den Mittelpunkt der Arbeit. Der dritte Abschnitt (3.) führt mit einer Rundschau über das weite Areal von Wirkung sportlicher Großereignisse in die Diskussion ein. Darauf aufbauend bietet das vierte Kapitel (4.) eine Darstellung möglicher Methoden zur Abschätzung makroökonomischer Auswirkungen und zeigt Ergebnisse von Studien zu FIFA Fußball-Weltmeisterschaften. In einer kritischen Würdigung (5.) werden anschließend zentrale Aspekte der Forschung aufgegriffen und bekannte Probleme herausgearbeitet. Die Möglichkeiten und Grenzen makroökonomischer Analysen sportlicher Großveranstaltungen bestimmen den Rahmen des abschließenden Ausblicks (6.).
2 Das Spielfeld
2.1 Sportgroßveranstaltungen
Sportgroßveranstaltungen tragen eine Vielzahl von sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Wirkungen, deren kurz-, mittel- und langfristige Stärke die Gesamtheit der ‚Event induzierten’17 Effekte bestimmt. Dieses multidimensionale Netz wird gespannt von den besonderen Merkmalen der Veranstaltung, deren Identifikation und Unterscheidung somit notwendige Voraussetzung für eine Analyse ist. Eine allgemein gültige Definition ist in der Literatur nicht zu finden. Eine mögliche Klassifikation von Sportveranstaltungen erfordert die Auswahl entsprechender Kriterien, deren Festlegung in höchstem Maße vom Untersuchungszweck abhängt. Das Setzen von Schwellenwerten, deren Überschreitung die Zuordnung zur Kategorie der Sportgroßveranstaltungen impliziert, kann eine erste Eingrenzung der Gesamtheit von Sportveranstaltungen eines geographischen Raumes leisten.18 Da „Sportgroßveranstaltungen […] zweifellos eine beträchtliche […] Dimension“19 aufweisen, dient die Spezifikation von Grenzwerten lediglich einer Schärfung der dem Begriff immanenten Definition. Eine auf solchem Wege identifizierte Gruppe beinhaltet eine Vielzahl an Typen von Ereignissen.20 Eine weitere Klassifikation durch diejenigen Merkmale, die „große Unterscheidungskraft im Hinblick auf die Ausprägung der unterschiedlichen Effekte von Sportgroßveranstaltungen besitzen“21, ist erforderlich. Zu den in der Literatur häufig verwendeten Kriterien zählen Größe, Regelmäßigkeit und Dauer der Veranstaltung.22 Eine Kategorisierung anhand der Kennzeichen Zuschauer und Teilnehmerzahl als Indikator für die Größe, Regelmäßigkeit der Austragung am selben Veranstaltungsort, Dauer der Veranstaltung sowie Siedlungsstruktur kann bereits bei sehr geringer Tiefe der Merkmalsausprägungen mehr als 30 Typen sportlicher Großereignisse identifizieren.23
[...]
1 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2004), 337.
2 Vgl. ebenda, 2; 331.
3 Zur offiziellen Verwendung des Veranstaltungsnamens vgl. FIFA (2005). In der vorliegenden Arbeit meint Fußball-Weltmeisterschaft, Weltmeisterschaft, Fußball-WM oder WM die von der FIFA als Dachverband des weltweiten Fußballspiels ausgerichtete FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Entgegen des markenrechtlich geschützten Veranstaltungsnamens „FIFA Fussball-Weltmeisterschaft“ wird in der Arbeit einheitlich auch im Bezug zum WM-Turnier die Schreibweise Fußball verwandt. Vgl. Duden (1996).
4 Frankfurter Allgemeine Zeitung (2005).
5 Die Zeit (2002).
6 Frankfurter Allgemeine Zeitung (2004).
7 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2004).
8 Beispielhaft für positive Einstellungen und hohe Erwartungen im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sei zunächst verwiesen auf Wegweiser GmbH Berlin (2004).
9 DW-World (2005).
10 Dresdner Bank (2004).
11 Postbank (2005), 3.
12 GfW (2004), 14.
13 Dietl, Helmut M.; Pauli, Markus (2001), 160.
14 Manzenreiter, Wolfram (2004), 68.
15 Financial Times Deutschland (2005).
16 Szymanski, Stefan (2002), 171.
17 Der Ausdruck ‚Event induziert’ wird im Sinne von ‚durch die Veranstaltung angestoßen’ verwendet, d.h. er beschreibt Effekte, die ohne Ausrichtung des Events nicht auftreten. Die Problematik einer exakten Abgrenzung und Zuordnung von Wirkungen soll an späterer Stelle aufgegriffen werden. Zur sprachlichen Verwendung vgl. u.a. Rahmann, Bernd et al. (1998), 68ff.
18 Beispielhaft für die Auswahl derartiger Grenzwerte und Indikatoren: Müller, Hansruedi; Stettler, Jürg (1999), 19. Der von den Autoren gewählte Grenzwertsatz charakterisiert einen Sportanlass als ‚groß’, wenn er mindestens einen der folgenden Indikatoren übertrifft: 10.000 Sportler, 1.000 Betreuer/Funktionäre, 20.000 Zuschauer, ein Budget von 1 Mio. Fr., Direktübertragung oder Teilaufzeichnung im Fernsehen. Vgl. auch Stettler, Jürg (2003), 19 oder Rütter, Heinz; Stettler, Jürg et al. (2002), 22-25.
19 Ahlert, Gerd; Meyer, Bernd (2002), 83.
20 Daumann, Frank; Langer, Mathias (2002), 279 nennen bspw. wöchentliche UEFA Champions League Spiele, vierzehntägige Formel 1 Übertragungen, jährlich stattfindende mehrtägige Tennis-Turniere, Radrundfahrten, Leichtathletik-Meetings, Olympische Spiele oder die Fußball-Weltmeisterschaft. Gans, Paul; Horn, Michael; Zemann, Christian (2002), 124 behandeln auch Veranstaltungen mit geringer Zuschauerzahl als Sportgroßveranstaltungen, „sofern sie eine herausragende Bedeutung innerhalb der jeweiligen Sportart besitzen.“ Auf diesem Wege identifizieren die Autoren „in Deutschland von Januar 1999 bis April 2001 […] insgesamt 1682“ Sportgroßveranstaltungen. Ebenda, 133.
21 Gans, Paul; Horn, Michael; Zemann, Christian (2002), 133.
22 Vgl. auch Stannek, Guido (2000), 18ff.
23 Vgl. u.a. Gans, Paul; Horn, Michael; Zemann, Christian (2003), 232 ff. Der dort gewählte Ansatz dient der Erarbeitung eines Bewertungsschemas mit höchst universalem Charakter.
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