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Die Dolchstoßlegende in der Weimarer Republik - Eine Gesellschaft verarbeitet die Kriegsniederlage

Hausarbeit, 2006, 17 Seiten
Autor: Benedikt Bärwolf
Fach: Geschichte - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Details

Veranstaltung: Grundmodul Neuere Geschichte: „Kontroversen in der Zeitgeschichte“
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tags: Dolchstoßlegende, Weimarer, Republik, Eine, Gesellschaft, Kriegsniederlage, Grundmodul, Neuere, Geschichte, Zeitgeschichte“
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V71229
ISBN (E-Book): 978-3-638-63127-3
ISBN (Buch): 978-3-638-76934-1
Dateigröße: 1316 KB

Zusammenfassung / Abstract

Wie gehen Gesellschaften nach einem Weltkrieg mit einer Niederlage um? In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit geht es darum, wie die deutsche Gesellschaft am Ende des Ersten Weltkrieges und mit dem Beginn der Weimarer Republik mit der Kriegsniederlage umgegangen ist. Zentrales Thema bildet dabei die so genannte Dolchstoßlegende, die von Paul von Hindenburg am 18. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung als Ursache für die Kriegsniederlage genannt wurde. „Die Parteien haben den Widerstand der Heimat erschüttert. [..] Hinzugekommen ist die heimliche planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer und die revolutionäre Zermürbung der Front. So mussten unsere Operationen misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen. Die Revolution bildet nur den Schlussstein. Ein englischer General sagte mit Recht: „Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden“.“ Im ersten Teil meiner Hausarbeit möchte ich mich der Frage widmen, wie die Dolchstoßlegende entstanden ist. Welche Faktoren bei den Menschen in Deutschland notwendig waren, damit sich diese erfundene Wahrnehmung verfestigen und so zu einer eingebildeten Wahrheit werden konnte, um damit der kommenden Weimarer Republik in den Rücken zu fallen und ihr somit eine schwere, nicht zu überwindende Last aufzubürden. In manchen Kreisen ging man nach dem Ende des Krieges sogar davon aus, dass eine Fortführung des Krieges oder ein zweiter Weltkrieg folgen müsse. So schrieb beispielsweise Delbrück in den Preußischen Jahrbüchern 1919, dass der Zeitpunkt kommen werde, „wo wir alles zurückfordern werden“. Was hat zu so einer Einstellung bei den Menschen geführt? War ein Zweiter Weltkrieg in den Gedanken der Menschen in Deutschland verankert? Dies möchte ich in meinem zweiten Abschnitt über die Weimarer Republik näher beleuchten. Welche Auswirkungen hatte die Dolchstoßlegende auf die junge Demokratie und welche Konsequenzen sind aus einer verdrehten Wahrnehmung für die Weimarer Republik entstanden?


Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Historisches Institut
Grundmodul Neuere Geschichte 2: „Kontroversen in der Zeitgeschichte“
Wintersemester 2005/06, Abgabedatum: 30.03.2006

Die Dolchstoßlegende in der Weimarer Republik –
Eine Gesellschaft verarbeitet die Kriegsniederlage

von: Benedikt Bärwolf

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung  2

1. Die Entstehung der Dolchstoßlegende  3

1.1 Ursprung der Legende  3
1.2 Hindenburg  5
1.3 Verhältnis zwischen Heimat und Front  6

2. Weimarer Republik  9

2.1 Entstehung der ersten Demokratie in Deutschland  9
2.2 Die Wirkung der Dolchstoßlegende auf die Bevölkerung und der politische Missbrauch  11

Resümee 13

Literaturverzeichnis 14

Anhang  15




 

Einleitung

Wie gehen Gesellschaften nach einem Weltkrieg mit einer Niederlage um? In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit geht es darum, wie die deutsche Gesellschaft am Ende des Ersten Weltkrieges und mit dem Beginn der Weimarer Republik mit der Kriegsniederlage umgegangen ist. Zentrales Thema bildet dabei die so genannte Dolchstoßlegende, die von Paul von Hindenburg am 18. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung als Ursache für die Kriegsniederlage genannt wurde. „Die Parteien haben den Widerstand der Heimat erschüttert. [..] Hinzugekommen ist die heimliche planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer und die revolutionäre Zermürbung der Front. So mussten unsere Operationen misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen. Die Revolution bildet nur den Schlussstein. Ein englischer General sagte mit Recht: „Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden“.“1

Im ersten Teil meiner Hausarbeit möchte ich mich der Frage widmen, wie die Dolchstoßlegende entstanden ist. Welche Faktoren bei den Menschen in Deutschland notwendig waren, damit sich diese erfundene Wahrnehmung verfestigen und so zu einer eingebildeten Wahrheit werden konnte, um damit der kommenden Weimarer Republik in den Rücken zu fallen und ihr somit eine schwere, nicht zu überwindende Last aufzubürden. In manchen Kreisen ging man nach dem Ende des Krieges sogar davon aus, dass eine Fortführung des Krieges oder ein zweiter Weltkrieg folgen müsse. So schrieb beispielsweise Delbrück in den Preußischen Jahrbüchern 1919, dass der Zeitpunkt kommen werde, „wo wir alles zurückfordern werden“2. Was hat zu so einer Einstellung bei den Menschen geführt? War ein Zweiter Weltkrieg in den Gedanken der Menschen in Deutschland verankert? Dies möchte ich in meinem zweiten Abschnitt über die Weimarer Republik näher beleuchten. Welche Auswirkungen hatte die Dolchstoßlegende auf die junge Demokratie und welche Konsequenzen sind aus einer verdrehten Wahrnehmung für die Weimarer Republik entstanden?

1. Die Entstehung der Dolchstoßlegende

1.1 Ursprung der Legende

Die Vorstellung eines Dolchstoßes in den Rücken des Heeres hat wahrscheinlich seine Wurzeln bei dem britischen General Frederick Maurice, der in einem ungezeichneten Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung“ Mitte Dezember 1918 folgendermaßen zitiert wurde: „Was die deutsche Armee betrifft, so kann die allgemeine Ansicht in das Wort zusammengefasst werden: Sie wurde von der Zivilbevölkerung von hinten erdolcht.“3 Der Artikel war überschrieben mit: „Ein englischer General über die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs.“

Der Verfasser des Artikels sagt weiterhin im letzten Absatz: „In anderer Form habe ich so ziemlich überall, in den verschiedensten Kreisen dieselben Ansichten […] gefunden, wie sie General Maurice aussprach.“4 Zahlreiche Flugblätter, Artikel und Broschüren verwiesen nun auf die Äußerung von Maurice. Als der britische General Maurice von diesen Meldungen erfuhr, stritt er ab, der Urheber der Äußerung „der Dolchstoßlegende“ zu sein. Er versicherte nun vielmehr, dass der Kriegsausgang in dieser Form eher unvermeidlich war. „[…] Im Gegenteil habe ich immer die Meinung vertreten, daß die deutschen Heere an der Westfront am 11. November 1918 eines weiteren Kampfes nicht mehr fähig waren.“ In der Tat ist von General Maurice in keiner Schrift von dem Begriff Dolchstoß die Rede. Bereits am 24. Oktober 1918 schrieb die Deutsche Tageszeitung: „daß „unsere“ Kraft nicht gebrochen sei. Lehne der Feind den Waffenstillstand ab, so würden „wir“ ihm im Kampf standhalten, aber der Geist von 1914 müsse wieder erwachen.“ 5 Weiterhin schrieben die Deutschen Tageszeitungen von einem unbesiegbaren Hindenburg. Am 3. Dezember 1918 hatte die Tageszeitung einen Leitartikel, in dem behauptet wurde, dass der Sieg schon zum Greifen nahe gewesen sei, doch die Heimat sei uns in den Rücken gefallen.

Der Ursprung der Dolchstoßlegende könnte auch ein anderer sein: General Neill Malcolm, der Chef der englischen Waffenstillstandskommission, soll am 11. November 1918 mit Ludendorff ein Gespräch geführt haben.

[...]


1 Zitiert von Paul von Hindenburg in Michaelis, Herbert u. a. (Hrsg.): Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart, 28 Bde., Berlin 1958-1980, Bd. 4, S. 7f.

2 Zitat aus Mommsen, Verspielte Freiheit, S. 102 in Barth, Boris: Dolchstoßlegenden und politische Desintegration. Das Trauma der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg 1914-1933, Düsseldorf: Droste Verlag 2003. S. 451.

3 Keil, Lars-Broder; Kellerhoff, Sven Felix: Deutsche Legenden. Vom Dolchstoß und anderen Mythen der Geschichte, Berlin: Christoph Links Verlag 2002. S. 33-45.

4 Keil „Deutsche Legenden“, S. 36.

5 Boris Barth „Dolchstoßlegenden und politische Desintegration“, S. 149.


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