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Bachelor Thesis, 2006, 23 Pages
Author: Anonym
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft)
Tags: Sprache, Politik, Gegenwart, Definition, Funktionen, Besonderheiten, Geschichte, Deutschen, Tendenzen, Gegenwartssprache
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-63148-8
File size: 176 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die Sprache der Politik der Gegenwart Definition, Funktionen und Besonderheiten
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Was ist die „Sprache der Politik“? 2
3 Funktionen politischer Sprache 4
3.1 Politische Sprache als sprachliches Handeln 4
3.2 Meinungsbildungsfunktion 6
3.3 Meinungsänderungsfunktion 6
4 Besonderheiten 8
4.1 Schlagwort 8
4.2 Politischer Wortschatz 10
4.2.1 Institutionsvokabular 10
4.2.2 Ideologievokabular 11
4.2.3 Vokabular der verwalteten Sachgebiete 12
4.2.4 Allgemeines Interaktionsvokabular 12
4.3 Rhetorische Figuren 13
4.5 Unbestimmtheit 15
5 Schlussfolgerungen 18
6 Literaturverzeichnis 20
1 Einleitung
In allen Bereichen, in denen Menschen miteinander kommunizieren, nimmt die Sprache wohl die bedeutendste Rolle als Möglichkeit des Ausdrückens eigener Gedanken ein. Sie ist „das wichtigste Mittel menschlicher Verständigung und deshalb Grundelement jeder Sozialbeziehung“ 1. Auch auf dem Gebiet der Politik ist die Sprache für den Politiker von zentraler Bedeutung, denn von ihr ist es u.a. abhängig, ob das beabsichtigte Ziel – sei es ein Wahlergebnis oder eine Stimmenmehrheit in der eigenen Partei – erreicht werden kann. Die Sprache bietet der Politik das Mittel zu informieren, anzuweisen, zu überzeugen und zu indoktrinieren. Natürlich geht es in der politischen Kommunikation vorrangig um Inhalte, der Einfluss einzelner Schlagwörter, Anredeformeln oder die Unbestimmtheit mancher Ausdrücke darf dabei in seiner Wirkung jedoch nicht unterschätzt werden.
In einer Demokratie, wie z.B. der Bundesrepublik Deutschland, bedeutet Politik laut Martin Greiffenhagen insbesondere eine „öffentliche Argumentation und parlamentarische Debatte“ 2. Auch hier offenbart sich, wie bedeutsam besonders die mündliche Sprache für Politiker und den Willensbildungsprozess im Allgemeinen ist. Bereits in der griechischen und römischen Republik studierten Politiker deshalb Logik, Rhetorik, Dialektik und Hermeneutik.3 Die Beobachtung wachsamer Zuhörer, ihre Sprachkritik und die Reflexion über den Sprachgebrauch in der Politik waren und sind stets ein taugliches Mittel Sprachmanipulation bzw. beabsichtigte Meinungsänderung zu durchschauen und unwirksam zu machen.4 Ziel dieser Hausarbeit wird es zunächst sein, den Versuch einer Definition von der „Sprache der Politik“ zu unternehmen. Was versteht man unter politischer Sprache und welche verschiedenen Definitionen weist die einschlägige Literatur auf? Im daran anschließenden Gliederungspunkt werden unterschiedliche Funktionen politischer Sprache untersucht werden; dabei wird vorrangig auf die politische Sprache als sprachliches Handeln, ihre Meinungsbildungs- und Meinungsänderungsfunktion eingegangen. Wie kann Sprache in der Politik gleichzeitig Handeln sein? Welche Absicht kann Sprache in der Politik verfolgen und was folgt daraus für ihren Aufbau? Als Schwerpunkt dieser Arbeit werde ich mich mit den Besonderheiten politische Sprache beschäftigen. Welche Rolle spielt das politische Schlagwort? Gibt es spezifische Lexeme, die als eine Art Wortschatz vor allem im politischen Bereich verwendet werden? Warum gebrauchen Politiker in ihren Reden rhetorische Figuren und unbestimmte Begriffe? Am Ende meiner Hausarbeit werde ich meine Ergebnisse zusammenfassen und die Sprache der Politik in ihren Besonderheiten abschließend betrachten.
2 Was ist die „Sprache der Politik“?
Was genau man unter einer Sprache der Politik oder politischer Sprache versteht, ist auch in der Sprachwissenschaft nicht eindeutig definiert. Grundlegend muss in diesem Zusammenhang beachtet werden, dass sich politische Sprache – wie in fast allen anderen Bereichen – in einem Wechselspiel zwischen individuellem Sprachhandeln und kollektiv verbindlichen Regeln des Sprachgebrauchs bewegt. Sie bleibt dabei stets auf den gesellschaftlichen Rahmen bezogen, innerhalb dessen gesprochen oder geschrieben wird.5 Als logische Schlussfolgerung ergibt sich also mit einem gesellschaftlichen bzw. politischen Wandel ebenso ein Sprachwandel, worauf in dieser Arbeit jedoch nicht näher eingegangen werden soll. Wolfgang Brüggemann verweist auf die sprachwissenschaftliche Unterscheidung von Funktions- und Meinungssprachen und definiert eine Funktionssprache als „Sprache, die ungelöste Sachprobleme verbalisiert und politische Handlungsabläufe bzw. Institutionen terminologisch erfasst“6. In dieser Hausarbeit werden beide Seiten politischer Sprache beleuchtet werden. Während der Aspekt der Funktionssprache im Kapitel über den politischen Wortschatz untersucht wird, wird der Blickwinkel der Meinungssprache vermehrt in den Kapiteln über rhetorische Figuren, das inklusive Wir und die Unbestimmtheit der Begriffe diskutiert werden.
Mit ersten Hinweisen bezüglich der Funktion von politischer Sprache versehen, beschreibt Armin Burkhardt politische Kommunikation grundsätzlich als „final organisiert“7. Er verweist darauf, dass politische Sprache stets von politischen Standpunkten heraus erfolgt und daher niemals rein darstellungsfunktional, sondern immer auch appellativ und nicht deskriptiv- informierend ist.8 Der Aspekt der Beeinflussung der Zuhörer/ Leser durch bestimmte Sprachverwendungen ist im Bereich der Politik beachtlich. Die hier angesprochene Tatsache soll jedoch erst im Kapitel über Funktionen politischer Sprache näher untersucht werden. Burkhardt führt weiterhin an, dass politische Sprache zum großen Teil öffentlich und an die Öffentlichkeit gerichtete Kommunikation ist.9 Diese Definition erscheint zunächst stark eingegrenzt, dennoch werden alle wichtigen politischen Textsorten wie Parteiprogramm, Wahlkampfrede, Regierungserklärung, Reden von Politikern, Parlamentarische Debatten und Gesetzesentwürfe mit dieser Eingrenzung erfasst.10 Überlegenswert ist in diesem Zusammenhang, welche politischen Sprechakte laut dieser Definition nicht zu politischer Sprache gezählt werden dürften. Lediglich Geheimverträge und -absprachen zwischen einzelnen Akteuren bzw. Briefe und Telefonate zwischen Politikern, sowie Debatten in öffentlichkeitsfernen Ausschüssen würden dann nicht zu politischer Sprache gezählt werden, obwohl sie dort natürlich vorkommen.
Die politische Sprache ist laut Josef Klein jedoch keine typische Fachsprache. Ihr Mischcharakter, ihre Überschneidung mit anderen Fachsprachen und ihre breiten Überlappungen mit der Alltagssprache sprechen gegen eine solche Charakterisierung.11 Auch Walter Dieckmann sieht in der politischen Sprache keine reine Fachsprache, da sie zwar Anteil an vielen Sachgebieten hat und sich des Wortschatzes anderer Fachsprachen bedient, aber insgesamt eher als ein „differenzierter Handlungs- und Funktionskomplex“12 bezeichnet werden kann und kein abgegrenztes Sachgebiet an sich darstellt.
[...]
1 Bergsdorf, Wolfgang (Hrsg.): Wörter als Waffen. Sprache als Mittel der Politik. Stuttgart: Verlag Bonn Aktuell 1979, S. 8.
2 Greiffenhagen, Martin (Hrsg.): Kampf um Wörter? Politische Begriffe im Meinungsstreit. München: Carl Hanser Verlag 1980, S. 10.
3 Vgl. Ebd. S. 10.
4 Vgl. Bergsdorf, W.: Wörter als Waffen, S. 14.
5 Vgl. Dörner, Andreas: Politische Sprache – Instrument und Institution der Politik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B17/91, S. 3.
6 Brüggemann, Wolfgang: Anmerkungen zur politischen Sprache. 2. Aufl. Düsseldorf 1977, S. 12.
7 Burkhardt, Armin: Das Parlament und seine Sprache. Studien zu Theorie und Geschichte parlamentarischer Kommunikation. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 2003, S. 123.
8 Vgl. Ebd. S. 123.
9 Vgl. Ebd. S. 121.
10 Vgl. Müller, Ulrich/ Hundsnurscher, Franz/ Sommer, Cornelius (Hrsg.): Ausgewählte Textsorten politischer Sprache. Eine linguistische Analyse parteilichen Sprechens. Göppingen: Kümmerle Verlag 1989, siehe politische Textsorten im Inhaltsverzeichnis.
11 Vgl. Klein, Josef: Wortschatz, Wortkampf, Wortfelder in der Politik, in: Klein, Josef (Hrsg.): Politische Semantik. Beiträge zur politischen Sprachverwendung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1989, S. 3.
12 Dieckmann, Walter: Sprache der Politik: Einführung in die Pragmatik und Semantik der politischen Sprache. Heidelberg (Sprachwissenschaftliche Studienbücher Abt. 2) 1969, S. 47.
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