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Im Kampf um Port-Royal - Ob und wieweit Pascal mit seinen Provinciales die Jansenisten unterstützte

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 38 Pages
Author: Sonja Breining
Subject: Romance Languages - French Studies

Details

Event: Hauptseminar: Pascal und die französische Moralistik
Institution/College: University of Heidelberg (Romanisches Seminar)
Tags: Kampf, Port-Royal, Pascal, Provinciales, Jansenisten, Hauptseminar, Pascal, Moralistik
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 38
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V7130
ISBN (E-book): 978-3-638-14480-3
ISBN (Book): 978-3-638-63976-7
File size: 325 KB

Abstract

Der Streit zwischen Jansenisten und Jesuiten bewegte lange Zeit nur ihre Anhänger und theologische Gemüter. Die Gnaden- und Prädestinationslehre der Jansenisten setzt sich für die Reformation der katholischen Kirche im Sinne der augustinischen Gnadenlehre und für eine strengere Moral der Christen ein und richtet sich gegen die Kasuistik des katholischen Ordens der Jesuiten. Letztere wurden zu den Hauptgegnern der Jansenisten, mehrfach wurde der Jansenismus von der römischen Kirche verurteilt. Zu Lebzeiten Blaise Pascals waren die Streitereien neu entfacht, den Jansenisten fehlte es an Vertretern, die ihre Lehre populärer gestalten konnten. So entstanden die Provinciales, verfasst in Briefen, in denen ein gewisser Louis de Montalte einem Provincial über die Streitigkeiten zwischen Jesuiten und Jansenisten berichten will. Informationen holt er sich in mehreren Gesprächen mit einem Jesuiten-Père. In dieser Arbeit soll bewiesen werden, dass Blaise Pascal seine Provinciales schrieb, um den Jansenisten mehr Popularität zu verschaffen und um die Jesuiten ins Lächerliche zu ziehen. Der Beweisaufbau erfolgt in zwei Schritten. Im „Hauptteil eins“ werden Beweise aus den Provinciales und ihrer Sekundärliteratur vorgestellt. Näher beleuchtet werden hier die Biographie des Autors, der Aufbau der Provinciales und die Kommunikationsstrategien des Louis de Montalte. Im „Hauptteil zwei“ wird das Kommunikationsfachbuch "Offen gesagt! Das Harvard-Gesprächs-Projekt" der Amerikaner Douglas Stone, Bruce Patton und Sheila Heen auf die Kommunikation des Louis de Montalte mit dem Jesuiten-Père angewendet. Die Autoren stellen Strategien vor, mit denen man schwierige Gespräche besser meistern kann. Bewahrheitet sich die These, dass Louis de Montalte die Funktion hat, die Jesuiten in ihrer Lächerlichkeit darzustellen, so wird sich Montalte in den Gesprächen genau gegen die Strategien der Autoren verhalten. Dies bedeutet, dass die Gespräche so verlaufen, dass kein guter Meinungsaustausch möglich ist. Es geht nicht darum, Informationen zu erlangen, sondern darum, die Meinung des Lesers zu manipulieren. Ob Pascal im Auftrag anderer handelte und nicht aus eigenem Antrieb, wird im Schlusswort erläutert. Ebenso wird kurz darauf eingegangen, ob Pascal sein Ziel, den Leser von der Jesuitenlehre abzubringen, erreicht hat.


Excerpt (computer-generated)

Im Kampf um Port-Royal - Ob und wieweit Pascal
mit seinen Provinciales die Jansenisten unterstützte

von Sonja Breining



Inhaltverzeichnis

I) Einleitung

II) Hauptteil eins: Beweise aus den Provinciales

1.) Die Prägung der Provinciales durch den Autor

a) Pascal vertritt die Jansenistenlehre
b) Die Provinciales als "(?)uvre de circonstance
c) Argumente stammen größtenteils von den Jansenisten

2.) Die Prägung der Provinciales durch ihre Struktur

a) Das Buch besteht aus einer Sammlung von Briefen
b) Verfasser der Briefe ist ausschließlich Louis de Montalte
c) Darstellung de Montaltes als unwissender Botschafter

3.) Die Kommunikationsstrategien des Louis de Montalte

a) Die wenig traditionsbewussten Jesuiten
b) Die unkompetenten und unwissenden Jesuiten
c) Die schlechte Argumentation der Jesuiten
d) Die wenig aufgeklärten Jesuiten
e) Montaltes gespielte Begeisterung
f) Montaltes rhetorische Fragen
g) Montaltes ironische Bemerkungen
h) Montaltes Anspielungen auf sein Unverständnis

III) Hauptteil zwei: Beweise aus dem Harvard Gesprächsprojekt

1.) Einleitung: Was ist ein schwieriges Gespräch

2.) Die Struktur von schwierigen Gesprächen

a) Das "Was ist passiert?" - Gespräch
b) Das Gefühlsgespräch
c) Das Identitätsgespräch

3.) Der Wechsel zur Lernhaltung

4.) Wie man ein Lerngespräch führt

a) Ist das Gespräch sinnvoll
b) Der Gesprächsbeginn mit der "dritten Geschichte
c) Das eigene Ziel offenbaren
d) Den anderen zum Partner machen
e) Seine innere Stimme beachten
f) Sich nicht auf den Subtext verlassen
g) Nachfragen, paraphrasieren, bestätigen

IV) Konklusion

V) Literaturverzeichnis


I) Einleitung

Der Streit zwischen Jansenisten und Jesuiten bewegte lange Zeit nur ihre Anhänger und theologische Gemüter. Die Gnaden- und Prädestinationslehre der Jansenisten setzt sich für die Reformation der katholischen Kirche im Sinne der augustinischen Gnadenlehre und für eine strengere Moral der Christen ein und richtet sich gegen die Kasuistik des katholischen Ordens der Jesuiten. Letztere wurden zu den Hauptgegnern der Jansenisten, mehrfach wurde der Jansenismus von der römischen Kirche verurteilt.
Zu Lebzeiten Blaise Pascals waren die Streitereien neu entfacht, den Jansenisten fehlte es an Vertretern, die ihre Lehre populärer gestalten konnten. So entstanden die Provinciales, verfasst in Briefen, in denen ein gewisser Louis de Montalte einem Provincial über die Streitigkeiten zwischen Jesuiten und Jansenisten berichten will. Informationen holt er sich in mehreren Gesprächen mit einem Jesuiten-Père. Dieses Thema hört sich neutral an; in dieser Hausarbeit soll jedoch bewiesen werden, dass Blaise Pascal seine Provinciales schrieb, um den Jansenisten mehr Popularität zu verschaffen und um die Jesuiten ins Lächerliche zu ziehen. Diese These stützt sich auf folgende Annahme: "Sprachliche Äußerungen werden nur im Ausnahmefall um ihrer selbst willen... produziert und rezipiert. In der Regel sprechen, schreiben, hören und lesen wir, um bestimmte übergeordnete Zielstellungen zu realisieren."
Der Beweisaufbau soll in zwei Schritten erfolgen. Im "Hauptteil eins" sollen Beweise aus den Provinciales und ihrer Sekundärliteratur vorgestellt werden. Näher beleuchtet werden hier die Biographie des Autors, der Aufbau der Provinciales und die Kommunikationsstrategien des Louis de Montalte. Im "Hauptteil zwei" soll das Kommunikationsfachbuch Offen gesagt! Das Harvard-Gesprächs-Projekt der Amerikaner Douglas Stone, Bruce Patton und Sheila Heen auf die Kommunikation des Louis de Montalte mit dem Jesuiten-Père angewendet werden. Die Autoren stellen Strategien vor, mit denen man schwierige Gespräche besser meistern kann. Bewahrheitet sich die These, dass Louis de Montalte die Funktion hat, die Jesuiten in ihrer Lächerlichkeit darzustellen, so wird sich Montalte in den Gesprächen genau gegen die Strategien der Autoren verhalten. Dies bedeutet, dass die Gespräche so verlaufen, dass kein guter Meinungsaustausch möglich ist. Es geht nicht darum, Informationen zu erlangen, sondern die Meinung des Lesers zu manipulieren. Es sollen ein paar dieser Kommunikationsstrategien vorgestellt werden um zu zeigen, wie Pascal seinen Montalte hätte handeln lassen müssen, damit aus den Provinciales ein möglichst neutraler Bericht - soweit Briefe objektiv verfasst werden können - über den theologischen Streit entstanden wäre.
Dieses Buch eignet sich besonders dafür, die im ersten Teil angeführten Argumente in einer geschlossenen Theorie zu ergänzen. Die meisten anderen Fachbücher dieses Themas befassen sich mit komplizierten Theorien, ausgedrückt in Variablen und nur begrenzten Anwendungsbreichen. Die Basis des Buches Offen gesagt! ist sehr breit angelegt. Die Autoren lassen Ansätze aus mehreren Disziplinen einfließen, mit denen sie während ihrer langjährigen Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Harvard Universität sowie während ihrer Beratungen in Politik und Wirtschaft arbeiteten: Die Ansätze stammen aus der Kommunikations-, Gesprächs- oder Familientherapie, der Sozialpsychologie sowie aus Bereichen der Verhandlung, Mediation und Recht. Offen gesagt! eignet sich auch deshalb für die Analyse der Provinciales, da hier die Kommunikation auf drei Ebenen stattfindet: Zwischen Montalte und dem Jesuiten-Pater, Montalte und seinem Briefempfänger sowie zwischen Pascal und dem Leser.

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