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Termpaper, 1994, 47 Pages
Author: Dipl.-Ing. Reinhard Bäckmann
Subject: Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology
Details
Tags: Gruppengröße, Gruppeneffektivität
Year: 1994
Pages: 47
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 61 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62046-8
File size: 237 KB
Schriftliche Hausarbeit zum Fernstudienkurs 03251: Einführung in die Psychologie sozialer Prozesse
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Excerpt (computer-generated)
Gruppengröße und Gruppeneffektivität
von: Reinhard Bäckmann
vorgelegt am 29.03.1994
Inhalt
1. Operationalisierung der Gruppeneffektivität 3
2. Effektivitätsvariable Gruppengröße in der Literatur 6
3. Empirische Quantifizierung: Gruppengröße und Gruppeneffektivität 15
4. Gruppenstruktur, Gruppenprozess und optimale Gruppengröße 27
5. Forschungsfeld: Gruppengröße und Gruppeneffektivität 41
6. Literaturzusammenstellung 45
1. Operationalisierung der Gruppeneffektivität
Auf den ersten Blick scheint die Untersuchung der Gruppeneffektivität in Abhängigkeit von der Gruppengröße ein mehr ökonomisches Problem zu sein als ein sozialpsychologisches. Dies ist in der Tat nicht ganz von der Hand zu weisen, da sich eben viele Gruppen spontan bilden oder geplant gebildet werden, um der vermeintlichen oder bekannten Vorteile willen - zumeist wirtschaftlicher oder sozialer Effektivität.
Sind die Gruppen nicht mehr effektiv, so lösen sich selbstorganisierte Gruppen häufig auf, oder spalten sich in Untergruppen, oder schließen sich in größeren Übergruppen zusammen. Nur ökonomischen Prinzipien unterworfene Gruppen laufen bei mangelnder Effektivität dagegen in Gefahr, aufgelöst, verdrängt oder von Konkurrenten übernommen zu werden. Unzureichende Effektivität von sozialen oder ökonomischen Gruppen birgt demnach das grundsätzliche Risiko, die Gruppe als Einheit zu gefährden; wird die Einheit zerstört, verliert die Gruppe ihre Existenzberechtigung.
Die Effektivität ist damit ein zentrales Thema der Gruppendynamik, insbesondere in Abhängigkeit von verschiedensten Einflussfaktoren quantitativer und qualitativer Art und der Struktur und den Prozessen in der Gruppe. Akzeptiert man die Wichtigkeit der Gruppeneffektivität oder deren Umkehrung, tauchen zwangsläufig diese Fragen auf:
− Was versteht man unter Gruppeneffektivität?
− Wie misst man diese und mit welcher Vergleichsbasis?
− Von welchen Einflüssen hängt die Effektivität ab?
− Sind einzelne Variablen besonders effektivitätswirksam?
− Kann die Gruppeneffektivität verbessert werden?
Gruppeneffektivität hat sicherlich vordergründig etwas mit Leistung zu tun, die etwa als
− Output in Form von sportlichen Erfolgen, Arbeitsergebnissen, Informationen und Innovationen sichtbar abgegeben werden,
oder mit
− Attraktivität, die diese Gruppe für Nichtmitglieder besonders wichtig, anziehend oder attraktiv macht, auch Gruppenmitglied zu werden,
und letztendlich mit
− Motivation der einzelnen Gruppenmitglieder oder der Gruppe als Ganzes, bei der die Effektivität nur von der Gruppe oder Einzelmitgliedern durch mehr Selbstverwirklichung und soziale Bereicherung empfunden wird.
Die outputorientierte Effektivität ist zumeist gut messbar, während die letzteren im Bereich der qualitativen Effekte häufig nur verbal beschreibbar sind. Gegen was wird aber die Gruppe verglichen, wenn man Aussagen zur Effektivität machen will? Hier wird häufig das Gruppenergebnis in Beziehung zum Ergebnis eines Individuums gesetzt, oder von nebeneinander agierenden Individuen ohne weitere Interaktionen und mit Vorteilen und Nachteilen geradezu schwunghaft euphorisch gehandelt.
Da sehr viele Faktoren die Effektivität von Gruppen bestimmen, und sehr widersprüchliche Interessenlagen eben an dieser Effektivität existieren, sind Vorteile für die eine Interessengruppe häufig die Nachteile der anderen. Die Effektivität von Gruppen wird aus der Sicht der Wirtschaft z. B. in Produktivität, Flexibilität und Qualität gesehen. Das Individuum in einer Gruppe wiederum sieht Effektivität in sinnvollen Arbeitsinhalten, Zusammenhalt der Gruppe und vielfältigen zwischenmenschlichen Beziehungen. Bei einer rein quantitativen wirtschaftlichen Betrachtung von Gruppen ist die Wirtschaftlichkeit sicherlich ein möglicher Beurteilungsmaßstab - bei nicht messbaren Effekten jedoch aus mehr qualitativer Sicht versagt diese Methode.
Man muss deshalb zwischen
− quantitativen und
− qualitativen Vor- und Nachteilen differenzieren, also Effektivität und Nichteffektivität.
Ein Vorteil liegt sicher vor, wenn der Nutzen einer Gruppe größer ist als der Aufwand, den sie verursacht; ein Nachteil, wenn der Aufwand größer ist als der Nutzen, also: Vorteil: Nutzen > Aufwand, d.h. die Gruppe ist effektiv Nachteil: Nutzen < Aufwand, d.h. die Gruppe ist ineffektiv, damit kann man für die Effektivität von Gruppen die Beziehung oder das Verhältnis formulieren:
[Formel in der Downloaddatei vorhanden]
Hierbei kann Aufwand oder Nutzen auch emotional oder psychisch gesehen werden, und muss nicht unbedingt zahlenmäßig bewertbar sein. In den Wirtschaftswissenschaften bezeichnet man solche Beziehungen als Produktionsfunktionen, die das Verhältnis von Output zu Input kennzeichnet. Die analoge Übertragbarkeit liegt auf der Hand, insbesondere wenn man bestimmte Variable der Gruppe verändert, um die Effektivität unter den neuen Bedingungen zu studieren oder gar zu optimieren. Allerdings ist dies lediglich eine Angabe über eine Ist-Effektivität, und das Modell wird noch erweitert werden müssen, um die Soll-Effektivität entweder einer Vergleichsgruppe oder einer Einzelperson oder einer nebeneinander operierenden Menge von Personen einzuarbeiten, denn nur damit wird die Gruppeneffektivität vollständig operationalisierbar.
Die Schlüssigkeit eines solchen Konzeptes auch für die Sozialpsychologie liegt darin begründet, daß Gruppen nicht unbedingt nur mit Einzelpersonen verglichen werden müssen, sondern auch verschiedene Arten von Gruppen gegeneinander in Situationen, in denen eventuell ohnehin nur Gruppenkonzeptionen möglich sind, und damit ein Vergleich mit Einzeleffektivitäten sinnlos würde.
Die Gruppeneffektivität als bedeutendes Problem der Gruppendynamik wird damit aber auch anderen Interessengruppen als Psychologen von Ansatz her zugänglich gemacht in Begriffen, die man aus Ökonomie und Technik besser kennt.
2. Effektivitätsvariable Gruppengröße in der Literatur
In einer sehr weiten Definition wird die Gruppe als Ansammlung von Personen beschrieben, die voneinander abhängig sind. Im Alltagssprachgebrauch ist eine Gruppe oft nur eine Ansammlung von Personen mit dem Charakteristikum "mehr als zwei sind eine Gruppe". ROSENSTIEL (1992) zählt dagegen für die Definition im Sinne der Sozialpsychologie auf:
− Mehrzahl von Personen
− mit direkter Interaktion
− über einen Zeitraum zusammenbleibend
− mit Rollendifferenzierung
− gemeinsamen Gruppennormen
− und besonders bedeutsam: Dem Gruppengefühl.
Die Zahl der Gruppenmitglieder ist also offenbar ein Merkmal, das etwa Aufmerksamkeit verdient, da man eine Gruppe als abzählbare Menge von mehr als zwei bis N Menschen
betrachten kann. Es sind nun verschiedene Begriffe verbreitet, die sich an dem Zahlbegriff orientieren wie
− Kleingruppe
− Team
− Großgruppe
teilweise auch Organisation als fließender Übergang. Obwohl die Gruppengröße ein anerkannt wichtiger Gestaltungsparameter ist, werden in der neueren Literatur diesem Punkt nur wenige Zeilen gewidmet. HEEG (1993) schreibt, daß die Gruppengröße, die individuellen Eigenschaften der Gruppenmitglieder und die Zusammensetzung der Gruppe charakteristische Merkmale einer Gruppe sind, die Einfluß auf die Gruppenleistung habe. Die Gruppengröße kann allgemein nicht festgelegt werden, sondern richtet sich nach Aufgabe, verfügbaren Mitarbeitern und den Interaktionsmöglichkeiten. Obwohl in der Literatur die Mitgliederzahl sehr unterschiedlich angegeben wird, läßt sich sagen, daß sie für eine effektive Zusammenarbeit zwischen 4 und 10 liegen sollte. Es leuchtet ein, daß die Gruppenfähigkeit mit wachsender Gruppengröße steigt, jedoch durch eine Reihe anderer Gruppenmerkmale negativ bestimmt wird."
[...]
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