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Der Wahnsinn Iweins - Eine nähere Betrachtung der Erkrankung der Hauptfigur im gleichnamigen Roman Hartmanns von Aue

Scholary Paper (Seminar), 2007, 21 Pages
Author: Martina Jansen
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V71384
ISBN (E-book): 978-3-638-62173-1
ISBN (Book): 978-3-638-62477-0
File size: 262 KB
Notes :
Hier geht es um die Wahnsinnsepisode im "Iwein" Hartmanns von Aue. Krankheitsbilder des Mittelalters sollen mit der Erkrankung des Helden von Hartmanns Ritterroman verglichen werden. Anschließend wird versucht zu ergründen, inwiefern Hartmann reale, ihm bekannte Krankheitsbilder verwendet.


Abstract

Der Held in Hartmanns Erzählung ist Iwein, wie Erec einer der zwölf Ritter der Tafelrunde am Hofe König Artus', der die typischen Merkmale eines Artusritters trägt. Durch aventuiren verschafft er sich Ruhm und Ehre und eine schöne, edelmütige Frau, die er liebt. Durch ein Fristversäumnis verliert er aber Frau und Ehre, wird wahnsinnig und kann am Ende doch geheilt werden und seine Ehre wiedererlangen, ja sogar seine Frau wiedergewinnen. Ein zentraler und hochinteressanter Aspekt ist hierbei die Episode von Iweins Wahnsinn, denn seine Verfehlung und seine daraus folgende Krankheit bilden das Zentrum der Erzählung. Nach einem tiefen Fall muss der Titelheld sich buchstäblich wieder hochkämpfen. Viele Fragen stellen sich dem Leser hierbei: Warum wird Iwein wahnsinnig? Wie äußert sich sein Wahnsinn und was sind Hartmanns Grundlagen für seine Beschreibung? Wie wird Iwein geheilt? Und welche Stellung hat diese Episode im gesamten Roman? Im Folgenden soll der Wahnsinn Iweins untersucht werden, indem nach Ursache, Verlauf und Auswirkungen gefragt wird.


Excerpt (computer-generated)

Seminararbeit

im Rahmen des Germanistischen Studiums

Der Wahnsinn Iweins.

Eine nähere Betrachtung der Erkrankung der Hauptfigur im
gleichnamigen Roman Hartmanns von Aue.

Proseminar II: Iwein
WS 2005/2006

vorgelegt von:

Martina Jansen

5. Fachsemester
Deutsch / Biologie LA für Gymnasien und Gesamtschulen
dem Germanistischen Institut der RWTH Aachen
Lehrstuhl für Ältere Deutsche Literatur
Aachen, den 22.01.2007

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wahnsinn im Mittelalter
2.1 Psychische Krankheiten im Mittelalter
2.2 Die Krankheitstheorie der Hildegard von Bingen
2.3 Die Säftelehre des Bartholomäus Anglicus
2.4 Der Traktat de melancholia des Constantinus Africanus

3. Inhaltliche Darstellung des Wahnsinns Iweins im Roman Hartmanns von Aue
3.1 Was geschieht, bevor Iwein wahnsinnig wird
3.2 Ausbruch und Heilung des Wahnsinns
3.3 Der weitere Verlauf der Handlung nach der Heilung

4. Die Ursachen für Iweins Wahnsinn

5. Die Symptomatik der Krankheit
5.1 Genaue Darstellung des Wahnsinns und Gründe dafür
5.2 Inwiefern übernimmt Hartmann bekannte Krankheitsbilder

6. Die Heilung Iweins

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

 

 

1. Einleitung

Hartmann von Aue, einer der bedeutendsten mittelhochdeutschen Epiker, lebte in etwa von der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis Anfang des 13. Jahrhunderts. Um 1200 verfasste er seinen zweiten Artusroman mit dem Titel Iwein. Der Roman besteht aus 8166 Versen im Paarreim und ist zeitlich, soweit nachvollziehbar, etwa nach Hartmanns Artusroman Erec und dem Gregorius entstanden. Der Arme Heinrich könnte parallel zum Iwein entstanden sein, aber auch kurz früher oder später. Grundlage für den Roman bot die Vorlage Yvain ou Le Chevalier au lion von Chrétien de Troyes (um 1180), an die Hartmann sich ziemlich genau hielt. In seiner Adaptation erhielt er die Materia, somit also den eigentlichen Gegenstand der Erzählung, und übertrug sie frei aus dem Altfranzösischen, indem er ihre Form durch Kürzung und Erweiterung änderte. Im Allgemeinen spricht man hier von Ebnung und Glättung des Textes.

Der Held in Hartmanns Erzählung ist Iwein, wie Erec einer der zwölf Ritter der Tafelrunde am Hofe König Artus′, der die typischen Merkmale eines Artusritters trägt. Durch aventuiren verschafft er sich Ruhm und Ehre und eine schöne, edelmütige Frau, die er liebt. Durch ein Fristversäumnis verliert er aber Frau und Ehre, wird wahnsinnig und kann am Ende doch geheilt werden und seine Ehre wiedererlangen, ja sogar seine Frau wiedergewinnen. Ein zentraler und hochinteressanter Aspekt ist hierbei die Episode von Iweins Wahnsinn, denn seine Verfehlung und seine daraus folgende Krankheit bilden das Zentrum der Erzählung. Nach einem tiefen Fall muss der Titelheld sich buchstäblich wieder hochkämpfen. Viele Fragen stellen sich dem Leser hierbei: Warum wird Iwein wahnsinnig? Wie äußert sich sein Wahnsinn und was sind Hartmanns Grundlagen für seine Beschreibung? Wie wird Iwein geheilt? Und welche Stellung hat diese Episode im gesamten Roman?

Im Folgenden soll der Wahnsinn Iweins untersucht werden, indem nach Ursache, Verlauf und Auswirkungen gefragt wird. Unter Betrachtung der allgemeinen Krankheitslehren und Heilmethoden des Mittelalters soll erarbeitet werden, was Hartmann mit der Beschreibung des Wahnsinns ausdrücken wollte und welche Bedeutung sie für das gesamte Werk hat. Es wird also zunächst der Wahnsinn im Mittelalter mit seinen medizinischen Hintergründen besprochen, woraufhin näher auf das Werk und die Arbeit Hartmanns eingegangen werden soll.

2. Wahnsinn im Mittelalter

Bevor der Text Hartmanns genauer durchleuchtet wird, soll zunächst betrachtet werden, wie groß das Wissen über Krankheiten im Mittelalter im Allgemeinen war und welche Lehren insbesondere für Geisteskrankheiten galten. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Wahnsinn Iweins als Erkrankung angesehen wird, die Bezeichnung des ‚Wahnsinns’ also als Krankheitsbezeichnung gilt. Dieser Begriff soll zunächst geklärt werden. Auf die genaue Erkrankung Iweins soll allerdings erst im nächsten Teil der Hausarbeit eingegangen werden, während hier zunächst die Krankheitslehre des Mittelalters im Allgemeinen besprochen wird. Natürlich besteht keine Frage, dass die Krankheitslehren des Mittelalters kaum mit dem heutigen Wissensstand zu vergleichen sind, aber es ist nachgewiesen, dass die Menschen über ein bestimmtes medizinisches Wissen verfügten, das sie aus Lektüre oder eigener Erfahrung erlangten. Die Mediziner der damaligen Zeit waren zwar teilweise auf dem richtigen Weg, verstanden aber zahlreiche Phänomene ganz anders, als wir es heutzutage tun. Es ist deshalb unerlässlich, das medizinische Verständnis und die Behandlungsmethoden des Mittelalters genauer zu betrachten, um über Hartmanns Beschreibung der Krankheit seines Titelhelden urteilen zu können.

2.1 Wahnsinn und psychische Krankheiten im Mittelalter

Iwein, der Artusritter, wird in Hartmanns Roman wahnsinnig. Doch was war Wahnsinn an sich im Mittelalter überhaupt? Was kann es genau bedeuten, wenn Hartmann erzählt „[…] der lief nû harte balde / ein tôre in dem walde“1 oder dass Iwein „ein zorn unde ein tobesuht“2 ins Gehirn fuhren?

Allgemein kann zunächst einmal festgehalten werden, dass das Wissen über Krankheiten im Mittelalter durch arabische und griechische Einflüsse geprägt wurde. Das Wissen der arabischen Ärzte stammte aus alten griechischen Überlieferungen (zum Beispiel des griechischen Arztes und Anatoms Galen, 130-200 n. Chr.). 

[....]


1 Vgl. Hartmann von Aue: Iwein. V. 3259f.

2 Vgl. Hartmann von Aue: Iwein. V. 3233

 


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