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Eine Untersuchung zu ausgewählten Phraseologismen in der Fußball-Berichterstattung der Frankfurter Rundschau

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1996, 47 Pages
Author: Dr. Klaus Geyer
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1996
Pages: 47
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V7147
ISBN (E-book): 978-3-638-14493-3

File size: 319 KB
Notes :
Die Arbeit ist eine korpusbasierte Untersuchung so genannter somatischer Phraseologismen, also von idiomatischen Ausdrücken, die eine Körperteilbezeichnung enthalten (z.B. mit dem KOPF durch die Wand wollen oder eine HAND wäscht die andere ). Das Textkorpus ist sehr unterhaltsam, handelt es sich doch um die komplette Fußball-Berichterstattung zur Europameisterschaft 1996 in der Frankfurter Rundschau . Anhand des Materials kann gezeigt werden, wie allgemein-, umgangs- und fachsprachliche Muster interagieren und welchen reportsprachlichen Besonderheiten und Jargonismen auftreten. Denn wie Eugen Roth schon sagte: Sprachforscher, geh auch auf den Sportplatz - Und freudig wirst sehen du, dort hats - Beim Fußballspiel - Der Sprüche viel - Um die zu bereichern den Wortschatz! 237 KB



Excerpt (computer-generated)

Eine Untersuchung zu ausgewählten Phraseologismen
in der Fußball-Berichterstattung der Frankfurter Rundschau

von Klaus Geyer


"Als Hort der Blasphemien und Sprachschnitzer,
der schiefen Bilder und militärischer Ausdrücke verschrien,
gilt das Vokabular der Sportberichte bis heute
als schlechtes Beispiel für alle,
die es mit dem gesprochenen Wort ernst meinen."

(o.V. in: Der Sprachdienst, 1985, H. 1/2, S. 27)

"Sprachforscher, geh auch auf den Sportplatz
Und freudig wirst sehen du, dort hats
Beim Fußballspiel
Der Sprüche viel
Um die zu bereichern den Wortschatz!"

(Eugen Roth, zit. nach Schaefer 1989)

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Textcorpus

2.1 Die Textgrundlage
2.2 Charakterisierung der "Frankfurter Rundschau"
2.3 Inhaltliche Auswahl der Corpustexte
2.4 Texttypen und Charakterisierung der Berichterstattung

3 Das Verhältnis von Sportsprache und Reportsprache

4 Die Reportsprache des Fußballs als Sondersprache

4.1 Fachsprachliche Einflüsse
4.2 Einflüsse des Fachjargons
4.3 Allgemein pressesprachliche Besonderheiten
4.4 Spezifisch reportsprachliche Besonderheiten

5 Die untersuchten Phraseologismen

5.1 Auswahl der Phraseologismen
5.2 Vorgehensweise bei der Analyse
5.3 Allgemeinsprachliche Phraseologismen
5.4 Umgangssprachliche Phraseologismen
5.5 Fachsprachliche Phraseologismen
5.6 Fachjargon-Phraseologismen
5.7 Modifizierte allgemeinsprachliche Phraseologismen
5.8 Spezifisch reportsprachliche Phraseologismen
5.9 Zweifels- und Grenzfälle
5.10 Freie Kombinationen

6 Ergebnisse

6.1 Phraseologismen in der Fußball-Reportsprache34
6.2 Überlegungen zu Phraseologismen in sondersprachlichen Varietäten

7 Literatur

8 Anhang: ausgewertete Texte


1 Einleitung

Diese Arbeit ist eine Untersuchung zur Verwendung von bestimmten somatischen Phraseologismen in Texten der Sportberichterstattung im Fußball. Meine Vorgehensweise war vorwiegend induktiv: zuerst habe ich die Corpustexte nach Wendungen durchsucht, die erstens ein bestimmtes Auswahlkriterium erfüllten (nämlich: somatischer Phraseologismus, der Bein oder Fuß enthält) und die zweitens mir aufgrund meiner Intuition und einer gewissen Erfahrung im Lesen von Fußballberichterstattung als nicht frei kombiniert erschienen. Dadurch erhielt ich ca. 20 Wendungen. Detaillierte Analysen dieser Textbelege sollten dann Hinweise geben sowohl auf Besonderheiten der Verwendung als auch auf Besonderheiten des Systems der Phraseologie innerhalb der speziellen sprachlichen Varietät. Eine wichtige Idee dabei war auch, aus den Hinweisen Fragestellungen entwickeln zu können für die Phraseologie anderer Sondersprachen, die in der Art der Abweichung von der Allgemeinsprache (und nicht etwa im thematischen Bereich) genügend große Gemeinsamkeiten mit der Sprache der Fußball-Berichterstattung aufweisen.
Nach einer kurzen Beschreibung des Textcorpus´ in Abschnitt 2 wird in Abschnitt 3 das Verhältnis der Sprache in Texten wie den von mir untersuchten, der sog. Fußball-Reportsprache, zur "Sprache des Sports" verdeutlicht. In Abschnitt 4 wird die Fußball-Reportsprache genauer analysiert in Hinblick auf ihre Charakteristika. Anhand dieser Charakteristika sollen dann in Abschnitt 5 die ausgewählten Phraseologismen diskutiert werden, wobei der Schwerpunkt auf Wendungen liegt, die von allgemeinsprachlichen Phraseologismen abweichen, die also in irgendeiner Weise typisch für die von mir untersuchte Sprachvarietät sind. Ergebnisse für die Phraseologie der Fußball-Berichterstattung und Überlegungen zu deren Anwendbarkeit auf andere Sprachvarietäten wie oben angedeutet folgen in Abschnitt 6.

2 Das Textcorpus

2.1 Die Textgrundlage

Als Textgrundlage dient die Berichterstattung im Sportteil der Deutschlandausgabe der "Frankfurter Rundschau" während der gesamten Zeit der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England. Das erste Spiel fand am Samstag, den 08. Juni statt, das letzte am Sonntag, den 30. Juni. Wegen der zeitlichen Verzögerung der Berichterstattung datiert die erste von mir ausgewertete Zeitung vom Montag, den 10. Juni ´96, die letzte vom Dienstag, den 2. Juli ´96. Damit wird die Berichterstattung über alle Spiele des Turniers abgedeckt.

2.2 Charakterisierung der "Frankfurter Rundschau"

Die "Frankfurter Rundschau" (FR) dürfte nach TEWES´ Einteilung zu den überregionalen Abonnementszeitungen zählen; sie berichtet auch ausführlich über die Stadt Frankfurt und das Land Hessen. Sie ist unabhängig und überparteilich und steht politisch im Spektrum der deutschen Tageszeitungen klar links von der Mitte. Das allgemeine Redaktionsprofil zeichnet sich dadurch aus, daß die FR "Meinung bilden, öffentliche Gewalt und private Mächte kontrollieren und das Gemeinwesen moderner, freiheitlicher und sozialer gestalten." will.
Für die Sportberichterstattung der Zeitung stellt BECKER fest: "Ohne den Anspruch auf absolute Objektivität und kritisch soll die Sportberichterstattung gerade Bericht und Kommentar verschmelzen, da zum Zeitpunkt der Zeitungslektüre der Ablauf der Sportereignisse bereits über Radio und Fernsehen bekannt ist. Sportberichte werden dann als gut eingestuft, wenn sie die Meinung des Lesers treffen, der in den Augen der Sportredaktion als hellwach und besonders fachkundig gilt."

2.3 Inhaltliche Auswahl der Corpustexte

Bei der inhaltlichen Auswahl der Texte habe ich mich auf solche Artikel beschränkt, die das Spielgeschehen auf dem Fußballfeld, die Vorbereitung auf ein Spiel oder die beim Fußballspiel aktiven Personen, d.h. Spieler, Trainer und Schiedsrichter zum Thema haben; diese Artikel machen den größten Teil der Berichterstattung aus. Nicht berücksichtigt habe ich diejenigen Beiträge, die das Publikum der Spiele, Hooligans, Krawalle und polizeiliche Maßnahmen, organisatorische Aspekte der Veranstaltungen o.ä. thematisieren oder die Berichterstattung in anderen, z.B. ausländischen Medien oder im Fernsehen, reflektieren. Ebenfalls unberücksichtigt blieben Tabellen und die äußerst schematisierten, sehr kurzen Informationstexte, die lediglich die Namen der Spieler in der Mannschaftsaufstellung, den Schiedsrichter und ggf. die Torschützen und die Zuschauerzahl aufzählen. Eine Übersicht über die ausgewerteten Texte findet sich im Anhang.

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