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Die Inszenierung von Ethnizität in der Science Fiction am Beispiel Star Trek

Termpaper, 2002, 32 Pages
Author: M.A. Marion Näser
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Event: Inszenierung von Ethnizität in der populären Massenkultur
Institution/College: University of Marburg (Institut für europäische Ethnologie und Kulturforschung)
Tags: Star Trek
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 32
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V7151
ISBN (E-book): 978-3-638-14495-7
ISBN (Book): 978-3-638-63978-1
File size: 409 KB

Abstract

Der in populären Science-Fiction-Filmen und -Serien vorherrschende Umgang mit der Thematik des Fremden ist eher eindimensional und xenophobisch (Alien, Independance Day, Species, Predator, AkteX) oder die Aliens verniedlichend (E.T., Starwars, Alf). Ausnahmen bilden Serien wie Babylon 5 oder das auf 5 Serien, 9 Filme und etliche Bücher angewachsene Star Trek-Universum, das sich gemäß dem eigenen Anspruch und dem Lob zahlreicher Kritiker durch eine differenziertere Darstellung auszeichnet. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Vielfalt und Komplexität der Inszenierung von Ethnizität bei Star Trek kritisch zu hinterfragen. Zudem werden die damit verbundenen Funktionen der Darstellung der verschiedenen Ethnien respektive Spezies (u.a. Darstellung des Eigenen durch das Fremde, Diskussion ethischer Probleme durch den Umgang mit fremden Kulturen) untersucht. Die Frage, ob der mit der Instrumentalisierung von Ethnizität verbundene humanistisch-pädagogische Anspruch von Star Trek immer durchgehalten wird, schließt die Untersuchung ab. Die Analyse zeigt, dass trotz des Plädoyers für Verständnis und Mulitkulturalismus oft Angst vor dem Fremden induziert wird. Kulturelle Unterschiede werden teilweise durch kulturelle Assimilation aufgehoben, die fremde Kultur dadurch implizit diskriminiert. Auch sind ein gewisser Anthropozentrismus bei der Zusammensetzung der Crews und kulturimperialistische Tendenzen (Föderation als Vorbild für andere Zivilisationen) zu beobachten. Hinzu kommt ein latenter westlicher, weiß geprägter Ethnozentrismus in der Inszenierung der eigenen und fremder Spezies (westliche, speziell angloamerikanische Dominierung der Föderationskultur, Favorisierung weißer Hautfarbe). Fazit: Trotz der idealistischen Intention Star Treks existiert unterschwellig eine konservative, anthropozentrische Attitüde. Die progressive, humanistische Haltung, die Star Trek kommunizieren will, steht zuweilen im Widerspruch zum übermittelten Subtext.


Excerpt (computer-generated)

Die Inszenierung von Ethnizität in der Science Fiction am Beispiel Star Trek

von Marion Näser


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Intention der vorliegenden Arbeit
1.2 Inhaltlicher Umriß der untersuchten Star Trek-Produkte

2. Inszenierung von Ethnizität

2.1 Eigene Crew bzw. Menschen
2.2 Die Ethnizität des Fremden
2.3 Klischeehaftigkeit vs. Differenziertheit der Darstellung

3. Funktionen von Ethnizität

3.1 Blick auf Eigenes durch Fremdes

3.2 Diskussion ethischer Probleme im Umgang mit fremden Kulturen
1. Kommunikation
2. Das "Ethnologen-Problem"
3. Das Interventionsproblem
4. Die Frage nach den Kriterien zur Anerkennung von Rechten anderer Spezies

3.3 Ethisch-humanistischer Anspruch
3.4 Demut vs. Affirmation der eigenen Spezies

4. Abschließende Diskussion und Kritik

Literaturverzeichnis
Anhang
Übersicht der ethnischen Zusammensetzung
der Crews Glossar Karte der Galaxis


1. Einleitung

1.1 Intention der vorliegenden Arbeit

Der in populären Science-Fiction-Filmen und -Serien vorherrschende Umgang mit der Thematik des Fremden ist eher eindimensional und xenophobisch (Alien, Independance Day, Species, Predator, AkteX) oder die Aliens verniedlichend (E.T., Starwars, Alf).
Ausnahmen bilden Serien wie Babylon 5 oder das auf 5 Serien, 9 Filme und etliche Bücher angewachsene Star Trek-Universum, das sich gemäß dem eigenen Anspruch und dem Lob zahlreicher Kritiker durch eine differenziertere, vielleicht sogar die variationsreichste und ausgedehnteste Darstellung auszeichnet. Star Trek stellt eine Vielzahl unterschiedlicher Alien-Kulturen statt einzelner Monster vor und bietet sich daher als Analysegegenstand für die Inszenierung von Ethnizität in der Science Fiction an.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es u.a. sein, die Vielfalt und Komplexität der Inszenierung von Ethnizität bei Star Trek kritisch zu hinterfragen. Zudem werde ich die damit verbundenen Funktionen der Darstellung der verschiedenen Ethnien respektive Spezies untersuchen. Die Frage, ob der mit der Instrumentalisierung von Ethnizität verbundene humanistisch-pädagogische Anspruch von Star Trek immer durchgehalten wird, soll die Analyse abschließen.

1.2 Inhaltlicher Umriß der untersuchten Star Trek-Produkte

Star Trek spielt fast ausschließlich in unserer Galaxie, im 23. bzw. 24. Jh. Die erste Serie (The Original Series, im Folgenden abgekürzt TOS, 1966-69) schildert die Reisen des Raumschiffs Enterprise, das vielen Spezies begegnet. Mit The Next Generation (TNG, 1987-94) ging eine neue Enterprise auf die Reise. Deep Space Nine (DS9, 1993-99) thematisiert das Zusammenleben verschiedener Kulturen auf einer Raumstation, wobei ebenso wie bei der Odyssee des Raumschiffes Voyager (Voy, 1995-2001) durch den Delta-Quadranten z.T. andere bzw. neue Spezies im Mittelpunkt stehen. Von den 9 im Laufe der Zeit entstandenen Filmen sind 6 TOS zuzuordnen und 3 TNG. Schwerpunkt meiner Arbeit werden TNG und DS9 sein. Ich beschränke mich auf eine exemplarische Darstellung der Inszenierungen und Funktionen der Ethnien bzw. Spezies, da es bei den bisher allein über 100 Spezies im Star Trek-Universum nicht möglich ist, auf alle einzugehen.

2. Inszenierung von Ethnizität

2.1 Eigene Crew bzw. Menschen

Obgleich v.a. sie die Hauptpersonen der Serien bzw. Filme darstellen, erfährt man über die Crews jedoch überraschend wenig. 8-12 Personen (die Captains und ihre Offiziere, bei DS9 auch andere) bilden jeweils die "Kernbesatzung", die in jeder Folge zu sehen ist; die übrigen zahlreichen Mannschaftsmitglieder bzw. Bewohner sieht man nur als Statisten, bei Massenszenen (Evakuierung des Schiffes) usw.
Mit Ausnahme der Captains, denen ein elaborierteres Eigenschaftsset zugeordnet wird, sind die Charaktere und auch die Ethnizität der menschlichen Crewmitglieder relativ farblos. Fast überhaupt keine (Verhaltens-) Komponenten weisen auf Herkunftsländer oder Kulturkreise hin. Bis auf Namen und wenige stereotyp wirkende Grundeigenschaften (Persönlichkeit, Hobbies) bleiben die Charaktere mehr oder weniger unbestimmt (der Franzose Picard ist klischeegemäß gebildet, interessiert sich für Literatur u.ä., seine Familie besitzt ein Weingut; Will Riker ist der Don Juan des Schiffes, spielt gerne Saxophon und kann gut verhandeln usw.). Auch das Freundschafts- und Beziehungsgeflecht bleibt einfach. Die Charaktere entwickeln sich nicht wesentlich. Größere Unterschiede bestehen nur zwischen Crewmitgliedern verschiedener Spezies, aber auch dann bleibt es z.T. bei Stereotypen (s.u.). Die Uniformität der Crewmitglieder wird neben der Kleidung (Sternenflotten-Uniformen) noch dadurch verstärkt, daß gemäß den zumindest in TOS und TNG ideal vorgestellten Zuständen in der Föderation alle diszipliniert, pflichtbewußt, sauber und ordentlich sind. Das Aussehen spiegelt eine gewisse angepaßte Haltung wider: So gibt es z.B. keinen Mann mit langen Haaren (Ausnahme aus ethnischen Gründen: der Klingone Worf, s.u.) oder legerer Kleidung. Dem entspricht die Sprachebene (was auch für die übrigen Spezies zutrifft).

[...]


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