Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Rainald Goetz - ‚Rasierklingenschnitt’ bei den Klagenfurter Literaturtagen: meh... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Rainald Goetz - ‚Rasierklingenschnitt’ bei den Klagenfurter Literaturtagen: mehr als eine kalkulierte Publicity-Aktion?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 14 Pages
Author: Katharina Maas
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: HS: Tabu – Literarischer Umgang mit einem gesellschaftlichen Phänomen
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Tags: Rainald, Goetz, Klagenfurter, Literaturtagen, Publicity-Aktion, Tabu, Literarischer, Umgang, Phänomen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 14
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V71510
ISBN (E-book): 978-3-638-78103-9
ISBN (Book): 978-3-638-78299-9
File size: 169 KB

Abstract

„Ich schneide ein Loch in meinen Kopf, in die Stirne schneide ich das Loch. Mit meinem Blut soll mir mein Hirn auslaufen.“ Während der bis dato wenig bekannte Autor Rainald Goetz diese Sätze aus seinem Beitrag zum Ingeborg-Bachmann-Preis vorlas, schnitt er sich mit einer Rasierklinge in die Stirn und las den Rest des Textes mit blutender Wunde zu Ende. Goetz beschrieb nicht nur eine selbstverletzende Handlung in seinem Wettbewerbsbeitrag, er demonstrierte sie an sich selbst. Machte den Text damit zur Wirklichkeit. Dieser spektakuläre Auftritt bei den Klagenfurter Literaturtagen im Juni 1983 brachte nicht nur die Gemüter der Jury und des Publikums in Wallung, sondern bescherte Goetz, auch ohne Auszeichnung für seine literarische Leistung, Erwähnung in allen bedeutenden deutschsprachigen Feuilletons. Der Aufritt machte ihn quasi über Nacht populär und teilte das Lager der Rezipienten in zwei Lager. „Da wurde das Werbetalent des Autors gelobt oder getadelt, das vitalistische Element der Lesung gefeiert oder bekämpft, da wurde ein literarischer Märtyrer ebenso entdeckt wie ein literarischer Brandstifter.“ In der vorliegenden Arbeit wird untersucht , ob und inwieweit Rainald Goetz Auftritt in Klagenfurt mehr war als eine bloße Provokation und der Versuch, sich auf radikale Art in der deutschsprachigen Literaturszene einen Namen zu machen. Hierbei werde ich zunächst die Reaktionen darstellen, die auf den „Rasierklingenschnitt“ folgten und im Folgenden der Frage des Seminars nach dem literarischen Tabu(bruch) nachgehen und erörtern, warum Goetz Aktion im Sinne einer geplanten Tabuüberschreitung (wenn dies denn der Anspruch des Autors gewesen sei) nicht funktioniert hat. In dem zweiten Teil meiner Arbeit gehe ich anhand literaturwissenschaftlicher Analysen näher auf Goetz‘ mögliche Motivik ein. Dabei werde ich mich schwerpunkmäßig mit seinem Verständnis von Literatur und seinem Anspruch auf Authentizität befassen. Denn erst mit Einbeziehung dieser Aspekte scheint eine Einordnung und ein besseres Verstehen der Aktion möglich.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
HS: Tabu – Literarischer Umgang mit
einem gesellschaftlichen Phänomen

Hausarbeit

Rainald Goetz ‚Rasierklingenschnitt’ bei den Klagenfurter Literaturtagen:
mehr als eine kalkulierte Publicity-Aktion?

von

Katharina Maas

 

 

Inhaltsverzeichnis  2

1 „Der Rasierklingenschnitt‘: Hat Goetz in Klagenfurt ein Tabu verletzt?  4
1.2. „Hilflos“ und „wirkungslos“: die Bewertung durch das Feuilleton  7

2 Der literarische Anspruch Rainald Goetz‘  8
2.2. Zitat und Simulation  10
2.3. Selbstverletzung als Mittel der „Simulationskritik“  11

Schlussbemerkung  13

Literaturliste  14

 

 

Einleitung

„Ich schneide ein Loch in meinen Kopf, in die Stirne schneide ich das Loch. Mit meinem Blut soll mir mein Hirn auslaufen.“1 Während der bis dato wenig bekannte Autor Rainald Goetz diese Sätze aus seinem Beitrag zum Ingeborg-Bachmann-Preis vorlas, schnitt er sich mit einer Rasierklinge in die Stirn und las den Rest des Textes mit blutender Wunde zu Ende. Goetz beschrieb nicht nur eine selbstverletzende Handlung in seinem Wettbewerbsbeitrag, er demonstrierte sie an sich selbst. Machte den Text damit zur Wirklichkeit. Dieser spektakuläre Auftritt bei den Klagenfurter Literaturtagen im Juni 1983 brachte nicht nur die Gemüter der Jury und des Publikums in Wallung, sondern bescherte Goetz, auch ohne Auszeichnung für seine literarische Leistung, Erwähnung in allen bedeutenden deutschsprachigen Feuilletons. Der Aufritt machte ihn quasi über Nacht populär und teilte das Lager der Rezipienten in zwei Lager. „Da wurde das Werbetalent des Autors gelobt oder getadelt, das vitalistische Element der Lesung gefeiert oder bekämpft, da wurde ein literarischer Märtyrer ebenso entdeckt wie ein literarischer Brandstifter.“2

Ich werde in der vorliegenden Arbeit, aufbauend auf mein Referat, untersuchen, ob und inwieweit Rainald Goetz Auftritt in Klagenfurt mehr war als eine bloße Provokation und der Versuch, sich auf radikale Art in der deutschsprachigen Literaturszene einen Namen zu machen. Hierbei werde ich zunächst die Reaktionen darstellen, die auf den „Rasierklingenschnitt“ folgten und im Folgenden der Frage des Seminars nach dem literarischen Tabu(bruch) nachgehen und erörtern, warum Goetz Aktion im Sinne einer geplanten Tabuüberschreitung (wenn dies denn der Anspruch des Autors gewesen sei) nicht funktioniert hat.

In dem zweiten Teil meiner Arbeit gehe ich anhand literaturwissenschaftlicher Analysen näher auf Goetz‘ mögliche Motivik ein. Dabei werde ich mich schwerpunkmäßig mit seinem Verständnis von Literatur und seinem Anspruch auf Authentizität befassen. Denn erst mit Einbeziehung dieser Aspekte scheint eine Einordnung und ein besseres Verstehen der Aktion möglich.

1 „Der Rasierklingenschnitt‘: Hat Goetz in Klagenfurt ein Tabu verletzt?

„Mehrere Damen verließen den Saal“ und „ein Zuschauer kippte um“, wie das Wochenmagazin „Stern“ berichtete.3 Das Jury-Mitglied Gert Ueding verweigerte eine Beurteilung des Vorgetragenen mit der Begründung, Goetz mythisiere Gewalt und Unmenschlichkeit, entziehe sich dem analysierenden Verstand und suche Zerschlagung um des Zerschlagens Willen.4 Diese Reaktionen zeigen, dass der Autor offensichtlich die persönlichen Grenzen einiger Zuschauer überschritten hat. Doch sie bildeten die Ausnahme. Der größere Teil des Publikums applaudierte zunächst spontan und auch die Jury blieb, abgesehen von der oben erwähnten Verweigerung Gert Uedings, beim gewohnten Procedere und gab ihre Bewertungen ab, bevor Goetz sich seine Wunde ärztlich versorgen lies.5 Das Programm selbst wurde bis auf eine kurze Pause nicht weiter unterbrochen.

Die Bewertungen der Jury sind insofern interessant, dass sie sehr unaufgeregt und rational reagierte und sehr genau trennte zwischen dem vorgetragenen Text, dessen literarische Qualität anerkannt wurde, und der provokanten Handlung Goetz‘, die allgemein abgelehnt wurde.

[....]


1 Goetz, Rainald: Subito. In: Klagenfurter Texte zum Ingeborg-Bachmann-Preis 1983. Hrg. v. H.Fink u.a. München, 1983. S. 75.

2 Kühn, Rainer: Bürgerliche Kunst und antipolitische Politik. Der „Subjektkultkarrierist“ Rainald Goetz. In: Neue Generation – Neues Erzählen. Deutsche Prosa-Literatur der Achtziger Jahre. Hrg. v. Walter Delabar u.a. Opladen, 1993. S. 25f

3 „Stern“, 30. Juni 1983.

4 vgl. „Neue Züricher Zeitung“, 30. Juni 1983.

5 Die Jury entsprach damit Goetz ausdrücklicher Forderung. Der Autor lehnte eine sofortige Behandlung seiner Wunde ab und forderte die Besprechung seines Textes ein. Erst danach ließ er sich medizinisch versorgen.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/71510/rainald-goetz-rasierklingenschnitt-bei-den-klagenfurter-literaturtagen
please wait Please wait