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Frisiert oder unfrisiert? Zum literarischen Verfahren Sarah Kirschs unter besonderer Berücksichtigung von „Die Pantherfrau“ und „Zwillinge“

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 23 Pages
Author: Katharina Maas
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1999
Pages: 23
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V71515
ISBN (E-book): 978-3-638-78327-9
ISBN (Book): 978-3-638-79406-0
File size: 215 KB

Abstract

Sarah Kirsch hat mit ihrem Buch „Die Pantherfrau - fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassetten-Recorder“ fünf unterschiedliche Lebensläufe von Frauen aus der DDR dargestellt. Das Werk unterscheidet sich deutlich von Sarah Kirschs bisherigen Veröffentlichungen, die man zu der zeitgenössischen deutschen Lyrik zählt. „Die Pantherfrau“ ist das Ergebnis, mit dem Kassetten-Recorder in der Hand, Literatur zu schaffen, das bahnbrechend für die damalige Zeit in der DDR war. Darum ist der Arbeit Kirschs eine besondere Bedeutung beizumessen, denn es ist das erste Werk, dass sich innerhalb der DDR der Tonbandrecherche und –auswertung bedient, die in westlichen Ländern seit Ende der fünfziger Jahre gebräuchlich war. Sarah Kirsch hat diese Methode verwandt, um die privaten und sozialen Lebensformen der Frauen ohne wertende Momente darzustellen. Es tauchen jedoch Widersprüche auf, die Rückschlüsse auf Eingriffe bzw. Veränderungen Sarah Kirschs zulassen. Ob der Roman nun „frisiert“ oder „unfrisiert“, also im Sinne von authentisch und somit an journalistischen Maßstäben zu messen ist, bleibt nachstehend zu analysieren. Ich werde in den folgenden Kapiteln unter Berücksichtigung der Entstehung und der damaligen DDR-Rezeption versuchen, Sarah Kirschs Verfahren zu erläutern. Dabei kommt es uns insbesondere darauf an, zu fragen, ob die „Die Pantherfrau“ eher nach literarischen oder journalistischen Aspekten zu betrachten ist, und ob das Buch dem von Sarah Kirsch im Titel verwendeten Anspruchs des „unfrisierten“ gerecht wird.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
HS: Protokolle und Porträts

Hausarbeit

Frisiert oder unfrisiert?
Zum literarischen Verfahren Sarah Kirschs unter
besonderer Berücksichtigung von
„Die Pantherfrau“ und „Zwillinge“

von

Katharina Maas

 

 

Inhaltsverzeichnis  2

1 Einleitung  3

2 Entstehung der „Pantherfrau“  4

3 Methodik  4

4 „Die Pantherfrau“: Frisiert oder unfrisiert?  8
4.1 Die Rolle der Autorin  9
4.2 Die Überschriften  9

5 Die Texte  11
„Die Pantherfrau“  11

6 „Zwillinge“  14
6.1 Die Zitatsammlungen  16

7 „Die Pantherfrau“: In der Tradition des Erzählens?  17

8 Die Rezeption der „Pantherfrau“ in der DDR-Presse  

9 Schlussbemerkung  21

10 Literaturangaben  23

 

 

1 Einleitung

Sarah Kirsch hat mit ihrem Buch „Die Pantherfrau - fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassetten-Recorder“ fünf unterschiedliche Lebensläufe von Frauen aus der DDR dargestellt. Das Werk unterscheidet sich deutlich von Sarah Kirschs bisherigen Veröffentlichungen, die man zu der zeitgenössischen deutschen Lyrik zählt. „Die Pantherfrau“ ist das Ergebnis, mit dem Kassetten-Recorder in der Hand, Literatur zu schaffen, das bahnbrechend für die damalige Zeit in der DDR war. Darum ist der Arbeit Kirschs eine besondere Bedeutung beizumessen, denn es ist das erste Werk, dass sich innerhalb der DDR der Tonbandrecherche und -auswertung bedient, die in westlichen Ländern seit Ende der fünfziger Jahre gebräuchlich war.1 Sarah Kirsch hat diese Methode verwandt, um die privaten und sozialen Lebensformen der Frauen ohne wertende Momente darzustellen. Es tauchen jedoch Widersprüche auf, die Rückschlüsse auf Eingriffe bzw. Veränderungen Sarah Kirschs zulassen.

Ob der Roman nun „frisiert“ oder „unfrisiert“, also im Sinne von authentisch und somit an journalistischen Maßstäben zu messen ist, bleibt nachstehend zu analysieren. Ich werde in den folgenden Kapiteln unter Berücksichtigung der Entstehung und der damaligen DDR-Rezeption versuchen, Sarah Kirschs Verfahren zu erläutern. Dabei kommt es uns insbesondere darauf an, zu fragen, ob die „Die Pantherfrau“ eher nach literarischen oder journalistischen Aspekten zu betrachten ist, und ob das Buch dem von Sarah Kirsch im Titel verwendeten Anspruchs des „unfrisierten“ gerecht wird.

2 Entstehung der „Pantherfrau“ 

„Die Pantherfrau“ war eine Auftragsarbeit, entstanden auf Anregung des Aufbau Verlages Berlin. Entgegen der Angabe im Impressum (1973 im Aufbau Verlag, Berlin und Weimar) erschien sie jedoch erst im Frühsommer 1974 und war nach wenigen Tagen vergriffen. Bereits im Herbst desselben Jahres kam die zweite Auflage heraus. 1975 erschien „Die Pantherfrau“ in einer westdeutschen Lizenzausgabe. Das Buch fand aber im Westen keine große Resonanz. Diese fand es erst, als das Buch im Jahre 1978 in einen anderen Kontext gestellt wurde: Die Rowohlt Reihe „neue frau“ legte erzählende Texte aus der Literatur anderer Länder vor, deren Thema die konkrete und emotionale Erfahrung von Frauen und ihre Suche nach einem selbstbestimmten Leben ist“, wie es in Vorspann jedes Bands heißt. Damit hatte der Feminismus Sarah Kirsch entdeckt. In einer EMMA- Reportage über „Unsere roten Schwestern“ in der DDR wurde auch „Die Pantherfrau“ mit einbezogen. Das Taschenbuch wurde zu einem heimlichen Bestseller.

3 Methodik 

Die Methode Sarah Kirschs, mit Tonbandaufzeichnungen „Literatur“ zu schaffen, war in der DDR etwas völlig Neues. In Westdeutschland gab es mit Erika Runges „Bottroper Protokollen“ (1968) und „Frauen. Versuche zur Emanzipation“ (1969) schon Veröffentlichungen dieser Art. Sarah Kirsch kannte Runges Arbeit, was sich zum einen dadurch zeigt, dass sie in ihrem Nachwort eine Aussage aus Runges Nachwort zu den „Frauen“-Protokollen beinah wortwörtlich übernommen hat2, zum anderem sagte sie während eines Gesprächs mit Westberliner Schülern 1977: 


„ Ich hatte das Buch von der Erika Runge gelesen, die „Bottroper Protokolle“, und ihre Art, wie sie das machte, fand ich sehr gut, und da es die Technik gibt – es gab auch in der DDR Kassettenrecorder – dachte ich, man muß das anwenden und muß damit arbeiten.“3

Nachfolgende Autoren, die sich dieser Methode bedienten, sahen den Reiz vor allem darin, von den interviewten Frauen, nicht nur Dinge zu erfahren, über die diese sprechen wollten, sondern auch das, was sie nicht sagen wollten. Was zwischen den Zeilen durchschien. In der Folgezeit wurde dieses Verfahren sehr einflussreich in der DDR.4

[....]


1 Vgl. Schröder, Hans Joachim: Zwei Klassikerinnen der Interviewliteratur: Sarah Kirsch und Maxie Wander. Bremen: Institut für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien 1996. S. 6.

2 In Nachwort zur „Pantherfrau“ heißt es: Die Umgangssprache ... läßt Assoziationen zu und gibt Unbewußtem Raum.“ Im Nachwort der „Frauen“-Protokolle schreibt Runge: „Die Bürokratisierung der Sprache wird durch die Umgangssprache gesprengt und korrigiert. Assoziationen bleiben möglich, sie lassen Strukturen des Unbewußten erkennen, die sonst wohl verschwiegen worden wären.“
Aus: Sarah Kirsch : Die Pantherfrau - Fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassetten-Recorder, Berlin und Weimar: Aufbau Verlag 1973. S. 133 – 134. Und: Runge, Erika: Frauen. Versuche zur Emanzipation. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag 1969. (neuste Aufl. 1996) S. 271.

3 Sarah Kirsch: Erklärung einiger Dinge (Dokumente und Bilder). Ebenhausen b. München: Langewiesche-Brandt 1978. S. 32.

4 Beispielsweise für Maxie Wanders 1977 erschienene Protokollsammlung „Guten Morgen, du Schöne.“


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