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Subtitle: Walter J. Ongs Werk „Oralität und Literalität” im Blickpunkt
Termpaper, 2006, 18 Pages
Author: Lydia Gaukler
Subject: Communications: Language
Details
Institution/College: University of Mannheim
Tags: Warum, Schreiben, Denken, Mediengeschichte
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-81214-6
ISBN (Book): 978-3-640-33064-5
File size: 111 KB
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Abstract
Vor etwa 17000 Jahren tauchten die Höhlenmalereien auf. In diesen ersten Bil-dern fixierten die Steinzeitmenschen Dinge, die sie bewegten: Gegenstände oder Lebewesen aus ihrer unmittelbaren Umgebung, aber auch Darstellungen des Übernatürlichen. Der erste Gebrauch von Schrift diente daher weniger der Do-kumentation oder der Erinnerung; vielmehr diente die er der Verbindung zwi-schen eigener Realität und anderen Welten. Zwischen den ersten auf Felswän-den aufgemalten Zeichnungen bis hin zu multimedialen Texten im 21. Jahrhun-dert hat sich die Schrift sowohl optisch als auch hinsichtlich ihrer Bedeutung und Funktion stark gewandelt. Der Frage nachzugehen, inwiefern Schrift auch im Zeitalter der digitalen Medien eine Rolle spielt, wird Inhalt folgender Arbeit sein. 1. Einleitung In seinem berühmten Werk „Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes.” stellt Walter J. Ong die These auf, das Schreiben konstruiere das Denken neu. Wie keine andere Technologie habe das Schreiben unser Be-wusstsein und unser Denken verändert, so Ongs Behauptung. Folgende Arbeit wird sich mit der Bedeutung der Schrift näher auseinanderset-zen und dabei versuchen zu erklären, ob und inwieweit das Schreiben unser Denken neu konstruiert. Die Arbeit wird sich weitestgehend chronologisch an Ongs Werk orientieren, jedoch auch einige neue Aspekte einbringen. So wird im achten Kapitel der Begriff des kulturellen Gedächtnisses eingeführt, anhand des-sen Ongs Thesen bestätigt werden sollen. Im neunten Kapitel sollen Ongs The-sen mit jenen von Eric A. havelock kontrastiert werden. Zentraler Kern der Ar-beit ist die Frage, ob und inwiefern das Schreiben unser Denken beeinflusst.
Excerpt (computer-generated)
Warum das Schreiben das Denken neu konstruiert.
Walter J. Ongs Werk „Oralität und Literalität” im Blickpunkt
Hausarbeit
vorgelegt am 18.05.2006
Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Universität Mannheim
von
Lydia Gaukler
4. Semester Diplom-Anglistik mit wirtschaftswissenschaftlicher Qualifikation
Mannheim, den 18. Mai 2006
Inhaltsverzeichnis I
1. Einleitung 1
2. Ongs „Oralität und Literalität“ 2
3. Platons Schriftkritik 2
4. Das Schreiben als Technologie 4
5. Was ist Schrift? 5
6. Die Geschichte der Schrift
7. Die Leistung der Schrift
8. Schrift und kulturelles Gedächtnis 9
9. Warum die Schrift das Denken neu konstruiert 11
10. Fazit 12
11. Ausblick 13
12. Literaturverzeichnis 15
Vor etwa 17000 Jahren tauchten die Höhlenmalereien auf. In diesen ersten Bildern fixierten die Steinzeitmenschen Dinge, die sie bewegten: Gegenstände oder Lebewesen aus ihrer unmittelbaren Umgebung, aber auch Darstellungen des Übernatürlichen. Der erste Gebrauch von Schrift diente daher weniger der Dokumentation oder der Erinnerung; vielmehr diente die er der Verbindung zwischen eigener Realität und anderen Welten.1 Zwischen den ersten auf Felswänden aufgemalten Zeichnungen bis hin zu multimedialen Texten im 21. Jahrhundert hat sich die Schrift sowohl optisch als auch hinsichtlich ihrer Bedeutung und Funktion stark gewandelt. Der Frage nachzugehen, inwiefern Schrift auch im Zeitalter der digitalen Medien eine Rolle spielt, wird Inhalt folgender Arbeit sein.
1. Einleitung
In seinem berühmten Werk „Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes.” stellt Walter J. Ong die These auf, das Schreiben konstruiere das Denken neu. Wie keine andere Technologie habe das Schreiben unser Bewusstsein und unser Denken verändert, so Ongs Behauptung.
Folgende Arbeit wird sich mit der Bedeutung der Schrift näher auseinandersetzen und dabei versuchen zu erklären, ob und inwieweit das Schreiben unser Denken neu konstruiert. Die Arbeit wird sich weitestgehend chronologisch an Ongs Werk orientieren, jedoch auch einige neue Aspekte einbringen. So wird im achten Kapitel der Begriff des kulturellen Gedächtnisses eingeführt, anhand dessen Ongs Thesen bestätigt werden sollen. Im neunten Kapitel sollen Ongs Thesen mit jenen von Eric A. havelock kontrastiert werden. Zentraler Kern der Arbeit ist die Frage, ob und inwiefern das Schreiben unser Denken beeinflusst.
2. Ongs „Oralität und Literalität“
Ongs zentrale These ist, daß die Erfindung der Schrift über die Funktion eines technischen Hilfsmittels weit hinausgeht. Vielmehr hat die Schrift die menschlichen Denkweisen grundlegend und nachhaltig umstrukturiert. Das Schreiben ermöglicht seiner Meinung nach einen autonomen Diskurs, das heißt einen Diskurs, der im Gegensatz zur mündlichen Sprache nicht befragt oder angefochten werden kann, da er autorunabhängig ist.2 Diese Distanz zwischen Inhalt und Autor bedingt, dass geschriebene oder gedruckte Texte grundsätzlich widerspenstig sind: Texte können nicht unmittelbar zur Verantwortung gezogen werden.
Die durch Schrift verursachte Distanz ist für Ong ein zentraler und - wie später zu zeigen sein wird - positiv besetzter Begriff. Während die Distanz heutzutage im Allgemeinen also als positiv auffasst, wurde sie in der Vergangenheit nicht immer so bewertet: Platon beispielsweise kritisierte eben diese Autorunabhängigkeit - neben anderen Kritikpunkten, die er im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gegen die Schrift vorbrachte.3 Zu diesem Zeitpunkt war die Schrift bereits einige hundert Jahre4 alt. Doch was genau kritisiert Platon an der Schrift?
3. Platons Schriftkritik
Erstens, so Platon, vermehrt Schrift nicht das Wissen des Menschen, sondern zerstört das Gedächtnis. So sagt bei Platon der ägyptische König Thamus zu Theuth, der ihm seine Erfindung der Schrift vorstellt: „[...] diese Kunst wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Gedächtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftstück von außen sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen. Also nicht ein Mittel zur Kräftigung, sondern zur Stützung des Gedächtnisses hast du gefunden.”5 Die Schrift dient demzufolge nur der Erinnerung an bereits erworbene Einsicht, ohne jedoch aus sich heraus zur persönlichen Einsicht führen zu können. Für wahre Einsicht ist allerdings keine Wissensanreicherung von außen (Schrift), sondern eine Selbstbesinnung von innen notwendig.
[....]
1 Kerlen (2003): S.31.
2 Vgl. Ong (1987): S.81.
3 Vgl. Hörisch (2004): S.91.
4 Vgl. Ong (1987): S.82.
5 Platon. In: Sloterdijk (1995): S.74.
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