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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 23 Pages
Author: M.A. Marion Näser
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: University of Marburg (Institut für alte Geschichte)
Tags: Religion Mysterienkulte Mithras
Year: 2000
Pages: 23
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-14497-1
ISBN (Book): 978-3-638-63980-4
File size: 211 KB
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Abstract
In der Zeit der Severer hatten Mysterienkulte eine sehr große Anhängerschaft. Die bekanntesten Mysterien waren die der Demeter, der Kybele, die Dionysosmysterien sowie der Isis- und der Mithraskult. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Beschäftigung mit dieser Zeit des religiösen Übergangs: Unter anderem werden die Einflüsse verschiedener Faktoren (u.a. die materielle Situation der damaligen Zeit, die kutlurellen Einflüsse der damaligen „Globalisierung der Antike“ und die Veränderung des Weltbildes durch die Philosophie) auf die große Beliebtheit der Mysterienkulte untersucht. Zudem wird auf die Beziehung zwischen den Mysterienkulten und dem Christentum eingegangen und erörtert, weshalb das Christentum schließlich die griechisch-römische Religion und die Mysterienkulte verdrängen konnte. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Mysterien gewissermaßen einen Kompromiss zwischen den Vielen aufgrund der genannten Einflussfaktoren zu naiv erscheinenden alten Kulten und der den Meisten wohl zu abstrakten, nüchternen Philosophie darstellten, indem sie sowohl philosophische Elemente verarbeiteten als auch durch beeindruckende Riten für intensive emotionale Erlebnisse sorgten. Die Philosophie vermochte es nicht, existentiellen Ängsten (z.B. vor dem Tod) oder Bedürfnissen (Sehnsucht nach dem Irrationalen, nach sinnlichen Erlebnissen) zu begegnen. Irrationale Gefühlsreligiosität löste das quasi zweckrationale „do ut des“ ab. Letztlich bewegte sich die geistesgeschichtliche Entwicklung auf das Christentum zu, das die monotheistischen Tendenzen der Spätantike und die Sehnsucht nach Erlösung befriedigen konnte.
Excerpt (computer-generated)
Mysterienkulte in der Zeit der Severer
von Marion Näser
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom griechisch-römischen Staatskult zu den Mysterien - Gründe ihres Aufstiegs
2.1 Die materielle Situation
2.2 Kulturelle Einflüsse
2.3 Veränderung des Weltbildes durch die Philosophie
2.4 Nachteile des Staatskultes und Alternativangebote der Mysterienreligionen
2.5 Emotionale Mechanismen von Kulten und ihre Attraktivität
2.6 Besondere Attraktivität des Mithraskultes
3. Von den Mysterienkulten zum Christentum
3.1 Parallelen zwischen Mysterienkulten und Christentum
3.2 Vorteile des Christentums gegenüber den Mysterienreligionen
Fazit
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
In der Zeit der Severer hatten Mysterienkulte eine sehr große Anhängerschaft, und auch das Christentum konnte immer mehr Menschen für sich gewinnen. Die bekanntesten Mysterien waren die der Demeter, der Kybele, die Dionysosmysterien sowie der Isis- und der Mithraskult.
Gegenstand dieser Arbeit soll die Beschäftigung mit dieser Zeit des religiösen Übergangs sein: Unter anderem sollen die Einflüsse verschiedener Faktoren auf die große Beliebtheit der Mysterienkulte untersucht werden.
Zudem soll auf die Beziehung zwischen den Mysterienkulten und dem Christentum eingegangen und erörtert werden, weshalb das Christentum schließlich die griechisch-römische Religion und die Mysterienkulte verdrängen konnte.
Die Bearbeitung dieses Themenkomplexes wird erschwert durch die Quellenlage: Durch die zahlreich vorhandenen archäologischen Zeugnisse (Weihreliefs und -inschriften, Kultgeschirr) läßt sich zwar auf Ausbreitung, Anhängerstruktur, Hierarchien und Opfer schließen, aber nur in sehr geringem Umfang auf die Kultlegenden und Rituale selbst.
Zudem gibt es nur wenige schriftliche Quellen, die lediglich indirekte Rückschlüsse auf die Inhalte der Mysterienkulte erlauben (Anspielungen in Theaterstücken, Plagiate von kultischen Büchern sowie Texte von Philosophen und Kirchenvätern, die die Mysterienkulte in der Regel negativ darstellen). Nur Mysten waren in die tieferen Geheimnisse des Kultes eingeweiht. Auch über das Urchristentum ist leider nur wenig bekannt.
Die vorhandenen Quellen verraten also nicht sehr viel über den Inhalt der angesprochenen religiösen Bewegungen; die Erlebniswelt des Gläubigen und die Gründe der Beliebtheit der Kulte sind nur schwer nachvollziehbar.
2. Vom griechisch-römischen Staatskult zu den Mysterien
- Gründe ihres Aufstiegs
Warum waren die Mysterienkulte so beliebt?
Im Folgenden sollen die Faktoren beschrieben werden, die m. E. das Aufblühen der Mysterienkulte und später den Sieg des Christentums begünstigt haben.
2.1 Die materielle Situation
Für das Lebensgefühl maßgeblich konstituierend ist neben den geistesgeschichtlichen Einflüssen die materielle, äußere Situation der Individuen. Der Zeitraum zwischen der Herrschaft des Kaisers Marc Aurel und des Konstantin ist von materieller und politischer Unsicherheit beherrscht: Befand sich das römische Reich vorher in einer Phase der Expansion und Eroberung, so wurde es jetzt von Barbareninvasionen heimgesucht und war nurmehr mit der Sicherung seiner weit ausgedehnten Grenzen beschäftigt. Zudem gab es immer wieder Bürgerkriege, die Kaiser wechselten z.T. rasch, und ihre Herrschaft entwickelte sich immer mehr vom noch an der Verschleierung einer monarchischen Alleinherrschaft orientierten Prinzipat zur Despotenherrschaft. Vielleicht entstand in einem solchen Klima Unsicherheit und ein Bedürfnis nach Erlösung und Ausbruch aus dem Alltag. In einem als negativ empfundenen Diesseits wird auch das Leben nach dem Tode wichtiger. Diese Bedürfnisse konnten die Mysterienkulte besser bedienen als die alte Staatsreligion, wie noch dargestellt werden wird.
[...]
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