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Das Bedürfnis der Massen nach Unterhaltung und Passion

Scholary Paper (Seminar), 1999, 17 Pages
Author: M.A. Marion Näser
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Event: PS Brot und Spiele
Institution/College: University of Marburg (Institut für alte Geschichte)
Tags: Gladiatorenspiele
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1999
Pages: 17
Grade: 1-
Language: German
Archive No.: V7154
ISBN (E-book): 978-3-638-14498-8

File size: 182 KB


Excerpt (computer-generated)

Das Bedürfnis der Massen nach Unterhaltung und Passion

von Marion Näser


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Interesse der Römer an den Spielen - ein kurzer Abriß

1.1 Der Circus und die Factiones
1.2 Das Theater
1.3 Die Gladiatorenspiele

2. Das Bedürfnis der Massen nach Unterhaltung und Passion - einige Erklärungsversuche

2.1 Psychologische Erklärungsansätze im Überblick
2.2 Die Schauspiele als Zelebrierung Roms
2.3 Die Deindividuationstheorie - ein massenpsychologischer Ansatz
2.4 Eskapismus und Sensation-seeking: Realitätsflucht und die Sucht nach Emotionen
2.5 Gewöhnung: Die Normalität der Grausamkeit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis


Einleitung

Beim Studium der antiken Quellen, die sich mit dem Interesse der Römer an den verschiedenen Arten von Schauspielen befassen, fällt auf, daß grausame Darbietungen wie Gladiatorenkämpfe an der Spitze der Beliebtheitsskala standen; an zweiter Stelle folgen die Circusspiele. Das Theater war nur geschätzt, wenn primitive Komödien gezeigt wurden, Athletenwettkämpfe nur, wenn Gewalt im Spiel war und Blut floß, wie beim Faust- oder Ringkampf. Die Römer wollten sich also nicht einfach nur vergnügen, sondern sich v.a. an grausamen Schauspielen delektieren. Wie sind diese Präferenzen zu erklären? Im Folgenden möchte ich zuerst kurz die Faszination der Römer für Wagenrennen, ihr Interesse an seichten Theaterstücken und die Begeisterung für die Gladiatorenspiele u.a. anhand verschiedener Quellen skizzieren; im zweiten Teil meiner Arbeit möchte ich grundlegende psychologische Erklärungsansätze für das Interesse der Römer für die Spiele insgesamt und speziell die Gladiatorenspiele darstellen.

1. Das Interesse der Römer an den Spielen - ein kurzer Abriß

1.1 Der Circus und die Factiones

Die Begeisterung der Römer für den Circus kommt in etwa der Beliebtheit der heutigen Bundesligaspiele gleich und übertrifft sie sogar, weil sie alle Teile der Bevölkerung erfaßt und auch einen wichtigeren Platz im Leben der Römer einnahm. Ammianus Marcellinus berichtet: "Lieblingsbeschäftigung aller ist es, sich von frühen morgen bis zum späten Abend der Sonne und dem Regen auszusetzen, um bis in alle Einzelheiten die Vorzüge und Fehler der Rennfahrer und Pferde zu mustern. Recht merkwürdig ist es, eine unzählige Menschenmenge zu sehen, wie sie mit größter Leidenschaft den Ausgang von Wagenrennen gespannt erwartet.[...] Der Circus Maximus ist ihnen Tempel und Wohnung, Versammlungsort und die ganze Hoffnung ihrer Wünsche.[...] Mit unterschiedlichen Wünschen hinsichtlich des Ausganges der Rennen bringen sehr viele die Nächte voller banger Unruhe zu, ohne ein Auge zuzumachen." Und Tertullian schreibt: "Schau dir nur das Volk an, wie es schon im Wahn zu diesem Schauspiel hinkommt [...]! [...] Und dann warten sie in ängstlicher Spannung auf das Startzeichen [...]! [...] Damit geht es los, das Wüten, der Wahnsinn, das Wüten, der Ärger, die Zweitracht und alles übrige [...]"

Woher rührt diese Begeisterung? Der eigentliche Zuschauermagnet bei den Wagenrennen war das Mitfiebern mit der eigenen Partei. Diese bot eine Ersatzheimat und vermittelte die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, stiftete Lebenssinn. Die vier Parteien waren Identifikationsobjekte, ähnlich den Fußballvereinen, wobei es auch zum Fanatismus kommen konnte. Wie weit dies gehen konnte, wird an folgendem Ereignis deutlich: Um 77 v. Chr. stürzte sich ein Anhänger der roten Partei beim Begräbnis eines Wagenlenkers aus Verzweifelung mit in den Scheiterhaufen. Die Anhänger der weißen Partei versuchten, seinen Ruhm zu schmälern, indem sie behaupteten, er habe es getan, da er von den bei der Verbrennung verstreuten Düften betäubt worden sei. Bezeichnend: niemand sah es als Tat eines Verrückten an. Solche Begebenheiten waren jedoch eher selten; die fanatischen Fans waren in der Minderheit; dennoch waren jedoch Römer aller Schichten Anhänger einer best. Partei.

[...]


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