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Baum des Lebens - Baum der Erkenntnis

Seminararbeit, 2000, 30 Seiten
Autor: Ingo Stechmann
Fach: Theologie - Didaktik, Religionspädagogik

Details

Veranstaltung: Fachdidaktisches Seminar
Institution/Hochschule: Pädagogische Hochschule Heidelberg (Theologisch-Philosophisches Seminar)
Tags: Baum, Lebens, Baum, Erkenntnis, Fachdidaktisches, Seminar
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V71614
ISBN (E-Book): 978-3-638-69576-3
ISBN (Buch): 978-3-638-70931-6
Dateigröße: 11035 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit widmet sich vor allem der Symbolik des Baums unter theologischen Gesichtspunkten, lässt aber auch Biologisches nicht außer Acht. Sie endet mit dem Entwurf einer Unterrichtsstunde.


Zusammenfassung / Abstract

Was ist eigentlich ein Baum? „Ein meist mehr als fünf Meter hohes Holzgewächs mit Wurzelwerk, Stamm und Krone, das laubwerfend oder immergrün sein kann.“ (Meyers Lexikonredaktion, 1988, S. 76) Wenn man etwas länger darüber nachdenkt, wird man bemerken, dass diese Aussage nicht genügt, um einen Baum umfassend zu beschreiben. Gehören Bäume für den Menschen nicht auch zu den wichtigsten und schönsten Gaben der Natur? Wir verdanken ihnen unendlich viel: Schutz bei Regen und Sturm, Material zur Herstellung von Hütten und Häusern, von Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen aller Art, Holz zum Heizen und Kochen. Außerdem schenken sie uns köstliche Früchte und viele wertvolle Stoffe für alle Bereiche unseres Lebens. Wir lieben die Wälder, wandern gern in ihnen und erfreuen uns an den schönen Blumen, die dort blühen, und an den Tieren, die dort leben. Ohne Bäume wären wir sehr arm. Wir könnten ohne sie nicht einmal leben. Die Luft, die wir einatmen, erhält ihren Sauerstoff zu einem großen Teil von den Bäumen, das Wasser, das wir trinken, ist auch vom Waldboden gefiltert und gereinigt. (Vgl. Bergmann Sucksdorff, 1982, S. 3) Wenn wir das alles berücksichtigen, wird uns vielleicht klar, wie wichtig der Baum für unser Leben ist. Das reicht jedoch immer noch nicht aus, um eine genaue Definition von „Baum“ zu liefern. Jeder Baum ist anders und bedarf einer erneuten Betrachtung. Abb. 2 (Kurth-Gilsenbach, 1993, Titelblatt) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden] Bäume sind jedoch auch bedeutende Symbolträger. So ist zum Beispiel das uns wohl bekannteste Symbolbuch „Die Bibel“ voll mit Erzählungen, in denen Bäume eine große Rolle spielen. Bereits zu Anfang in der Paradiesgeschichte (1 Mose 2, 9) berichtet die Heilige Schrift von allerlei Bäumen im Garten Eden, unter ihnen auch der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen.


Textauszug (computergeneriert)

Pädagogische Hochschule Heidelberg, SS 2000
Seminar: Symbole und Rituale: Einführung in das Studium der Theologie und Religionspädagogik

Baum des Lebens- Baum der Erkenntnis

von

Ingo Stechmann

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 3

1. Was ist eigentlich ein Baum?  3

II. Hauptteil  5

1. Der Baum im Paradies  5
2. Die Symbolik des Baumes  8

a. Der Baum des Lebens 10
b. Der Baum der Erkenntnis  12

3. Der Baum in der Religionsgeschichte  14
4. Der Baum in der Bibel  16

III. Schlussteil  19

1. Religionspädagogische Aspekte  19

IV. Anhang 23

1. Abbildungen 23
2. Strukturskizze einer Unterrichtsstunde  26

V. Literaturverzeichnis  30



 

I. Einleitung

1. Was ist eigentlich ein Baum?

„Ein meist mehr als fünf Meter hohes Holzgewächs mit Wurzelwerk, Stamm und Krone, das laubwerfend oder immergrün sein kann.“ (Meyers Lexikonredaktion, 1988, S. 76) Wenn man etwas länger darüber nachdenkt, wird man bemerken, dass diese Aussage nicht genügt, um einen Baum umfassend zu beschreiben. Gehören Bäume für den Menschen nicht auch zu den wichtigsten und schönsten Gaben der Natur? Wir verdanken ihnen unendlich viel: Schutz bei Regen und Sturm, Material zur Herstellung von Hütten und Häusern, von Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen aller Art, Holz zum Heizen und Kochen. Außerdem schenken sie uns köstliche Früchte und viele wertvolle Stoffe für alle Bereiche unseres Lebens. Wir lieben die Wälder, wandern gern in ihnen und erfreuen uns an den schönen Blumen, die dort blühen, und an den Tieren, die dort leben.

Ohne Bäume wären wir sehr arm. Wir könnten ohne sie nicht einmal leben. Die Luft, die wir einatmen, erhält ihren Sauerstoff zu einem großen Teil von den Bäumen, das Wasser, das wir trinken, ist auch vom Waldboden gefiltert und gereinigt. (Vgl. Bergmann Sucksdorff, 1982, S. 3) Wenn wir das alles berücksichtigen, wird uns vielleicht klar, wie wichtig der Baum für unser Leben ist. Das reicht jedoch immer noch nicht aus, um eine genaue Definition von „Baum“ zu liefern. Jeder Baum ist anders und bedarf einer erneuten Betrachtung.

Abb. 2 (Kurth-Gilsenbach, 1993, Titelblatt) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Bäume sind jedoch auch bedeutende Symbolträger. So ist zum Beispiel das uns wohl bekannteste Symbolbuch „Die Bibel“ voll mit Erzählungen, in denen Bäume eine große Rolle spielen. Bereits zu Anfang in der Paradiesgeschichte (1 Mose 2, 9) berichtet die Heilige Schrift von allerlei Bäumen im Garten Eden, unter ihnen auch der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen.

II. Hauptteil

1. Der Baum im Paradies

„Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.“ (1 Mose 2, 9) An dieser Stelle ist zum ersten mal in der Paradiesgeschichte von Bäumen die Rede und ihren Namen nach scheinen sie eine nicht unbedeutende Rolle einzunehmen. In der weiterführenden Erzählung spielt der Baum des Lebens zunächst keine große Rolle mehr. Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen jedoch nimmt sofort eine sehr bedeutende Stellung ein. In 1 Mose 2, 16-17 spricht Gott zu Adam und gebietet ihm, dass er von allen Bäumen im Garten essen möge, nur nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, da er sonst sterben müsse. Klarheit darüber, wie bedeutend dieser Baum für den Weitergang der Geschichte und somit auch des menschlichen Lebens ist, erhält man erst, als es zum Sündenfall und somit zur Missachtung des göttlichen Gebots kommt. In 1 Mose 3, 1-24 kommt es zu einer Wandlung. Hier wird der Weg beschrieben, den jeder Mensch vom Einen zum Andern, von der Unschuld zur Angst der Schuld durchmessen muss. Eine Schlange bringt Eva geschickt dazu, die Früchte des Baumes der Erkenntnis zu essen. Da dem Menschen Zweifel an der Güte des Gebietenden praktisch ins Herz gesät sind und er für Verdächtigungen ein außerordentlich helles Ohr hat, fällt es ihr auch nicht allzu schwer, der Schlange Glauben zu schenken. Diese versteht es, das Gebot Gottes als große Fessel für den Menschen hinzustellen. Als sie die Versprechung macht, „An dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“ (1 Mose 3, 5), scheint dem Menschen, was ihm von Gott gegeben wurde, die Fülle des Paradieses und seine Nähe, klein zu werden und zu versinken vor dem Neuen, Unbekannten, das hier in greifbare Nähe gerückt zu sein scheint. Dieser Sündenfall beginnt zwar nicht mit dem Anschauen des Baumes, sondern im Gespräch mit der Schlange, aber das Schauen und schließlich das Nehmen von dem Baum ist ausschlaggebend für das Verderben mit Gott. Da der Mensch auch im Sündigen nicht allein sein möchte und der Schritt von der ersten zur zweiten Sünde kleiner ist als der Schritt hin zur ersten Sünde, bringt nun Eva auch Adam dazu, die Früchte des Baumes zu essen. Danach stellt sich jedoch ganz schnell heraus, dass nicht die von der Schlange versprochene Bereicherung, sondern Armut eingetreten ist. Durch das Kosten der Früchte des Erkenntnisbaumes entsteht Gottesferne. Wussten die Menschen vorher nur aus dem Mund Gottes, was sie zu tun haben, wissen sie es jetzt, ohne Gott zu befragen: Sie machen sich Schurze, um ihre Nacktheit zu verbergen. Der neue, erwünschte, „gottgleiche“ Stand des Menschen besteht also aus einem Gefühl, sich verbergen zu müssen. Angesichts der Sünde gibt es keine Erklärung, sondern nur das Bekenntnis: Ich habe gesündigt. Dieses Bekenntnis machen auch die Sündiger vor Gott im Paradies. Der Mensch erscheint hier als verantwortliches Wesen. Er hat Gott Rede und Antwort zu stehen. Die Schlange hingegen wird von Gott nicht gefragt. Alles was in der Schöpfung eindeutig und klar war, ist durch den Ungehorsam zweideutig und ungut geworden. Das Leben des Menschen wird jetzt zur Mühe, mit der paradiesischen Mühelosigkeit ist es zu Ende. An dieser Stelle nun kommt der Baum des Lebens wieder ins Spiel. Gott der Herr schickt den Menschen fort aus dem Paradies, damit er nicht auch noch vom Baum des Lebens breche, esse und somit ewig lebe. Den Baum des Lebens lässt er bewachen durch die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert. (Vgl. 1 Mose 3, 22-24)

Um das Auftreten des zweiten Baumes (Baum des Lebens) an Anfang und Ende der Geschichte zu erklären, geht man hier von zwei verschiedenen Zeugen aus. Der zweite jahwistische Zeuge redet von zwei Bäumen im Paradiesgarten, neben dem Baum der Erkenntnis steht noch der Baum des Lebens. Beim ersten Zeugen erscheinen die Bäume bedeutungslos, da nicht der Baum den Menschen Erkenntnis verleiht, sondern ihr eigener Ungehorsam lässt das Wissen um gut und böse und darin zugleich die von Gott scheidende Mächtigkeit des Gesetzes in ihnen aufbrechen. Der zweite Zeuge geht von einem wirklichen Wissensraub an Gott aus und begründet damit die Angst, sie würden sich auch an dem zweiten Baum „bedienen“. Der Baum der Erkenntnis und der Baum des Lebens sind hier Kräfte, die Gott selbst besorgt hütet. Beim ersten jahwistischen Zeugen hingegen wurde die Geschichte stark umgeändert, das Mythische ist zurückgedrängt, der Lebensbaum ist verschwunden, der Erkenntnisbaum hat seine Gewalt verloren. Das Gebot Gottes, der Gehorsam gegen dieses Gebot und die Folge des Ungehorsams gegen dieses Gebot stehen beherrschend im Mittelpunkt.

Der zweite Zeuge ist in seinem Reden auffallend beschnitten und sein Reden vom Raub der Weisheit ist unterdrückt worden. Nur die Stelle von der Befürchtung Gottes wegen des Lebensbaumes wurde dem gesamtjahwistischen Zeugnis beigefügt. Die Worte des zweiten Zeugen sollen an dieser Stelle scheinbar nur im Schatten der Worte des ersten Zeugen gelesen werden. Der zweite Zeuge darf augenscheinlich nur reden, weil sein Reden an dieser Stelle das Reden des ersten Zeugen verdeutlicht. Im Fluch über den Menschen hatte Gott dessen Todesurteil nur in indirekter Formulierung ausgesprochen:

[...]


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