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Hausarbeit, 2007, 19 Seiten
Autor: Anne Krier
Fach: Russistik / Slavistik
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Slawistik)
Tags: Kaukasus, Tolstoj, GEFANGENE, KAUKASUS“, MURAT“, Vergleich, Kaukasus-Mythos, Literatur
Jahr: 2007
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-81532-1
ISBN (Buch): 978-3-638-82552-8
Dateigröße: 185 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile, von denen der Erste einem historischen und literarischen Rückblick gewidmet ist, der Zweite dann die beiden Werke eingehender analysiert. Hier wird jeweils durch eine Vorbemerkung geklärt werden, in welcher Schaffensperiode die Erzählung entstand und sodann werden Themen und Motive der Erzählungen sowie deren etwaige Abänderungen herausgearbeitet.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt – Universität zu Berlin, Institut für Slawistik
SE: Der Kaukasusmythos in der russischen Literatur
WS 2006/2007
Der Kaukasus bei Tolstoj: „DER GEFANGENE IM KAUKASUS“
und „HAD(?)I MURAT“ im Vergleich
von
Anne Krier
GLIEDERUNG
1. EINLEITUNG 3
2. RÜCKBLICK: DIE „ERFINDUNG“ DES KAUKASUS BEI PU(?)KIN 5
2. 1. Exkurs: Historischer Abriss der russisch – kaukasischen Beziehungen 5
2. 2. Die Erfindung des Kaukasus in der Romantik: A. S. Pu(?)kins „Kavkazkij Plennik“ 6
3. DER KAUKASUS BEI TOLSTOJ: „DER GEFANGENE IM KAUKASUS“ UND „HAD(?)I MURAT“ IM VERGLEICH 10
3. 1. Das Frühwerk: „Kavkazkij Plennik“ 10
3. 1. 1. Vorbemerkung 10
3. 1. 2. „Kavkazkij Plennik“ 10
3. 2. Das Spätwerk: „Had(?)i Murat“ 14
3. 2. 1. Vorbemerkung 14
3. 2. 2. „Had(?)i Murat“ 15
4. SCHLUSSBEMERKUNG 18
5. LITERATURANGABEN 19
1. EINLEITUNG
Das 19. Jahrhundert war für Russland das Jahrhundert der kolonialen Expansion, also der Entdeckung und Unterwerfung fremder Völker. Als besonders prägend erwies sich innerhalb dieses Prozesses die fortwährende – auch literarische - Auseinandersetzung mit den vielen Völkern des Kaukasus. Der „Kaukasus – Diskurs“ der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts bestand vornehmlich aus zwei diskursiven Tendenzen: während beide von Konzepten wie „Wildheit“ und „martialisch“ ausgingen, divergierte jedoch ihre Werthaltung gegenüber den kaukasischen Völkern. Zum einen wurden diese als „Bestien“ angesehen, zum anderen aber – etwas vorteilhafter - als jene edelmütigen Krieger, als die sie A. S. Pu(?)kin den russischen Leser zum ersten Mal nahe gebracht hatte.1 Die Begeisterung, die der Kaukasus (und der Krieg!) anfänglich erweckt hatte, flachte jedoch mehr und mehr ab, Kritik an der russischen Kriegführung wie Zweifel an der Eroberung überhaupt machten sich breit.2 Der Staat musste versuchen, seine Eroberungszüge als sinnvoll darzustellen, unterstützte daher den Aufbau eines Mythos vom Siege der Zivilisation über die „asiatischen Barbaren“. Es schien, als ob der Diskurs vom kaukasischen Blutdurst über jenen der edlen und freien Krieger gewinnen könnte.
In genau dieser Zeit schreibt der Zivilisationskritiker Tolstoj zwei Werke über den Kaukasus: „Kavkazkij Plennik“ (1872) und „Had(?)i Murat“ (posthum erschienen 1912). Diese Arbeit will nun der Frage nachgehen, welches Bild des Kaukasus bei Tolstoj entworfen wird, welche Unterschiede zwischen den beiden Werken bestehen – seine erste kaukasische Erzählung, Kazaki, kann aus Platzgründen leider nicht in die Analyse miteinbezogen werden – und an Hand welcher Motive und Themen dieses Bild entworfen wird.
Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile, von denen der Erste einem historischen und literarischen Rückblick gewidmet ist, der Zweite dann die beiden Werke eingehender analysiert. Hier wird jeweils durch eine Vorbemerkung geklärt werden, in welcher Schaffensperiode die Erzählung entstand und sodann werden Themen und Motive der Erzählungen sowie deren etwaige Abänderungen herausgearbeitet.
2. RÜCKBLICK: DIE „ERFINDUNG“ DES KAUKASUS BEI PU(?)KIN
2. 1. Exkurs: Historischer Abriss der russisch – kaukasischen Beziehungen
Seit dem Mittelalter bestanden zwischen Russland und dem Kaukasus Beziehungen: diese vertieften sich und wurden konfliktreicher, als Russland, nachdem es die Kontrolle über die Steppen im Norden des Schwarzen und des Kaspischen Meeres erlangt hatte, begann, weiter nach Süden, in den Kaukasus selbst zu expandieren. Im 18. Jahrhundert traten erstmals Adelige aus Transkaukasien, das unter iranischer und ottomanischer Herrschaft stand, in russische Dienste und die Region wurde langsam, im Kontext von Kriegen gegen die beiden Großmächte und unter der Mitwirkung einheimischer Führungsschichten, erobert. Die einheimischen Eliten, d. h. der georgische und armenische Adel sowie die muslimischen Beys, wurden erhalten, ebenso wie die lokale Kultur.3 Komplizierter gestaltete sich hingegen die Annexion der kaukasischen Bergregion mit ihrer Vielfalt an Ethnien, Sprachen, Sitten und Gebräuchen, die für Russland nicht nur eine Frage des Prestiges, sondern vor allem von strategischer Bedeutung war (Landverbindung nach Transkaukasien über die georgische Heerstrasse). Während der gesamten ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es nicht, die Region zu pazifizieren: vor allem für die Niederschlagung des Aufstandes unter dem Imam (?)amil, die sich in einen 25 Jahre währenden Ausrottungskrieg gegen die Bergvölker ausweitete, zahlte Russland einen hohen Preis.
[...]
1 Siehe S. Layton: S. Layton: Nineteenth – Century Russian Mythologies of Caucasian Savagery, in: D. R. Brower, E. J. Lazzerini (Hg.): Russia’s Orient. Imperial Borderlands and Peoples, 1700-1917, Bloomington / Indianapolis 1997, S. 82.
2 Ebd. , S. 94.
3 1728 waren weite Teile des späteren Aserbajd(?)an unter russischer Herrschaft, 1800/01 kam Ostgeorgien zum Zarenreich, zwischen 1803 und 1811 dann die westgeorgischen Fürstentümer. Die Khanate im Norden Azerbajd(?)ans wurden zwischen 1804 und 1813 inkorporiert (der Süden blieb persisch), wozu 1828 noch die Gebiete Eriwan und Nachitschewan dazukamen. Dem Ganzen fügten sich viel später, 1879, die Gebiete Kars und Batumi hinzu; siehe hierzu A. Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall, München 2001, S. 141-149. Es bleibt aber zu bemerken, dass das Verhältnis zwischen Verwaltung und lokalen Eliten nicht immer ohne Spannungen war, teilweise auch traditionelle Gesellschaftsstrukturen zerstörte und dass ihre Inkorporation in den russischen Adel nur langsam von statten ging; siehe hierzu A. Kappeler: Russland als Vielvölkerreich, S. 142-149, 174, sowie J. Baberowski: Der Feind ist überall. Stalinismus im Kaukasus, München 2003, S. 28ff.
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