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Europa als Idee - Konzept und Identität?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 25 Pages
Author: Sebastian Petzold
Subject: Politics - International Politics - Topic: European Union

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 25
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V71711
ISBN (E-book): 978-3-638-63315-4

File size: 219 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig
Institut für Politikwissenschaft
Lehrbereich: Analyse und Vergleich politischer Systeme
Seminar: Politische Kultur und „Europa“

Europa als Idee
-
Konzept und Identität?

Hauptseminararbeit

vorgelegt von: Sebastian Petzold
vorgelegt am: 23.1.2007

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... 1

1. Einleitung ... 2

2. Die Idee Europa ... 4
2.1 Geographie Europas ... 4
2.2 Mythos Europa ... 6
2.3 Das Erbe des Karolingischen Reiches ... 8
2.4 Einheit in der Vielfalt ... 11
2.5 Europäische Union ... 13
2.6 Zusammenfassung ... 14

3. Europäische Identität? ... 16

4. Abschlussbetrachtungen ... 20

5. Literaturverzeichnis ... 23


1. Einleitung

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten beispielsweise um die europäische Verfassung oder einen möglichen EU-Beitritt der Türkei, stellen sich Europäer, meist jene, die an das Projekt Europa glauben oder diesem kritisch gegenüber stehen, Fragen. Fragen, die es, so scheint es, zu beantworten gilt, wenn man eine Position innerhalb der verschiedenen Diskussionen beziehen will.

Die einen wollen Europa verteidigen, die Anderen wollen versuchen zu zeigen, warum Europa an der einen oder anderen Stelle, politisch oder geographisch, zu weit geht oder begrenzt werden sollte.1 Aber was ist überhaupt Europa? Worüber sprechen wir bzw. jene Diskutanten wenn sie Europa meinen? Geht es um die Europäische Union als politische Organisation, oder um eine Idee, eine Vision?

Verschiedene Autoren sprechen davon, dass dies die entscheidenden Fragen sind, die es zu beantworten gilt, wollen wir aktuelle Probleme lösen bzw. uns ihnen sinnbringend nähern.2 Es ginge darum, eine gemeinsame Identität der Europäer zu bestimmen, ihre gemeinsame Geschichte, Kultur und Religion zu einem umfassenden europäischen Selbstverständnis zu formen um eine Orientierungshilfe, einen Wertekompass zu erhalten, um sich in krisenhaften Situationen der eigenen Wurzeln bewusst werden zu können. Es sind die immer aktuellen Fragen nach Selbstvergewisserung: „Die Fragen sind geblieben. Von der Stunde der ersten Bezeichnung bis zum heutigen Tag sind Begriff und Bild von Europa keine selbstverständlich vorgegebenen Größen.“3

Diese Arbeit will sich mit zweierlei Aspekten beschäftigen. Zu fragen ist, ob es eine gemeinsame, unbestreitbare europäische Identität resultierend aus einer gemeinsamen Geschichte, durch eine gemeinsame Kultur gibt? Was wären deren Merkmale bzw. Anknüpfungspunkte? Ergibt sich aus den Charakteristika der Europäer eine gemeinsame Identität? Oder, und das soll meine These stützen, entstehen Identitäten zwar determiniert durch gemeinsame historische Erfahrungen, aber vielmehr, wie André Utzinger vorschlägt, durch soziale Interaktion ohne vorpolitische Bedingungen? Was würde dies für das Europa von heute bedeuten, wenn eine historische Identität konstruiert ist und was wäre eine erklärende Alternative dazu, um dennoch Aussagen über Europas Wesen machen zu können?4

Um mich der Beantwortung der oben gestellten Fragen zu nähern, will ich zunächst auf verschiedene Konzepte Europas bzw. Erklärungen eingehen, die versuchen, historische, mythologische oder kulturelle Anknüpfungspunkte zu liefern. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob die verschiedenen Dimensionen des Europa-Begriffes Konzepte sind, mit deren Hilfe es gelingen kann, kausal zu bestimmen was Europa heute ist. Was kann uns also helfen zu verstehen, was unsere spezifische europäische Identität ist und woher sich diese speist? Herfried Münkler nennt dies „Anschlussfähigkeit“, d.h. die Möglichkeit der Anknüpfung an Traditionen im Sinne eines Erklärens der Gegenwart. Ich will den Begriff an dieser Stelle für die Arbeit übernehmen, da dieser gewinnbringend ist. Er ist geeignet um zu zeigen, welche Kontinuitäten strukturprägend für Europa sind und unterlegt zugleich, dass Anschluss nicht kausale Folge bedeutet, sondern nur Hinweis sein kann.

Im Anschluss daran will ich zeigen, wie sich Identitäten konstituieren bzw. wie sie erklärbar sein könnten. Dabei beziehe ich mich im Wesentlichen auf André Utzinger und die von mir zuvor gemachten Ausführungen.

Beide Teile sollen in den Abschlussbetrachungen verknüpft werden. Was dazu führen soll, dass meine Ansicht über die Kontextabhängigkeit der Erklärung darüber was Europas und ist, plausibel wird.


2. Die Idee Europa

Zunächst soll es um die verschiedenen Anknüpfungspunkte in der europäischen Geschichte gehen, die uns womöglich weiter helfen können, wenn wir nach Wesen und Grenzen Europas fragen. Welche Ideen gab oder gibt es darüber was Europa ist und sind diese mit unserer heutigen Welt zu verknüpfen? Ergeben sich Traditionslinien und unverrückbare Bestandteile dessen, was wir als Kernbestand Europas bezeichnen können? Vielleicht ist ein konkretes Ergebnis schwer möglich, […] zu vielschichtig sind die Ergebnisse, zu vielfältig die politischen und kulturellen Faktoren, als daß man dies alles auf einfache, plakative Formeln verkürzen könnte.“5 Deswegen werde ich zunächst versuchen in dem gegebenen Rahmen verschiedene Traditionsquellen, mögliche Ursprünge europäischer Identität, zu betrachten, die unverrückbar zum elementaren Kernbestand Europas gehören und für unsere Fragestellung wichtig sein können.

[...]


1 Münkler macht diese Debatten auch schon unter Intellektuellen nach dem Zweiten Weltkrieg aus: Vgl. dazu: Münkler, Herfried: Die politische Idee Europa. In: Delgado, Mariano/ Lutz- Bachmann, Mathias: Herausforderung Europa. Wege zu einer europäischen Identität. München, 1995, S. 10.

2 Utzinger, André: Mythen oder Institutionen? Zur Bildung kollektiver Identitäten im postnationalen Europa. In: Francis Cheneval (Hrsg.).: Legitimationsgrundlagen der Europäischen Union. Münster-Hamburg-London, 2005, S. 235.

3 Weidenfeld, Werner: Europa – aber wo liegt es? In: ders.:(Hrsg.): Die Identität Europas. Fragen, Positionen, Perspektiven. München-Wien, 1985, S.13.

4 Wagner, Gerhard: Europa und die Tradition der Erfindung. In: ders.: Projekt Europa. Berlin-Hamburg, 2005, S. 9.

5 Weidenfeld, S.13.


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