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Subtitle: Entstehung und Entwicklung unter Einbeziehung wechselseitiger Einflüsse auf Kolonisierende und Kolonisierte
Termpaper, 2005, 21 Pages
Author: René Cremer
Subject: History - Empire, Imperialism
Details
Institution/College: Martin Luther University (Institut für Geschichte)
Tags: Deutsche, Kolonialgeschichte, Afrika, Proseminar, Deutsche, Kaiserreich
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 20 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-63382-6
File size: 151 KB
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Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geschichte
Proseminar: Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918
Wintersemester 2004/2005, 3. Semester
Deutsche Kolonialgeschichte in Afrika -
Entstehung und Entwicklung unter Einbeziehung
wechselseitiger Einflüsse auf Kolonisierende und Kolonisierte
von: René Cremer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Historischer Kontext 4
3. Bismarcks Ambitionen zur Kolonialpolitik 7
4. Die Phase der Kolonialerwerbungen 1884/85 9
5. Die Wirtschaftlichkeit der Schutzgebiete 11
6. Das Verhältnis zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten 13
7. Schlussbetrachtung 17
8. Quellen- und Literaturverzeichnis 19
Internetquellen: 20
1. Einleitung
Die deutsche Kolonialepoche umfasste einen Zeitraum von gut 30 Jahren. Im Vergleich zu anderen etablierten Kolonialmächten ist die Dauer nahezu gering. Dennoch möchte ich mich in dieser Arbeit mit dieser Problematik beschäftigen. Ein Teilaspekt meiner Arbeit soll hier die Anfangsphase des deutschen Kolonialismus sein, Bismarcks Kolonialismus in den Jahren 1884 und 1885.
In diesem Bezug werde ich zuerst auf den historischen Kontext eingehen (Punkt 2.), um so ein besseres Verständnis für jene Zeit zu vermitteln. Denn deutsche Kolonialpolitik lässt sich ohne den Hintergrund politischer und ökonomischer Bedingungen im Deutschen Kaiserreich nicht verstehen. Danach steht die Fragestellung im Mittelpunkt was Bismarck dazu bewegt hat in die Kolonialpolitik einzusteigen (Punkt 3.), war er doch entschieden gegen die Aneignung von überseeischen Territorien. Und in diesem Zusammenhang soll anschließend die Phase der Kolonialerwerbungen genauer beleuchtet werden (Punkt 4.). Wenn man über das deutsche Kolonialreich spricht, sollte man ungefähr wissen wie, wo und wann diese Gebiete unter deutscher Flagge geraten sind. Danach widme ich mich einem sehr kontroversen Thema für die damaligen Zeitgenossen. Wie wirtschaftlich waren diese Gebiete (Punkt 5.)? Einst sollten sie zu „Wirtschaftswunderländern“ ausgebaut werden, aber dieser Versuch scheiterte schon im Ansatz. Im darauf folgenden Punkt (Punkt 6.) steht das Verhältnis zwischen den Deutschen und den Eingeborenen im Mittelpunkt, was gleichzeitig der Schwerpunkt dieser Arbeit sein soll. Dabei soll gezeigt werden inwieweit beide Parteien Einfluss aufeinander hatten und was in Teilen davon heute noch vorhanden ist. Überwiegt der koloniale Einfluss auf Deutschland oder sind bzw. wurden die deutschen Schutzgebiete von Deutschland weitaus massiver beeinflusst? In der Schlussbetrachtung (Punkt 7.) versuche ich noch mal das zuvor erläuterte zusammen zu fassen und ein Fazit zu ziehen.
Aufgrund der geringen Dauer des deutschen Kolonialreiches erschien es für Historiker nicht besonders „lohnenswert“ Forschungen dahingehend zu betreiben. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde eingehend versucht, deutsche Kolonialpolitik und vor allem Bismarcks „Umschwenken“ im kolonialen Denken zu erklären. Hans-Ulrich Wehler legte in der Studie „Bismarck und der Imperialismus“ im Jahre 1969 seine Theorie des Sozialimperialismus dar. Demnach sei Bismarck aufgrund innerer Probleme „gezwungen“ wurden diese nach Außen hin abzuleiten, in Form einer aktiven Kolonialpolitik. Mittlerweile sind diese „endogenen“ theoretischen Erklärungsversuche stark kritisiert wurden1, da man die deutsche Kolonialpolitik und die deutsche Außenpolitik nicht nur als Reaktion auf die inneren Umstände im Deutschen Kaiserreich verstehen darf.
Zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts kam es zu einem regelrechten Umbruch innerhalb der Kolonialgeschichtsschreibung. Die „Kolonialhistorie und ‚Überseegeschichte’ alten Stils […][wurde] zur Geschichte der kolonialen Periode der Dritten Welt“2. Von dieser Zeit an begann man sich zunehmend auf die Erforschung der Dritte Welt Länder zu konzentrieren, die zu einem Großteil in ihrer Vergangenheit einer Kolonialmacht angehörten. Demnach sollte Kolonialgeschichtsschreibung nicht nur aus der Sicht der Kolonialmacht geschrieben werden, sondern muss immer als Teil der Landesgeschichte jeweiliger kolonisierten Staaten verstanden werden. In diesem Zusammenhang wirft sich die klassische Frage auf: Inwieweit wurden die Kolonisierten beeinflusst und wie groß war ihr Einfluss auf die Kolonisierenden? Im Späteren Verlauf meiner Hausarbeit möchte ich noch eingehender auf diese Frage eingehen.
Deutsche Kolonialgeschichte, sei sie auch im Vergleich anderer kolonialer Imperien sehr kurz ausgefallen, erscheint für mich sehr interessant. Denn mit der Abgabe aller deutschen überseeischen Besitzungen 1919 im Zuge des Versailler Vertrages endete nicht die deutsche Kolonialgeschichte. Sie reichte sogar noch in die Zeit des Nationalsozialismus hinein. Zwar besaß Deutschland nach 1919 nie mehr offiziell okkupierte Gebiete in Übersee, dennoch waren koloniale Bestrebungen teilweise die Antriebsfeder für diverse Expeditionen und, später in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, für einige militärische „Wahnsinnsoperationen“, die bei den jeweiligen Machthabern die Hoffnung wecken sollten, man könnte die verloren Kolonien wieder erwerben und so die „koloniale Schmach von Versailles“ abschütteln.3 Glücklicherweise blieben diese Pläne reines Wunschdenken und die militärischen Operationen verliefen nahezu im Nichts.4
Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die deutsche Kolonialgeschichte keine besonders große Rolle mehr im Bewusstsein der Deutschen, so dass man durchaus sagen kann, die deutsche Kolonialgeschichte hat mit dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland ebenfalls ihr Ende gefunden.
2. Historischer Kontext
Das Deutsche Kaiserreich wurde 1871 gegründet. Dieses neue Reich im „Herzen Europas“ verursachte bei den etablierten Großmächten enorm viel Misstrauen, da das eingespielte Kräftegleichgewicht zwischen den europäischen Mächten empfindlich gestört werden konnte. Denn die „bislang […] eher ungefährliche Föderation in der Mitte [Europas][…] hatte nunmehr […] die Fähigkeit gewonnen, die andere Großmächte längst besaßen, nämlich zu attackieren“.5 So bezeichnete Klaus Hildebrand die damalige Situation kurz nach der Reichsgründung.
Das anfängliche Misstrauen gegenüber dem Deutschen Kaiserreich war aber unnötig, da Bismarck „[…] umgehend nach der Reichsgründung die neue Großmacht für saturiert erklärt“ hat.6 Damit wurde der Nährboden für Angst vor weiteren territorialen deutschen Eroberungen entzog. Somit war Deutschland bereits kurz nach seiner Gründung außenpolitisch weitgehend konsolidiert.
[...]
1 Siehe auch Hansjoachim Henning, Bismarcks Kolonialpolitik – Export einer Krise?, in: K. E. Born (Hg.), Gegenwartsprobleme der Wirtschaft und der Wirtschaftswissenschaft, Tübingen 1978, S. 53-83.
2 Vgl. Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 2000, S. 10.
3 Ebd., S. 228 f.
4 Adolf Hitler ließ im Frühjahr 1943 alle Aktivitäten des Reichskolonialamtes einstellen. Damit wurde der deutschen Kolonialpolitik offiziell ein Ende gesetzt. Vgl. hierzu Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, S. 231.
5 Vgl. Klaus Hildebrand, Das vergangene Reich – Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, Stuttgart 1996, S. 18.
6 Vgl. Bismarck – Die gesammelten Werke, Bd. 13, Berlin 1930, S. 209.
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